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Schüleranleitung in der Palliativmedizin. Warum ist sie wichtig und wo liegen die Probleme?

Hausarbeit 2012 22 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Palliativ Care
2.1. Entwicklung der Palliativmedizin
2.2. Entwicklung in Deutschland
2.3. Palliativ Care heute

3. Wieso ist Ausbildung/ Weiterbildung in der Palliativpflege ein Thema?
3.1. Gesellschaftliche Entwicklung
3.2. Spezifische Aspekte der Palliativ Care

4. Entwicklung der Ausbildung für den Bereich der Palliativ Care
4.1. Auswirkungen auf die Pflegeausbildung
4.1.1 Weiterbildung in der Pflege
4.2. Auswirkungen auf die Ausbildung anderer Berufsgruppen

5. Resümee und Ausblick auf die Zukunft

6. Literaturverzeichnis

„ Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

(Cicely Saunders (1918- 2005), Begründerin der modernen Hospizbewegung und Palliativmedizin)

1. Einleitung

Schon lange gibt es den Gedanken der Nächstenliebe und die Grundeinstellung füreinander auch in den letzten Tagen des Lebens zu sorgen. Im Verlauf der Entwicklung der Gesellschaft wurde das Thema Tod und Sterben immer mehr in eine Tabuzone abgeschoben. Gedanken und Vorstellungen zum Thema entwickelten sich in jeder Kultur anders, in vielen wurden es im religiösen Sektor verordnet und mit der Zeit aus der familiären Umgebung verdrängt.

Erst mit Cicely Saunders (Zitat - siehe Seite vorher) wurde der Gedanke – der Mensch und seine Familie als Mittelpunkt des Handelns - wieder hervorgeholt und in eine institutionelle Form gebracht. Der Grundstein für die Palliativ- und Hospizarbeit wurde gelegt. Jedem Menschen sollte wieder eine bestmögliche Begleitung und Pflege im Kreis der Angehörigen zukommen.

Heute, etwas mehr als 50 Jahre später, ist die Palliativ- und Hospizbewegung immer noch in der Gesellschaft eine Randerscheinung. Das Thema Tod und Sterben ist weiterhin ein tabuisiertes Thema. Nur langsam beginnt es aus der Grauzone heraus zu wachsen, die ersten Schritte in die richtige Richtung sind getan.

Das Interesse in den Medien und somit in der Öffentlichkeit wächst. Die vielen Menschen, welche in diesen Bereichen tätig sind, haben schon lange die Wichtigkeit erkannt und arbeiten mit einer hohen Professionalität und einem hohen Maß an Menschlichkeit, engagiert für das Wohl der Patienten und deren Angehörigen.

Ob auf Wissenschaftlicher Ebene, in der Forschung, der Lehre, der Medizin, der Pflege, der Sozialarbeit, der Psychologie, der ehrenamtlichen Arbeit und den vielen anderen Bereichen. Gerade die heutige Zeit beweist uns das vieles im Wandel ist und diese Zeiten genutzt werden sollten.

Mit dem neuen Krankenpflegegesetz und mit dem neuen Curriculum für das Studium der Ärzte, in welchem die Palliativmedizin mittlerweile eine eigene Einheit bildet, ist ein erster großer Schritt getan, die nachkommenden Generationen auf eine allumfassende Pflege und Medizin vorzubereiten. Eine Versorgung, in welcher wieder der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht nur seine Erkrankung.

Die Ansprüche an die Palliativ- und Hospizarbeit steigen mit den Ansprüchen der schnell sich entwickelnden Gesellschaft, umso wichtiger ist es schon in der Ausbildung Sensibilitäten für diese Themen zu schaffen.

Das Thema Tod und Sterben, Leid, Trauer und Krankheit aus einer verdrängten Zone heraus zu holen und sie ins Leben zu integrieren.

