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Ethnographie Fidschis - Die Entwicklung von Fidschi-Hindi zu einer Koine

Lexikalische, grammatische, phonetische Merkmale der Sprachen von Indo-Fidschianer.

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Sprachen der Indo-Fidschianer

2. Koine, Koineisierung versus Pidginisierung

3. Die Entwicklung von Fidschi-Hindi zu einer Koine
3.1. Lexikalische und grammatische Merkmale des Hindi-Dialekten in Fidschi
3.2. Lexikalische und grammatische Merkmale des Hindustani
3.3. Grammatische Merkmale des Pidgin-Hindustani
3.4. Phonetische Merkmale des Fidschi-Hindi
3.5. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Etwa 60 Prozent von indischen Arbeitern sind während der Kolonialzeit in Fidschi geblieben. Sie kamen aus unterschiedlichen Ortsteilen von Indien, um auf den Plantagen ihr Geld zu verdienen. Heutzutage bilden Indo-Fidschianer eine der größten Hauptbevölkerungsgruppen. Mit 38,2 Prozent umfassen Inder, wie nirgendwo sonst im pazifischen Inselraum, fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung in Fidschi (vgl. Kreisel 2006: 42).

Die Sprache der Indo-Fidschianer wird Fidschi-Hindustani, oder heutzutage eher Fidschi-Hindi (FH) genannt. Unter beiden Begriffen wird die gleiche Sprache verstanden, die sich aus Hindustani, einer Lingua Franca, entwickelt hat und verschiedene Merkmale von östlichen Hindi-Dialekten nachweist. Aber in Bezug auf die Flexionsmorphologie, einschließlich Nominal- und Verbalphrasen, ist Fidschi-Hindi weniger komplex als seine Variationen (vgl. Siegel 1987: 185). Für diese Sprache sind viele Lehnwörter aus dem Englischen und Fidschianischen charakteristisch, die aber kleine Bedeutungsunterschiede erhalten haben.

Wegen der Mischung von dialektalen Merkmalen, gibt es verschiedene Beweise, dass Fidschi-Hindi zu einer „Koine“ wurde, da die gleichen Sprachen von indischen Nachkommen auch als Koine bezeichnet werden, zum Beispiel, Trinidad Bhojpuri und Guyanese Bhojpuri (vgl. Siegel 1987: 185).

In der Hausarbeit wird als erstes Überblick über die Sprachen der Indo-Fidschianer gegeben. Danach werden die Begriffe „Koine“ / „Koineisierung“ versus „Pidginisierung“ betrachtet. Als letztes werden die Hauptwirkungen auf die Entwicklung von Fidschi-Hindi zu einer Koine untersucht, darunter die morphologischen, linguistischen, lexikalischen Merkmale aus den Hindi-Dialekten, Hindustani und Pidgin-Hindustani. Als letztes werden die Besonderheiten der Phonetik von Fidschi-Hindi betrachtet.

1. Die Sprachen der Indo-Fidschianer

Die Verfassung von 1997 legte in Fidschi drei Amtssprachen fest:

1. Fidschianisch – etwa 340000 Menschen sprechen Fidschianisch als Muttersprache, weniger als die Hälfte der Bevölkerung (320000) benutzt diese Sprache als Zweitsprache.
2. Hindustani – eine Nordindische Sprache, aus der sich Standardsprachen Hindi, Urdu und Fidschi-Hindi entwickelt wurden, die indischstämmige Bevölkerung spricht.
3. Englisch – eine allgemeine Standardsprache, die von allen gesprochen und allen verständlich wird.

Es gibt eine absolute Vorherrschaft von zwei Sprachen bei 95 Prozent der Bevölkerung in Fidschi: Fidschianisch und Fidschi-Hindi (vgl. Siegel 1987: 137).

