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Fremdwörter. Kritik am öffentlichen Sprachgebrauch

Hausarbeit 2007 24 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

1. Einführung ... 3
1.1 Bezug zum Thema des Seminars ... 3
1.2 Einstieg in die Thematik: Problematisierung „Verfall der deutschen Sprache“ ... 3

2. Fremdwörter ... 6
2.1 Geschichtlicher Rückblick ... 6
2.1.1 Exkurs: Fremdsprachliche Einflüsse auf die deutsche Sprache ... 6
2.1.2 Sprachpurismus ... 8
2.2 Angloamerikanismen ... 10
2.3 Kritik am Fremdwort ... 14

3. Diskussion und Fazit ... 16

4. Didaktische Anregungen: Das Thema „Fremdwörter“ im Deutschunterricht der Sekundarstufe ... 19

5. Literaturverzeichnis ... 22

Internetquellen ... 22

6. Anhang ... 24

1. Einführung

1.1 Bezug zum Thema des Seminars

Im Rahmen des Hauptseminars „Sprachkritik“ behandelten wir verschiedene Themenfelder der Sprachkritik. Den Studenten wurde die Möglichkeit geboten, sich mit bestimmten Feldern der Sprachkritik intensiver auseinanderzusetzen, um die Ergebnisse im Zuge einer Sitzungsgestaltung für die Kommilitonen didaktisch aufzubereiten und zu präsentieren.

Für mich war es von besonderem Interesse, die Kritik am öffentlichen Sprachgebrauch in Bezug auf Fremd- und Fachwörter zu erörtern, sie sprachwissenschaftlich zu betrachten und mich dieser Thematik didaktisch anzunähern.

Mein am 16.5.2007 vorgetragenes Referat möchte ich im Folgenden ausarbeiten, indem ich meine Ergebnisse auf der Basis der stattgefundenen Diskussionen am Tag der Präsentation und retrospektiver Reflexionen erneut strukturiere und in die Form einer Hausarbeit bringe.

Um im Rahmen dieser Ausarbeitung zu einem abgeschlossenen Ganzen zu gelangen, werde ich den thematischen Schwerpunkt auf die Fremdwörter setzen und den Fachwortdiskurs in dieser Arbeit nicht behandeln.

1.2 Einstieg in die Thematik: Problematisierung „Verfall der deutschen Sprache“

Nie zuvor diskutierten Sprachwissenschaftler die Überfremdung der deutschen Sprache wie in den letzten beiden Jahrzehnten. Etliche Bücher und Aufsätze widmen sich dieser Thematik. Darüber hinaus zählt die Fremdwortproblematik, insbesondere im Hinblick auf den vermehrten Anglizismengebrauch, zu den wenigen Sprachfragen, die auch die Öffentlichkeit bewegen. Diese Feststellung schlägt sich nicht nur in der Beobachtung nieder, dass Vereinigungen entstehen, die sich für den Schutz und die Bewahrung der deutschen Sprache aussprechen (z.B. Verein Deutsche Sprache), auch eine 1999 erschienene bundesweite Repräsentativumfrage der IDS gibt preis, dass etwa ein Viertel der Deutschen die aktuellen Sprachveränderungen mit Besorgnis verfolgen und eine Überfremdung der deutschen Sprache sehen bzw. befürchten.1 Wieder einmal findet die These des Sprachverfalls in der Öffentlichkeit Zustimmung. Die Klagen über den ständig fortschreitenden Verfall des Deutschen beziehen sich nicht nur auf Sprechermängel hinsichtlich der Beherrschung von Rechtschreibung, Grammatik, Lese- oder Ausdrucksfähigkeit. Ebenfalls die unreflektierte Neigung zu Fremd- und Modewörtern, insbesondere in der Sprache der Medien, der Jugend und der Wissenschaften, stößt auf Kritik. Viele Laien stehen diesen neuen Sprachwandelprozessen sehr kritisch gegenüber, reagieren sogar aggressiv. Sie nehmen die konservative Grundhaltung ein, die alte Sprache bewahren zu wollen, sie vor Neuem zu schützen. Problematisch hierbei ist, dass viele Laien von einer fest gefügten, unwandelbaren Regelsprache, ja Normsprache ausgehen, vermutlich noch diese, die sie in ihrer Jugend in Elternhaus und Schule gelernt haben. Abweichungen von dieser Norm werden argwöhnisch betrachtet und mit der Phrase „Verfall der Sprache“ in Zusammenhang gebracht. Der „Sprachverfall“ wird zum Schlagwort, ja zur Floskel, die in aller Munde zu sein scheint. Doch sind sich die Sprecher über die Bedeutung des Ausdrucks überhaupt bewusst? Im Rahmen einer Problematisierung war es mir im Referat wichtig, diese Begrifflichkeit zunächst zu definieren, bevor sie in der folgenden Diskussion immer wieder gebraucht wird.