Meine Hausarbeit will sich insbesondere mit dem Thema der Palliativ- und Hospizarbeit beschäftigen, obwohl es für andere Bereiche wie u.a. die Intensivstation, die Notaufnahme, die Onkologie, die Psychiatrie u.v.m. genauso wichtig wäre einen genaueren Blick auf die Praxis zu werfen. Ebenso werde ich mich nur mit der Ausbildung der Gesundheits- und Krankenpflege auseinander setzten, auch wenn es für die anderen Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen mindestens genauso wichtig wäre. (z.B. Altenpflege die in den Heimen ständig mit der Palliativ- und Hospizarbeit konfrontiert werden)

Ich will mich gerade mit dem Thema der Ausbildung in der Pflege auseinandersetzten, weil wir Pflegenden die Berufsgruppe sind, welche am meisten bei Patient und Angehörigen präsent ist und gerade dieser Bereich, in welchem man ein hohes Augenmerk auf sich selber und seine eigenen Gefühle werfen muss, schnell zu Überforderung führen kann. Eine Vernetzung und der enge Austausch zwischen Theorie und Praxis ist gerade hier sehr wichtig um eben dies bei Schülern, Lehrern, Mentoren und Praxisanleitern zu vermeiden.

Obwohl das Thema aktuell ist und uns gerade auch die psychische Belastung und Entwicklung unserer Auszubildenden am Herzen liegen sollte und der professionelle Umgang mit diesen, habe ich bei meiner Recherche kaum bis wenig Literatur zu dem Thema „Schüleranleitung in der Palliativpflege“ gefunden.

Ich möchte in meiner Arbeit versuchen die Wichtigkeit und Bedeutung einer guten Vorbereitung auf den Palliativeinsatz in der Praxis herauszustellen. Des weiteren werde ich versuchen Ansätze von anderen aufgreifen, Lücken aufzeigen, Lösungsansätze auflisten und unseren pädagogischen Auftrag gerade im Themenbereich Tod, Trauer, Leid und Sterben hervorheben.

Zunächst möchte ich auf den folgenden Seiten den Begriff der Palliativ- und Hospizbewegung mit deren Entwicklung genauer ausführen. Im Folgenden werde ich auf den Bereich und die Entwicklungen der Ausbildung eingehen und die Probleme und Notwendigkeiten versuchen aufzuzeigen, warum gerade eine umfassende Betreuung der Schüler in diesen Themenbereichen unablässig und nötig ist und eine bessere Vernetzung von Lernort Schule und Lernort Praxis hin bekommen werden muss.

Am Schluss werde ich meine Vorstellungen und Ideen bezüglich einer besseren Umsetzung in der Praxis vorstellen.

2. Was ist Palliativ Care

Bevor man über die Entwicklung, die Ausbildung und die Probleme dieses Bereiches schreibt, sollte zuerst geklärt werden, was Palliativ Care eigentlich bedeutet.

Palliativ Care beschäftigt sich generell mit der Pflege von Menschen, welche unheilbar erkrankt sind. Die Krankheitsbilder sind mannigfaltig und die Alterspanne der Patienten wird immer größer. Die heutige Palliativ Care beschäftigt sich immer intensiver auch im Bereich der Pädiatrie (Kinderheilkunde) und der Geriatrie (Altersheilkunde).

AIDS, fortgeschrittene Krebserkrankungen, neurologische Erkrankungen u.a. ALS (amyotrophische Lateralsklerose), schwere Herzkreislauferkrankungen und mittlerweile auch das große Feld der demenziellen Erkrankungen (u.a. Alzheimer) bilden das umfassende Aufgabenfeld der Palliativmedizin und Palliativpflege.

Eine Trennungslinie zwischen dem Bereich der Kuration (= der auf Heilung ausgelegten Medizin und Pflege) und dem Bereich der Palliation (= der lindernden und begleitenden Medizin und Pflege) kann nicht gezogen werden. Die Übergänge zwischen diesen Bereichen sind eher fließend und sollten als ein Miteinander verstanden werden und nicht wie so oft, als ein aufeinander folgendes Konzept. Keiner kann von vornherein sagen wie eine Krankheit verläuft, deshalb wird eine gemeinsame (palliative und kurative) Begleitung, von der Diagnose an, angestrebt.

