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WhatsApp erobert die Jugend: Wie Jugendliche damit umgehen

Facharbeit (Schule) 2012 44 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1 Vorwort

2 Einleitung
2.1 Untersuchungsgegenstand und Ablauf
2.2 Leitfragen
2.3 Ziel der Arbeit

3 WhatsApp - „der Totengräber der SMS"?
3.1 Die Applikation WhatsApp Messenger und ihre Funktionsweise
3.2 Nutzer des WhatsApp Messengers
3.3 Zahlen und Fakten über den WhatsApp Messenger
3.4 Vergleich WhatsApp Messenger und SMS

4 Das Mobiltelefon in der heutigen Gesellschaft
4.1 Der Jugendliche und sein Mobiltelefon
4.2 Die ständige Erreichbarkeit
4.3 Die Abhängigkeit vom Mobiltelefon
4.4 Vorteile und Nachteile des Mobiltelefons

5 Methoden
5.1 Methode 1: Umfrage
5.1.1 Vorgehen
5.1.2 Ergebnisse
5.2 Methode 2 : Datenerhebung
5.2.1 Vorgehen
5.2.2 Auswertung
5.2.3 Ergebnisse
5.3 Umfang und Aussagekraft der Methoden

6 Diskussion des Umgangs der Jugend mit dem WhatsApp Messenger
6.1 Wie viele Jugendliche nutzen wie oft, wie und warum die Applikation WhatsApp?
6.2 Wissen die Jugendlichen wie WhatsApp funktioniert? Gibt es Unklarheiten?
6.3 Was sind allgemein Vor- und Nachteile der WhatsApp-Nutzung?
6.4 Wie stehen Jugendliche, die WhatsApp nicht nutzen, zur Annahme, dass es süchtig machen kann und warum nutzen sie WhatsApp nicht?
6.5 Wie reagieren Jugendliche, wenn WhatsApp zeitweise nicht genutzt werden kann oder nicht funktioniert?
6.6 Welchen Einfluss hat die häufige Nutzung von WhatsApp auf den Alltag der Jugendlichen?

7 Fazit und Ausblick

8 Schlusswort

9 Quellenverzeichnis
9.1 Bücher und Zeitungsartikel
9.2 Webseiten
9.3 Abbildungen

10 Anhang
10.1 Umfrage
10.2 Experiment

1 Vorwort

Der 25. September 2010 ist der Tag, an dem ich die Applikation WhatsApp Messenger heruntergeladen und auf meinem iPhone 3GS installiert habe. Er hat mein Leben verändert. Ein Jahr später, Anfangs Oktober 2011, zeigt die Statistik meiner WhatsApp- Benutzung unglaubliche Werte an. Insgesamt habe ich in einem Jahr 15'185 Nachrichten versendet und 15'859 Nachrichten erhalten.

Diese beiden Werte zeugen von einer tagtäglichen Nutzung der Applikation, die ich für wenige Franken erworben habe. Es vergeht kein Tag, an dem ich keine Nachrichten per WhatsApp erhalte oder versende. Ich bin mehrere Stunden am Tag online und damit verfügbar. Kurz gesagt: WhatsApp ist ein Teil meines Lebens und meines Alltags geworden.

Doch damit bin ich nicht der Einzige. Vor zwei Jahren - 2009 - noch völlig unbekannt, hat WhatsApp innert kurzer Zeit Kultstatus unter den Smartphone-Usern erreicht und ist mittlerweile weltbekannt. Egal wo, WhatsApp kann überall genutzt werden, ob in der Schule, bei der Arbeit, im Zug, in den Ferien oder im Ausgang.

Doch was passiert, wenn man den ganzen Tag - möglicherweise sogar in der Nacht - online ist? Wie wirkt sich eine zu häufige Nutzung auf das soziale Verhalten aus? Kann WhatsApp abhängig machen?

