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Die qualitative Determiniererphrase im Französischen und Spanischen

Hausarbeit 2011 17 Seiten

Romanistik - Vergleichende Romanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Eigenschaften der qualitativen Determiniererphrase
2.1 Vergleich: Possessive Konstruktionen
2.2 Vergleich: Pseudopartitive Konstruktionen

3 Externe Kongruenz in qualitativen Konstruktionen
3.1 Semantik des lexikalischen Kopfes: belebt
3.2 Semantik des lexikalischen Kopfes: unbelebt

4 Interne Kongruenz in qualitativen Konstruktionen

5 Zusammenfassung

6 Diskussion

Bibliografie

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über Konstruktionen des Typs N1-de-N2 im Spa­nischen und Französischen, die ich im Folgenden qualitative DP/Konstruktion nennen werde. Dabei stütze ich mich hauptsächlich auf zwei Artikel: Conflictual Agreement in Romance no­mináis und Mismatches: Agreement in qualitative constructions von den Autoren Aafke Hulk und Christine Tellier (1999 bzw. 2000). Diese Artikel befassen sich mit den Sprachen Fran­zösisch und Spanisch (1999) und Französisch und Niederländisch (2000). Zwei weitere Arti­kel, die nur am Rande miteinbezogen werden, stammen von Luis D. Casillas Martínez (2000) und Jenny Doetjes und Johan Rooryck (2003).

In Sprachen wie dem Französischen und Spanischen, in denen Kongruenz an Determinie­ren[1], Adjektiven und Partizipien overt markiert wird, bestimmt der nominale Kopf der DP, von nun an lexikalischer Kopf genannt, die Genus- und Numerusmerkmale kongruierender Adjektive oder Partizipien ausserhalb der DP. Weiter bestimmt der lexikalische Kopf auch die Genus- und Numerusmerkmale des funktionalen Kopfs der DP (D) (vgl. Hulk & Tellier[2] 1999: 179):

(1) Lesmascplmursmascpl de l’église ont été repeintsmascpl (Hulk & Tellier 1999: 179).

Es sind folglich zwei Arten von Kongruenz zu unterscheiden:

1) Interne Kongruenz:

Kongruenz zwischen dem Determinierer und dem lexikalischen Kopf der DP. Kongruiert D nicht mit dem lexikalischen Kopf der DP, entsteht ein Missverhältnis in der internen Kongruenz (vgl. H&T 2000: 36).

2) Externe Kongruenz:

Kongruenz zwischen dem funktionalen Kopf der DP und dem DP-externen Adjektiv oder Partizip (vgl. H&T 2000: 36). Kongruiert D nicht mit dem Adjektiv/Partizip, ent­steht ein Missverhältnis in der externen Kongruenz.

In (1) stimmen interne und externe Kongruenz überein, d. h. sowohl der Determinierer und der lexikalische Kopf als auch das Partizip ausserhalb der DP tragen dieselben Kongruenz­merkmale, nämlich m.pl. (vgl. H&T 1999: 180).

In der vorliegenden Arbeit stehen jedoch Konstruktionen im Zentrum, bei denen ein Missver­hältnis zwischen interner und externer Kongruenz entstehen kann. In diesem Fall kongruiert D mit N1, während ein externes Adjektiv oder Partizip mit N2 kongruiert, welcher hier der lexi­kalische Kopf ist (vgl. H&T 1999: 180), z. B.:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es gibt mehrere binominale Konstruktionen des Typs N1-de-N2, doch die qualitativen Konstruktionen sind durch ihre Eigenschaften, insbesondere was Missverhältnisse in der Kongruenz betrifft, klar von anderen Konstruktionen abzutrennen. Im nächsten Kapitel wird deshalb diese Konstruktion mit anderen binominalen Konstruktionen verglichen.

Im dritten Kapitel werden Muster der externen Kongruenz in qualitativen Konstruktionen dar­gestellt und auf Unterschiede zwischen dem Spanischen und Französischen hingewiesen. Muster und Besonderheiten der internen Kongruenz in qualitativen Konstruktionen sind Thema des 4. Kapitels.

