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Theorien der Internationalen Beziehungen

Hausarbeit 2010 29 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Internationale Beziehungen - Grundbegriffe und Akteure

3 Wozu Theorien Internationaler Beziehungen?

4 Theorien
4.1 Idealismus
4.2 Realismus und Neorealismus
4.3 Neo-Institutionalismus und Regime-Theorie
4.4 Neo-Liberalismus und demokratischer Frieden
4.5 Konstruktivismus

5 Theoriesynopse

6 Die Sehnsucht nach der Kristallkugel

7 Ergebnis/Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1795 formuliert Immanuel Kant in seinem philosophischen Entwurf „Zum ewigen Frieden“ eine Theorie, auf den der Begriff des Friedens bis heute zurückzuführen ist. Er beschreibt in seinem Text die erste klassische Theorie der internationalen Beziehungen, den Idealismus. Internationale Beziehungen selbst werden bereits gut 400 v. Chr. das erste Mal beschrieben. In dem Melierdialog beschreibt Thukydides die Verhandlungen zwischen Athenern und Meliern, letztere versuchen durch geschickte Verhandlungen einem Krieg gegen Athen aus dem Weg zu gehen. In dem Dialog werden zum ersten Mal Grundbegriffe und Akteure der Internationalen Beziehungen beschrieben. Nach der ersten klassischen Theorie, dem Idealismus, dauerte es bis etwa in die 1930 er Jahre bis eine weitere Theorie begründet wird, der Realismus. Die folgenden klassischen Theorien, der (Neo-) Institutionalismus, der (Neo-) Liberalismus und der Konstruktivismus stützen sich zu großen Teilen auf eine Kritik am Realismus. Alle beschriebenen Theorien sind in die Denkschule der Internationalen Beziehungen einzuordnen. Die Internationalen Beziehungen befassen sich vor allem mit dem Verhältnis von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren und deren Verhalten. Wo liegen aber die konkreten Unterschiede und Gemeinsamkeiten der genannten Theorien? Wozu werden die Betrachtungen und Analysen der verschiedenen Theorien überhaupt benötigt und wozu dienen sie? Können die internationalen Theorien auch Vorhersagen für die Zukunft machen?

Unter anderem beschäftigen sich die Internationalen Beziehungen mit Konflikten. Die Länder der Dritten Welt und die Schwellenländer haben zur Zeit nur wenig gewaltsame Konflikte mit den Industriestaaten. Allerdings sind sie noch wenig mit der Weltwirtschaft und dem Welthandel vernetzt, was auf Dauer zu Konflikten führen könnte. In Lateinamerika wurden viele Länder, ebenso wie in Afrika und im Mittleren Osten von der Wirtschafts- und Finanzkrise vergleichsweise milde getroffen. Die Interdependenz mit den Industrienationen ist relativ gering und wenn nur einseitig vorhanden. Die Schwellenländer haben durch Schuldenerlasse und Strukturreformen sinnvolle Konjunkturprogramme auf den Weg gebracht und sind für eine Öffnung zum Weltmarkt besser gerüstet als noch vor zehn Jahren. Mit einigen Ausnahmen steigt das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer und Ländern der Dritten Welt deutlich schneller an, als das der meisten Industriestaaten. Sollte eine weitere Einbindung und faire Be-

handlung der Schwellenländer in den Weltmarkt nicht gelingen könnten auf Dauer allerdings gewaltsame Konflikte drohen.

Ausgehend von der Einleitung werden in Kapitel zwei, mithilfe des Melierdialogs von Thukydides die Grundbegriffe und Akteure der internationalen Beziehungen eingeführt. Kapitel drei versucht zu erläutern warum und wozu Theorien der Internationalen Beziehungen verwendet werden. Im vierten Kapitel werden dann mit dem Idealismus, dem Realismus/Neorealismus, dem Neo-Institutionalismus, dem Neo-Liberalismus und dem Konstruktivismus fünf verschiedene Theorien nacheinander vorgestellt. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit einer Theoriesynopse und Kapitel sechs geht auf die Sehnsucht nach der Vorhersage für die Zukunft ein. Im letzten Kapitel werden die vorangegangenen Erkenntnisse kurz zusammengefasst.