Genau solche Fragen habe ich mir nach einiger Zeit gestellt. Ich machte mir Gedanken darüber, wie es wäre, wenn ich WhatsApp nicht mehr benutzen könnte und ob ich merken würde, wenn ich abhängig wäre. Dennoch schrieb und schreibe ich weiterhin mehr WhatsApp- Nachrichten als gewöhnliche SMS-Nachrichten.

Als die Wahl für das Thema der Maturitätsarbeit anstand, fiel meine Entscheidung nach kurzem Überlegen auf WhatsApp, um genau diese Fragen beantworten zu können.

Ich entschied mich, den Umgang der Jugend mit dem WhatsApp Messenger zu untersuchen. Die Eingrenzung auf die Jugendlichen erfolgte deshalb, weil ich mit den Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Oerlikon (KSOe) einen Teil der Jugend in der Schweiz darstellen kann. Zudem bin ich selber Schüler der KSOe und gehöre so auch zu dieser Jugend und möchte dadurch erfahren, welchen Einfluss WhatsApp auch auf mich persönlich hat.

2 Einleitung

2.1 Untersuchungsgegenständ und Ablauf

Die Tatsache, dass der WhatsApp Messenger des Entwicklers WhatsApp Inc. auf dem ersten Platz der Charts der meistgekauften iPhone Apps liegt, zeigt wie erfolgreich diese Applikation ist. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt nutzen sie. Tag für Tag. Manche stündlich, andere weniger oft und einige selten oder nie. Doch die wenigsten denken darüber nach, was für Folgen und Auswirkungen ihre Nutzung haben kann. Da WhatsApp noch nicht lange existiert und ein neues Phänomen ist, gibt es noch keine Studien oder wissenschaftliche Untersuchungen.

In der vorliegenden Maturitätsarbeit wird deshalb der Umgang und der Einfluss - ob positiv oder negativ - von WhatsApp auf die Jugendlichen in der Schweiz untersucht. Mithilfe verschiedener Leitfragen wird versucht, diesem Umgang auf den Grund zu gehen und genauer zu betrachten. Die zentralen Punkte dieser Arbeit sind einerseits die Häufigkeit der Nutzung, das heisst, herauszufinden, wie oft, warum und wie Jugendliche WhatsApp nutzen und andererseits sozialwissenschaftliche Aspekte wie die Auswirkungen auf das soziale Verhalten und die Persönlichkeit der Jugendlichen zu untersuchen.

In den nächsten zwei Unterkapiteln sind einige Leitfragen aufgelistet, die helfen sollen, die Arbeit zu gliedern und am Ende zu einem begründeten Urteil über den Umgang mit WhatsApp kommen zu können. Zudem werden die Ziele dieser Arbeit aufgeführt und verdeutlicht.

Das Kapitel 3 dient zur Einführung über die Applikation WhatsApp. Das anschliessend folgende vierte Kapitel behandelt die Rolle des Mobiltelefons in der heutigen Gesellschaft ohne speziellen Bezug auf WhatsApp. Diese beiden Kapitel dienen als Grundlage für das Verständnis der Arbeit, vor allem für das Kapitel 6.

Um die Leitfragen beantworten zu können, wurde eine Umfrage erstellt und zudem eine Datenerhebung mit einigen Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Oerlikon durchgeführt. Der Vorgang und die Ergebnisse dieser beiden Methoden werden im Kapitel 5 erläutert und dargestellt.

Mithilfe der erarbeiteten Grundlagen aus Kapitel 3 und 4 und den Ergebnissen aus der Umfrage und der Datenerhebung werden im sechsten Kapitel die Leitfragen beantwortet, eigene Schlussfolgerungen gezogen und die Ergebnisse interpretiert und analysiert. Dieses Kapitel bildet den Schwerpunkt der Arbeit.

