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Sprachstörungen - Lernschwierigkeiten - Verhaltensauffälligkeiten

Seminararbeit 2003 35 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhalt

0 Einleitung

1 Definitionen
1. 1 Sprachstörung
1. 2 Sprechstörung
1. 3 Sprachbehinderung
1. 4 Lernen
1. 5 Lernschwierigkeit
1. 5. 1 Probleme einer Definition für „Lernschwierigkeit“
1. 6 Lernstörung
1. 7 Lernbehinderung
1. 8 Verhaltensauffälligkeit

2 Sprachentwicklung allgemein
2. 1 Überblick zu Sprach- und Sprechstörungen
2. 2 Umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache
2. 3 Ursachen der Sprach- und Sprechstörungen
2. 4 Diagnose der Sprach- und Sprechstörungen
2. 5 Besondere Bildungsaufgaben und Hinweise für den Unterricht

3 Lernstörung allgemein
3. 1 Ursachen und Erscheinungsformen von Lernstörungen
3. 2 Aufbau einer Lernstörung in Stadien
3. 2. 1 Stadium 1: Pädagogischer Teufelskreis
3. 2. 2 Stadium 2: Sozialer Teufelskreis
3. 2. 3 Stadium 3: Innerpsychischer Teufelskreis
3. 2. 4 Stadium 4: Stabile negative Lernstruktur mit Misserfolgserwartung
3. 3 Probleme beim zu späten Erkennen von Lernstörungen
3. 4 Zusammenfassung

4 Lernbehinderung allgemein
4. 1 Erscheinungsformen
4. 2 Begriffliche Unterschiede
4. 3 Zur Ursachenfrage
4. 3. 1 Der Komplex endogener Ursachen
4. 3. 2 Der Komplex exogener Ursachen
4. 3. 2. 1 Die Familie
4. 3. 2. 2 Der Erziehungsstil
4. 3. 2. 3 Ungünstige sozioökonomische Verhältnisse
4. 3. 2. 4 Die Schulsituation
4. 3. 2. 5 Zeitgeist und Gesellschaftsstruktur
4. 3. 3 Theoretische Erklärungsmodelle zur Ursachenfrage
4. 4 Arten der Verhaltensstörungen
4. 5 Zentrale und häufige Verhaltensstörungen

5 Zusammenhang zwischen Sprachstörung – Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeit

6 Schlussbemerkung

Literatur

0 Einleitung

Sprache ist ein wichtiges Kommunikationsmedium des Menschen. Es dient aber ebenfalls als Vermittlungselement des Lernens. Wissensvermittlung findet über Sprache statt und setzt daher die Beherrschung der Sprache in allen Funktionsebenen voraus. Daher haben Sprachbeeinträchtigungen weitläufige Auswirkungen.

Zum Beispiel können Verhaltensauffälligkeiten als Signal aus einer anderen Schwäche heraus resultieren. Daher werden Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten auch als Kinder mit „Signalwirkung“ beschrieben. Es gibt einen oder mehrere Auslöser, die eben diese Auffälligkeiten im Verhalten bedingen können wie Lernschwierigkeiten und Sprachstörungen.

Da Sprache ein Mittel des Individuums, ist das der Wechselbeziehung zwischen dem Menschen und der Umwelt dient, wird in der vorliegenden Arbeit der Versuch unternommen mit folgender Fragestellung

„Können Verhaltensauffälligkeiten aus einer Sprachstörung resultieren und bilden Lernschwierigkeiten eine Zwischenstufe die diese beiden Komponenten miteinander verbindet?“

einen Bezug zu eben genannten „Auslösern“ herzustellen.

Sprachstörung

Lernschwierigkeit Verhaltensauffälligkeit

2 Definitionen

Zu Beginn erfolgen Definitionen zu den zu bearbeitenden Teilbereichen welche Aufschluss über deren (teilweise inkorrekte) Verwendung im „normalen Sprachgebrauch“ geben werden. Feine Differenzierungen in deren Bedeutungen sollen hiermit hervorgehoben werden.