Das Wort Sprachverfall bezeichnet die Befürchtung, dass Sprachen im Laufe der Zeit durch Veränderungen ursprüngliche Eigenheiten verlieren, die als erhaltenswert gesehen werden. Somit handelt es sich um einen schleichenden Prozess der Zerstörung einer Sprache. Für diese Prozesse können verschiedene Gründe verantwortlich sein, wie z.B. auch die Tatsache, dass sie vielen Einflüssen aus anderen Sprachen ausgesetzt ist. Wenn diese überwiegen, besteht die Gefahr, dass die Sprache ihre ursprünglichen Wurzeln verliert und dadurch zu einer Mischsprache mutiert.2 Um zu einem reflektierten Urteil über aktuelle Sprachentwicklungen zu gelangen, ist es notwendig, dass schon die jungen Sprecher im Schulunterricht für diese Themen der öffentlichen Sprachkritik sensibilisiert werden. So sieht der Lehrplan für die Sekundarstufe II in der 13.I unter dem Bereich „Reflexion über Sprache“ ein allgemeines Unterrichtsvorhaben mit dem Titel: „Kunstkritik, Kulturkritik, Sprachskepsis, Medienkritik“ vor. Im Rahmen dessen wird die Behandlung der Themen „Sprachkritik und Sprachnot“ vorgeschrieben.3 Bevor man die Anklage erhebt, der deutschen Sprache drohe der „Ausverkauf“4 oder sie werde „überflutet“5, sollte eine wissenschaftlich fundierte Aufklärung stattfinden, auf der Basis dessen jeder seine eigene Meinung zu den Themen der öffentlichen Sprachkritik bilden kann.

In dieser Arbeit werde ich die aktuelle Fremdwortproblematik diskutieren, indem sowohl Stimmen der Öffentlichkeit sowie der Sprachwissenschaften Beachtung finden.

Handelt es sich um reine Panikmache in der Öffentlichkeit oder besteht echte Gefahr für die deutsche Sprache? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, erscheint es nach dieser Einführung in die Problematik sinnvoll, einen Blick in die Sprachgeschichte zu werfen und zu betrachten, inwieweit die deutsche Sprache in ihrer Entwicklung bereits unter fremden Einfluss stand und welche Auswirkungen dies hatte. Dabei kommt man am Deutschen Sprachpurismus nicht vorbei, denn die Debatte um fremdsprachliche Einflüsse hat eine lange Tradition. Es stellt sich die Frage, wie frühe Sprachkritiker mit der Fremdwortproblematik umgegangen sind. Einen Schwerpunkt dieser Arbeit soll anschließend die Diskussion des angloamerikanischen Einflusses auf das Deutsche bilden. Angloamerikanismen6 nehmen einen immer größeren Einzug in die deutsche Sprache. Sie dringen in den privaten und öffentlichen Sprachgebrauch ein, was auf heftige Kritik stößt und rege Diskussionen hervorruft. Schließlich werden zentrale Kritikpunkte am Gebrauch von Fremdwörtern herausgearbeitet. Welche zentralen sprachwissenschaftlichen Vorbehalte gegen den Einsatz von Fremdwörtern haben sich bis in die heutige Zeit gehalten und sind diese noch stichhaltig?

