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Das Selbstbild älterer Menschen ab dem 60. Lebensjahr und ihr Fremdbild von jungen Menschen

Hausarbeit 2009 28 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Persönliche Motivation
1.2 Fragestellung und Ziel der Arbeit
1.3 Hypothesen
1.4 Aufbau der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Forschungsstand
2.2 Begriffsdefinitionen

3 Bearbeitung der Aufgabenstellung
3.1 Vorgehensweise
3.2 Darstellung der Ergebnisse
3.2.1 Allgemeine Anmerkungen
3.2.2 Grafische Darstellung

4 Diskussion und Bewertung der Ergebnisse
4.1 Allgemeine Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse
4.2 Zusammenfassung der Ergebnisse in Bezug auf die Fragestellung
4.2.1 Das Heterostereotyp JUNGER MENSCH
4.2.2 Das Autostereotyp ÄLTERER MENSCH
4.2.3 Bestätigung oder Widerlegung der Hypothesen

5 Fazit
5.1 Zusammenfassung
5.2 Ausblick

6 Bibliographie

7 Abbildungsverzeichnis

Anhang: Fragebogen

1 Einleitung

Die durchschnittliche Lebenserwartung nimmt kontinuierlich zu; wir leben in einer altern- den Welt. Folglich werden ältere Menschen in unserer Gesellschaft eine zunehmend wichtigere Rolle spielen. Nichtsdestotrotz werden Alter und ältere Menschen im öffentli- chen Rahmen vorwiegend als Problem präsentiert und es scheint, dass sowohl bei jungen Menschen als auch bei älteren Menschen selbst, negative Vorstellungen vorherrschen - Hilfs- und Pflegebedürftigkeit, kommunikative Inkompetenz, Intoleranz und Inflexibilität sind nur einige Stichworte dazu.

Wie soeben erwähnt, äußert sich „Alter“ neben der wissenschaftlichen Auseinanderset- zung mit der Altersthematik auch in der Öffentlichkeit. Es werden Bemerkungen über das Alter und ältere Menschen gemacht, Wertungen vorgenommen und Meinungen geäußert. In vielen Aussagen spiegelt sich, wie die oben genannten Stichworte zeigen, das Defizit- modell des Alterns sowie die Angst vor gesellschaftlichen Umbrüchen aufgrund der durch die alternde Gesellschaft verursachten Veränderungen wider (Kramer, o.J. in Fiehler & Thimm, 2003).

Auch der Generationenkonflikt ist im privaten und öffentlichen Rahmen immer wieder ein Thema und für viele scheint die Kluft zwischen den Generationen groß zu sein. Ein Grund für solche Spannungsfelder zwischen Jung und Alt, vorschnelle Urteile und falsche Vorstellungen können Stereotype sein.

1.1 Persönliche Motivation

Negative Bemerkungen und Behauptungen zum Thema „Alter“ und über ältere Menschen haben auch mich persönlich schon oft gestört. Viele Aussagen, sei es in den Medien, in Gesprächen oder in einem anderen Kommunikationszusammenhang, kamen mir häufig klischeehaft vor. Meine Großeltern, zum Beispiel, erlebte ich in vielen Dingen ganz an- ders, als dass sie eigentlich sein „sollten“. Im Gespräch mit älteren Menschen stellte sich zudem oft heraus, dass ihre Denkweise über jüngere Menschen insgesamt überaus posi- tiv ist.

Die Altersthematik an sich übte also schon im Vorfeld dieser Arbeit eine gewisse Faszina- tion auf mich aus und weckte mein Interesse. Somit war der Entscheid, mich im Rahmen dieser Seminararbeit damit auseinander zu setzen, schnell gefällt. Diese Arbeit trägt demnach auch dazu bei, mein ganz persönliches Interesse zu befriedigen, indem ich der Frage nachgehen möchte, wie ältere Menschen selbst über sich und junge Menschen denken. Ich bin einerseits sehr gespannt, obwohl das nicht Thema dieser Arbeit ist, ob sich die Ergebnisse mit meinen persönlichen Erfahrungen und Vermutungen decken und andererseits, ob sich, was nun das Hauptthema dieser Arbeit darstellt, aus den Aussagen älterer Menschen Stereotype heraus kristallisieren bzw. erarbeiten lassen.

