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Prokrastination und Selbstbeherrschung

Seminararbeit 2012 15 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Problem des Aufschiebens - Experimentelle Untersuchungen
2.1 Bereitschaft zur Selbstkontrolle und Effizienz
2.1.1 Die Versuchsanordnung
2.1.2 Ergebnisse und Diskussion
2.2 Bestrafung und Belohnung als Selbstkontrollmechanismen
2.2.1 Die Versuchsanordnung
2.2.2 Ergebnisse und Diskussion
2.3 Wertschätzung und emotionale Bindung
2.3.1 Die Versuchsanordnung
2.3.2 Ergebnisse und Diskussion

3. Prokrastination am Beispiel eines theoretischen Modells

4. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

2.1: Verteilung der festgelegten Abgabetermine für die drei Kurzarbeiten

2.2: Bevorzugter Zeitpunkt der Bonusübergabe

2.3: Wertschätzung und emotionale Bedeutung des Tests in Abhängigkeit der Testzeit

2.4: Signifikante Effekte im Zusammenhang mit der Produktivität der Teilnehmer

1. Einleitung

Die Hausarbeit schreiben oder doch lieber an den See? Sonntagabends noch einmal den Vorlesungsstoff der letzten Woche wiederholen oder einfach nur einen guten Film im Fernsehen ansehen? Jeder kennt den inneren Zwiespalt, der sich auftut, wenn wir eigentlich eine unangenehme Sache erledigen müssten aber vielmehr den aktuellen Augenblick genießen möchten. Ein Großteil der Menschen umgeht diesen temporären Aufwand indem sie Dinge, die ihnen widerstreben, auf spätere Zeitpunkte aufschieben. Dieses Verhalten wird in der Fachsprache auch als Prokrastination bezeichnet. Eng damit verbunden ist die individuelle Fähigkeit, Selbstdisziplin zu üben und sich trotz kurzfristiger Anstrengungen immer seine langfristigen Ziele und Werte vor Augen zu halten. So konnte nachgewiesen werden, dass sich eine schon im Kindesalter ausgeprägte Selbstbeherrschung positiv auf die spätere Gesundheit oder den Erfolg der Menschen auswirken kann. 1 Gerade die Zielgruppe der Studierenden ist sicherlich besonders von der umgangssprachlich „Aufschieberitis“ genannten Verhaltensweise betroffen. Jedoch stellt Prokrastination ein ernstzunehmendes Problem für einen nicht geringen Teil der Bevölkerung dar und bedarf oft auch professioneller Hilfe. 2 In dieser Arbeit soll vorwiegend durch Analyse verschiedener Versuche gezeigt werden, dass sich die meisten Menschen durchaus über ihre „prokastinierenden“ Charakterzüge im Klaren sind. Anhand einiger Beispiele wird beschrieben, wie Menschen dieser Nachlässigkeit durch verschiedene Maßnahmen zur Selbstkontrolle versuchen entgegenzuwirken.

Im ersten Teil der Arbeit wird auf die Bereitschaft der Probanden, sich selbst in ihren Handlungsweisen einzuschränken, eingegangen. Es wird klar, dass sie sich zwar Richtlinien setzen, dies aber nicht in optimaler Art und Weise tun. Aus weiteren Versuchen geht hervor, dass Selbstbeherrschung als eine Funktion von der Gestalt einer umgedrehten U-Funktion in Abhängigkeit der kurzfristigen Kosten einer Tätigkeit aufgefasst werden kann.

In dem darauffolgenden Kapitel werden die Beobachtungen aus der Praxis in einem theoretischen Modell festgehalten.

2. Das Problem des Aufschiebens - Experimentelle Untersuchungen

2.1 Bereitschaft zur Selbstkontrolle und Effizienz

Zunächst soll anhand einer Studie des Massachusetts Institut of Technology (MIT) an der Universität von Cambridge untersucht werden, ob Menschen grundsätzlich bereit sind, sich selbst in ihren Handlungsweisen einzuschränken, um gewisse Tätigkeiten nicht weiter hinauszuschieben. Darüber hinaus soll gezeigt werden, inwiefern eigens auferlegte Fristen zu einer Leistungssteigerung führen können, sich Menschen bei der Festlegung dieser aber oft nicht optimal verhalten. 3