Das 5. Kapitel dient der Zusammenfassung der vorangegangen Analyse, wobei der Schwer­punkt auf dem Vergleich zwischen den Sprachen liegt.

Zum Schluss (6. Kapitel) möchte ich die Annahmen von H&T (1999, 2000) kurz im Vergleich mit Ansätzen anderer Autoren diskutieren.

2 Eigenschaften der qualitativen Determiniererphrase

Das Augenmerk dieses Kapitels liegt hauptsächlich auf der Abgrenzung zu den possessiven und den pseudopartitiven Konstruktionen, obwohl es natürlich noch weitere Konstruktionen gibt, die gewisse Ähnlichkeiten mit den qualitativen DP’s haben, wie z. B. die partitiven (4) und quantitativen (5) Konstruktionen im Französischen (vgl. H&T 2000: 35):

(4)Plusieurs de ces livres (H&T 2000: 35)

(5) Beaucoup de livres (H&T 2000: 35)

Diese Vergleiche haben hauptsächlich zum Ziel, Besonderheiten qualitativer Konstruktionen zu erkennen und darzustellen.

Zuerst noch einige Worte zur Partikel de in qualitativen Konstruktionen. Es sind in der Litera­tur verschiedene Ansichten zu dessen Natur vorzufinden. Einige Autoren ordnen de den (präpositionalen) Komplementierern zu, andere behandeln diese Partikel als nominale Ent­sprechung der Kopula (vgl. H&T 2000: 45).

H&T (2000: 45) widersprechen diesen zwei Ansichten, indem sie de als Spell-out des funkti­onalen Kopfs einer Small Clause bezeichnen, der aufgrund eines ihm nachfolgenden Kopfes bestimmte Merkmale trägt. H&T (2000: 46f) argumentieren, dass bestimmte Eigenschaften der qualitativen Konstruktionen auf den Status von de als ein mit bestimmten operationalen Merkmalen ausgestatteten funktionalen Kopf zurückzuführen sind. Genauere Betrachtungen in diesem Bereich basieren auf dem Vergleich der qualitativen Konstruktionen mit den Kopu­la-Konstruktionen, auf den ich an dieser Stelle nicht eingehe (vgl. H&T 2000: 47).

2.1 Vergleich: Possessive Konstruktionen

(6) Le film de cette réalisatrice (H&T 2000: 34)

(7) Ton phénomène de fille (H&T 2000: 34)

Possessive (6) und qualitative Konstruktionen (7) haben einige Gemeinsamkeiten. Beide bestehen aus zwei nominalen Konstituenten, N1 und N2, welche links und rechts einer funkti­onalen Partikel de stehen. N1 und N2 sind Konstituenten und keine X[[0]]’s, denn sie können durch Adjektive modifiziert oder Komplemente erweitert werden (vgl. H&T, 2000: 34f):

(8) Erweiterte Qualitativkonstruktion; cet affreux jojo de mari de ma soeur (H&T 2000: 34).

(9) Modifizierte Possessivkonstruktion; Le film de cette fameuse réalisatrice (abgeändert von H&T 2000: 36).

Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass beide Konstruktionen DP’s sind, denen eine Small-Clause-Struktur zugrunde liegt. So ist also in beiden Konstruktionen in der zugrunde­liegenden Struktur der nominale Kopf (N1 bzw. N2) ein Small-Clause-Subjekt (vgl. H&T 2000: 37-38). Auf detailliertere syntaktische Analysen verzichte ich auch hier.

Es bestehen aber auch wichtige Unterschiede.

In qualitativen Konstruktionen kann N2 im Französischen nie einen Determinierer haben (10), in possessiven (11) hingegen schon (vgl. H&T 2000: 43).

