Lade Inhalt...

Asienkrise - Geld und Währung

Seminararbeit 2012 16 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ostasien vor der Krise

3. Ausbruch und Verlauf der Krise
3.1. Zeitlicher Ablauf der Krise
3.2. Globale Konsequenzen der Krise

4. Die Rolle des IWF
4.1. Maßnahmen des IWF - Betrachtung der am meisten betroffenen Länder
4.2. Beurteilung der IWF-Programme

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Als Asienkrise oder auch Ostasienkrise wird die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 1997 und 1998 einiger ostasiatischen Ländern bezeichnet. Betroffen waren vor allem die sogenannten Pantherstaaten (Indonesien, Malaysia, Thailand und die Philippinen) sowie einige Länder der Tigerstaaten zu denen Südkorea, Taiwan, Hongkong und Singapur zählen. Doch wie konnte es zu dieser Krise kommen obwohl die wirtschaftliche Lage in den ostasiatischen Staaten in den Jahren vor der Krise als positiv beurteilt wurde? Hohes Wirtschaftswachstum, geringe Inflationsraten bei niedriger Staatsverschuldung und stabilen Wechselkursen ließen nicht auf eine bevorstehende Krise deuten. Die hohen Leistungsbilanzdefizite wurden als nicht allzu großes Risiko angesehen. Andere Indikatoren waren demzufolge ausschlaggebend. Vor allem eine hohe kurzfristige Auslandsverschuldung des privaten Sektors begründete eine starke Anfälligkeit gegenüber einer plötzlichen Kapitalflucht. Ebenso wurde das Wechselkursrisiko unterschätzt. Zudem erhöhte eine schwache Aufsicht und Regulierung im Bankensystem der Krisenländer das Risiko für eine plötzliche Krise.[1]

In dieser Arbeit wird die Ostasienkrise ausführlich dargestellt und analysiert. Um einen Überblick zu bekommen, wird in Kapitel 2 die Lage der am stärksten betroffenen Länder vor Ausbruch der Krise beschrieben. In Kapitel 3 wird der Verlauf der Krise geschildert. Hierbei werden die einzelnen Länder separat betrachtet. Ebenfalls wird im dritten Kapitel betrachtet, welche Auswirkungen die Krise auf Asien, aber auch auf Europa und die USA mit sich brachte. Kapitel 4 zeigt die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit dessen Hilfsprogrammen die betroffenen Länder unterstützt und gerettet wurden. Hier werden die IWF Programme für die am stärksten betroffenen Länder Thailand, Indonesien und Südkorea ausführlich dargestellt. Im zweiten Teil dieses Kapitels wird die Arbeit des IWF in Bezug auf die Rettung aus der Asienkrise kritisch analysiert.

Die Arbeit orientiert sich zu einem großen Teil an der interessant geschriebenen Lektüre von Gerhard Aschinger „Währungs- und Finanzkrisen - Entstehung, Analyse und Beurteilung aktueller Krisen“ aus dem Jahre 2001.[2]

2. Ostasien vor der Krise

Die ostasiatischen Länder zeichneten sich in den Jahren vor der Krise durch ein hohes reales Wirtschaftswachstum aus. Im Vergleich zu den USA, der EU und Japan, wo die realen Wachstumsraten seit den 70er Jahren bei etwa 4% p.a. lagen, war der Wert bei den ostasiatischen Länder, mit Ausnahme von den Philippinen, doppelt so hoch.

Durch den immer größer werdenden Industriestandard wurde die Möglichkeit geschaffen, hochwertige Produkte herzustellen, welche weltweit nachgefragt wurden. Enge Kontakte zwischen dominierenden Großunternehmen und den Regierungen ermöglichten einen privilegierten Zugang zu notwendigen Ressourcen. All dies führte zu einem überdurchschnittlich hohen Wirtschaftswachstum.[3]