2.2 Leitfragen

In diesem Kapitel sind einige Leitfragen aufgelistet. Wie im vorherigen Unterkapitel bereits erwähnt, wird die Nutzung von WhatsApp untersucht und wie die Jugendlichen damit umgehen. Dazu dienen folgende Leitfragen, die im Kapitel 6 beantwortet werden:

Wie viele Jugendliche nutzen wie oft, wie und warum die Applikation WhatsApp?

Wissen die Jugendlichen wie WhatsApp überhaupt funktioniert? Gibt es Unklarheiten?

Was sind allgemeine Vor- und Nachteile des WhatsApp Messengers?

Wie stehen Jugendliche, die WhatsApp nicht nutzen, zur Annahme, dass es süchtig machen kann und warum nutzen sie WhatsApp nicht?

Wie reagieren Jugendliche, wenn WhatsApp zeitweise nicht genutzt werden kann oder nicht funktioniert?

Welche Folgen hat eine häufige Nutzung von WhatsApp auf das soziale Verhalten der Jugendlichen?

2.3 Ziel der Arbeit

Das Ziel der Arbeit besteht darin, den Umgang der heutigen Jugend mit der Applikation WhatsApp aufzuzeigen. Die Tatsache, dass WhatsApp sehr neu ist, hat zur Folge, dass es noch wenig Literatur über dieses Thema gibt. Daher ist dieses Thema spannend und von grosser Bedeutung, da die Nutzung von WhatsApp möglicherweise noch zunehmen wird und damit verbunden ebenfalls der Einfluss der Applikation und die Auswirkungen auf die heutige Jugend.

3 WhatsApp - „der Totengräber der SMS"?

Was ist der WhatsApp Messenger überhaupt? Wie funktioniert er und wer kann ihn nutzen? Diese Fragen werden in diesem dritten Kapitel beantwortet. Es dient als Grundlage über die Applikation WhatsApp Messenger.

3.1 Die Applikation WhatsApp Messenger und ihre Funktionsweise

Der WhatsApp Messenger wurde von zwei befreundeten Computer­Spezialisten der Firma WhatsApp Inc. im Silicon Valley in Kalifornien entwickelt. Ihr Ziel war eine bessere Alternative zu den SMS-Nachrichten zu erfinden. Bevor sie ihre eigene Firma gründeten und sich mit dem Entwickeln des WhatsApp Messengers befassten, waren sie lange Zeit bei Yahoo ! Inc. tätig gewesen.[1]

Doch was ist der WhatsApp Messenger eigentlich? Hier eine Definition von der offiziellen Webpage der WhatsApp-Entwickler:

„Der WhatsApp Messenger ist ein plattformübergreifender mobiler Messenger, der SMS ersetzt und über den vorhandenen Datentarif des Mobilfunkvertrags funktioniert. WhatsApp ist erhältlich für iPhone, Blackberry, Android und Nokia Symbian60 - Telefone. Da WhatsApp Messenger Ihren Datentarif verwendet, den Sie auch für das Abrufen von E-Mails und das Surfen im Internet verwenden, entstehen keine weiteren Kosten."[2]

Das Logo ist eine aussen weisse und innen hellgrüne Sprechblase mit einem Hörer-Symbol (siehe Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Logo von WhatsApp

Den WhatsApp Messenger - ab hier nur noch WhatsApp genannt - kann sowohl auf der Homepage von WhatsApp heruntergeladen werden, als auch direkt über das eigene Smartphone wie zum Beispiel für das iPhone im App Store von Apple. Zur Registrierung muss die eigene Handynummer angegeben werden und kurz darauf erhält man einen Registrierungscode. Danach ist die Registrierung abgeschlossen und man kann mit dem Versenden von Nachrichten beginnen. WhatsApp vergleicht die Kontakte automatisch und erstellt eine Liste mit den Kontakten, die bereits WhatsApp nutzen. Über WhatsApp kann man jemandem nur dann eine Nachricht senden, wenn der Empfänger WhatsApp ebenfalls installiert hat. Alle Kontakte, die WhatsApp installiert haben, werden dann unter „Favoriten" angezeigt.