( 10) Cet idiot de / *d’un / *du valet (H&T 2000: 43)

(11) Le jouet de la / d’une / de cette petite fille (H&T 2000: 43)

Die Struktur D1-N1-de-D2-N2 ist im Französischen also nur bei den possessiven Konstruktio­nen möglich. Im Spanischen können in qualitativen DP’s bestimmte Determinierer und Pos­sessivpronomen in der Position vor N2 auftreten (vgl. H&T 2000: 43):

( 12) La rata de tu hermano (H&T 2000: 44)

Dieses Vorkommen ist aber nicht völlig frei: Wenn der erste Determinierer nicht bestimmt oder demonstrativ ist, ist ein zweiter Determinierer vor N2 ausgeschlossen. Wichtig ist, dass sich diejenigen spanischen qualitativen Konstruktionen mit einem definiten Determinierer vor N2 von denjenigen ohne Determinierer in dieser Position sowohl semantisch als auch syntak­tisch unterscheiden. Zudem ist nur in denjenigen Konstruktionen mit zweitem Determinierer ein Adjektiv in der Position vor der Partikel möglich (vgl. H&T 2000: 44):

( 13) *un listo /hábil de doctor (H&T 2000: 45)

( 14) el listo /hábil del doctor (H&T 2000: 45)

In diesen Fällen handelt es sich jedoch bereits um qualitative DP’s des Typs D1-A-de-D2-N, die sich von der binominalen Konstruktion D-N1-de-N2 in einem Punkt grundlegend unter­scheiden: Es können keine Missverhältnisse in der Kongruenz Vorkommen, da einfach dieje­nige Genusform des Adjektivs gewählt wird, die mit derjenigen von N2 kompatibel ist (vgl. C.M. 2003: 4).

Diese Beobachtungen lassen darauf schliessen, dass es im Spanischen zwei Arten qualitati­ver Konstruktionen gibt (D1-A-de-D2-N und D-N1-de-N2), welche wiederum unterschiedlichen syntaktischen Bedingungen und semantischen Interpretationen unterliegen. Das Französi­sche hingegen verfügt nur über eine Art qualitativer Konstruktion (A/N1-de-N2)3, deren syn­taktische Eigenschaften denjenigen der spanischen Konstruktion ohne zweiten Determinierer entsprechen. Im Weiteren wird ausschliesslich auf diejenige Konstruktion eingegangen, die in beiden Sprachen vorkommt und binominal ist: D-N1-de-N2. (vgl. H&T 2000: 44f).

In possessiven Konstruktionen und auch anderen binominalen Konstruktionen gibt es zudem keine Missverhältnisse in der Kongruenz (vgl. H&T 2000: 36). Haben Ni und N2 in qualitati­ven Konstruktionen unterschiedliche Genera ist dies Ausgangslage für Missverhältnisse. Bei Possessivkonstruktionen hingegen haben unterschiedliche Genera der zwei Nomina keine Auswirkungen (vgl. H&T 1999: 192), da die externen Genusmerkmale immer mit denjenigen von N1 übereinstimmen, welcher selbst mit dem äusseren Determinierer kongruiert (vgl. H&T, 2000: 36):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Man kann folglich generalisieren, dass externe Kongruenz in Qualitativkonstruktionen durch N24 und in Possessivkonstruktionen durch N1 kontrolliert wird. Geht man nun davon aus, dass der nominale Kopf einer Konstruktion Kongruenz bestimmt, ist N2 der Kopf in qualitati­ven und N1 in possessiven Konstruktionen (vgl. H&T 2000: 37).5

[...]


[1] Im Folgenden auch D genannt.

[2] Im Folgenden H&T genannt.

[3] Im Quebec-Französischen sind auch Konstruktionen des Typs A/Ni-a-N2 zu finden, vor allem mit Eigennamen in der Position von N2, z. B. l'idiot àJean

[4] Abweichungen davon werden im 3. Kapitel besprochen.

[5] Es herrscht in der Literatur Uneinigkeit darüber, ob Ni oder N2 der Kopf von qualitativen Konstruktionen ist. Ich schliesse mich im Rahmen dieser Arbeit Meinung an, dass N2 der lexikalische Kopf in qualitativen Konstruktionen ist. Dies wird von H&T (2000: 37) u.a. dadurch begründet, dass der Determinierer immer N2 selegiert, während Niais Adjunkt innerhalb der qualitativen DP fungiert. Siehe S. 5 unten.

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656241980
ISBN (Buch)
9783656242321
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197968
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,3
Schlagworte
determiniererphrase französischen spanischen

Autor

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Titel: Die qualitative Determiniererphrase im Französischen und Spanischen