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Standortcluster von Technologiebranchen in Malaysia: Penang und Multimedia Super Corridor

Seminararbeit 2011 34 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konzeptioneller Hintergrund
2.1 Modell der nachholende Industrialisierung für Entwicklungs- und Schwellenländer
2.2 Die Bedeutung von Innovationen und der Technologiebranche

3 Malaysia

3.1 Wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Malaysias bis heute
3.2 Entwicklung der Technologiebranche in Malaysia

4 Die Standortcluster Penang und MSC
4.1 Das Standortcluster Penang
4.1.1 Gesellschaftliche, politische und ökonomische Grundausrichtung Penangs
4.1.2 Die Technologiebranche in Penang
4.2 Das Standortcluster des Multimedia Super Corridor (MSC)
4.2.1 Gesellschaftliche, politische und ökonomische Grundausrichtung des MSCs
4.2.2 Die Technologiebranche im MSC

5 Vergleich Penang und MSC: Perspektiven Probleme Aussicht

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang 1 F&E Ausgaben nach Untergruppen im verarbeitenden Gewerbe 2009

Anhang 2: BIP nach Bundesstaaten 2010

1 Einleitung

Die Zeitschrift die Zeit betitelte im Jahr 2000 einen Aufsatz zu einer neugegründeten Stadt in Malaysia mit „Sag Ja zu Cyberjaya“ (vgl. Vogelpohl 2000), das Handelsblatt berichtet 2011 von einer Investition des deutschen Unternehmens Bosch von knapp 520 Mio. € in Malaysia (vgl. Handelsblatt 2011). Aus diesen beiden Beispielen aus deutschen Zeitungen stechen zwei Standorte in Malaysia hervor, die anscheinend momentan sehr attraktiv für deutsche Unter- nehmen sind: Die neu gegründete Stadt Cyberjaya, die Inhalt des Zeit- Artikels ist, liegt im sog. Multimedia Corridor (MSC) südlich der Hauptstadt Kuala Lumpurs. Der Standort, der u.a. von der 520 Mio. € Investition des deutschen Unternehmens Bosch gegründet wurde, liegt im malaiischen Bundesstaat Penang. Doch wie kommt es dazu, dass die beiden Standorte in Deutschland für solche Schlagzeilen sorgen? Dieses kann die vorliegende Arbeit beantwor- ten.

Thema sind die Standortcluster der Technologiebranche in den bereits angesprochenen Regi- onen Penang und MSC. Im zweiten Kapitel werden zunächst die theoretischen Modelle und Möglichkeiten einer nachholenden Entwicklung für Entwicklungs- und Schwellenländer er- läutert (Kapitel 2.1). Danach wird die Bedeutung der Technologiebranche angeführt und deren Verbindung zu Innovationen und Forschung- und Entwicklungsausgaben aufgezeigt (Kapitel 2.2).

Im dritten Kapitel wird die allgemeine Entwicklung der Wirtschaft (Kapitel 3.1), sowie die Entwicklung der Technologiebranche in Malaysia untersucht (Kapitel 3.2), da der Staat die Rahmenbedingungen für die wirtschaftlichen Prozesse in Penang und im MSC vorgibt.

Im vierten Kapitel werden für die beiden untersuchten Regionen zunächst die gesellschaftli- chen, politischen und ökonomischen Grundausrichtungen untersucht (Kapitel 4.1.1 bzw. 4.2.1) um daraufhin explizit die Technologiebranche in beiden Standortclustern zu analysieren (Kapitel 4.1.2 bzw. 4.2.2).

Das fünfte Kapitel wird einen Vergleich der beiden Standorte Penang und MSC zum Inhalt haben, um im sechsten Kapitel ein Fazit bzw. eine kurze Zukunftsperspektive für den Wirtschaftsraum Penang, MSC und Malaysia zu entwerfen.