2.1.1 Die Versuchsanordnung

Durchgeführt wurde der Versuch mit 99 Teilnehmern einer Weiterbildung für Führungskräfte am MIT. Während des 14-wöchigen Programms sollte jeder Teilnehmer drei Kurzarbeiten verfassen. Dazu wurde der Kurs zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe bekam drei über den gesamten Zeitraum gleichmäßig verteilte Abgabetermine. Gruppe 2 hatte freie Hand bei der Wahl der Abgabefristen. Lediglich die spätest mögliche Abgabe am letzten Tag des Kurses musste eingehalten werden und einmal festgelegte Termine konnten nicht mehr geändert werden. Während die vorzeitige Abgabe einer Arbeit keinen Vorteil brachte, wurde die erreichte Punktzahl für jeden Tag Verspätung um 1% reduziert. Ein vollkommen rational handelnder Teilnehmer ohne Probleme mit seiner Selbstbeherrschung sollte demnach alle drei Abgabetermine auf den letzten Tag des Kurses legen. Hier hätte er zur Vervollständigung seiner Arbeiten so viel Zeit wie möglich und auch eine Bestrafung durch Punktabzug wäre ausgeschlossen.

2.1.2 Ergebnisse und Diskussion

Wie aus Abbildung 2.1 hervorgeht, handelten die Personen aus Gruppe 2 jedoch anders als erwartet. Nur zwölf Teilnehmer (rund 27%) wählten für alle drei Termine den letzten Tag des Kurses aus. Die im Durchschnitt festgelegten Zeitpunkte für die drei Arbeiten lagen bei 41.78, 26.07 bzw. 9.84 Tagen vor Kursende, wobei alle drei Termine signifikant von 0 - d.h. Abgabe am Ende - verschieden waren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Verteilung der festgelegten Abgabetermine für die drei Kurzarbeiten 4

Es scheint also, als sei sich der Großteil des Auditoriums bewusst über die Problematik des Aufschiebens und versucht dem durch vorzeitige Festlegung auf fixe Abgabefristen entgegenzuwirken. Sie riskieren mögliche Punktverluste, nur um ihre drohende Nachlässigkeit bei der Verrichtung anstehender Aufgaben in den Griff zu bekommen. Des Weiteren wurden die erreichten Punktzahlen beider Gruppen gegenübergestellt. Mit durchschnittlich 88.78 Punkten erzielte die erste Gruppe signifikant höhere Werte als die Gruppe mit freier Wahlmöglichkeit (85.67). Jedoch machte nicht die Tatsache, dass die Abgabezeitpunkte extern instruiert wurden, diese Gruppe besser. Vielmehr ist die sinnvolle Wahl der Intervalle ausschlaggebend. Dazu verglich Ariely die Leistung der Personen ohne Wahlfreiheit mit denen aus der zweiten Gruppe, die ihre Intervalle ähnlich zu den vorgegebenen Terminen festgelegt hatten. Hier wurde die Differenz zwischen den verliehenen Punktzahlen unsignifikant und sank um fast 60%.

Auch in einer weiteren Studie mit ähnlicher Versuchsanordnung konnten analoge Schlussfolgerungen gezogen werden. Dabei wurde eine zusätzliche Vergleichs- gruppe eingeführt, die bezüglich Einhaltung von Fristen keineswegs eingeschränkt war, ihre Arbeiten also auch erst am letzten Tag des Kurses liefern konnte. Zudem wurde mit Hilfe unterschiedlicher Zusatzfragen ein Maß für die empfundene Freude bei der Bewältigung der Aufgaben gebildet. Neben den gleichen Feststellungen wie bei der ersten Studie, konnte außerdem gezeigt werden, dass die Gruppe ohne jegliche Restriktionen am schlechtesten abschnitt. Mit abnehmender Flexibilität stieg zwar die Leistung der Teilnehmer, jedoch sank auch gleichzeitig der Spaß an der Arbeit.

[...]


1 Vgl. hierzu Moffit et al. (2011)

2 Vgl. hierzu auch Untersuchungen der Prokrastinationsambulanz der Universität Münster 1

3 Vgl. zu Kapitel 2.1: Ariely und Wertenbroch (2002)

4 Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Ariely und Wertenbroch (2002)

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656236337
ISBN (Buch)
9783656240082
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197596
Institution / Hochschule
Universität Ulm – Institut für Wirtschaftswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Prokrastination Selbstbeherrschung Verhaltensökonomik Selbstkontrolle self control Aufschieben Aufschieberitis Disziplin Verhalten Bestrafung Zeitmanagement Experimente Statistik Theoretisches Modell Hinauszögern Verschieben

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