Die bereits anfangs beschriebenen hohen Leistungsbilanzdefizite der ostasiatischen Länder resultierten zum einen aus den Kapitalgüterimporten zum anderen auch aus dem Transfer von Technologie und Know-How aus den Industrieländern. Während die Importe aufgrund der zunehmenden Inlandsnachfrage stetig wuchsen, verlangsamte sich das Exportwachstum seit Beginn der 90er Jahre infolge der einsetzenden Rezession in Japan und Europa. Die Leistungsbilanzen wiesen folglich bereits Anfang der 90er Jahre mit Ausnahme von Singapur erhebliche Defizite auf.[4]

Trotzdem war das Vertrauen der ausländischen Anleger in die Wirtschaft der ostasiatischen Länder sehr hoch, vor allem auch durch die Anbindung der Währungen an einen vom US-Dollar dominierenden Währungskorb. Durch die positiven Zukunftsperspektiven und das als gering eingeschätzte Währungsrisiko erhöhten sich die Kapitalzuflüsse aus dem Ausland. Ebenso verschuldeten sich inländische Banken und der Staatssektor im Ausland, aufgrund der billigeren ausländischen Zinssätzen. Vor allem Indonesien und Thailand verzeichneten hohe Auslandsverbindlichkeiten. In den meisten Ländern Ostasien wiesen die Kapitalverkehrsbilanzen daher hohe Überschüsse auf. Mit diesen Überschüssen wurden zum einen die Leistungsbilanzdefizite finanziert und zum anderen wurden diese Überschüsse den Devisenreserven den Zentralbanken zugeführt.[5]

Diese Erhöhung der Devisenreserven führte ferner zu einer starken Ausdehnung der inländischen Geldmenge bei sinkenden Inlandszinssätzen. Dies führte wiederum zu einer höheren Liquidität des Bankensystems und zu einer Zunahme an Inlandskrediten, was nur möglich war, da den Banken bei der Kreditvergabe keine wirksamen Restriktionen auferlegt wurden. Wie sich später herausstellen sollte, sind viele Kredite für unrentable Projekte vergeben worden, allen voran an Projekte im Immobiliensektor. Besonders in Thailand, Malaysia und Hongkong stiegen die Immobilienpreise folglich stark an. Nachdem bereits 1995 und 1996 erste Anzeichen auftraten, dauerte es schließlich bis 1997 als zunehmende Leerkapazitäten in den neu erstellten Baustellen zu einem enormen Preisverfall führten.[6]

In Anbetracht dessen, lässt es sich durchaus behaupten, dass die Fundamentalvariablen der ostasiatischen Länder trotz hoher Leistungsbilanzdefizite nicht zu unrecht von den Finanzmärkten oder auch von den ausländischen Regierungen als positiv beurteilt wurden. Hohes Wirtschaftswachstum, finanziert durch die hohen Zuflüsse von Auslandskapital, geringe Inflation bei mehrheitlich ausgeglichenem Staatshaushalt. Durch die Anbindung an den US-Dollar wurden auch die Wechselkursrisiken als gering eingestuft.

Risiken dagegen waren zum einen durch inländische Banken und Unternehmen gegeben, welche sich zunehmend in Auslandswährung verschuldeten, ohne ihre Positionen gegen Wechselkursrisiken (auch wenn diese als schwach eingestuft wurden) abzusichern. Durch die erhöhte Liquidität dehnte sich das inländische Kreditvolumen erheblich aus. Es entstanden im Immobilien- und Aktienmarkt spekulative Blasen, wodurch sich die Instabilität des Finanzsystems erhöhte. Die schwachen Regulierungen und Auflagen der Bankensysteme der Krisenländer, bei gleichzeitig rapider Kreditausweitung an den privaten Sektor, zeichnete sich ebenso durch eine ausgeprägte Krisenanfälligkeit aus.

3. Ausbruch und Verlauf der Krise

3.1. Zeitlicher Ablauf der Krise

Obwohl die makroökonomischen Variablen der ostasiatischen Länder, mit Ausnahme des Leistungsbilanzdefizits kaum Schwächen zeigten, brach 1997 in eben diesen Ländern eine schwere Krise aus. Weder von den Regierungen, noch von Ökonomen oder sonstigen Marktteilnehmern wurde diese vorhergesehen, auch wenn, wie im vorigen Kapitel beschrieben, Risiken für eine solche Krise gegeben waren. Begonnen hat diese 1997 in Thailand, weitete sich jedoch in kurzer Zeit auch auf Indonesien, Malaysia, die Philippinen und schließlich auch auf Südkorea aus.