2 Internationale Beziehungen – Grundbegriffe und Akteure

In seinem Melierdialog beschreibt Thukydides die Verhandlungen zwischen den Athenern, die ihren erfolgreichen Eroberungszug auch auf die von den Spartanern gegründete Insel Melos ausweiten wollten, und den Meliern, die in den Verhandlungen vom Rat der Adeligen vertreten wurden. Melos verhielt sich während der vorangegangenen Eroberungszüge ruhig und stand den Athenern zunächst nicht feindlich gegenüber. Bevor die Athener Melos gewaltsam eroberten, schickten sie Gesandte, um über deren Schicksal zu verhandeln. (vgl. Thukydides 1962: S. 249).

Zu Beginn des Dialogs erläutern die Athener, dass sie in der Auseinandersetzung mit den Meliern auf das Recht des Stärkeren pochen werden, der Schwächere muss das Recht und den Willen des Stärkeren hinnehmen. Die Melier ihrerseits geben zu bedenken, dass die Athener mit dieser Haltung in Zukunft Opfer von Rachetaten werden könnten. Sie sollten statt vom Recht des Stärkeren vom Vorteil des Stärkeren sprechen und Gebrauch machen und den Meliern eine Chance zur Verhandlung und damit zur Besserung ihrer Lage geben. Die Athener versichern in ihrer neuerlichen Antwort, dass ihnen vor Rachetaten nicht Bange sei. Sie werben nochmals für eine friedliche Einigung, die aus ihrer Sicht für beide Seiten Vorteile bietet: Die Athener werden ohne Mü

he Herren der Melier, die im Gegenzug vom Krieg verschont blieben. Auf die Frage, inwiefern dieser Vorschlag auch den Meliern von Vorteil sei, antworten die Athener erneut, dass die Melier nicht leiden müssten, sondern sich nur unterzuordnen haben. Erneut schlagen die Melier vor, sich mit keiner Seite zu verbünden und den Athenern freundlich gegenüber zu stehen, was für die Athener keine Alternative ist, da Freundschaft ihnen auch im Ansehen ihres Volkes mehr schade als nütze. Die Melier versuchen die Athener nun auf weitere Feinde und einen anwachsenden Hass auf sie aufmerksam zu machen, wenn sie gewaltsam ihr Reich ausdehnen wollten. Für die Athener bedeutet aber mehr Sicherheit möglichst viele Inseln zu kontrollieren, da von diesen Inseln mehr Gefahr ausgeht als von den Städten auf dem Festland. Die Melier greifen erneut ein anderes Argument auf und geben zu bedenken, dass es feige wäre nicht gegen die drohende Sklaverei zu kämpfen. Daraufhin entgegnen die Athener, dass sie diesen Schritt gut überlegen müssten, da sie sich sonst dem viel Stärkeren wiedersetzten und somit eine fast sichere Niederlage in Kauf nehmen müssten. Die Hoffnung der Melier auf einen guten Kriegsausgang stößt bei den Athenern auf Unverständnis.

Diese Hoffnung, so die Athener, sei ihr Untergang. Die Melier wollen die schwächere Armee mit dem spartanischen Bund ausgleichen, der ihnen ebenso helfen soll wie die Gerechtigkeit und Gott. Aber auch die Athener sind sich der Gottesunterstützung sicher, zudem seien die Spartaner aus der Sicht der Athener keine Hilfe für die Melier, da sie feige sind und haltlose Versprechungen machten. Die Spartaner würden nur mit vielen Verbündeten in fremdes Gebiet einfallen. Doch die Melier sind sich sicher, die Spartaner helfen ihnen schon aus eigenem Nutzen, da sie sonst mit Spott und dem Verlust weiterer Verbündeter gestraft würden (vgl. Thukydides 1962: S. 249-253).

Der Dialog neigt sich daraufhin dem Ende zu, denn die Athener erkennen die Argumente der Melier nicht an, sondern sehen in dem Gespräch keine Möglichkeit auf einen Konsens. Das stärkste Argument ihrer Gesprächspartner, so die Athener, sei die „gehoffte Zukunft“, was gegen die Übermacht der Athener zu wenig sei. Es wäre nichts Unwürdiges einer so mächtigen Stadt wie Athen zu unterliegen, die Melier sollten sich bloß nicht an ihre Ehre klammern, sondern lieber zur Vernunft kehren und sich friedlich beugen. Die Athener schlagen aus ihrer Sicht für die Melier maßvolle Bedingungen vor: Die Melier werden Verbündete und dürften behalten, was sie besitzen, müssten aber Steuern zahlen. Es gäbe nur diesen einen Beschluss für ihr Vaterland, deshalb sollten sie