Dadurch sieht man sofort, mit wem man über WhatsApp chatten kann. Auch gibt es eine Liste mit allen Kontakten wie im „normalen" Telefonbuch des Mobiltelefons. Zudem kann man einen Status auswählen oder einen eigenen Status verfassen. Dieser dient dazu, die eigenen Kontakte zu informieren, wenn man zum Beispiel beschäftigt ist oder eine Besprechung hat. Um mit jemandem chatten zu können, muss man die jeweilige Person unter Favoriten oder Kontakte anwählen und dann erscheint diese Person unter „Chats" in einem eigenen Chatfenster, wo man mit dem Chatten beginnen kann.

WhatsApp hat noch weitere Funktionen wie zum Beispiel den Group Chat. In einem solchen Group Chat kann man mit bis zu zehn Personen gleichzeitig chatten. Auch kann man Nachrichten an mehrere Empfänger versenden, das Hintergrundbild der Chatfenster ändern oder mit Hilfe der Applikation Emoji hunderte von verschiedenen Smilies versenden. Alle diese Funktionen vereint der WhatsApp Messenger in einer Applikation, die je nach Smartphone gratis oder sehr günstig zu erwerben ist.

Im Gegensatz zum veralteten Messaging System des SMS, welches einen geringen Funktionsumfang hat und zudem hohe Kosten verursacht, bietet WhatsApp bei niedrigeren Kosten einen viel grösseren Funktionsumfang.[3] Die WhatsApp-Entwickler versuchen ständig, WhatsApp zu verbessern und mit neuen Funktionen auszustatten. Zu Beginn war der WhatsApp Messenger nur für iPhone- Nutzer verfügbar, nun auch für Nokia, Blackberry und Smartphones mit dem Betriebssystem Android. Doch dazu mehr im nächsten Kapitel. Der Group Chat mit bis zu zehn Personen ist die neueste Funktion und noch nicht lange verfügbar.

3.2 Nutzer des WhatsApp Messengers

Um WhatsApp nutzen zu können, braucht man ein Smartphone mit Internet-Zugang und einen Datentarif - je mehr Megabyte desto besser. Obwohl WhatsApp, auch wenn man es täglich braucht, nicht viele Megabytes benötigt, kann es teuer werden, wenn man es über das Handynetz und nicht über den Datentarif verwendet.

Zudem ist WhatsApp, wie bereits erwähnt, bisher nur für folgende Smartphones erhältlich: iPhone aller Generationen, Blackberry-, Nokia-Symbian-60- und Android- Smartphones. Nur wenn man eines dieser Smartphones besitzt, kann man WhatsApp herunterladen und installieren.

Weitere Einschränkungen gibt es nicht. WhatsApp ist sehr einfach zu installieren und zu bedienen und somit ideal als Alternative zum SMS-Dienst.

3.3 Zahlen und Fakten über den WhatsApp Messenger

Laut einem Zeitungsbericht des Tages-Anzeiger vom 15. Februar 2011 hat das Vergleichsportal comparis.ch berechnet, dass man mit Apps wie WhatsApp, Viber oder Skype die Handyrechnung bis zu einem Viertel und durchschnittlich um 15 Prozent reduzieren kann. Viber und Skype sind ähnliche Applikationen mit denen man jedoch zusätzlich noch gratis telefonieren kann. Im Artikel wird beschrieben, dass vor allem Wenignutzer relativ viel sparen können, doch bei Vielnutzern hingegen macht es praktisch keinen Unterschied aus, ob man diese Programme nutzt, da bei vielen Abonnementen gratis SMS inbegriffen sind.[4]