2. 1 Sprachstörung

Sprachstörung ist eine Störung der Sprache, zum Beispiel bei verzögerter Sprachentwicklung oder zentraler Sprachstörung nach frühkindlichem Hirnschaden, bei Schädigung der Sprachregion (Aphasie) und Taubstummheit. (Pschyrembel, 1998)

2. 2 Sprechstörung

Sprechstörung ist eine Störung des Sprechens, die zu einer Beeinträchtigung der verbalen Verständigung führen kann, zum Beispiel als Artikulationsstörung, Poltern, Silbenstolpern, Stottern. Eine Kombination mit einer Sprachstörung (zum Beispiel Aphasie) ist möglich. (Pschyrembel, 1998)

1. 3 Sprachbehinderung

„Sprachbehindert ist ein Mensch, dessen Sprache so weit von der Norm abweicht, dass sie die Aufmerksamkeit in erhöhtem Maße auf sich lenkt, die Kommunikation nur begrenzt ermöglicht oder gar unmöglich macht und/oder die dauernde Fehlanpassung des Sprechers bewirkt.“ (Vgl. Teumer, S. 72, zit. nach http://www.pab.asn-wien.ac.at/~wiw/verhalten1.html)

Bereits anhand dieser drei Definitionen kann man erkennen, dass es sowohl einen Unterschied zwischen Sprach- und Sprechstörungen als auch zwischen „Störung“ und „Behinderung“ gibt.

1. 4 Lernen

Zuerst möchte ich „Lernen“ allgemein definieren um eine Verknüpfung und somit ein besseres Verständnis mit den diversen Begriffen zu erleichtern:

„Mit Lernen werden relativ überdauernde Änderungen der Verhaltensmöglichkeiten bezeichnet, soweit sie auf Erfahrung zurückgehen“. (Arnold 1972)

„Pädagogisch gesehen bedeutet Lernen eine Verbesserung oder den Neuerwerb von Verhaltens- und Leistungsformen und ihren Inhalten. Die Verbesserung oder der Neuerwerb muß aufgrund von Erfahrung, Probieren, Einsicht, Übung oder Lehre erfolgen und muß dem Lernenden den künftigen Umgang mit sich und der Welt erleichtern oder vertiefen“. (Roth, 1963)

1. 5 Lernschwierigkeit

1. 5. 1 Problem einer Definition für „Lernschwierigkeit“

In der Literatur finden sich viele verschiedene Begriffe wie Lernbehinderungen, Leistungsversagen, Lernstörung, Lernschwäche, Lernschwierigkeit, schlechte Schüler, Leistungsversager, learning disabilities, learning disorders, mental retardation, die auch jetzt noch teilweise synonym verwendet werden. Eine Unterscheidung versuche ich mit den nun folgenden Definitionen zu den drei Oberbegriffen „Lernschwierigkeit“, „Lernstörung“ und „Lernbehinderung“ herauszuarbeiten.

Meinert & Zielinski, 1977 definieren „ Lernschwierigkeiten “ folgendermaßen:

"Von Lernschwierigkeiten spricht man im Allgemeinen, wenn die Leistungen eines Schülers unterhalb der tolerierbaren Abweichungen von Normen liegen oder wenn das Erreichen (bzw. Verfehlen) von Standards mit Belastungen verbunden ist, die zu unerwünschten Nebenwirkungen im Verhalten, Erleben oder in der Persönlichkeitsentwicklung des Lernenden führen" (Zielinski, S. 9)

Eine weitere Definition besagt:

„Lernschwierigkeiten sind gegeben, wenn Schüler die gestellten Anforderungen mit Hilfe von zusätzlichem Lernaufwand und Nachhilfestunden gerade noch erreicht, dabei aber unerwünschte Nebenwirkungen wie Schulängste, Aggressionen oder ein Rückzug von sozialen Kontakten als Folge von leistungsmäßigen Überforderung auftreten.“

Zielinski, (1998) S.14 unterscheidet auch:

Lernstörungen: „...wenn die Leistungen ... im Lesen, Rechnen oder im schriftlichen Ausdruck bei ... Tests wesentlich unter den Leistungen liegen, die ...* zu erwarten wären"(à *aufgrund der Altersstufen, der Schulbildung und des Intelligenzniveaus). „ Lernprobleme beeinträchtigen deutlich die schulische Leistungen oder die Aktivitäten des täglichen Lebens...“. „ ... durch begleitende Störung der kognitiven Verarbeitung, eine komorbide psychische Störung oder medizinischen Krankheitsfaktor oder auch durch ethischen bzw. kulturellen Hintergrund... Liegt ein sensorisches Defizit vor, so müssen die Lernschwierigkeiten größer sein, als diejenigen, die normalerweise mit diesem Defizit verbunden sind.“