nun alleine beraten was für sie das Beste ist. Mit diesem Schlusswort verlassen die Athener die Verhandlungen. Die Melier beschließen es so, wie sie zuvor geantwortet hatten: Sie wollen den Athenern freundlich gegenüber stehen und keinen Feind haben. Falls die Athener auf dieses Angebot nicht eingingen, vertrauten die Melier auf das Schicksal und die Unterstützung der Spartaner. Auf keinen Fall wollen sie die Freiheit ihrer 700-jährigen Stadt ohne Weiteres hergeben (vgl. Thukydides 1962: S. 253-254).

Nach dieser Antwort brechen die Athener die friedlichen Verhandlungen ab und eröffnen daraufhin den Krieg gegen die Melier. Sie bauen eine Mauer um Melos und belagern den Ort. Als die Melier zum zweiten Mal den Mauerring durchbrechen richten die Athener alle erwachsenen Männer der Melier hin, die Kinder und Frauen werden versklavt. Der Ort wird danach neu gegründet und 500 attische Bürger siedeln sich daraufhin auf der Insel Melos an (vgl. Thukydides 1962: S. 254-255).

3 Wozu Theorien internationaler Beziehungen?

Im zweiten Kapitel aus dem Buch „Internationale Politik“ beschreibt Frank Schimmel- pfennig die „Bausteine der Theorie“.

Zunächst grenzt er den Begriff der „Theorie“ im Gegensatz zur „Praxis“ ab. Während Theoretiker Erkenntnisse durch Beobachten erlangen, sammeln die Praktiker Erfahrungen mit dem aktiven Eingreifen in die Wirklichkeit. Zur Methode des Erkenntnisgewinns zählt zudem das Sammeln und systematische Ordnen von Faktenwissen, das vollständig sein muss. Der Chronist bringt die Fakten in eine zeitliche Reihenfolge und stellt Zusammenhänge zwischen den einzelnen Ereignissen dar (vgl. Schimmelpfennig 2008: S. 40-41).

Das Erkenntnisinteresse richtet sich immer auf eine Klasse von Ereignissen oder Phänomenen. Das einzigartige spielt dabei keine Rolle, der Erkenntnisgewinn soll durch das herausfiltern von dem Wesentlichen oder Typischen passieren. Es soll abstrahiert und verallgemeinert werden. Der Inhalt eines Begriffs wird dabei reduziert, die Zahl der definierenden Attribute also verringert. Zudem wird der Umfang des Begriffs erhöht, also sollen mehr Ereignisse durch den Begriff erfasst werden.

Nach der Abgrenzung der Theorie, werden im Folgenden drei Theoriegattungen unterschieden (vgl. Schimmelpfennig 2008: S. 41-44):

1. Deskriptive Theorie: Die deskriptive oder beschreibende Theorie soll mit der Hilfe von abstrakten Konzepten die Wirklichkeit erschließen und dabei das Charakteristische an einem Gegenstand deutlich machen.
2. Normative Theorie: Im Gegensatz zur deskriptiven Theorie beschäftigt sich die normative Theorie damit, „was sein soll“. Die normative Theorie entwickelt dabei einen wünschenswerten Zustand, der meist nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt.
3. Kausalanalytische Theorie: Die Kausalanalytische Theorie stellt Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge dar. Sie beschreibt nicht nur was ist, wie die deskriptive Theorie, sondern analysiert warum etwas ist und wie es entstanden ist, versucht also zu erklären. Kausalanalytische Theorien bestehen aus Behauptungen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen und haben meist zwei Formen, die für eine vollständige kausalanalytische Theorie beide benötigt werden: Korrelation und Mechanismen.

Korrelation bedeutet, dass zwei oder mehr Ereignisse regelmäßig gemeinsam auftreten. Wenn ein Ereignis kurz vor dem anderen Auftritt lässt das auf Kausalität schließen. Die Ursache wird dabei als unabhängige Variable bezeichnet, die Wirkung als abhängige Variable.

