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Eine Analyse des Textes „Cyberstalking“ von Jens Hoffmann

Seminararbeit 2012 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formulierende Interpretation

3. Reflektierende Interpretation

4. Theoretische Ansätze
4.1 Medienwirkungstheorie
4.2 Mediensozialisationstheorien
4.3 Medienpädagogik

5. Schlussbemerkung

6. Literatur - und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Das World Wide Web wie wir es heute kennen und nutzen hat in den letzten zehn Jahren einen enormen Wandel erfahren. Zunächst gestaltete nur eine kleine Gruppe von Nutzern das Internet, während der Großteil der Nutzer Inhalte hauptsächlich konsumierte. Durch die technischen Neuerungen stehen heutzutage jedem Nutzer des sogenannten Web 2.0 eine Vielzahl an Partizipations- und Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung. Mit diesen steigenden Möglichkeiten, die das Internet gewährt, häufen sich auch die Diskussionen über die Bedeutung dieses Mediums. Besonders die Punkte Cybermobbing und Cyberstalking sorgen für kritische Diskussionen. Wie diese auf Grund ihres argumentativen Gehalts zu bewerten sind, soll in dieser Arbeit exemplarisch am Text von Jens Hoffmann „Cyberstalking“ 1 aufgezeigt werden. Dabei erfolgt zunächst eine Textanalyse, die sich im zweiten Abschnitt dieser Arbeit mittels der formulierenden und im Anschluss in Kapitel 3 mit der reflektierenden Interpretation, mit Hoffmanns Werk auseinandersetzt. Textinhalt und Textwirkung sollen so entschlüsselt werden um im anschließenden Teil die verwendeten theoretischen Ansätze aufzuzeigen. Diese Arbeit betrachtet die Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation für den Umgang mit Medien. Ob Hoffmans Text dem Anspruch eines wissenschaftlichen Textes genügt und ob die notwendigen Kompetenzen im Umgang mit Web-2.0-Diensten vermittelt werden, die den Leser dazu befähigen sollen Chancen des Internets zu nutzen, als auch die damit verbundenen Risiken zu erkennen und zu vermeiden, wird anhand der gesammelten Erkenntnisse in der Schlussbemerkung dieser Arbeit zusammengefasst.

2. Formulierende Interpretation

Die Formulierende Interpretation befasst sich mit der inhaltlichen Darstellung des Textes. Somit diskutiert der folgende Teil dieser Arbeit die Frage ‚Was im Text dargestellt wird‘. Hoffmanns Text widmet sich laut Titel dem Thema ‚Cyberstalking‘. Einleitend dazu führt der Autor mit dem generellen Thema ‚Stalking‘ in seinen Text ein. Hierbei werden eine allgemeine Definition sowie Motive und Tendenzen vorgestellt. Grundsätzlich wird Stalking als „wiederholte Verfolgung oder Bedrohung einer anderen Person gegen deren Willen“ 2 verstanden. Diese Definition gilt als Basis für Cyberstalking, jedoch mit der Spezifizierung Ä in der virtuellen Welt“ 3 statt zu finden. Anhand zweier Fallbeispiele werden drei Ebenen veranschaulicht, die für das Stalking konstituierend sind. Im Zweiten Abschnitt konzentriert sich der Autor darauf Stalking bei Jugendlichen zu thematisieren, um sich im dritten Teil seines Werkes auf das Phänomen Cyberstalking bei Jugendlichen zu fokussieren. Zur Kennzeichnung der Ausdrucksformen des Cyberstalking bei Jugendlichen nennt Hoffmann das Internet, dabei insbesondere Foren und Chatrooms, als Ort des Geschehens. Durch einen hohen Grad der Zugänglichkeit von Daten bietet sich somit für (potenzielle) Stalker eine Vielzahl von möglichen Handlungsmustern. Hoffmann sieht darin die Gefahr der Entstehung einer Obsession dem Opfer gegenüber und die Erleichterung der Informationsrecherche und/oder einer bestehenden Obsession mittels Veröffentlichungen, Beteiligungen Dritter, Benachrichtigungen etc. Ausdruck zu verleihen. Die Evaluation von Hoffmanns dargestellter Thematik ist jene, dass Jugendliche, die Informationen im Netz über sich veröffentlichen Opfer von Stalkern werden, bzw. dass Kontakte in Chatrooms oder Foren zu Stalkingfällen führen. Die Auflösung dieser Problematik ist durch präventives Handeln und gezieltes Fallmanagement möglich. Die Analyse dieser narrativen Themenentfaltungsstruktur endet mit der Coda, dass Stalking ein Phänomen ist, das eng mit der Menschheitsgeschichte verbunden ist. Im Zusammenspiel mit modernen Medien, wie dem Internet, eine besondere Vielfalt an Möglichkeiten für Stalking entstehen und sich die Sonderform des Cyberstalking entwickelt hat. Da gerade Jugendliche einen starken Bezug zu diesen neuen Medien führen, sind sie häufiger gefährdet als ältere Menschen.