Hierbei wird auch oft der Bereich der Palliativstationen mit denen eines Hospizes verwechselt oder gleichgesetzt. Schwierig ist die Trennung selbst für Fachleute, da beide Bereiche eng mit dem Gedanken der Lebensqualität, der Symptomkontrolle, der Linderung und des Sterbens verbunden sind. Die Hospize, mit ihrem Gedanken der allumfassenden Pflege und Sorge, gab es bereits sehr früh. Erst mit den wachsenden medizinischen Möglichkeiten und den damit verbundenen Ansprüchen, entwickelte sich dieser Grundgedanke, einer allumfassenden, fürsorgenden Versorgung Sterbender auch unter Einsatz medizinischer Mittel, weiter zu dem Leitgedanken der Palliativ Care.

Viele Palliativstationen gehen dazu über auch Hospizbetten anzubieten und viele Hospize bieten medizinische Mittel wie u.a. Dialyse an und ähneln damit von der Versorgung her Palliativstationen. Die Trennung ist und bleibt schwierig und sollte auch als strikte Abgrenzung nicht zu sehen sein.

2.1. Entwicklung der Palliativmedizin

Die Trennung zwischen den Hospizen und den Palliativstationen ist deshalb auch so schwierig, weil der Begriff und der Gedanke der Hospize bereits schon viele Jahrhunderte besteht, während die moderne Palliativmedizin sich erst 1967 mit Cicely Saunders integrierte.

Bereits aus dem Christentum und zur Zeiten des römischen Reiches existierten Berichte über Hospize (lat. hospitium „Herberge“), welche vor allem Reisenden, Waisen, Bedürftigen, Kranken und Sterbenden Hilfe anboten. Im 4. Jahrhundert wurden Hospize vor allem unter die Leitung christlicher Orden gestellt, welche auch heute noch viel als Träger hospizlicher Einrichtungen fungieren. (vgl. Koch, Lang, Mehnert, Schmeling- Kludas 2006, S. 224)

Vor ca. 1840 war sterben Privatsache, man konnte niemand Fremden zumuten das Sterben zu ertragen und die Sterbenden wurden abgeschoben und mussten die letzte Zeit mit sich selber ausmachen. Man sprach auch von der „todleugnenden Epoche“. (Vgl. Koch, Lang, Mehnert, Schmeling- Kludas 2006, S. 5)

Erst 1842, mit Madame Jeanne Garnier, entstand in Lyon das erste Hospiz welches sich ausschließlich mit der Pflege, Betreuung und Begleitung von Sterbenden beschäftigte. Viele weitere folgten, aber der Beginn der modernen Palliativ- und Hospizbewegung wie wir sie heute kennen, wird maßgeblich Cicely Saunders (Ärztin und Krankenschwester, 1918 – 2005) zugeschrieben. Sie gründete 1967 das St. Christopher`s Hospiz, in Großbritannien, welches zuerst auf Spenden basierte und ausschließlich für Krebspatienten gedacht war. Besonders war bereits hier, das sie sich sowohl um ambulante Versorgungsstrukturen Gedanken machte, als auch bereits Forschung und Lehre als eine der Hauptaufgaben ansah.(vgl. Koch, Lang, Mehnert, Schmeling- Kludas 2006, S. 3, S. 224)

Die erste Palliativstation weltweit wurde 1975 in Montreal gegründet. Mit dem Buch von der Schweizer Ärztin Kübler- Ross, „On Death and Dying“ (1969) begann auch in Deutschland die Auseinandersetzung mit dem Thema der Hospizidee. (vgl. Koch, Lang, Mehnert, Schmeling- Kludas 2006, S. 224)