Die Sprachen der Indo-Fidschianer werden in zwei große Sprachfamilien geteilt (vgl. Siegel 1987: 136 ff):

1. nördliche indoarische Sprachfamilie mit folgenden Sprachen: Hindi / Urdu, Marathi, Gujarati, Panjabi, Bengali, Oriya;
2. südliche dravidische Sprachfamilie: Tamil, Telugu, Malayalam, Kannada.

Jede der obengenannten Sprachen hat ihre Variationen. Für die Hausarbeit ist Hindi von großer Bedeutung. Folgende schematisch abgebildete Klassifikation von Grierson demonstriert die Untergruppen von Hindi (vgl. Grierson 1927: 124 ff):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die meisten linguistischen Unterschiede zwischen diesen Hindi-Dialekten liegen auf der morphologischen, phonetischen und lexikalischen Ebene. Die Grammatik stellt keine besonderen Schwierigkeiten dar.

Wichtig ist zu merken, dass der Oberbegriff für die oben erwähnten Dialekten Hindi ist, nebenbei wird aber auch der Begriff „Hindustani“ benutzt. Laut Grierson, wird unter Hindustani ein besonderer Regionaldialekt verstanden, der heutzutage als Khariboli bekannt ist (vgl. Grierson 1927: 130). Außerdem gilt Hindustani als Lingua Franca vom Emigrationsverkehr während der Kolonialzeit (vgl. Tinker 1974: 130). Die Literaturform von Hindustani als Lingua Franca hat eine perso-arabische Schrift und viele Wörter persischer und arabischer Herkunft. Diese Literaturform ist als Urdu bekannt. Andere Form des Hindustani – gesprochenes Hindustani – benutzt Devanagari (ein alphasyllabisches Schriftsystem) und hat viele perso-arabischen Lehnwörter. Diese Form ist als Hindi bekannt. Folglich bedeuten Urdu und Hindi eine gleich gesprochene Sprache, die aber verschiedene lexikalische und grammatische Formalitäten hat (vgl. Siegel 1987: 139). Deswegen wird Hindustani Lingua Franca oft als Hindi-Urdu genannt.

Die Mehrheit der Indo-Fidschianer spricht heutzutage Fidschi-Hindi. Diese Sprache entwickelte sich aus dem Kontakt der Sprecher mit verschiedenen Dialekten von Hindi / Urdu während der Kolonialzeit. Die Sprache wurde zuerst als Indo-Fidschianisch bezeichnet. Sie hat ihre besonderen Merkmale erhalten, die Fidschi-Hindi von Hindi / Urdu unterscheiden, stören aber das Verständnis von den zwei letzten nicht. Alle Dialekte sind für die Sprecher verständlich.

Die ganze Mischung aus verschiedenen Dialekten hat sich zu einer Koine entwickelt – einer Sprache, die die Charakteristiken und Merkmale von mehreren Dialekten vermischt.

2. Koine, Koineisierung versus Pidginisierung

Der Begriff „Koine“ (altgriechisch κοινή - allgemein) wurde von vielen Autoren definiert. Hartmann und Stork (1973: 123) bestimmen Koine als einen sprachlichen Dialekt, der allgemein als Standard Sprache für die politisch vereinigte Region anerkannt ist.

Die Definition von Graff betont den Beitrag von verschiedenen Dialekten: „Form der Sprache, entstandene aus dem Kontakt zwischen verschiedenen Dialekten, und benutzte als ein allgemeines Hilfsmittel für die Kommunikation in diesen Dialektarealen“ (1932: 26).

Pei definiert Koine als „regionale Lingua Franca, entstandene aus dem Kontakt zwischen verschiedenen Dialekten“ (1966: 619). Im weiteren Sinne wird Lingua Franca allgemein für Sprachen benutzt, die als Kommunikationsmittel zwischen Personen mit unterschiedlichen Muttersprachen dienen.

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Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656243038
ISBN (Buch)
9783656244738
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198124
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Schlagworte
Fidschi Indo-Fidschianer Koine Koineisierung Pidginisierung Fidschi-Hindi Hindi-Dialekte Hindustani Pidgin-Hindustani

Autor

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