3. Reflektierende Interpretation

Die Aufgabe der reflektierenden Interpretation ist es nun zu analysieren wie die Aussage des Textes dargestellt wird. Die Festlegung des Kontextes von Hoffmanns Werk erfolgt zunächst unter der Betrachtung des Autors. Jens Hoffmann ist Diplom- Psychologe und hat das psychologische Bedrohungsmanagement in Deutschland und der Schweiz eingeführt. Aufgrund seiner Stellung am Institut Psychologie und Bedrohungsmanagement kann der Autor als Autorität in seinem wissenschaftlichen Fachgebiet betrachtet werden. Dies lässt jedoch nicht automatisch den Rückschluss zu, dass es sich hierbei um einen wissenschaftlichen Text handelt. Inwiefern der Text einen wissenschaftlichen Charakter hat, soll im Folgenden die reflektierende Interpretation zeigen.

Betrachtet man zunächst einmal die externen Kriterien eines wissenschaftlichen Textes wird deutlich, dass es sich beim Autor um einen Wissenschaftler handelt, der das Amt der Institutsleitung des Instituts Psychologie und Bedrohungsmanagement trägt und Diplom-Psychologe ist. Anhand folgender Textstellen lässt sich belegen, dass der Autor die Problematik des Stalkings aus psychologischer Perspektive diskutiert „psychische Besonderheiten“ 4, „aus psychologischer Sicht“ 5, „in der Psyche“ 6, „Psychopathologie“ 7, „psychische Krankheit“ 8. Ebenfalls ist zu beachten, dass sein Werk „Cyberstalking“ in keinem wissenschaftlichen Verlag, sondern dem Springer Verlag erschienen ist. Die Diskussionen zum Thema Internet werden immer diffuser. So schrieb z.B. Kai Hinrich im Hamburger Abendblatt über das Internet: “Hier werden unsere Kinder von Pädophilen verführt und unsere Konten beim Onlinebanking leer geräumt. Facebook greift unsere privatesten Daten ab. Wer nicht rechtzeitig sein Häuschen bei Google Street View verpixeln lässt, wird bestimmt schon bald Opfer eines Einbruchs.“ 9 Hoffmann befasst sich jedoch nicht nur mit diesem Thema in seinen Werken, sondern auch speziell die Problematik Gewalt wird in seinen Werken diskutiert wie die Titel folgender Werke zeigen: „Umgang mit Gewalttätern - Kommunikation und Gefährderansprache“, „Häusliche Gewalt und Tötung des Intimpartners - Prävention und Fallmanagement“, „Amok und zielgerichtete Gewalt an Schulen“. Mit Blick auf die internen Kriterien zur Kennzeichnung eines wissenschaftlichen Textes ist festzustellen, dass die Sprache und der Stil des Textes sehr leicht verständlich sind und mit einer geringen Fachterminologie auskommen „die Polizei ist häufiger aufgeklärt“ 10, „[...] dass es zum Glück mittlerweile [...]“ 11.

