Lade Inhalt...

Luthers Aussagen zur Taufe in seinen Katechismen und den Schmalkaldischen Artikeln

Hausarbeit 1996 20 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Luthers Aussagen zur Taufe in seinen Schriften
2.1 Exkurs: Thomas Müntzer und die Wiedertäufer
2.2 Der Große Katechismus
2.3 Der KIeine Katechismus
2.4 Die Schmalkaldischen Artikel
2.5 Zusammenfassung

3 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Arbeit soll es um Martin Luthers Tauftheologie gehen. Als Quellen und Gegenstand der Betrachtung dienen:

ŸDer Große Katechismus („Deutsch Katechismus“)

ŸDer Kleine Katechismus (Abschnitte: „Das Sakrament der heiligen Taufe“ und das

„Taufbüchlein“)

ŸDie Schmalkaldischen Artikel (ASm)

Diese Reihenfolge wurde aus folgendem Grund gewählt: Im Großen Katechismus stellt Luther seine Lehre von der Taufe bei weitem am ausführlichsten dar. Fast sämtliche Aspekte treten auch in den anderen beiden Texten in unterschiedlichen Akzentuierungen zum Vorschein. Der Große Katechismus eignet sich am besten, eine zusammenhängende Darstellung von Luthers Aussagen zur Taufe zu geben. Eine andere Reihenfolge würde ständige Vorgriffe mit sich bringen, die eine zusammenhängende Interpretation dieses ertragreichsten Textes erschweren würde.

Da die Auseinandersetzungen Luthers mit den Wiedertäufern und Thomas Müntzer auch in seinen Schriften zur Taufe eine wichtige Rolle einnehmen, soll in einem Exkurs eine kurze Zusammenfassung über dieses Thema gegeben werden.

2 Luthers Aussagen zur Taufe in seinen Schriften

In allen drei Texten gibt es einige Schlüsselaussagen, die überall, in unterschiedlichem Umfang vorkommen. Zuerst muß festgestellt werden, daß auch in Luthers Tauftheologie ständig seine Rechtfertigungslehre und seine Betonung der Gnade Gottes und des Glaubens des Christen in verschiedensten Formen auftaucht.

Zur kurzen Erläuterung sei eine kurze Zusammenfassung der eben genannten Auffassung gegeben. Nach Luther ist es keinem Christen möglich, sich durch gute Werke vor Gott gerecht zu machen und sich so seiner Gnade sicher zu sein. Vielmehr schenkt Gott all denen seine Gnade, die sich ihm in vollstem Glauben und vollstem Vertrauen überantworten, auch und gerade im Angesicht ihrer Sündhaftigkeit. Diese zentrale Ansicht läßt sich durch die beiden Ausdrücke „sola fide“ (allein durch den Glauben) und „sola gratia“ (allein durch die Gnade) zusammenfassen.

Aus dieser Auffassung Luthers ergab sich die Hauptdifferenz bei der Auseinandersetzung mit der Papstkirche, die den Gläubigen durch Ablaßverkauf, Wallfahrten etc. das ewige Heil bzw. die Verminderung der Sündenlast versprach. Als Argumentationsgrundlage in Glaubensfragen sah Luther allein die heilige Schrift an („sola scriptura“), die Anmaßung der Papstkirche, selbst allgemeingültige Wahrheiten verkünden zu wollen, verurteilte er scharf. Die Mittlerfunktion, die die damalige Kirche zwischen Gott und den Menschen übernahm, wurde von Luther ebenfalls verurteilt. Nach ihm bedarf es nur eines Mittlers zwischen Gott und den Menschen, nämlich Christus („sola christus“).

Diese kurze Zusammenfassung soll eine erste, bruchstückhafte Darstellung wichtiger theologischer Aussagen Luthers geben. Auch in seiner Tauftheologie lassen sich immer wieder Stücke der oben genannten Aussagen erkennen. Die Einheit des Wassers mit dem Wort Gottes zieht sich durch alle drei Schriften. Die Ablehnung der Wiedertäuferpositionen sind in den ASm und im Großen Katechismus enthalten.

Die Taufe als Erlösung von der Sünde, als „Ersäufen des alten Adam“ und der Geburt des neuen Menschen wird in den ASm zwar nicht explizit erwähnt, ist aber, wenn man Luthers Theologie kennt, mit dem Ausdruck „Wort Gottes“ eng verknüpft.

2.1 Exkurs: Thomas Müntzer und die Wiedertäufer

In diesem Abschnitt soll kurz auf den sog. „linken Flügel des Protestantismus“ eingegangen werden. Gerade im Bezug auf die Taufe hatten Luther und die Wiedertäufer („Schwärmer“) sehr gegensätzliche Ansätze, was in Luthers Schriften zur Taufe durch zahlreiche Gegenargumente und teilweise polemische Angriffe gegen die „ vermessene [n], tölpische [n] Geister[1] deutlich wird.