1.2 Fragestellung und Ziel der Arbeit

Die folgenden drei Fragen stehen im Zentrum der Untersuchung:

a) Was für ein einfaches Heterostereotyp JUNGER MENSCH haben ältere Men- schen1 ? Durch welche stereotypen Zuschreibungen grenzen sie junge Menschen2 von der eigenen Gruppe ab und wie wird diese Abgrenzung, d.h. die Bildung der Outgroup, vollzogen?
b) Was für ein einfaches Autostereotyp ÄLTERER MENSCH haben ältere Men- schen? Durch welche stereotypen Zuschreibungen grenzen sie sich von jungen Menschen ab und wie wird diese Abgrenzung, d.h. die Bildung der Ingroup, voll- zogen?
c) Was für einen Einfluss hat der regelmässige persönliche Kontakt mit Jugendlichen auf das Heterostereotyp JUNGER MENSCH älterer Menschen?

1.3 Hypothesen

Es wird angenommen, dass ältere Menschen, die regelmässig persönlichen Kontakt mit Jugendlichen haben, ein positiveres Bild von jungen Menschen haben und dieses weniger von Stereotypen geprägt ist als das Bild derer, die keinen Kontakt zu jungen Menschen haben.

1.4 Aufbau der Arbeit

Den Anfang dieser Arbeit bildet der Theorieteil. Er dient der Darstellung des Forschungs- standes zu diesem Themenbereich und der Abgrenzung meiner Arbeit zu vorherigen Un- tersuchungen. Zudem werden darin die in Bezug auf die Aufgabenstellung relevanten Begriffe definiert. Im dritten Kapitel folgt die erste Auseinandersetzung mit dem eigentli- chen Thema: Die Erläuterung der Vorgehensweise und die grafische Darstellung der Er- gebnisse und deren Beschreibung. Auf die Fragestellung und die aufgestellten Hypothesen in Bezug auf die Ergebnisse wird im vierten Kapitel eingegangen.

Das letzte Kapitel schließlich dient dazu, einen Überblick über die Ergebnisse zu geben, diese zu kommentieren und zu bewerten.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Forschungsstand

Während sich Bereiche der Psychologie, Sozialpsychologie und Soziologie mit den The- men „Alter“ und „alter Mensch“ schon vielfältig auseinander gesetzt haben und sich die Gerontologie als eigenständige Disziplin entwickelt hat, zeigt sich die Altersthematik in der deutschsprachigen Linguistik weitgehend unbehandelt. Beispielsweise stehen sprachwis- senschaftliche Untersuchungen und gesicherte Belege dafür, dass das Kommunikations- verhalten und die Sprache älterer Menschen Besonderheiten aufweisen noch am Anfang. Besser sieht die Forschungslage im englischsprachigen Raum aus; „Communication and Aging“ besteht seit Ende der 80er Jahre als eigenständiges Forschungsgebiet in Soziolo- gie, Sozialpsychologie und Sprachwissenschaft. Einen umfassenden Überblick bietet z.B. die Zusammenstellung „Handbook of communication and aging research“ (Nussbaum & Coupland, 1995), (vgl. Fiehler & Thimm, 2003).

Bis in die 70er Jahre wurde in der Forschung über „Sprache und Kommunikation im Alter“ vor allem quantitativ untersucht, d.h., dass vor allem Fragen nach dem „wie viel“ und dem „wie oft“ bestimmten die vorherrschende Forschungsstrategie zu den interaktiven und kommunikativen Beziehungen im Alter. Ab Ender der 70er Jahre wandte man sich jedoch in soziologischen, sprachpsychologischen und kommunikationswissenschaftlichen Arbeiten immer mehr qualitativen Problemstellungen zu, d.h. der Erforschung der Funktion und Bedeutung von Sozialkontakten im Alter (vgl. Fiehler & Thimm, 2003).

Grundsätzlich lassen sich in der Alterskommunikation-Forschung bisweilen drei theoretische Grundpositionen bzw. Ansätze unterscheiden: Alter als eine durch spezifische sprachlich-kommunikative Merkmale („age markers“) bestimmte Form von Sprache und Sprechen, „Alter als Auslöser und Bewertungsgrundlage stereotyper Einstellungen und darauf basierender sprachlicher Anpassungen“ sowie „Alter als interaktiv konstituierte soziale Kategorie“ (Thimm, 2000, S. 78 und Fiehler & Thimm, 2003).