Ebenfalls zeigt die Syntax eine simple Struktur: „Immer geht es dabei um Beziehung.“ 12 Schlagwörter wie „Kommunikationsterror“ 13, „schwere Depressionen und Selbstmordgedanken […] [dramatische] psychische Auswirkungen“ 14 sorgen für eine dramatische Wirkung und der Eindruck einer ernstzunehmenden Problematik entsteht. Im Text finden sich Phraseologismen wie „ein Phänomen, das so alt ist wie die Menschheit selbst“ (S. 65), ÄÜber die Jahrtausende hat Stalking offenbar deutlich zugenommen“ (S.66), „zum Glück“, die das Lesen und das Textverstehen besonders für ein nicht wissenschaftliches Publikum ermöglichen. Ebenfalls auffällig ist die Wortwahl bei Beschreibungen komplexer Abläufe wie z.B. Stalking- Verhaltensweisen, die erläutert werden mit „in der Regel handelt es sich um [...]“. Auch in anderen Zusammenhängen wird sehr verallgemeinert und ausweichend, teilweise sogar widersprüchlich argumentiert „Stalking [hat] offenbar deutlich zugenommen“ 15, Ä„ltere haben selten ein differenziertes Verhältnis“ 16, „mit großer Wahrscheinlichkeit“ 17, „obwohl für Jugendliche keine repräsentativen Zahlen vorliegen, ist davon auszugehen, dass ...“ 18. Im Besonderen lässt dieses letzte Beispiel die Frage zu, auf welche Quellen und Studien sich der Autor bezieht. Für die Handlungsmuster des Cyberstalking zieht er die Erkenntnisse der Kommunikationswissenschaftler Brian Spitzberg und Gregory Hoobler heran, sowie für die Argumentation des gewalttätigen Aspektes des Stalkings eine forensische Psychologin namens Rosemary Purcell. Diese benannte Psychologin untersuchte eine Extremgruppe, die somit weniger geeignet ist, eine durchschnittliche Darstellung aufzuzeigen. Des Weiteren werden in dem Text Zahlen genannt die Stalking als ein Massenphänomen darstellen 19, aber keine Quellen oder Studien, die dies empirisch belegen. Ebenfalls ist der Bezug auf die Bibel, der die Langlebigkeit dieses Phänomens beweisen soll, hervorzuheben. Rezipienten aus einem weniger wissenschaftlichen Kontext können so möglicherweise einen besseren Bezug zur Problematik herstellen, aber für eine wissenschaftliche Abhandlung ist die Bibel als Grundlage als nicht zulässig anzusehen.

[...]


1 Hoffmann, Jens: Cyberstalking. In: Orte der Wirklichkeit. Über Gefahren in medialen Lebenswelten Jugendlicher. Hrsg. von Frank J. Robertz und Ruben Wickenhäuser. Heidelberg 2010. S. 64-70.

2 Hoffmann, Jens: Cyberstalking. In: Orte der Wirklichkeit. Über Gefahren in medialen Lebenswelten Jugendlicher. Hrsg. von Frank J. Robertz und Ruben Wickenhäuser. Heidelberg 2010. S. 65.

3 Ebd.

4 Hoffmann, Jens: Cyberstalking. In: Orte der Wirklichkeit. Über Gefahren in medialen Lebenswelten Jugendlicher. Hrsg. von Frank J. Robertz und Ruben Wickenhäuser. Heidelberg 2010. S. 65.

5 Ebd.

6 Ebd.

7 Ebd. S. 66.

8 Ebd.

9 Renner,Kai-Hinrich: Sündenbock Internet. [http://www.abendblatt.de/hamburg/article2041499/Suendenbock-Internet.html] 2011.

10 Hoffmann, Jens: Cyberstalking. In: Orte der Wirklichkeit. Über Gefahren in medialen Lebenswelten Jugendlicher. Hrsg. von Frank J. Robertz und Ruben Wickenhäuser. Heidelberg 2010. S. 70.

11 Ebd.

12 Hoffmann, Jens: Cyberstalking. In: Orte der Wirklichkeit. Über Gefahren in medialen Lebenswelten Jugendlicher. Hrsg. von Frank J. Robertz und Ruben Wickenhäuser. Heidelberg 2010. S. 65.

13 Ebd. S. 66.

14 Ebd. S. 67.

15 Ebd. S. 66.

16 Ebd. S. 67.

17 Ebd.

18 Ebd.

19 Ebd.

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656238089
ISBN (Buch)
9783656240105
Dateigröße
665 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197592
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Department für Bildungswissenschaft
Note
-1,3
Schlagworte
eine analyse textes cyberstalking jens hoffmann

Autor

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Titel: Eine Analyse des Textes „Cyberstalking“ von Jens Hoffmann