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Das Gesellschaftsbild der 1960er-Jahre bei George A. Romero, aufgegriffen im 1968 erschienenen Film "Night of the Living Dead"

Seminararbeit 2012 25 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Thematik

2. George A. Romero - Der «König der Zombies»
2.1 Kurzer Abriss Romeros Biografie
2.2 Filmografie

3. Der Film Night of the Living Dead (1968)
3.1 Kurzer Abriss der Filmhandlung
3.2 Die Zombies in Night of the Living Dead

4. Analyse von Night of the Living Dead
4.1 Die Sixties in den USA (kurzer Überblick)
4.2 Die US-amerikanische Gesellschaft währenden «68er-Jahren»
4.3 Das durch Night of the Living Dead (re-) präsentierte Gesellschaftsbild
4.3.1 Die Banalität des Schreckens
4.3.2 Die «silent majority» und der American Dream
4.3.3 Aus- und Tabu-Brüche der «68-Jahre»
4.4 Romeros Intentionen in Night of the Living Dead

5. Fazit und Schlusswort

6. Literaturverzeichnis

1. Einführung in die Thematik

« If one horror film hits, everyone says,

'Let's go make a horror film.'

It's the genre that never dies. »1

Das Genre, das nie stirbt war - und ist auch heute noch - George A. Romeros Lebensinhalt; fasziniert vom Genre des Horrors, und spezifisch von der Figur des Zombies, produzierte Romero eine Reihe von Filmen, von denen einige ohne falsche Bescheidenheit als «Klassiker des modernen Horrors» bezeichnet werden dürfen.

Einer dieser Filme ist Night of the Living Dead, welcher der erste Film aus Romeros Dead - Serie war, die mit Dawn of the Dead (1978), Day of the Dead (1985), Land oft he Dead (2005), Diary of the Dead (2007)2 und Survival oft he Dead (2009)3 jeweils ihre Fortset- zung fand.

In George A. Romeros Zombie-Filmen geht es aber nicht einfach nur um Horror und um die blosse Darstellung von Zombies - Romero übt(e) durch seine Filme auch immer eine gewisse Kritik an der Gesellschaft aus; so erwähnt Romero in einem Interview mit Spiegel Online 2005 beispielsweise:

« Filmemachen ist eine gute Plattform, um seine Meinung auszudrücken. Ich glau- be, dass es ziemlich einfach ist, in Filmen eine Botschaft zu transportieren, und ich bin davonüberzeugt, dass es manchmal auch eine Pflicht ist, dass zu tun. Vor al- lem Fantasy- und Horrorfilme sind sehr geeignet für so etwas, die Handlung ist oh- nehin komplett erfunden. »4

Während beispielsweise Night oft he Living Dead heute oft mit der Kritik am Rassismus im Amerika der 1960er-Jahre in Verbindung gebracht wird, ist es bei Dawn of the Dead die masslose Konsumgesellschaft, welche kritisiert wird, bei Land of the Dead die USRegierung unter Bushs Führung. Romero selbst sagt dazu treffenderweise:

« In « Land of the Dead » wird genau das beschrieben: Die Elite der Restmenschheit lebt in einem hohen Glasturm, während alle anderen keine Chance auf einen sozia- len Aufstieg haben und in verfallenen Häusern leben. Auf der untersten Stufe ste- hen dann die Zombies, die nicht umsonst wie Obdachlose angezogen sind. Aber ich glaube, wenn der Film im Weissen Haus gezeigt würde, würde ihn niemand ver- stehen. »5

Dies führt in der vorliegenden Arbeit zu folgenden Inhalten und Fragen: Wer ist Romero und was sind seine Intentionen? Wie sind seine Zombies (dargestellt)? Wie war die Ge- sellschaft der Sixties ? - Und vor allem: Wie wird diese Gesellschaft in Romeros Filmen (re-) präsentiert? Um den Rahmen dieser Arbeit dabei nicht zu sprengen, beschränke ich mich in erster Linie auf die Analyse des ersten, 1968 erschienenen, Romero-Klassikers Night of the Living Dead.6

2. George A. Romero - Der «König der Zombies »

2.1 Kurzer Abriss Romeros Biografie

Romero wurde 1940 in der New Yorker Bronx geboren und studierte Design, Kunst und Theaterwissenschaften an der Carnegie-Mellon Universität in Pittsburgh. Bereits ab 1954, also im Alter von 14 Jahren, hatte Romero begonnen - mit einer Super-8-Kamera - eigene kleine Filme zu drehen.7