In der Schlussbetrachtung versuche ich dann ein Fazit zu ziehen, indem ich die Kritikpunkte diskutiere und aus sprachwissenschaftlicher Sicht die These des Sprachverfalls in Bezug auf die Fremdwortproblematik bewerte.

Ich habe mich entschlossen didaktische Anregungen zu den Themen in einem Anhang zu behandeln, damit die Textkohärenz nicht beeinträchtigt wird.

2. Fremdwörter

2.1 Geschichtlicher Rückblick

2.1.1 Exkurs: Fremdsprachliche Einflüsse auf die deutsche Sprache

Unterschiedliche geistige Strömungen, veränderte Lebensbedingungen und neue gesellschaftliche Strukturen bringen Sprachwandelprozesse mit sich. „Dabei sind besonders die gravierenden Umbrüche im Wortbestand des Deutschen nicht zu übersehen.“7

Hier fungieren fremde Sprachen als Gebersprachen. Denn besonders das Deutsche ist eine Sprache, die seit frühester Geschichte im ständigen Kontakt mit anderen Sprachen stand und fast ununterbrochen von Fremdem beeinflusst wurde. Aus diesen Kontaktsituationen resultiert eine Vielzahl an sprachlichen Entlehnungen.

Die nachhaltigste Wirkung ging in mehreren Schüben von der lateinischen Sprache aus. Zur Zeit der Römer (50 v. Chr. – 500 n. Chr.) überkam das Deutsche – zusammen mit vielen neuen Gebräuchen und Gegenständen- ein Strom von lateinischen Wörtern. Der Kontakt zwischen Römern und Germanen beruhte hauptsächlich auf der Besetzung einiger Gebiete Galliens. Diese Romanisierung rief einen immensen Kulturumbruch bei den germanischen Völkern hervor. Nicht nur große Teile des Vokabulars, auch zahlreiche Tätigkeiten wie der ausgeklügelte Hausbau mit Stein und Lehm, die Kochkunst, verschiedene Handelsweisen, Praktiken der Landwirtschaft und des Weinbaus gingen auf die Germanen über. Dementsprechend lassen sich die entlehnten Wörter diesen Bereichen zuordnen wie z.B.Mauer (murus), Kalk (calx), Küche (coquina), Markt (mercato), Acker (ager) und keltern (calcare).8

Weiterhin prägten 500-800 n. Chr. im Zuge der Christianisierung zahlreiche lateinische Begriffe des liturgischen Bereichs die deutsche Sprache. Die wachsende Bedeutung der Kirche förderte die Übernahme lateinischer Bezeichnungen für Gegenstände aus dem Gebiet des kirchlichen und klösterlichen Lebens, wie z.B. die Predigt (praedicatio) oder der Mönch (monachus).9

Während der höfischen Zeit, zwischen 1150-1250, nahm das Französische großen Einfluss auf die deutsche Sprache. Das ständige Bestreben der deutschen Höfe dem französischen Ideal zu entsprechen, rief auch viele sprachliche Entlehnungen hervor. Besonders in den Bereichen „Kampf“, „Ritterspiel“ und „Gesellschaftsleben“ erfuhr das Deutsche sprachlichen Zuwachs, wie z.B. die Wörter Turnier (turnoir) oder Tanz von (danse).10

Im Zeitalter des Humanismus (Ende des 15. Jahrhunderts) wurde aufgrund eines enormen Interesses für die klassische Antike verstärkt aus dem Lateinischen und dem Griechischen entlehnt. Die großen Wissenschaften, z.B. die Medizin, Rechtswissenschaften oder Philosophie, waren im Kommen, sprachliche Übernahmen wie das Medikament (medicamen), die Akte (acta) oder der Poet (ποίητής - poeetés) haben hier ihren Ursprung.11

Weitere französische sowie auch italienische, holländische und spanische Strömungen erreichten das Deutsche im 15., 16. und 17. Jahrhundert.

