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Wird Basel II private Kapitalflüsse in die Beitrittsländer Mittel- und Osteuropas beeinträchtigen?

Seminararbeit 2003 18 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Executive Summary

1. Einleitung
1.1 Methode
1.2 Daten
1.3 Theoretischer Hintergrund
OLI-Konzept
Value at risk
Neue Institutionenökonomie
Markets in transition

2. Analyse
2.1 Basel II und der EU Beitritt 2004
2.2 Standardisierter Ansatz
2.3 IRB – Ansatz
2.4 Mögliche negative Auswirkungen von Basel II
2.5 Abschließende Konklusion

3. Diskussion

4. Zusammenfassung

Literaturliste

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: BIP-Wachstumsraten ausgewählter CEE-Länder in 2001

Abbildung 2: Anzahl der erfüllten Maastricht-Kriterien in 2003

Abbildung 3: Länderrating CEE 2003

Abbildung 4: Langfristiges Ranting der größten Banken in Polen

Abbildung 5: Provisionssätze im Standardansatz

Abbildung 6: Graphische Darstellung des Standardansatzes für Länder

Abbildung 7: Provisionssätze nach dem IRB-Verfahren

Abbildung 8: Graphische Darstellung des IRB-Verfahrens

Abbildung 9: Zeitlich paralleler Ablauf von Basel II und Euro-Einführung

„Transparenz ist eine Voraussetzung für funktionierende Märkte.

Transparenz schafft Vertrauen. Fehlt sie, führt sie zu Verunsicherung.“

Martin Mayer, Brodings Institution Scholar[1]

Abstract

Vorliegende Seminararbeit untersucht die Auswirkungen von Basel II auf private Kapitalflüsse in die Beitrittsländer Mittel- und Osteuropas am Beispiel Polens. Nach genauer Auswertung der vorhandenen Literatur zu diesem Thema und einer abschließenden Expertenbefragung der strategischen Kreditrisikomanagement-Abteilung eines international tätigen Bankinstituts ist folgende Konklusion zu ziehen: Basel II und der EU-Beitritt zehn neuer Mitgliedstaaten sind zwei parallel laufende Prozesse. Wenn Basel II schließlich im Jahr 2007 in Kraft tritt, werden einige der neuen EU-Mitgliedstaaten bereits möglicherweise die gemeinsame Währung, den Euro, eingeführt haben. Folglich lautet die Antwort auf die Leitfrage dieser Arbeit: Basell II kann private Kapitalflüsse in die Beitrittsländer Mittel- und Osteuropas in den meisten Fällen sogar positiv beeinflussen.

Executive Summary

Aus heutiger Sicht erscheinen positive Auswirkungen von Basel II auf private Kapitalflüsse in die Beitrittsländer von 2004 am wahrscheinlichsten. Die beiden Prozesse, sowohl jener der Kapitalmarktregulierung als auch jener der EU-Erweiterung, seien mit Spannung abzuwarten und zu beobachten. Etwaige negative Implikationen von Basel II, z.B. Währungskrisen werden durch das Eingreifen der EZB im Rahmen der WWU größtenteils gedämpft bzw. sogar verhindert werden.

Im Moment besteht kein aktueller Handlungsbedarf. Um weitere Empfehlungen abgeben zu können, sollen die Ergebnisse der derzeit laufenden Studie QIS III abgewartet werden.

1. Einleitung

Die enorm hohe Anzahl an Publikationen zu Basel II und dessen Folgen lässt die Brisanz der Thematik und die Aktualität dieses Problems nur teilweise erahnen. Spätestens seit den Krisen in Mexiko (1994/1995), Asien (1997), Russland (1998), Brasilien (1999) und der Türkei (2000) ist klar, dass die bisherigen Methoden der Risikoevaluierung, welche vorwiegend eine OECD-Mitgliedschaft zur Bewertung heranzogen, versagt haben.[2]

Sogar das Europäische Parlament, ein wichtiger Kritiker zahlreicher Basel II Bestimmungen, erkennt

„die Notwendigkeit einer Revision der heute gültigen Eigenkapitalregeln [...], da sie den tatsächlichen Risikogehalt von zahlreichen Bankgeschäften nicht mehr adäquat widerspiegeln und die Gefahr von regulatorisch bedingten Verzerrungen, Fehlbewertungen und versteckten Risiken in sich bergen.“[3]

Die Bestimmungen des Basler Komitees, welche seit ihrem Inkrafttreten 1988 bereits einige Male revidiert wurden[4], beeinflussten die „Risk-Based Capital Standards“ der Federal Reserve Bank in den USA wesentlich.[5] Allgemein akzeptierte und einheitlich angewandte „Sicherheitsbestimmungen“ fördern die Transparenz und somit die Stabilität des weltweiten Finanzmarktes.

Zahlreiche Publikationen[6] sagen einen schwachen negativen Einfluss der Basel II Bestimmungen auf die Investitionstätigkeit in den EU-Beitrittsländern voraus. Im strategischen Kreditrisikomanagement eines international tätigen Bankinstituts wurde im Rahmen eines Interviews festgestellt, dass dort überhaupt kein Anlass zur Sorge besteht. Im Gegenteil: aufgrund des investment grade aller Beitrittsländer (quasi eine conditio sine qua non für den EU-Beitritt) und des nach der Bonität des Kunden differenzierten Provisionssatzes ist in vielen Fällen eine Verbilligung der Kreditkosten und folglich eine positiver Effekt von Basel II zu erwarten.

Einer kurzen Präsentation des theoretischen Grundgerüsts folgend soll klar und detailliert dargelegt werden, warum die Hypothese wahrscheinlich ist, wonach positive Implikationen von Basel II auf private Kapitalflüsse in die Beitrittsländer anzunehmen sind.