Mit seinem Freund Russ Streiner gründete er nach dem Uni-Abschluss eine eigene Firma (The Latent Image) und produzierte Kurzfilme und Werbeclips.8 Wie Georg Seeßlen in seinem Werk Romero und seine Filme (2010) beschreibt, kam Romero die Idee für einen Horrorfilm « kurioserweise während der Arbeit zu einem Clip für die langlebigste Kinderserie [Mister Roger’s Neighborhood] des Senders WQED. »9

Mit der Produktionsfirma Image Ten Productions konnte Romero 1968 schliesslich sein erstes grosses Horror-Filmprojekt, Night of the Living Dead, realisieren.10 Dies war jedoch nur der Anfang einer sich bis heute weiter vergrössernden Serie von Romero- Horrorfilmen.

2.2 Filmografie

Zu Romeros weiteren Kino-Erfolgen zählen, nach Night of the Living Dead (1968), folgende Filme:11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Night of the Living Dead(1968)

Night of the Living Dead war Romeros erster Horrorfilm und wurde 1968 gedreht. Es war eine low-budget Produktion, das Budget betrug 114‘000 Dollar. Gedreht wurde er vor allem nachts und an den Wochenenden.12 Der Film wurde 1999 in die National Film Re gistry, in das Verzeichnis US-amerikanischer Filme, die als besonders erhaltenswert angesehen werden, aufgenommen.13

Wie Gregory A. Waller in seinem Werk American Horrors - Essays on the Modern Ameri- can Horror Film (1987) schreibt, beginnt mit Romeros Night of the Living Dead die moder- ne Ära des amerikanischen Horrorfilms.14 Auch Arno Meteling erwähnt dies in Monster - Zu K ö rperlichkeit und Medialität im modernen Horrorfilm (2006): « Mit ‚ Night of the Living Dead ‘ , so kann man zusammenfassen, beginnt die Entwicklung des modernen Zombie- films und damit die Gattung des modernen Horrorfilms [ … ]. »15 Ging es in früheren Zom- bie-Filmen in erster Linie um die Zweiteilung von schwarz (als « fremd und mystisch » ) und weiss (als « vertraut » ), verabschiedete sich Romero mit Night of the Living Dead - durch die Besetzung der Hauptrolle durch einen Schwarzen - von diesem Thema. Zusätzlich eröffnet er, so McIntosh und Leverette (Zombie Culture. Autopsies of the Living Dead, 2008) die Ära der apokalyptischen Zombiefilme: « [ … ] since Romero ’ s 1968 ‚ Night oft he Living Dead ‘ , the cinematic zombie has heralded the end of the world as we know it. In- sofar as they usually represent the catastrophic end oft he human ‚ habitus ‘ , then. zombie films can be called ‚ apocalyptic ‘ . »16

Im Zusammenhang mit dieser apokalyptischen Welt, welche in Hollywood in der Folge immer mehr aufgegriffen wurde, erwähnt Jamie Russell (Book of the Dead, 2005) auch das « atomic America » . Für ihn waren bereits die 1950er-Jahre diesem neuen, apokalyp- tisch geprägten Gefühl zuträglich. Die Angst in der Gesellschaft vor einem möglichen Atomkrieg stieg in den 1950er-Jahren erheblich. So beschreibt er die 1950er auch als eine Übergangszeit in der Zombie-Filmgeschichte, die in Night of the Living Dead das erste Mal auch mit ausserirdischer Strahlung (Radioaktivität?) in Berührung kam.17 Nach einer längeren Phase ohne grosse Zombiefilme in den Kinos in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre hatte der Horror schlussendlich auch Einzug ins Private gehalten. Nicht mehr exotische Inseln der Karibik lieferten nun das Setting, der Horror spielte sich plötz- lich inmitten des amerikanischen Alltags ab.18 Noch einmal Russell:

« Bringing horror into home, collapsing the boundaries between the ordinary and the monstrous, and locating the family as the site of terror, the post- ‚ Psycho ‘ horror film frequently challenges our notion of the gulf between the fictional horrors it presents and the everyday world in which we live our lives. »19

3.1 Kurzer Abriss der Filmhandlung

Nachdem die Geschwister Barbara und Johnny beim Besuch des Grabs ihres Vaters von einem merkwürdigen Mann angegriffen werden, flüchtet Barbara im Auto. Ihr Bruder bleibt nach einem Kampf mit der mysteriösen Gestalt bewusstlos (oder schon tot?) auf dem Friedhof zurück. Barbara kann sich mit letzter Kraft in ein leerstehendes Haus - so glaubt sie zumindest - flüchten. Nach kurzer Zeit verschanzt sich auch der dunkelhäutige Ben in diesem Haus. Da Barbara unter Schock steht, muss er das Haus alleine gegen die «Dinger» verbarrikadieren.

