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„Bin ich doof?“ – Die Transformation und Schulentwicklung in Mecklenburg – Vorpommern nach der Wende bis 2000

Hausarbeit 2008 14 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Begründung der Themenwahl und Fragestellung

2. Definitionen

3. Rückblickende Herleitung

4. Der Transformationsprozess

5. Rahmenbedingungen
Der Lehrkörper
Die Schüler
Die Infrastruktur

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Begründung der Themenwahl und Fragestellung

Wie oft musste ich in meiner bisherigen militärischen Karriere die Frage hören: „Wo kommst du her?“ - „Ich komme aus Hagenow, dass ist circa 20 Kilometer westlich von Schwerin und dass ist wiederum die Hauptstadt von Mecklenburg–Vorpommern, also in Ostdeutschland“.

„Hast du dort auch dein Abitur gemacht? Das muss ja einfach gewesen sein. Ihr habt dort sicher nicht so viel gelernt wie wir in Bayern.“ (Bayern ist hier nur ein Beispiel, stellvertretend kann hier auch Hessen, Baden-Württemberg oder Hamburg stehen.)

Dies waren die typischen Vorurteile meiner Kameraden aus den alten Bundesländen, wenn wir über die Schulabschlüsse und die Schulzeit vor unserer gemeinsamen Dienstzeit diskutierten. Viele gingen sogar so weit und behaupteten, ein Abitur, abgelegt in Mecklenburg-Vorpommern, würde keineswegs die Studierbefähigung und Studierberechtigung für eine staatliche Universität in Bayern umfassen.

Es kamen Fragen nach dem „Zentralabitur“ oder auch dem alten, sozialistisch geprägten Lehrkörper auf. Viele kannten die allgemeine „Ostschule“ nur als alte, zerfalle und marode „Plattenbauschule“ aus dem Fernsehen, vor denen perspektivlose Jugendliche mit Dosenbier in der Hand saßen. Bestätigung fanden damals viele meiner Kameraden in ihren Argumentationen in der ersten Pisa Studie 2000 und der hohen Arbeitslosenquote. Jedoch wie kam es zu diesen Zuständen in den Jahren 1990-2000?

Ich selbst wurde im Sommer 1991, ein Jahr nach der Wende, in eine Grundschule in Hagenow eingeschult. Ich absolvierte meine komplette Schulzeit in diesen sogenannten „Plattenbauschulen“. Mein Abitur legte ich auch in einem solchen, nach der „Schulbaureihe 80“ (vgl. Klemm/Böttcher/Weegen 1992, 105) betitelten Schulgebäude ab. Unsere Lehrer waren im Großteil alle über 40 Jahre alt.

Bin ich deshalb weniger klug als ein Schüler, der sein Abitur an einem Gymnasium in Bayern ablegte, welches in einem traditionellen Gebäude bereits seit 1880 existiert? Ist mein Schulabschluss, dass bundesweit anerkannte „Zentralabitur“, abgelegt in Mecklenburg – Vorpommern, weniger „wert“, als das eines Absolventen aus Baden – Württemberg?

Die Frage, welche ich in dieser Arbeit versuchen will zu beantworten, ist, wie kam es dazu? Was waren die damaligen Umstände, die zu einer anscheinend schlechten Bildungspolitik in Mecklenburg – Vorpommern nach der Auflösung der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik führten? Wie sah die Bildungsreform nach der Wende aus und hat sie versagt? Hatten meine Kameraden recht mit ihren Thesen und Vorurteilen?

2. Definitionen

Das Thema meiner Hausarbeit lautet „Die Transformation und Schulentwicklung in Mecklenburg – Vorpommern nach der Wende bis 2000“. Was genau sich hinter dieser Überschrift und hinter den jeweiligen Begriffen verbirgt, werde ich nun versuchen zu erläutern.

Ich denke, dass jeder das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern im Norden der Bundesrepublik Deutschland kennt und hier keinerlei Erklärung braucht. Es gehört zu den neuen Bundesländern und war demnach bis 1990 ein Teil des Staatsgebietes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.

„Transformation“. Was ist „Transformation“? Laut dem Duden bedeutet „Transformation“ soviel wie Umformung, Umwandlung oder Umgestaltung.

Es entsteht etwas Neues, etwas Neues wird entwickelt, etwas wird weiterentwickelt. Ich persönlich denke bei dem Wort aber auch daran, dass etwas Altes hinter sich gelassen wird. Etwas, was sich anscheinend nicht bewährt oder funktioniert hat. Ob es schlecht war, sei dahingestellt, aber das Alte weicht etwas Neuem, Besserem. Das sollte der Regelfall sein. Bezogen auf das Wort „Schulbildung“ macht eine „Transformation“ natürlich Sinn. Hier ist vom Wandel und der Umgestaltung eines Systems, dem Bildungssystem eines Staates, die Rede. Ein Staat, hier die ehemalige Deutsche Demokratische Republik, schwindet, und mit ihr eine Ideologie, ein System. Eingebettet in dieses System war natürlich auch das Bildungssystem des Staates.

Als „Wende“ würde ich eine einschneidende, weitreichende Veränderung bezeichnen. Etwas neues beginnt, ein neuer Abschnitt fängt an. In dem hier betitelten Kontext der Deutschen Demokratischen Republik bedeutet die „Wende“ natürlich der Fall der SED-Regierung und die Öffnung der innerdeutschen Mauer 1989, was dann die erlösende Konsequenz der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten am 3.Oktober 1990 zur Folge hatte.