1.1 Methode

Die Ergebnisse einer durchgeführten Literaturrecherche und –analyse wurden zwei Experten zur Bewertung vorgelegt. Polen wird, einerseits aufgrund der Größe (wirtschaftlich und demographisch) und andererseits aufgrund der Wurzeln der Autorin in diesem Land und somit dem Zugang zu inländischem Datenmaterial, als Beispiel für einen Beitrittskandidaten herangezogen. Bewertungen einer in Polen tätigen Ratingagentur dienen ebenso der Überprüfung der Hypothese.

1.2 Daten

Die verwendeten Daten stammen hauptsächlich aus dem Internet – working papers bzw. Statistiken der EZB, EBRD, OECD, der polnischen Nationalbank, Dokumente des Europäischen Parlaments und des Basler Komitees sowie Ratings der in Polen tätigen internationalen Agentur Fitch. Durchgeführte Interviews mit Experten dienen der Bestätigung der gezogenen Konklusion.

1.3 Theoretischer Hintergrund

Zum besseren Verständnis der Problematik soll eine kurze Darstellung der vorhandenen Theorie als Einstieg dienen. Hierzu werden das OLI-Konzept von Dunning, die Konzeption des value at risk und das Principal-Agent-Problem aus der Neuen Institutionenökonomik herangezogen. Abschließend werden Charakteritika sog. markets in transition angeführt.

OLI-Konzept

John Dunnings Verdienst ist die Zusammenführung vieler Theorien und empirischer Beobachtungen auf einen gemeinsamen Nenner. In seiner eklektischen Theorie der Direktinvestitionen erklärt Dunning unter welchen Umständen eine Unternehmung im Ausland erfolgreich ist. Folgende Faktoren sind demnach relevant:

wesentliche Wettbewerbsvorteile (Ownership), Auswahl der richtigen Märkte (Location), und Vorteile aus einer Auslandsinvestition durch höhere Erträge (Internalization).

Dieses damals bahnbrechende Konzept ist aber um einen wichtigen Faktor zu ergänzen: Risiko. Aufgrund der Relevanz für vorliegende Arbeit seien kurz das Konzept von Schneider und der dazugehörige Beweis von Fink angeführt.

Prof. Schneider entwickelte und publizierte 1993 eine Konzeption, wonach es einen wesentlichen Unterschied in der Beurteilung des Risikos wirtschaftlicher Tätigkeit durch einen Unternehmer und durch einen Portfolioinvestor gäbe.[7] Demnach sei es Aufgabe des Portfolioinvestors aufgrund der Unbeeinflussbarkeit des diversifizierbaren Risikos nur jene risikobehafteten Investitionen zu tätigen, bei denen ein positiver Ertrag zu erwarten sei (positive Korrelation zwischen Ertrag und Risiko). Ein Unternehmer bzw. ein von diesem Beauftragter (Manager) könne durch seine Entscheidungen aber auch das Risiko beeinflussen. Folglich sei es dessen Aufgabe, Erträge zu steigern und gleichzeitig Risiko zu senken.

Zahlreiche empirische Studien konnten zunächst keine positive Korrelation zwischen Risiko und Ertrag nachweisen. Dieses in der Literatur als risk-return-paradox bekannte Phänomen, wurde erst durch Fink/Oppitz/Salvatore (2000)[8] gelöst. In einem sehr großen Sample österreichischer Unternehmen gelang es ihnen, Schneiders Theorie zu beweisen. Demnach sind große Unternehmen als Institutionen zur Verringerung der Einkommensunsicherheit kleinen Unternehmen überlegen. Eine weitere nicht unwesentliche Schlussfolgerung daraus ist, dass auch Auslandsengagements von Unternehmen auf jeden Fall nach dieser Prämisse auszurichten sind.

[...]


[1] Zitat gefunden bei Fitch Polska SA. www.fitchpolska.com.pl

[2] Dziekonski , P. (2003): Basel II – Auswirkungen auf den Kreditmarkt. Materials and Studies No. 164. (Original in polnischer Sprache). Polnische Nationalbank, S. 74.

[3] Bericht über die Adäquanz der Eigenmittel von Banken (Basel II). „Radwan-Bericht“. Plenarsitzungsdokument des Europäischen Parlaments vom 9. Juli 2003.

[4] z.B. Amendment of the Capital Accord to Incorporate Market Risk. Bank for International

Settlements, Jänner 1996, www.bis.org

[5] vgl. Press release des Federal Reserve Board vom 4. August 2003. www.federalreserve.gov/BoardDocs/Press/bcreg/2003/20030804/attachment.pdf

[6] z.B. Weder, B., Wedow, M. (2002): Will Basel II affect international capital flows to emerging markets? Technical Paper No. 199. OECD Development Centre. S. 5.

[7] Schneider, D. (1993): Unternehmung als Institution zur Verringerung von Einkommensunsicherheit. Betriebswirtschaftslehre, Band 1: Grundlagen, R. Oldenburg Verlag München Wien. S. 1-27

[8] Fink, G., Oppitz, M., Salvatore, D. (2000): A test on the superiority of large firms as institutions to reduce income risks, Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Nr. 4. S. 453-470.

Details

Seiten
18
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638238151
ISBN (Buch)
9783668183834
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v19769
Institution / Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien – Interdisziplinäres Institut für Europäische Fragen
Note
Sehr gut
Schlagworte
Wird Basel Kapitalflüsse Beitrittsländer Mittel-und Osteuropas Regulierung Finanzmarktentwicklung

Autor

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