Vor allem durch die beträchtlichen Exporterfolge strömte zu Beginn der 90er Jahre immer mehr ausländisches Kapital nach Thailand. Auch die höheren Zinssätze, sowie die Anbindung des thailändischen Baht an den US-Dollar waren ein Grund für zunehmende ausländische Kapitalzuflüsse, bei welchen es sich jedoch zum Großteil um kurzfristige Anlagen handelte. Diese kurzfristigen Anlagen reagieren auf neue Informationen sehr sensibel. Mit den dadurch vorhandenen Mitteln wurden vor allem auch die inländischen Kredite ausgedehnt. Da der Großteil dieser Kredite wiederum für Immobilien vergeben wurde, erhöhten sich auf der einen Seite die Immobilienpreise, ebenso aber wurde auch der Grundsatz verletzt, dass kurzfristige Kredite für kurzfristige Vorhaben und langfristige Kredite für langfristige Projekte vergeben werden. Das daraus entstandene Risiko war enorm, da auslaufende Kredite eventuell nicht mehr oder nur zu schlechteren Konditionen erneuert werden können. Durch einen erheblichen Rückzug an kurzfristigen Fremdkapitalanlagen geraten besonders Banken, welche einen großen Anteil an kurzfristigem Fremdkapital haben, in Liquiditätsschwierigkeiten.

Auch wegen den rückläufigen Wachstumsraten in vielen Industrieländern reduzierten sich zu Beginn der 90er die Exporterfolge in Ostasien und das Leistungsbilanzdefizit wurde weiter vergrößert. Ferner führten Spekulationen Anfang 1997 in Thailand schließlich zu einer Immobilienkrise. Durch die darauf einsetzende Zinssteigerung und die hohen Verschuldungen im Immobiliensektor erhöhten sich die „faulen“ Kredite und so kam es am 5. Februar 1997 dazu, dass die Sompraseng als erstes thailändisches Unternehmen aus dem Immobiliensektor seine Auslandsschulden nicht zurückzahlen konnte. Der daraufhin eintretende Einbruch des Immobilienmarktes erhöhte den Druck auf die thailändischen Finanzinstitute. Am 23. Mai 1997 erklärte sich schließlich die Finance One, die damals größte thailändische Finanzierungsgesellschaft, als zahlungsunfähig.[7]

Zur gleichen Zeit sind auch schon in anderen ostasiatischen Ländern Immobilienblasen festgestellt worden. So wurde am 28. März 1997 in Malaysia die Kreditgewährung der Geschäftsbanken an den Immobiliensektor beschränkt.

Durch die nun erhöhten Anlagerisiken im Immobilien- und Finanzbereich Thailands kam es im Mai 1997 zu spekulativen Attacken auf den Baht. Nur durch Eingriffe der Zentralbanken Thailands und Singapurs konnte dieser etwas stabilisiert und die Zinssätze gesenkt werden. Um eine dennoch drohende Finanzkrise zu vermeiden, wurden 16 in Liquiditätsschwierigkeiten geratene Finanzierungsgesellschaften geschlossen und ein Konsolidierungsplan für den Finanzsektor erarbeitet. Aber auch mit diesen Maßnahmen konnte die Abwertung des Baht nicht verhindert werden. Als der Baht durch zahlreiche Gerüchte weiter unter Abwertungsdruck geriet, entschloss sich die Zentralbank Thailands am 2. Juli 1997 den Wechselkurs freizugeben. Am selben Tag verlor die Währung weitere 17,6% an Wert. Diese Abwertung wird heute als Beginn der Ostasienkrise angesehen.[8]