3. Rückblickende Herleitung

9.November 1989 – Der Fall der Berliner Mauer. Damit war der Zerfall sowie die Auflösung der Deutschen Demokratischen Republik besiegelt. Das sozialistische Staatsprinzip der ehemaligen SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) hatte versagt und Deutschland wurde endlich wiedervereinigt. Damit verbunden war aber natürlich auch eine Reformation des Schul- und Bildungssystems in den „neuen“ ostdeutschen Bundesländern. Das Bildungssystem der Deutschen Demokratischen Republik war grundlegend anders konstruiert und in vielerlei Zügen stark politisiert. (vgl. Herrlitz/Hopf/Titze/Cloer 2005, 235)

Aufgrund der unterschiedlichen Menschenbilder in Ost und West und der damit verbundenen Zielen, differenzierte sich auch der allgemeine Unterricht stark. In der Deutschen Demokratischen Republik existierte ein stofflich stark aufgefüllter Lehrplan, viele Unterrichtshilfen und ein erheblicher Kontrollmechanismus. Der Lehrkörper war in Methodik und Didaktik stark eingeschränkt und der Unterricht überwiegend lehrerzentriert. Die führende Rolle des Lehrers war stark ausgeprägt und politisch gewollt. (vgl. Helsper/Krüger/Wenzel 1996, 23)

Das Schulwesen in Westdeutschland hingegen, war zur Zeit der Wende, dass Ergebnis einer fünfundvierzigjährigen Entwicklung. Es war gekennzeichnet von Wiederaufbau, Stagnation, Modernisierung, Expansion und einem tiefgehenden Wandel der Bildungsaspirationen. (vgl. Fuchs/Reuter 1995, 28)

Es musste also in Ostdeutschland ein möglichst reibungsloser Übergang von einer sozialistisch geprägten Einheitsschule mit strengen und strikten Lehrplan zu einer gegliederten und differenzierten Schule nach Vorbild der Schulen in Westdeutschland stattfinden.

Über mögliche Probleme wie dem sozialistisch geprägten Lehrkörper, den schlechten infrastrukturellen Bedingungen, sowohl an den Schulen, als auch allgemein und den stark sinkenden Schülerzahlen, wurde im Vorfeld der Transformation jedoch noch nicht nachgedacht.

4. Der Transformationsprozess

Das Ziel der Transformation des Bildungsapparates der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik war es, ein Schulsystem zu erschaffen, welches demokratischen Strukturen und Inhalten folgt. Es sollte dem der alten Bundesländer entsprechen, jedoch war für diese „Umgestaltung“ nur wenig Zeit. Es gab einen Spielraum von ein bis zwei Jahren. Am 26.04.1991 wurde das erste Gesetz zur „Schulreform“ in einer Kultusministerkonferenz beschlossen und verabschiedet. Besondern Wert wurde auf die vergrößerten Freiräume und Mitbestimmungsmöglichkeiten der Lehrer, aber auch der Schüler gelegt, sodass dieser „Selbstbestimmungsprozess“, die neuen Inhalte, Strukturen und Methoden auch Einzug in die Familien halten konnte. (vgl. Fuchs/Reuter 1995, 28)

Jedes der neuen Bundesländer wurde während der Transformation von mehreren alten Bundesländern unterstützt und beraten. Für Mecklenburg – Vorpommern war Hamburg, Bremen und Schleswig – Hostein verantwortlich. (vgl. Klemm/Böttcher/Weegen 1992, 61)

Auf den ersten Blick verlief die Umstellung des Schulsystems zum Schuljahresbeginn 1991/1992 erstaunlich reibungslos. 1033 neu organisierte Schulen nahmen den Betrieb auf. (vgl. Frickermann in Helsper/Krüger/Wenzel 1996, 193)

Anders als in den anderen neuen Bundesländern wurde hier ein drei – gliedriges Schulsystem eingeführt: die Hauptschule, die Realschule und das Gymnasium. Die Grundschulzeit endet nach vier Jahren. Auf der Hauptschule endete der Unterricht mit der 9. Klasse, auf der Realschule nach der 10. Klasse und auf dem Gymnasium nach zwölf, später nach dreizehn Schuljahren. Die Schulpflicht in Mecklenburg – Vorpommern wurde auf neun Jahre festgesetzt. In einer Orientierungsphase, innerhalb der 5. und 6. Klasse, war es möglich die Schulart zu wechseln. Mecklenburg – Vorpommern war das einzige der neuen Bundesländer, in dem die Eltern allein, ohne Einfluss der Lehrer, welche lediglich eine Empfehlung aussprachen, über die Wahl der Schulart, die ihr Kind besuchen soll, entscheiden konnten. (Fuchs 1995, 30)

Schulabschlüsse konnten dementsprechend nach der 9.Klasse, mit dem Hauptschulabschluss, nach der 10. Klasse, mit dem Realschulabschluss und nach der 12. Klasse, beziehungsweise nach der 13. Klasse, mit der allgemeinen Hochschulreife erworben werden.

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Details

Seiten
14
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656236481
ISBN (Buch)
9783656237198
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197530
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
transformation schulentwicklung mecklenburg vorpommern wende DDR BRD

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