Im App Store von Apple wird zurzeit die Version 2.6.7 des WhatsApp Messenger angeboten. Die Applikation ist in 11 verschiedenen Sprachen erhältlich, darunter Koreanisch und Russisch. Unter der Rubrik Kundenbewertungen haben 16'184 Nutzer sämtliche Versionen von WhatsApp bewertet. Fast 9'000 davon geben der Applikation alle fünf möglichen Sterne. Gesamthaft liegt die Applikation mit vier von fünf Sternen auf dem ersten Platz der meistgekauften iPhone- Apps .[5]

3.4 Vergleich WhatsApp Messenger und SMS

Short Message Service - kurz SMS - ist die englische Übersetzung für Kurznachrichtendienst, welcher entwickelt wurde, um über das Mobilfunknetz Nachrichten zu versenden.[6] Dabei wird pro versendete Nachricht ein ganzer Sprachkanal benötigt. Der WhatsApp Messenger hingegen nutzt zwar auch das Mobilfunknetz, jedoch keine Sprachkanäle, sondern Datenkanäle, welche Datenpakete verschicken. Dies ist günstiger, da nicht wie beim SMS ein ganzer Sprachkanal benötigt wird, welcher dann (während der Zeit des Verschickens des SMS) für einen Anruf zum Beispiel nicht mehr verfügbar ist.[7] Dadurch entstehen bei genügendem Datenvolumen keine zusätzlichen Kosten für das Versenden von WhatsApp-Nachrichten. Zudem kann man WhatsApp auch über lokale kabellose Funknetze wie WiFi oder W-LAN nutzen. In diesem Fall ist die Nutzung absolut kostenlos. Doch da bei den meisten Verträgen, die für ein Smartphone abgeschlossen werden, Datenvolumen zwischen 100 MB und 1 GB zur Verfügung stehen, kann WhatsApp ohne Probleme auch mehrmals täglich benutzt werden, ohne dass der Tarif aufgebraucht wird.

Unterschiede zwischen dem SMS-Dienst und WhatsApp gibt es einige. Ein bereits genannter Unterschied ist der grössere Funktionsumfang von WhatsApp, welcher auch erlaubt, Bilder, Videos, Kontakte und Standorte zu senden. Der SMS-Dienst ist nur fähig, Nachrichten an andere Personen zu senden. Falls man ein Bild versenden möchte, fallen weitere Kosten an, da dann nicht mehr ein SMS, sondern ein MMS (Multimedia Messaging Service) versendet wird.[8] Ein weiterer Vorteil von WhatsApp ist die Ähnlichkeit mit einem Chat-Programm. Die einzelnen Nachrichten werden untereinander aufgelistet und können so einfacher gelesen werden, als wenn jede Nachricht einzeln geöffnet werden muss, wie es bei älteren Mobiltelefonen der Fall ist. Zudem wird angezeigt, wenn der Chat-Partner eine Nachricht verfasst oder wann er das letzte Mal online gewesen ist.

Der SMS-Dienst hingegen hat den Vorteil, dass man Nachrichten an jeden Kontakt versenden kann, während bei dem WhatsApp Messenger die andere Person WhatsApp ebenfalls installiert haben muss. Weltweit werden pro Jahr Milliarden von SMS versendet und sie haben noch immer einen hohen Stellenwert, auch wenn Kleinstprogramme wie WhatsApp oder Viber immer beliebter werden. Ein weiterer Vorteil des SMS-Diensts ist die Tatsache, dass das Mobilfunknetz mit Sprachkanälen sehr gut ausgebaut ist und darum der Versand von Nachrichten praktisch jederzeit möglich ist, während der WhatsApp Messenger nur funktioniert, wenn ein Mobilfunknetz mit Datenkanälen (UMTS, EDGE usw.) verfügbar ist.[9]

Kann man trotzdem sagen, dass der WhatsApp Messenger der Totengräber der SMS ist, wie es der Titel dieses Kapitels aussagt? Auf der einen Seite ist unbestritten, dass der WhatsApp Messenger eine Erfolgsgeschichte ist und mit grosser Wahrscheinlichkeit noch viel an Bedeutung, Beliebtheit und Bekanntheit gewinnen wird. Auf der anderen Seite ist der SMS-Dienst seit Jahren der beliebteste und am häufigsten genutzte Dienst zur Übermittlung von Textnachrichten. Ob sich dies in naher Zukunft verändern wird, ist schwer zu sagen. Eine rasche Änderung ist jedoch möglich.