2 Konzeptioneller Hintergrund

Zur Analyse der Technologiebranche in Malaysia ist es zunächst notwendig, in einem konzeptionellen Kapitel die theoretischen Möglichkeiten einer nachholenden Industrialisierung von Entwicklungs- bzw. Schwellenländern zu beschreiben (Kapitel 2.1). Im Anschluss daran soll die Bedeutung der Technologiebranche für die Zukunftsfähigkeit von Volkswirtschaften erläutert werden (Kapitel 2.2).

2.1 Modell der nachholende Industrialisierung für Entwicklungs- und Schwellen- länder

Die von England ausgehende Industrialisierung ab dem 18. Jahrhundert war zunächst wesent- lich auf die europäischen und nordamerikanischen Länder konzentriert. Im Gegensatz dazu war noch „in der ersten Hälfte des 20. Jh. […] die Wirtschaft der Länder Südostasiens von kolonialen Strukturen geprägt“ (Blechschmidt et al. 2010: 62), was zu einer sehr starken Fo- kussierung der Wirtschaft auf den reinen Abbau von Bodenschätzen und agrarischen Produkten ohne bzw. mit nur sehr geringer industriellen Weiterverarbeitung führte.

Nach dem zweiten Weltkrieg, der Kriegsniederlage Japans und dem beginnenden Ende der Kolonialzeit begann in Ost- und Südostasien ein Prozess der Neustrukturierung der Wirt- schaft. Während die ehemaligen Kolonialstaaten nach der Befreiung aus dem Kolonialismus sich sowohl politisch, als auch gesellschaftlich und wirtschaftlich neu ausrichten mussten, erzielte Japan ab „den 1950er- Jahren […] stets eine positive Handelsbilanz“ (Blechschmidt et al. 2010: 62). Mit der Verlagerung von zunächst arbeitsintensiven Produktionen japanischer Unternehmen aus Japan in die Nachbarländer Südost- und Ostasiens entwickelten sich eben- falls die Volkswirtschaften zunächst der sog. Tigerstaaten (Taiwan, Südkorea, Singapur und Hongkong), andere Länder folgten diesem Beispiel (sog. Pantherstaaten Malaysia, Thailand, Indonesien und Philippinen) (vgl. Blechschmidt 2010: 62). Investitionen auch westlicher Un- ternehmen folgten in der Entwicklung, sodass sich die Industrialisierung weiter vollzog (vgl. Fold/ Wangel 1997: 111).

Akamatsu entwickelte zu dieser Theorie der nachholenden Industrialisierung der Ost- und Südostasiatischen Staaten bereits in den 1930er Jahren das sog. Flying Geese Modell, deutsch Gänseflugmodell, welches „den nationalstaatlich organisierten Industrialisierungsprozess“ (Trezzini 2001: 36) zusammenfasst (Abb. 1). „Auf der Basis japanischer Erfahrung postuliert er [Akamatsu] ein stufenförmiges Industrialisierungsmodell“ (Trezzini 2001: 36), das einen schematischen und vorgezeichneten Entwicklungspfad der nachholenden Volkswirtschaften, gegliedert in Ländergruppen, aufzeigt.

Abbildung 1: Das Gänseflug- Modell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Blechschmidt et al. 2010, S. 63.

Die Industrialisierungstheorie für eine nachholende wirtschaftliche Entwicklung konzentriert sich auf eine Dreigliederung der Entwicklungsstrategien, wobei nicht jede Stufe der Entwicklung in einer Volkswirtschaft vollzogen werden muss: (nach Dicken 20095: 217):

- Export von einheimischen Grunderzeugnissen
- Import- substituierende Industrialisierung
- Export- orientierte Industrialisierung