Die Wiedertäufer waren eine zunächst ausschließlich religiöse Bewegung.

Revolutionäre Züge kamen ihr [der Bewegung, d. Verf.] hingegen

in Nordwestdeutschland (Münster) und in den Niederlanden zu,

wo mit religiösen Motiven soziale verschmolzen wurden, besonders

pazifistische...“[2]

Sie beriefen sich auf den Heiligen Geist und verachteten alles

Äußere, das äußere Wort der Schrift, das »äußerlich Ding« der

Sakramente, Institutionen und Amt der Kirche. Sie meinten, der

Geist wirke unmittelbar - ohne äußere Mittel.“[3]

Die Bezeichnung „Wiedertäufer“ bezog sich auf ihre Aussagen zur Taufe, namentlich ihre Ablehnung der Kindertaufe. Sie waren der Meinung, daß Kinder nicht in der Lage sind, die Taufe in ihrer ganzen Tragweite zu erfassen und v. a., daß ihnen der nötige Glaube dazu fehle, die Taufe zu empfangen. Luthers Gegenargumentation wird weiter unten noch ausführlich erläutert. Als sich die sozialen Mißstände 1525 in den Unruhen der Bauern und schließlich im sog. Bauernkrieg entluden, war Thomas Müntzer einer ihrer Führer. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Differenzen zwischen ihm und Luther immer größer. Die Entwicklung führte über anfänglichen Respekt über argumentative Auseinandersetzungen bis hin zu polemischen Kampfschriften. Der Höhepunkt war 1525, kurz vor Müntzers Tod (er wurde, nachdem er mit einem dreihundert Mann starken Heer nach Frankenhausen gezogen war, im Verlauf der Schlacht gefangengenommen und am 27. Mai 1525 enthauptet[4] ) erreicht, als er in seiner Schrift „Hochverursachte Schutzrede und Antwort wider das geistlose sanftlebende Fleisch zu Wittenberg“ Luther als „wittenbergischen Papst“ und als „neuen Papst“ bezeichnete.[5]

Luthers Rhetorik und seine Neigung zur manchmal deftigen Sprache sind hinlänglich bekannt, daher läßt sich sagen, daß sich beide durchaus ebenbürtig waren (zumindest, was das Polemisieren anbetraf). (Hinweis: Die Begriffe „Wiedertäufer“, „Täufer“ und „Schwärmer“ werden synonym verwendet.)

2.2 Der Große Katechismus

Im Großen Katechismus macht Luther die bei weitem ausführlichsten Aussagen zur Taufe, bezogen auf die untersuchten Schriften. Das Taufbüchlein ist mit den Ausführungen im großen Katechismus nicht zu vergleichen, da hier praktisch orientierte Handlungsanweisungen zur Durchführung der Taufe gegeben werden, während im Großen Katechismus theologische Darlegungen Luthers über die Taufe enthalten sind.

Die Darlegung der Tauftheologie ist im vierten Teil des großen Katechismus enthalten. In diesem vierten und letzten Teil, der sich an die Ausführungen zum Vaterunser anschließt, geht es außerdem um Abendmahl und Beichte.

Die Aussagen Luthers zur Taufe im Großen Katechismus lassen sich, ähnlich wie im Kleinen Katechismus, in mehrere Teile untergliedern, wobei einzelne Teile im Kleinen Katechismus verkürzte, zusammengefaßte Darstellungen der entsprechenden Abschnitte im Großen Katechismus sind.

[...]


[1] Die Bekenntnisschriften der evangelisch - lutherischen Kirche, herausgegeben im Gedenkjahr der Augsburgischen Konfession 1930, 8. Aufl., Göttingen 1979, S. 703

[2] Beutin, Wolfgang: Der radikale Doktor Martin Luther - Ein Streit- und Lesebuch, Köln 1982, S. 79

[3] Pöhlmann, Horst (Bearb.): Unser Glaube - Die Bekenntnisschriften der evangelisch - lutherischen Kirche, 3., erw. Aufl., Gütersloh 1991, S. 729

[4] vgl.: Zitelmann, Arnulf: „Ich will donnern über sie!“ - Die Lebensgeschichte des Thomas Müntzer, Weinheim / Basel 1989, S. 174

[5] vgl.: Mülhaupt, Erwin: Luther über Müntzer, Witten 1973, S. 97

Details

Seiten
20
Jahr
1996
ISBN (eBook)
9783656244448
ISBN (Buch)
9783656245407
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198204
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Schlagworte
Luther Reformation Taufe Müntzer Katechismus Schmalkaldische Artikel

Autor

Zurück

Titel: Luthers Aussagen zur Taufe in seinen Katechismen und den Schmalkaldischen Artikeln