Während das Französische unsere Sprache im 17. Jahrhundert zur Zeit des 30- jährigen Kriegs bzw. der Alamodezeit an Begrifflichkeiten im Bereich des Kriegswesen (z.B. Admiral) und der Mode bereicherte (z.B. Kostüm), darüber hinaus unser Repertoire an Verwandtschaftsbezeichnungen erweiterte (z.B. Tante), verschaffte uns die italienische Sprache zahlreiche neue Ausdrücke in der ’Abteilung Bankwesen’, wie z.B. die Wörter Kapital (capitale), Kasse (cassa) oder Konto (conto).12

Ausgenommen von einigen englischen Entlehnungen im Bereich der Schifffahrt im 13. und 14. Jahrhundert, nahm die uns heute ’besetzende’ englische Sprache erstmals im

18. Jahrhundert Einzug in mehrere gesellschaftliche Zweige wie den Sport, die Politik oder die Wirtschaft. Im 19. Jhd. übernahm England für Deutschland eine große Vorbildfunktion vor allem in Industrie und Handel, aber auch in den Bereichen Mode, Sport und Gesellschaftsleben. Kurze Zeit später entwickelte sich Amerika zur Leitkultur, aus der vermehrt Sprachliches übernommen wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts, nach dem ersten Weltkrieg, ’überfluteten’ uns bereits englische bzw. amerikanische sprachliche Überlieferungen und trugen vornehmlich in den Bereichen Lifestyle, Film, Technik und Wissenschaft zur Erweiterung des Wortschatzes bei.

Neben der zunehmenden Anglisierung bzw. Amerikanisierung unseres Wortschatzes entstanden im 19. und 20. Jahrhundert vermehrt Internationalismen meist auf der Grundlage lateinischer und griechischer Wortstämme. Hierbei handelt es sich hierbei um Wörter, die in mehreren Sprachen ein gleiches oder zumindest sehr ähnliches Schrift- und Lautbild aufweisen. Die Bildung dieser Internationalismen ist darauf zurückzuführen, dass im Zuge einer globalen Kommunikation ein Bedarf an allgemeingültigen Terminologien besteht. So sind Wörter wie Akademie oder Tourismus in verschiedenen Sprachen verständlich, womit die Kommunikation erleichtert wird.

[…]


[1] Vgl. Gisela Zifonun: Die Überfremdung des Deutschen. Panikmache oder echte Gefahr? In: IDS- Sprachreport, Heft 4/2003, S.2.

[2] Vgl. Horst Hensel: Sprachverfall und kulturelle Selbstaufgabe. Eine Streitschrift. Druck-Verlag Kettler, Bönen/Westfalen, 1999. S. 15.

[3] Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung: Richtlinien und Lehrpläne für die Sek II Gym/Ge in NRW, Ritterbach-Verlag, Frechen, 1999, S.62.

[4] Vgl. Lutz Götze: Anglizismen im heutigen Deutsch. In: Erlberg, Gabi / Frank, Rainer / Steffens, Rudolf (Hrsg.): Deutsch 2000 – Fremdwörter- NS Sprache – Deutschunterricht. Shaker Verlag, Aachen, 2000, S. 47.

[5] Vgl. Günther Pflug: Droht ein Verfall der deutschen Sprache? In: Deutsch 2000, S. 43.

[6] Da es in vielen Fällen nicht eindeutig hervorgeht, ob ein Fremdwort oder Lehnwort amerikanischen oder englischen Ursprungs ist, verwende ich in dieser Arbeit den Ausdruck „Angloamerikanismen“.

[7] Schütte, Dagmar: Das schöne Fremde. Westdeutscher Verlag, Opladen, 1996, S.21.

[8] Vgl. Peter von Polenz: Geschichte der deutschen Sprache. Walter de Gruyter ,Berlin, 1978, S.23.

[9] Vgl. ebd., S.43.

[10] Vgl., ebd., S. 53.

[11] Vgl. ebd., S. 93.

[12] Vgl. ebd, S. 106.

Details

Seiten
24
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668170919
Dateigröße
913 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197517
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1.3
Schlagworte
Sprachkritik Fremdwörter Verfall der deutschen Sprache Sprachpurismus Angloamerikanismen Sprachwandel Anglizismen

Autor

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Titel: Fremdwörter. Kritik am öffentlichen Sprachgebrauch