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Absolutismus auf Landesebene

Kann der Absolutismus in Deutschland als Wegbereiter der Moderne betrachtet werden?

Seminararbeit 2010 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der Absolutismus – einleitende Betrachtungen

2. Absolutismus in Sachsen
2.1 Zentralisierungsbestrebungen
2.2 Das stehende sächsische Heer
2.3 Höfische Repräsentation zum Wohle Sachsens
2.4 Ein Katholik regiert Lutheraner
2.5 Sächsischer Merkantilismus

3. Absolutismus in Sachsen
3.1 Die Entwicklung der Zentralisierung
3.2 Das stehende Heer als preußische Machtsäule
3.3 Höfische Repräsentation: geliebt und gehasst
3.4 Toleranz des Glaubens
3.5 Preußens wirtschaftliche Förderungen

4. Absolutismus zwischen beiden Staaten

5. Abschließende Gedanken: Absolutismus als Wegbereiter der Moderne

Verzeichnis verwendeter Literatur

1. Der Absolutismus – einleitende Betrachtungen

Betrachtet man das historische Werden moderner Staaten ist es schlichtweg unmöglich, sich nicht mit der epochalen absolutistischen Herrschaftsstruktur auseinanderzusetzen, welche grob zwischen den Westfälischen Frieden von 1648 und der Französischen Revolution von 1789 eingeordnet wird. Diese aus demokratisch-aufgeklärter Sichtweise meist als unterdrückende und gänzlich abzulehnende Form der Machtausübung verschrien, fokussiert wohl grundlegend Ludwig XIV. Noch heute gilt jener damalige König Frankreichs nicht nur als selbsternannter Sonnenkönig, sondern gleichwohl als der absolute Herrscher par excellence. Unübersehbar ist sein Verdienst um den Absolutismus – betrachtet man das königliche Wirken und auch die zielstrebige Arbeit eines Kardinal Richelieu und seines Nachfolgers Kardinal Mazarin.

Doch der Auseinandersetzung mit dem französischen Absolutismus sei bereits an dieser Stelle genüge getan, soll sich diese Arbeit doch vielmehr mit den absolutistischen Ausprägungsformen der Reichsterritorien auseinandersetzen und auf diese Weise das Werk Ludwigs, als dem Leser bekanntes und zum Verständnis dieser Arbeit gleichsam erforderliches Fundament, auf Sachsen und Preußen Anwendung finden – zugleich wohl auch nichts vorweggenommen wird, wenn das absolutistische Frankreich mit seinen Merkmalen als Vorbild jener deutschen Herrscherhäuser als Leitfaden dieser Arbeit durchaus dienlich ist.

Die neuere Absolutismusforschung hebt vor allem den Begriff des Untertanen hervor. Dieser erfuhr durch die besagte Epoche einen grundlegenden Bedeutungswechsel, da er zuvor einzig das Kräfteverhältnis „Obrigkeit-Untertan“ bezeichnete, bis heute durch absolutistische Prägungen aber eine politische Unmündigkeit integriert.[1]

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Absolutismus in Sachsen und Preußen führt neben Basiswerken über die benannte Epoche, wie sie von Prof. Walter Demel oder auch Prof. Ilja Mieck verfasst wurden und im Verzeichnis verwendeter Literatur zu finden sind, zur folgenden Hauptliteratur: Das von Karl Czok verfasste Buch „Am Hofe August des Starken“ stellt nicht nur eine leichtverständliche Grundlage dar, sondern bildet durch detailierte Betrachtungen und der daraus folgenden geringen Interpretation des Autors ein Leitwerk zu jenem Thema. „Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947“ von Christopher Clark soll dieser Arbeit als elementare Literatur bei der Betrachtung des preußischen Absolutismus dienen. Das Werk bietet einerseits, durch die historische Genauigkeit des Autors, einen fast als spannend zu bezeichnenden Einblick in den Staat Preußen, andererseits eben durch diesen Aspekt auch eine vorweggenommene Richtschnur Clarks, die dem Leser schon anhand der Gliederung klar und somit strengend und wenig interpretativ erscheint.

Um den Absolutismus Sachsens und Preußens herauszustellen, bedient sich diese Arbeit der Merkmale, welche der Absolutismus schon nach französischem Vorbild aufweist. Auf diese Weise werden die Staaten auf fünf Kriterien untersucht: der Zentralisierung der Staatsgewalt, des stehenden Heeres, der höfischen Repräsentation, der Staatskirche sowie des Merkantilismus. Diese Aspekte als Ansätze nehmend, bemüht sich die vorliegende Arbeit um die Herausstellung sozialer und wirtschaftlicher Besonderheiten der Reichsterritorien, die ihre Auswirkung auf die Verwirklichung der benannten Herrschaftsform hatten.

2.Absolutismus in Sachsen

Zunächst soll nun der sächsische Absolutismus Betrachtung finden, wobei die Regierungszeit August des Starken (geb. 1670 gest. 1733) im Focus stehen wird.