Dieser schematische Entwicklungsverlauf der Industrialisierung kann in den Staaten Ost- und Südostasiens festgestellt werden, wobei sich der Prozess der Industrialisierung in den verschiedenen Volkswirtschaften zu unterschiedlichen Zeiten vollzogen (vgl. Flying Geese modell GRAFIK XXX). Dabei stellten sich v.a. die „politische Stabilität, eine von konfuzianischen Werten geprägte Arbeitsmoral, günstige Investitionsbedingungen für Unternehmen und eine noch nicht ausgeprägte Sozialgesetzgebung“ (Dörnte et al. 2006: 8) als entscheidende Standortfaktoren für die Attraktivität des Wirtschaftsraumes heraus, sodass auch zunehmend ausländische Unternehmen in die sich wirtschaftlich entwickelnden Volkswirtschaften investierten (ausländische Direktinvestitionen (ADI)) (vgl. Dörnte et al. 2006: 8f., Bleckschmidt et al 2010: 62f., Dicken 20095:218ff.).

Die Bedeutung von zufließenden Sachkapital unterstreicht auch die sog. Backwardness- Hy-pothese, die die „Akquisition von Sachkapital“ (Stracke 2006: 44) als „Möglichkeit [zur industriellen Entwicklung] für nachholende Volkswirtschaften“ (ebd.) heraushebt.

2.2 Die Bedeutung von Innovationen und der Technologiebranche

Nach erfolgreichem Durchlaufen der in Kapitel 2.1 beschriebenen nachholenden Entwicklung von spätindustriellen Volkswirtschaften, ist es für eine ökonomische Weiterentwicklung ele- mentar notwendig, das wirtschaftliche Wachstum und den gesellschaftlichen Aufschwung nachhaltig und langfristig zu sichern. Zudem durchlaufen auch andere Ost- und Südostasiati- schen Volkswirtschaften gemäß des Flying- Geese- Modells den Prozess der nachholenden Entwicklung (vgl. Abb. 1), die daraufhin ebenfalls zu Konkurrenten z.B. um ausländische Direktinvestitionen und Arbeitsplätze werden. Daher ist es notwendig, „eine Zunahme der Produktivität durch technischen Fortschritt zu erreichen“ (Stracke 2003: II) und im Sinne Schumpeters „Innovationen als die zentrale Antriebskraft der wirtschaftlichen Entwicklung bzw. des Strukturwandels“ (Kulke 2004: 81) zu verstehen (vgl. Rasiah/Jomo 1999: 5).

Entwicklungs- und Schwellenländer beginnen den technologischen Aufstieg aufgrund der schlechten Ausgangsbedingungen dabei „near the bottom of the technology ladder“ (Rasiah/ Jomo 1999: 5). Daher sind sie von einem Technologietransfer aus Industrieländern abhängig, der v.a. auf Basis ausländischer Direktinvestitionen von Unternehmen geschieht. Dieser Technologietransfer hat entsprechend der Theorie der flächenhaften Diffusion von Innovatio- nen (vgl. Kulke 2008³: 258) sowohl horizontale (andere ggf. konkurrierende Unternehmen lernen bzw. kopieren die eingesetzte Technologie) als auch vertikale Spillover Effekte (u.a.: Zulieferbetriebe, Abnehmer und Dienstleister) in der Region zur Folge (vgl. Kulke 2008³: 258).

In der Wissenschaft gibt es heute eine Vielzahl von Theorien zum technologischen Wandel (vgl. u.a. Barthelt/ Glückler 2003²: 228 ff., Kulke 2008³: 255ff., Stracke 2003: 20ff., Rasiah/ Jomo 1999: 5ff.). In den Staaten Südost- und Ostasiens hat sich eine stufenweise Entwicklung des „Adaptions- und Diffusionsprozesses“ (Stracke 2006: 44) gezeigt, der die Hypothese zu- grunde liegt, dass die „Richtung des Innovationsprozesses durch bestehende Technologien vorgeprägt“ (Barthelt/ Glückler 2003²: 243f) ist, was als Pfadabhängigkeit verstanden wird. Entwicklungs- und Schwellenländer müssen allerdings zur Nutzung neuer Technologien nicht den gesamten Pfad der Entwicklung bestreiten, sondern können durch Technologietransfer aus entwickelten Ländern technologische Entwicklungsschritte überspringen, was unter dem Begriff des Leapfrogging zusammengefasst wird (vgl. Stracke 2006: 56). Dieses stellt somit eine Möglichkeit für Entwicklungs- und Schwellenländer dar, den technologischen Wandel der Wirtschaft insbesondere mit Hilfe ausländischer Direktinvestitionen von Unternehmen zu vollziehen.