Zwei Kritikpunkte gibt es an der Korrelation: Zum einen stellt sich das Problem des Theoriedefizits, das heißt, dass verborgen bleibt warum die Korrelation besteht und wie sie hervorgebracht wird. Zum anderen kann die Analyse von Korrelation zu falschen kausalanalytischen Schlüssen führen. Als erstes könnte eine Scheinkausalität vorliegen, das heißt zwei korrelierende Ereignisse hängen in Wirklichkeit von einem dritten Phänomen ab. Zum zweiten könnte es sein, dass bei der Überdeterminierung zwei unabhängige Phänomene mit einem Ereignis korreliert sind, von denen nur eines die tatsächliche Ursache ist. Um diese zwei Kritikpunkte aufzuheben wird die Mechanismusanalyse durchgeführt, bei der drei Dinge bestimmt werden müssen:

- Die Eigenschaften der unabhängigen Variablen, aus denen die kausalen Kräfte entstehen.
- Die kausalen Tendenzen der unabhängigen Variablen, die die abhängige Variable entstehen lassen.
- Die auslösenden Bedingungen, die diese Tendenzen freisetzen.

Zwei Mechanismen lassen sich dabei unterscheiden: Der „strukturell-institutionelle Mechanismus“, der davon ausgeht, dass die kriegsverhindernden Mechanismen in den strukturellen und institutionellen Beschränkungen der Demokratien liegt. Zum zweiten der „kulturell-normative Mechanismus“, der von den Werten und Verhaltensnormen einer Demokratie ausgeht, die kriegsverhindernd sind. Mit der Mechanismusanalyse lassen sich somit kausale Fehlschlüsse vermeiden und zusammen mit der Korrelation bildet es eine vollständige kausalanalytische Theorie (vgl. Schimmelpfennig 2008: S. 44-50).

Sozialwissenschaftliche Theorien bestehen aus mehreren miteinander verknüpften Aussagen. Die vier Bausteine der Theorie sind (vgl. Schimmelpfennig 2008: S. 50-58):

1. Akteure und Dispositionen: Zur Theoriebildung müssen zunächst Akteure und deren Dispositionen ermittelt werden. Unter sozialen Akteuren verstehen wir jemanden, der absichtsvoll seine Umwelt in die Handlungen mit einbezieht. Die Akteure haben verschiedene Bedürfnisse und Ziele. Die Art und Weise wie sie mit den verschiedenen Merkmalen umgehen und wie diese ausgeprägt sind, werden Dispositionen genannt und sind sehr unterschiedlich. In der internationalen Politik sind die entscheidenden Akteure meistens Staaten/Organisationen oder Unternehmen.
2. Strukturen und Strukturwirkungen: Als zweiter Baustein sind die Strukturen zu nennen, die nicht sinnlich erfahrbar, noch handlungsfähig sind. Sie ermöglichen und beschränken aber das Handeln der Akteure. Eine übliche Unterscheidung der Strukturen folgt in Schemata, Regeln und Ressourcen. Unter dem Begriff Schemata lassen sich kulturelle Strukturen fassen, wie die Elemente der Sprache oder kulturelle Grundunterscheidungen. Unter Regeln fallen normative Strukturen, die angeben, welche Elemente zu einem sozialen System gehören, wie sie angeordnet sind und wie sie positioniert sein sollen. Zuletzt gibt es noch Ressourcen, die die Verteilung der menschlichen und materiellen Ressourcen unter den Akteuren beschreibt. Die Strukturen regeln das Verhältnis der Akteure zueinander und ihr soziales Handeln.
3. Prozesse und Interaktionen: Um die Prozesse zwischen Akteuren zu erklären, die kausale Eigenständigkeit besitzen, müssen die unabhängige und abhängige Variable auf derselben Ebene des Systems liegen. Zudem müssen Theorien Interaktionsmechanismen spezifizieren, die die Handlungen der Akteure zu einem kollektiven Handlungsergebnis transformieren. Das Problem hierbei ist, dass die Handlungen nicht immer intendiert, also gewollt ausfallen, somit also auch unterwartete Züge annehmen können.
4. Rückwirkungen und Dynamiken: Politische Ergebnisse wirken in unterschiedlicher Weise zurück auf Faktoren, die sie hervorgebracht haben. Diese Faktoren können stabilisieren oder destabilisieren. Im vierten Schritt erwarten wir von den Theorien, dass sie zeigen, wie und unter welchen Bedingungen sich Akteure, Strukturen und Prozesse reproduzieren und verändern.

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Details

Seiten
29
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656242987
ISBN (Buch)
9783656244981
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198147
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,3
Schlagworte
theorien internationalen beziehungen

Autor

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