Auch im Keller haben sich weitere fünf Personen (Harry und Helen Cooper, ihre Tochter, sowie die Verliebten Tom und Judy) verschanzt, wobei das Kind irgendwie krank wirkt. Während des Versuchs, Bens Auto mit Benzin zu füllen, sterben Judy und Tom und werden von den Zombies verspeist.

Nach einem (weiteren) Streit wird Harry von Ben angeschossen und torkelt in den Keller, wo er schliesslich stirbt; im Keller werden Helen und Harry von ihrer eigenen Tochter, die mittlerweile zum Zombie mutiert ist, getötet und (teilweise) verspeist. Barbara stirbt durch ihren eigenen Bruder, der mit anderen Zombies ins Haus eindringt. Ben kann sich zu- nächst in den Keller retten; er stirbt aber am darauffolgenden Morgen durch einen Kopf- schuss, da ihn die Bürgerwehr für einen Zombie hält. Der Abspann zeigt dann die letzten Bilder nur noch als Fotografien; man sieht, wie Ben mit den ebenfalls getöteten Zombies verbrannt wird.

3.2 Die Zombies in Night of the Living Dead

Kyle William Bishop (American Zombie Gothic: The Rise and Fall (and Rise) of the Wal- king Dead in Popular Culture, 2010) sieht die Zombies in Romeros Erstwerk nicht mehr als « a thing of mythology and folkloristic ritual » (als Ding der Mythologie und folkloristi- scher Rituale), sondern erstmals als « raging armies of the dead » (als wütende Armeen Toter), wobei sich diese « Armeen» in späteren Filmen natürlich noch erheblich vergrös- sern. 20

Die Zombies des modernen Zombiefilms, von welchem Romero durchaus als der Begrün- der betrachtet werden kann, sind wiederauferstandene Tote, die triebartig dazu gebracht werden, Lebende zu beissen oder zu verspeisen - und sie damit ebenfalls in Zombies zu verwandeln. Der Horror rückt hier also erstmals in die Nähe, in die Familie, in die Häuser der Mittelschicht.

Romeros Zombies in Night of the Living Dead sehen irgendwie krank, oder zumindest angeschlagen und havariert aus und sind, was ihre Motorik betrifft, stark eingeschränkt.21 Ihre Glieder - und dadurch auch ihre Bewegungen - sind steif und die Zombies zeichnen sich durch einen langsamen, schleppenden Gang aus. Ihre Bewegungen scheinen unkontrolliert zu sein und sind ungelenk. Die geistige (Leistungs-) Fähigkeit der Zombies in Night of the Living Dead ist stark eingeschränkt und scheint in etwa dem Niveau eines kleinen Kindes, oder eines senilen Alten, zu entsprechen.22

[...]


1 New York Times, www.nytimes.com, 03.11.2004

2 vgl. Seeßlen, Georg, 2010: S. 5 - 6

3 vgl. Filmstarts.de, www.filmstarts.de, 2010

4 George A. Romero, in: Spiegel Online, www.spiegel.de, 05.08.2005

5 George A. Romero, in: Spiegel Online, www.spiegel.de, 05.08.2005

6 vgl. Spiegel Online, www.spiegel.de, 05.08.2005

7 vgl. Seeßlen, Georg, 2010: S.35 - 36

8 vgl. Ebd., S.37

9 Ebd., 2010: S.37

10 Ebd., S.38

11 vgl. Seeßlen, Georg, 2010: S. 5 - 6

12 vgl. Phillips, Kendall R., 2005: S. 82

13 vgl. National Film Registry, www.loc.gov, 03.07.2012

14 vgl. Waller, Gregory A., 1987: S. S. 2

15 Meteling, Arno, 2006, S. S. 18

16 McIntosh, Shawn / Leverette, Marc, 2008: S. x ~ Introduction

17 vgl. Russell, Jamie, 2005: S. 47

18 vgl. Williams, Tony, 2003: S. 119

19 Russell, Jamie, 2005: S. 55

20 Bishop, Kyle William, 2010: S. 37

21 Untot Info, www.untot.info, 2010

22 Untot Info, www.untot.info, 2010

Details

Seiten
25
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656241881
ISBN (Buch)
9783656245421
Dateigröße
871 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198013
Institution / Hochschule
Universität Basel – Medienwissenschaft
Schlagworte
gesellschaftsbild george romero film night living dead

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