2.1 Zentralisierungsbestrebungen

Nach der Thronbesteigung des sächsischen Kurfürsten 1694 berief dieser noch im selben Jahr den Landtag ein und forderte höhere Steuerabgaben, welche er Militär, Hofstaat und Verpflichtungen gegenüber dem Kaiser begründete. Gleichwohl scheiterte die Forderung nach militärischer Verstärkung, jedoch kamen die Stände nicht umhin, höheren steuerlichen Abgaben zuzustimmen.[2]

Zwar befanden sich zu jener Zeit alle wichtigen Entscheidungsinstanzen der Regierung am Hofe August des Starken, jedoch ist hier keinesfalls von einer Zentralisierung der Staatsgewalt zu reden.[3] Vielmehr zeigen die kurfürstlichen Forderungen an den Landtag die absolutistischen Bestrebungen auf. Diese durchzusetzen begann August als König von Polen. Zunächst galt es, eine umfassende Überarbeitung der Steuer- und Finanzpolitik durchzuführen, welche ebenso die Verwaltung integrierte. Eine hierzu gebildete „Große Kommission“ aus den höchsten Hofbeamten verwirklichte diese, in dessen Folge sich aber vor allem der nun finanziell angegriffene Hochadel gegen den Herrscher richtete.[4]

Gegen die immer lauter werdende Kritik an seinen absolutistischen Bestrebungen übertrug der polnische König dem neu initialisierten „Geheimen Kabinett“ erhebliche Gewalten, und nahm den Ständen mit der Ratifizierung der Generalakziseordnung ihr steuerliches Mitbestimmungsrecht. Desweiteren festige August seine Position durch die politische Absenkung des „Geheimen Rates“ und des Amtes eines Statthalters. Somit gelang es ihm – nicht zuletzt durch die Bildung der Oberrechenkammer, welche die Staatskasse kontrollierte – die Staatsgewalt in seiner Person zu bündeln und den Adel entscheidend zu schwächen.[5]

2.2 Das stehende sächsische Heer

Wie bereits verdeutlicht, war es einer der ersten kurfürstlichen Gedanken Augusts, das Militär zu vergrößern. Hiermit scheiterte er zunächst 1695 vor dem Landtag.[6] Um die Vorteile des machtsichernden Potentials eines stehendes Heeres nach innen sowie außen wissend, hielt der Kurfürst jedoch an diesen Bestrebungen fest. Bereits Johann Georg III. begann mit der Aufstellung eines stehenden Heeres, da er die Schnelllebigkeit eines Söldnerheeres, wie es noch im 30jährigen Krieg anzutreffen war, erkannte. Durch eine einheitliche Ausrüstung und Ausbildung versprach sich auch August der Starke militärische Erfolge.

2.3 Höfische Repräsentation zum Wohle Sachsens

Weit größeres Augenmerk als auf das Militär legte der polnische König jedoch auf die Umstrukturierung seines Hofes und dem damit verbundenen Repräsentationscharakter. Zur Entmachtung des Adels schien nach französischem Vorbild nicht nur die politische Unmündigkeit dessen erforderlich, sondern ebenso die kulturelle Abhängigkeit vom Monarchen.

Vergleicht man das „Neue Hoff Reglement von 1701“ mit der „Hoff-Ordnung Anno 1712“ so ist leicht zu sehen, dass die Anzahl der Ämter stark zugenommen hat. Auch diese Mehrzahl der Ämter wurde vor allem von Adligen besetzt.[7] Hierdurch gelang es August, den Adel vor allem finanziell an seine Person zu binden.

Mit dem repräsentativen Charakter des Dresdner Hofes ging auch die Förderung der Kultur einher. So verdeutlichte August bereits kurz nach seiner Herrschaftsübernahme seine Macht und Prachtentfaltung durch Karnevalsfestlichkeiten.[8] Durch Prachtfeuerwerke, wie er sie seinem Vetter Dänenkönig Friedrich IV. 1709 vorführen ließ, wusste August dies auch zu seinem außenpolitischen Gunsten einzusetzen.[9]

Somit ist diese Festkultur nicht zur reinen Zurschaustellung von Pracht und Luxus, ferner als Verschwendung finanzieller Mittel zu sehen – vielmehr diente sie als fester Bestandteil der absolutistischen Politik jener Zeit. Indem der August der Starke Kunst und Kultur förderte, baute er gleichsam einen Machtfaktor aus, auf den auf außenpolitischem Parkett nicht verzichtet werden durfte.[10] So entgegnete er dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. : „Wenn Ew. Majestät einen Dukaten einnehmen, so legen sie ihn zu seinem Schatz, ich aber gebe ihn aus, so kehrt er dreimal zu mir zurück.“[11]

Ebenso widmete sich August vielen Bauprojekten, welche sich vor allem an Vorbildern wie Versailles und Venedig orientierten. So ließ er den alten Schlosskomplex im Sinne seines absolutistischen Machtanspruchs umgestalten, was sich in der Zurschaustellung von Kostbarkeiten im Grünen Gewölbe und ebenso im Porzellanzimmer zeigt.[12]

So ist festzustellen, dass August auch auf diesem Wege versuchte, den Anspruch der polnisch-sächsischen Union als europäische Großmacht Ausdruck zu verleihen. Der Dresdener Zwinger, den der Kurfürst erweitern und umbauen ließ, beherbergte zum Ende dessen Amtszeit eine herausragende naturwissenschaftliche Sammlung, welche auch im Ausland gebührendes Lob fand.[13]

[...]


[1] Vgl. Gall, Lothar: Von der ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft, = Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 25, München 1993, S.56.

[2] Vgl. Czok, Karl: Am Hofe August des Starken, Leipzig 1990, S.39-40.

[3] Vgl. Czok [FN2], S.40.

[4] Vgl. Ebd.: S.45-47.

[5] Vgl. Ebd.: S.49-50.

[6] Vgl. Ebd.: S.40.

[7] Vgl. Czok: [FN2], S.76-77.

[8] Vgl. Ebd.: S.91.

[9] Vgl. Ebd.: S.92.

[10] Vgl. Ebd.: S.93.

[11] Löffler, Fritz: Der Zwinger in Dresden, Leipzig 1976, S.15.

[12] Vgl. Czok: [FN2], S.113.

[13] Vgl. Czok: [FN2], S.129-131.

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656241751
ISBN (Buch)
9783656244042
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198166
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Absolutismus Deutschland Sachsen Preußen Landesebene Moderne Absolutismus in Deutschland

Autor

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