2.2. Entwicklung in Deutschland

„ Die erste nominelle palliativmedizinische Einrichtung in Deutschland war eine Fünf- Betten- Modellstation, die (von der Deutschen Krebshilfe e.V. finanziert) am 7. April 1983 in der Klinik für Chirurgie der Uniklinik Köln eröffnet wurde.“ (Schäfer, Schuhmann 2011, S.18 ff.) Das erste Hospiz (Haus Hörn) nahm 1986 seine Arbeit in Aachen auf. (vgl. Koch, Lang, Mehnert, Schmeling- Kludas 2006, S. 225)

Lange wurde bereits auch in Deutschland über die Notwendigkeit von Hospizen und Palliativstationen gesprochen, aber erst vor noch nicht einmal 30 Jahren begann man dann es in die Tat umzusetzen. Daran und an den Beispielen vorher sieht man das die Palliativmedizin bzw. Palliativpflege eine relativ junge Disziplin ist, die aber dafür in den letzten Jahren seit ihrer Entstehung, bereits wertvolle Arbeit auf dem Gebieten der Forschung und der Lehre geleistet hat. Der palliative Gedanke hat positiv auf die medizinische und auch die pflegerische Ausbildung Einfluss genommen und den Blick wieder auf ein holistisches Bild vom Patienten gerichtet.

Über viele Jahre lang entwickelte sich die Medizin und die Pflege eher in eine negative Richtung hin, nur die Erkrankung wurde gesehen („die Lunge von Zimmer 8“), der Patient und die Angehörigen mit ihren Bedürfnissen rückten in den Hintergrund. Sterben fand nur in „Randbereichen“ der Klinik statt. Das Thema Tod und Sterben durfte nicht zum Alltag gehören. Patienten wurden raus aus den Zimmern und in Badezimmer geschoben um dort ihre letzten Stunden zu „erleben“.

Das dies heute in kaum einer Klinik noch denkbar ist und als ethisch nicht vertretbar eingeschätzt wird, ist zum Teil der Arbeit der Palliativ Care zuzuschreiben. Das sterbende Menschen weiterhin in 3 Bett Zimmern „zusammengelegt“ werden, da die Wege dann kürzer sind, darf für die Zukunft nicht mehr toleriert werden und sollte ganz aus dem Gedankengut der in der Pflege und Medizin Tätigen verschwinden. Umso wichtiger wird hier wieder der Ausbau der Lehre und eine allumfassende Vorbereitung auf den späteren Beruf mit und am Menschen.

2003 hat die Ministerkonferenz des Europarates empfohlen, die politischen und gesetzlichen Voraussetzungen zu schaffen, um auf nationaler Ebene einen kohärenten und umfassenden Rahmen für die Palliativ Care zu schaffen. Demnach muss Palliativ Care integrierter Bestandteil der Gesundheitspläne sein. “ (Davy, Ellis 2010, S. 11)

Mit dem Wandel der Gesellschaft hin zu einer älteren Gesellschaft, wird der Bedarf an einer qualifizierten, individuellen und allumfassenden Medizin und Pflege in schwerer Krankheit und am Lebensende zunehmend an Bedeutung gewinnen. Auf Grund des zukünftigen zu erwartenden Mangels an Fachkräften ist es wichtig auch in der Gesellschaft ein Umdenken zu bewirken und die Themen Tod, Trauer, Leid und Sterben wieder mit in den Alltag einzubringen und eine gegenseitige Unterstützung der Menschen zu erlangen, welche durch Fachkräfte gestützt, aber nicht getragen werden sollte.

Eine palliative Betreuung der Zukunft verlangt nach Veränderungen in Politik, Gesetzgebung und Gesellschaft.“ (Davy, Ellis 2010, S. 17)

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Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668238985
ISBN (Buch)
9783668239159
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197950
Institution / Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
2,3
Schlagworte
schüleranleitung palliativmedizin warum probleme

Autor

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