Ein Zeitungsartikel im Tages-Anzeiger vom 19. Oktober 2011 befasste sich genau mit diesem Thema. Seit Apple sein neues Betriebssystem iOS5 vorgestellt hat, können iPhone-Besitzer untereinander kostenlos Nachrichten senden. Dies wird durch das Programm iMessage ermöglicht. Dadurch geht den Mobilfunkanbietern Swisscom, Orange und Sunrise möglicherweise viel Geld verloren, da in der Schweiz laut Tages-Anzeiger bereits eine Million Schweizer mit einem iPhone telefonieren und Nachrichten versenden.[10]

Zusammenfassend kann man sagen, dass der WhatsApp Messenger ein ebenso gutes, wenn nicht sogar besseres Programm ist, um Nachrichten zu versenden. Vor allem der Funktionsumfang ist der entscheidende Vorteil gegenüber dem ein wenig veralteten SMS­Dienst. Zudem können diese Funktionen sicherlich noch weiter ausgebaut und ergänzt werden, während der Short Message Service aus technischen Gründen so bestehen bleiben wird wie er seit Jahren schon ist.

4 Das Mobiltelefon in der heutigen Gesellschaft

Wie wichtig ist das Mobiltelefon im Leben eines Jugendlichen? Ab wann ist ein Jugendlicher abhängig? Kann man von einem Mobiltelefon überhaupt abhängig oder sogar süchtig werden? Und was bedeutet „ständige Erreichbarkeit"? Nach dem dritten Kapitel mit der Einführung über den WhatsApp Messenger ist der Status des Mobiltelefons in der heutigen Gesellschaft das Thema des vierten Kapitels.

4.1 Der Jugendliche und sein Mobiltelefon

In der heutigen Zeit besitzt praktisch jeder Jugendliche ein Mobiltelefon. Das Mobiltelefon - umgangssprachlich Handy genannt - ist, grob gesagt, ein kleines, nützliches Gerät, mit dem man telefonieren und Nachrichten versenden kann. Im Gegensatz zum veralteten stationären Haustelefon bietet es den Vorteil, dass man es überall hin mitnehmen kann.

Das Mobiltelefon hat einen enormen Stellenwert im Leben der Menschen eingenommen. Es wird überall telefoniert und ständig begegnet man Menschen, die nur auf ihr Handy fokussiert sind.

Bis vor wenigen Jahren besassen viele Jugendliche noch keine Mobiltelefone. Technik, wie sie heute bekannt ist, war ihnen noch fremd. Es gab weder Mobiltelefone noch andere technische Geräte wie man sie heute kennt. Um sich verabreden zu können, musste man genau festlegen, wann und wo man sich treffen will. Die Möglichkeit, ein vielleicht unangenehmes Gespräch nicht führen zu müssen und stattdessen per SMS zu kommunizieren, war zum Beispiel auch noch nicht vorhanden.