1. 6 Lernstörung - Abgrenzungen zu anderen Termini

„Eine Lernstörung ist ein herabgesetztes Lernniveau mit Schwierigkeiten in Reizverarbeitung, Merkfähigkeit, Psychomotorik und Konzentration.“ (Vgl. Kobi, S. 69; zit. nach Ledl, S. 48)

Die Definition "Lernstörung" der Weltgesundheitsorganisation legt fest, dass der Erwerb diverser Fähigkeiten von frühen Entwicklungsstadien an beeinträchtigt ist, während die Amerikanisch Psychiatrische Gesellschaft darauf hinweist, dass Lernstörungen von sensorischen Defiziten erschwert werden. (Vgl. ICD 10, F81.9)

1. 7 Lernbehinderung

Kanter (S. 97) definiert folgendermaßen:

„Unter Lernbehinderung im übergreifenden Sinne ist weder ein spezifisches psychologisches, medizinisches, soziologisches oder sonst einzelwissenschaftliches Syndrom noch ein bestimmter ursächlicher Faktor oder ein Defektzustand zu verstehen, vielmehr in pädagogisch - anthropologischer Sicht ein in Grenzen variables Verhaltens- und Leistungsbild, das den Erwartungsnormen in einem umschriebenen Kultur- und Gesellschaftsraum nicht entspricht.“

Weiters beschreibt Kanter:

„In seinem gewordenen Verständnis meint „lernbehindert“ heute erhebliches und andauerndes Schulleistungsversagen teilweise sehr unterschiedlicher Ätiologie und Genese.“ (Kanter, S. 145)

Nach Eberwein ist „ Lernbehinderung … also kein feststehendes, defizitäres Persönlichkeitsmerkmal, das dem Individuum unabhängig von schulischen Rahmenbedingungen und Leistungsanforderungen zukommt. Sie ist vielmehr eine schulorganisatorische, normabhängige und deswegen relative sowie relationale Bestimmungsgröße, die von Lehrer zu Lehrer, von Schule zu Schule, von Ort zu Ort und von Kultur zu Kultur variiert. “ (Eberwein, S. 5)

1. 8 Verhaltensauffälligkeit

Die Beschäftigung mit Verhaltensauffälligkeiten oder „Verhaltensstörungen“ umfasst ein nosologisch und terminologisch nicht exakt abgrenzbares Tätigkeitsfeld. Viele ungewöhnliche Ausprägungen bei Kindern werden für die Umwelt als „Verhaltensstörungen“ auffällig. So werden knapp 30% (Toifl, S. 108) ambulanter kinderpsychiatrischer Patienten unter dieser allgemeinen Bezeichnung zur Untersuchung zugewiesen. Die betroffenen Kinder werden als unruhig und unkonzentriert oder jähzornig und aggressiv, als ängstlich oder gereizt oder als ungeschickt, tollpatschig etc. beschrieben. In dem folgenden Kapitel werden Ursachen und begriffliche Unterschiede genau beschrieben.

Eine eindeutige Begriffserklärung für Verhaltensstörungen gibt es nicht. Daher werde ich einige Definitionen von verschiedenen Autoren anführen, um im Anschluss aus diesen Zitaten den Konsens herauszuarbeiten und Verhaltensstörungen in meinen eigenen Worten zu definieren.

- „Eine Verhaltensstörung oder -auffälligkeit liegt erst dann vor, wenn ein erhebliches, dauerhaftes und immer wieder auftretendes Missverhältnis zwischen den Normalansprüchen der Umwelt und dem individuellen Beitrag, diesen Ansprüchen gerecht zu werden, vorliegt. Die beobachteten Auffälligkeiten sind durch organische Schädigungen (® Behinderungen) nicht erklärbar“. (Keller/Novak, S. 358).