Ein 2003 erschienenes Sammelband („Sprache und Kommunikation im Alter“), der aus dokumentierten Vorträgen und weiteren Beiträgen einer Arbeitsgruppe besteht, die im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft (DGfS) 1996 zusammentraf, ist in diesem Zusammenhang besonders erwähnenswert. Darin widmen sich die Autoren im weitesten Sinne der Untersuchung des Gegenstandsbe- reichs, der durch die Begriffe „Alter“, “Sprache“ und „Kommunikation“ aufgespannt wird. Durch Überblicksartikel bis hin zu Detailuntersuchungen möchte der Band aufzeigen, wel- che empirischen Phänomene sich zur Untersuchung anbieten, wie dabei vorgegangen wird und auf welchen theoretischen Hintergründen solche Untersuchungen durchgeführt werden können (vgl. Fiehler, o.J. in Fiehler & Thimm, 2003).

Eine weitere nennenswerte Arbeit ist diejenige von Caja Thimm aus dem Jahr 2000 mit dem Titel: „Alter - Sprache - Geschlecht. Sprach- und kommunikationswissenschaftliche Perspektiven auf das höhere Lebensalter.“ Die Autorin erachtet es darin als notwendig, einen interdisziplinären Blickwinkel einzunehmen, da die Zusammenhänge zwischen Alter und Kommunikation über den Bereich der Sprachwissenschaft hinausgehen. So zieht sie zur Diskussion einiger Begriff auch soziologische, anthropologische, psychologische und gerontologische Arbeiten heran.

Einen Schwerpunkt dieser Arbeit stellen Alterskategorisierungen und Altersstereotype in Gesprächen unter Frauen verschiedener Generationen dar. Dabei wird beispielsweise aufgezeigt, wie sich ältere und jüngere Frauen kommunikativ mit dem Alter und dem Älterwerden auseinandersetzen (vgl. Thimm, 2000).

Während sich die Beiträge des Sammelbandes als auch die empirische Untersuchung von Thimm hauptsächlich mit Manifestationen von Alter im Bereich der mündlichen Kom- munikation und der Schriftsprache auseinandersetzen, wird für diese Arbeit eine grundle- gend andere Herangehensweise gewählt: Durch eine schriftliche Befragung älterer Menschen sollen stereotype Zuschreibungen in Bezug auf das Alter erarbeitet, benannt und interpretiert werden.

2.2 Begriffsdefinitionen

Im Folgenden werden die in Bezug auf die Aufgabenstellung relevanten Begriffe definiert.

a) Stereotyp

Ein Stereotyp ist der verbale Ausdruck einer auf soziale Gruppen oder einzelne Personen als deren Mitglieder gerichteten Überzeugung. Es hat die logische Form eines Urteils, das in ungerechtfertigt vereinfachender und generalisierender Weise, mit emotional wertender Tendenz, einer Klasse von Personen bestimmte Eigenschaften oder Verhaltensweisen zu- oder abspricht. […] Es zeichnet sich durch einen hohen Verbreitungsgrad innerhalb der kulturellen Bezugsgruppe aus (Quasthoff, 1989 zit. in Volkmann, Stierstorfer & Gehring, 2002, S.19).

b) Soziales Stereotyp

Soziale Stereotype beziehen sich auf soziale Gruppen. Sie „existieren hinsichtlich einer Vielzahl sozialer Merkmale. Dazu gehören Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Nationalität, soziale Schicht, sexuelle Orientierungen, politische Standpunkte etc.“ (Thimm, 2000, S. 95).

Es ist zu betonen, dass in dieser Arbeit das soziale Stereotyp von Interesse ist. Im Rah- men dieser Arbeit können die Begriffe des Stereotyps und des sozialen Stereotyps je- doch, trotz der umfassenderen Definition des ersteren, als synonym betrachtet werden.

c) Soziale Kategorie

Die soziale Kategorie ist eine „Form der Wissensstrukturierung in einem sozialen Ord- nungsgefüge und Zuordnungsprozess von Personen und Personengruppen“. Sie „erfolgt als Eigenidentifizierung oder als Fremdkategorisierung (Ingroup/Outgroup)“ und „steht in Verbindung mit bestimmten Eigenschaften und Handlungsbeschreibungen“ (Siebenhaar, o.J, S. 1).