Der Technologietransfer und der technologische Lernprozess nach Kulke zeigt eine regelhafte Entwicklung von der reinen Fähigkeit, Technologien zu nutzen, hin zu der Entwicklung und Weiterentwicklung von eigenen Technologien (vgl. Abb. 2) (Kulke 2008³: 260).

Abbildung 2: Technologietransfer und technologischer Lernprozess

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kulke 2008³, S. 260

Dabei erfordert die „Adoption und Adaption von Technologien […] intensive interne Lernprozesse, die den Aufbau und die Vertiefung technologischer Fähigkeiten (technological capabilities) zum Ziel haben“ (Berger 2007: 46).

Doch zur Bildung einer einheimisch- innovativen Technologiebranche sind gewisse Merkmale einer Region - einer Volkswirtschaft - notwendig, die nach Fromhold- Eisebith u.a. aus folgenden Faktoren bestehen (vgl. Fromhold- Eisebith 1999: 22):

- Regionale Ausstattung mit Hochschulen und staatlichen oder privaten F&E- Einrichtungen
- Entwicklung eines regionalen Arbeitsmarktes insbesondere bzgl. hochqualifi- zierter Arbeitskräfte
- Regionaler Standort mit ähnlich- spezialisierten Akteuren (Clustervorteile)

Auch Berger sieht den „Aufbau […technologischen] Fähigkeiten […] sowohl durch unter- nehmensinterne Charakteristika als auch durch die Qualität des Geschäftsumfeldes […] beeinflusst“ (Berger 2007: 46).

Somit basiert die „technologische Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft auf spezifischen subnational verorteten, aber z.T. auch transnational vernetzten Systemen […] in deren Rahmen Innovationsverflechtungen begünstigt [werden]“ (Stracke 2003: 19).

Die räumliche Nähe spielt wie aus den vorrangegangenen Aussagen ersichtlich, bei der Inno- vationsprozesses eine besondere Bedeutung, man spricht daher auch von Standortclustern, die für eine technologische Weiterentwicklung notwendig sind. In dieser Arbeit soll der Fokus dabei auf der Technologiebranche liegen, zu der in Anlehnung an Fromhold- Eisebith die „ Informationstechnologien als Verknüpfung [ … von] Elektronik, Telekommunikation, Datenverarbeitung, Computerbau und Software- Entwicklung sowie des weiteren Luftund Raumfahrt, CNC- Maschinenbau, Produktion sonstiger elektronischer/ technischer Güter, Medizintechnik, Biotechnologie sowie wissensintensive Dienstleistungen der technischen Beratung “ (Fromhold- Eisebith 1999: 5) gehören. Dieser Teil der Wirtschaft kennzeichnet ein erhöhten Forschungs- und Entwicklungsbedarf aus, wodurch „der Technologie- Begriff mit seiner großen semantischen Bandbreite […] speziell mit Blick auf Entwicklungsländer oft in einem ‚weicheren‘ Verständnis verwendet [wird]“ (Fromhold- Eisebith 1999: 6).

[...]

Details

Seiten
34
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656243427
ISBN (Buch)
9783656243915
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198197
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1.3
Schlagworte
Cluster Technologiebranche; Malaysia; MSC; Multimedia Corridor; Penang;
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Titel: Standortcluster von Technologiebranchen in Malaysia: Penang und Multimedia Super Corridor