Diese Definition nach Keller und Novak besagt, dass eine Verhaltensstörung oder -auffälligkeit dann vorliegt, wenn kein persönlicher Beitrag geleistet wird, um den Normalansprüchen der Umwelt zu entsprechen. Organische Schädigungen liegen dabei nicht vor.

- „Verhaltensgestört sollte man einen Schüler bzw. Jugendlichen nennen, dessen Gesamtverhalten - unter Berücksichtigung einer gewissen Variationsbreite - von dem des durchschnittlichen Schülers bzw. Jugendlichen in habitueller Form abweicht“ (Schumacher 1971; zit. nach Kluge/Kleuters 1984, 207).

Diese Definition nach Schumacher lässt erkennen, dass von Schülern die Rede ist, deren Gesamtverhalten sich vom Durchschnitt unterscheidet. Diese abweichenden Verhaltensweisen treten immer wieder auf, das heißt sie sind habituell.

- „Mit der Feststellung, dass es sich um ein ‚verhaltensgestörtes‘ Kind handelt, ist zunächst nichts anderes ausgesagt als die Tatsache, dass das Verhalten des Kindes gegenüber der mitmenschlichen und der dinglichen Umwelt, oft aber auch sich selbst gegenüber, wesentlich von der Real- und erst recht von der Idealnorm abweicht, und zwar nach der negativen Seite hin. Im Vordergrund steht dabei die äußere Erscheinungsform der Störung, das ins Auge fallende, das Sichtbare und Beobachtbare während die Frage, welche Ursachen möglicherweise zu einem solchen Verhalten geführt haben, offengelassen wird. Die Verwendung des Begriffes „verhaltensgestört“ setzt jedoch voraus, dass es sich nicht um ein von der üblichen Norm abweichendes Verhalten in einer einzelnen Situation handelt, sondern dass dieses Verhalten immer wieder auftritt, d.h. dass es habituelle Formen angenommen hat und dass es sich nicht mit den üblichen Erziehungsmaßnahmen beheben lässt“. (Denk, S. 207; zit. nach Kluge/Kleuters)

Denk beschreibt den Begriff verhaltensgestört als ein Verhalten eines Kindes, welches von der Real- und auch Idealnorm negativ abweicht. Es beinhaltet, dass das von der Norm abweichende beobachtbare Verhalten immer wieder vorkommt. Nach den Ursachen wird jedoch nicht gefragt. Es sind besondere Erziehungsmaßnahmen notwendig, um dem gestörten Verhalten entgegenzuwirken.

- „Verhaltensauffälligkeiten gehören zum normalen erzieherischen Alltag. Sie sind Ausdruck einer kindlichen Individualität und sind unvermeidlich im Zusammenhang mit den vielfältigen sozialen Lernprozessen, die ein Kind zu durchlaufen hat. Verhaltensauffälligkeiten sind Episoden und sollten daher keine besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Lausbuben und Lausmädchen sind kein Fall für Psychiater.

Verhaltensstörungen hingegen präsentieren sich dem Erzieher als mehr oder weniger ausgeprägte und dauernde Abweichungen im Verhalten des Kindes von einem „Normalverhalten“.“ (Kobi/Roth, S. 103).

Diese Definition von Kobi und Roth unterscheidet Verhaltensauffälligkeiten von Verhaltensstörungen. Demnach sind Verhaltensauffälligkeiten in der Entwicklung eines Kindes vollkommen normal, Verhaltensstörungen jedoch schwerwiegender zu betrachten und einer Behandlung zu unterziehen.

Ich persönlich empfinde diese Unterscheidung als sinnvoll und gut, in der Praxis ist es aber sehr schwierig, Grenzen zu ziehen.

Zusammenfassend lassen sich anhand der zitierten Definitionen Verhaltensstörungen als häufig auftretende Abweichungen im Verhalten eines Kindes oder Jugendlichen von den Normalansprüchen der Umwelt definieren.

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Details

Seiten
35
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638238601
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v19818
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Niederösterreich (ehem. Pädagogische Akademie des Bundes in Niederösterreich) – SonderschullehrerInnenausbildung
Note
Sehr gut (1)
Schlagworte
Sprachstörungen Lernschwierigkeiten Verhaltensauffälligkeiten

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Titel: Sprachstörungen - Lernschwierigkeiten - Verhaltensauffälligkeiten