ALTER, ÄLTERER MENSCH und JUNGER MENSCH3 werden in dieser Arbeit als soziale Kategorien betrachtet.

d) Altersstereotyp

Wir sprechen von Altersstereotypen resp. Altersrollenstereotypen, wenn Menschen ledig- lich aufgrund ihres chronologischen Alters bestimmte Eigenschaften, Verhaltens- und Rol- lenerwartungen zugeschrieben werden. Altersstereotype beziehen sich in der Regel nicht nur auf einzelne Eigenschaften und Verhaltensweisen, sondern umfassen ein Bündel von Eigenschafts- und Verhaltenserwartungen (Lehr & Niederfranke, 1991, S. 38).

e) Kategoriegebundene Merkmale

Kategoriegebundene Merkmale sind Aktivitäten, Rechte, Pflichten, Wissen, Attribute, Kompetenzen usw., die für die Mitglieder einer bestimmten Kategorie als „typisch“ angesehen werden und so gemeinsam das „Bild“ ergeben, das in der Gesellschaft von einer bestimmten Kategorie vorhanden ist (vgl. Kesselheim, 1998).

Der Begriff der stereotypen Zuschreibungen wird synonym zu demjenigen der kategoriegebundenen Merkmale verwendet. Auch die blossen Nennungen „Merkmal“ und „Zuschreibung“ referieren auf die soeben definierten Begriffe.

f) (Einfaches) Autostereotyp und (Einfaches) Heterostereotyp

Lehtonen unterscheidet vier Kategorien nationaler und kultureller Stereotype:

Stereotypes can concern one’s own group or the other; these stereotypes are respectively called auto- and heterostereotypes. And a stereotype can be a person’s generalization about characteristics of members of a given group - I call this type of stereotype a ‘simple stereotype’ - but it can also be a person’s assumption about the attitude of the others - I call this kind of stereotype the ‘projected stereotype.”

Das für diese Arbeit relevante einfache Autostereotyp ist nach Lehtonen “a person’s generalization about characteristics of members of a given group.” Das einfache Heterostereotyp beschreibt Lehtonen als "a person’s assumption about the attitudes of the others“ (Lehtonen zit. in Bartelt, 1994, S. 177).

g) Ingroup und Outgroup

Durch die Bildung einer Ingroup (Eigenidentifizierung) bzw. einer Outgroup (Fremdkatego- risierung) vollzieht eine Gruppe die Abgrenzung zu einer anderen Gruppe (vgl. Sieben- haar, o.J.).

In dieser Arbeit entspricht das Bild einer Outgroup (Fremdbild) bzw. einer Ingroup (Selbstbild) inhaltlich dem Hetero- bzw. Autostereotyp.

h) Alter

„Das Alter ist ein Lebenszeitraum analog der Kindheit oder Jugend. Er wird gesellschaftlich definiert mit dem Übertritt in die Pensionierung.“ Alter ist zudem eine soziale Kategorie und keine persönliche Eigenschaft (Kalbermatten, 2008, S.5).

i) Älterer Mensch

Zu den älteren Menschen werden in dieser Arbeit Personen ab dem 60. Lebensjahr ge- zählt. Die Ausdrücke „alter Mensch“, „der/die Alte“ und „die Alten“ werden ihrer negativen Konnotation wegen nicht benutzt, stehen aber sinngemäss synonym zu „älterer Mensch“.

j) Junger Mensch

Zu den jungen Menschen zählen in dieser Arbeit Personen zwischen dem 14. und 20. Lebensjahr. Die Ausdrücke „der Junge“ (nicht: „Knabe“) und „die Junge“ können synonym zu „junger Mensch“ verstanden werden.

[...]


1 Definition „älterer Mensch“ siehe S.7

2 Definition „junger Mensch“ siehe S.7

3 Soziale Kategorien werden in dieser Arbeit durch Grossschreibung gekennzeichnet.

Details

Seiten
28
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656239888
ISBN (Buch)
9783656239949
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197960
Institution / Hochschule
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften - IAP
Note
1.7
Schlagworte
selbstbild menschen lebensjahr fremdbild

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