Gemäss den Kommunikations- und Medienwissenschaftlern Peter Glotz, Stefan Bertschi und Chris Locke ermöglicht das Mobiltelefon „eine einfache soziale Kommunikation, doch wird seine Funktion in der sozialen Interaktion und im Alltagsleben zunehmend komplexer. Es ermöglicht soziale Interaktionen, soziale Hierarchien, soziale Kommunikation. Es wird indes auch zum Fetisch, der das Gefühl individueller Identität stärkt."[11]

Im Gegensatz zu früheren Generationen sind heute andere Werte wichtig. Ein Jugendlicher hat das Gefühl, er braucht ein Mobiltelefon, um mit anderen Personen im Kontakt zu bleiben, er braucht ein Mobiltelefon, um anderen Personen zu zeigen, dass er ebenfalls zu dieser Generation gehört. Wie im oben erwähnten Zitat beschrieben ist, gehört das Mobiltelefon zur Identität des Jugendlichen. Dies ist auch der Grund, warum viele Jugendliche sich immer das neueste, beste und oft auch teuerste Handy wünschen oder kaufen. Es ist eine Art Wettbewerb, wer das bessere, schnellere, modernere und schönere Mobiltelefon hat. Durch das Handy kann sich ein Jugendlicher ausdrücken und präsentieren. Ein iPhone von Apple beispielweise gilt als „angesehener" oder besser als ein Prepaid-Handy von Migros Budget; dies zeigt nur schon die grosse Preisdifferenz. Somit ist es möglich, dass viele Jugendliche eine emotionale Bindung zu ihrem Mobiltelefon aufbauen, da sie ohne Telefon diese Kommunikationsart und somit einen Teil ihrer Persönlichkeit verlieren würden.

Diese Tatsache, dass ein Mobiltelefon ein Teil der Identität darstellt und als Statussymbol angesehen wird, ist ein Phänomen, welches noch nicht seit allzu langer Zeit besteht. Auf der anderen Seite ist ein Mobiltelefon für die Jugendlichen sehr nützlich, da sie Kontakte und Beziehung zu Freunden und Familie pflegen können, wenn beispielweise persönlicher Kontakt nicht oder nur selten möglich ist.

Der Fakt, dass die Komplexität der Mobiltelefone zunimmt, ist ebenfalls enorm wichtig. Zu Beginn des Handy-Zeitalters waren die Funktionen auf Telefonieren und Nachrichten versenden beschränkt. Heutzutage kann man mit einem sogenannten „Smartphone" - ein Mobiltelefon mit einem erweiterten Funktionsumfang - neben Telefonieren und Nachrichten versenden auch Musik hören, Fotografieren, Videos aufnehmen, E-Mails versenden bzw. erhalten und im Internet surfen. All diese Funktionen vereinigen die Hersteller in einem Gerät, welches immer kleiner und dünner wird. Es gibt unzählige Funktionen und Möglichkeiten, welche oftmals gar nicht genutzt werden.

Die beliebtesten und häufigsten Mobiltelefonhersteller der heutigen Jugend sind beispielweise Apple, Nokia, Blackberry, HTC, Motorola, Sony Ericsson, Samsung oder LG. Es gibt noch weitere Hersteller und jeder davon bietet dutzende Versionen an. Das Angebot ist riesig und wird kontinuierlich erweitert. Alle paar Monate kommen neue Versionen auf den Markt mit oftmals nur geringen Veränderungen zum Vorgängermodell.

[...]


[1] Vgl. WhatsApp About (2011)

[2] WhatsApp FAQ (2011)

[3] Vgl. WhatsApp FAQ (2011)

[4] Vgl. WhatsApp, Viber und Skype - So viel können Sie sparen (2011)

[5] Vgl. WhatsApp Messenger (Stand: 15.10.2011)

[6] Vgl. Short Message Service (2011)

[7] gemäss Auskunft durch den Betreuer

[8] Vgl. Multimedia Messaging Service (2011)

[9] gemäss Auskunft durch den Betreuer

[10] Vgl. Gratis-SMS-Programme setzen den Schweizer-Telecomfirmen zu (2011)

[11] Glotz, Peter (2006), S.11.

Details

Seiten
44
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656242710
ISBN (Buch)
9783656245315
Dateigröße
5.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198244
Note
5,76 (Schweiz!)
Schlagworte
WhatsApp Kommunikation Jugend Einfluss iPhone Maturitätsarbeit Studie Umfrage

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