Dass es schließlich soweit gekommen ist, ist mit eine Folge des Moral Hazard. Hier gibt es im Detail unterschiedliche Meinungen, jedoch findet man in jeder Literatur das Hauptaurgument, dass Moral Hazard in den von der Krise betroffenen Ländern zu übermäßigen Investitionen und schließlich zu einer Finanzmarktblase führte. Zu diesem Verhalten trugen die engen Verbindungen von Unternehmen und Banken zu den jeweiligen Regierungen bei. Durch diese Beziehungen und die dadurch ableitbaren staatlichen Garantien für die Einlagen der Banken, ist es aus Sicht der Banken optimal, ein risikoreiches Portefeuille zu halten und dieses über Kredite zum Weltmarktzins zu finanzieren. Direkte Konsequenz des Moral Hazard ist eine Verzerrung der Finanzierungsentscheidungen der Banken. Diese führt letzten Endes zur Finanzierung besonders risikoreicher Anlagen, da auch die Anleger davon überzeugt waren, dass die Zentralbanken oder der IWF mit Ihrem Handeln mögliche Schwierigkeiten beheben würden. Mit Hilfe dieses Ansatzes erklärt sich die Asienkrise als unausweichliche Konsequenz struktureller fundamentaler Schwächen der betroffenen Länder.[9]

Zur Rettung aus der Währungskrise bat die thailändische Regierung den IWF um Kredithilfe und kündigte einen Plan zur Sanierung des angeschlagenen Finanzsektors an. Infolgedessen wurden am 5. August 1997 von den 90 Finanzierungsgesellschaften 48 vorübergehend geschlossen. Näheres zu der Rolle des IWF wird in Kapitel 4 dargestellt.

Nachdem Thailand die Krise nicht abwenden konnte, breitete sich diese schnell auch auf die Philippinen, Malaysia und Indonesien aus. Die gleichen Probleme, welche in Thailand vor der Krise auftraten, zeigten sich ebenso in diesen Ländern. Auch dort wurden kurze Zeit später die jeweiligen Währungen abgewertet. Bereits Anfang Juli 1997 gerieten Malaysia und die Philippinen aufgrund des starken Devisenabflusses in Schwierigkeiten. Trotz Stützung des philippinischen Peso konnte der Devisenablfuss nicht verhindert werden und so wurde am 11. Juli 1997 die Bandbreite des philippinischen Peso gegenüber dem US-Dollar ausgeweitet. Dadurch konnten weitere Zinssteigerungen vermieden werden.

Bereits am 8. Juli 1997 traf die Währungskrise auch Malaysia, wo am 14. Juli die malaysische Zentralbank die Verteidigung des Ringgit schließlich aufgab. Trotz weiteren Maßnahmen wertete sich dieser am 13. August 1997 in einem erweiterten Wechselkursband ab und nur ein Tag später erfolgte dann der Übergang zu vollständig flexiblen Wechselkursen. Weitere Abwertungen konnten jedoch nicht verhindert werden.

Bis Ende Oktober 1997 wertete sich der indonesische Rupiah um 45% und der thailändische Baht um 35% ab. Der malaysische Ringgit und der philippinische Peso blieben mit Abwertungsraten von 26% und 25% etwas darunter.

Im Herbst 1997 drohte sich die Währungskrise auf weitere asiatische Länder auszubreiten. Am 14. Oktober 1997 werteten auch Taiwan und Vietnam ihre Währungen leicht ab. Durch die schwache Währung Taiwans geriet auch der Hongkong-Dollar in Gefahr, abgewertet zu werden, was zum sogenannten Hongkong Crash führte. Der dortige Hang Seng Index verlor in der Woche vom 23. Oktober 1997 über 23% seines Wertes.

Ende Oktober machte sich die Krise in Ostasien sogar in Lateinamerika bemerkbar. Auch dortige Währungen und Aktienindizes gerieten unter Druck.

Ebenso blieb Südkorea von der Krise in Ostasien nicht verschont. Wie oben schon angedeutet hatte Südkorea ähnliche Schwierigkeiten wie die südostasiatischen Staaten. Und dies trotz eines deutlich höheren Entwicklungsstandes und einem realen Wirtschaftswachstum von mehr als 8,5% in den vergangenen 30 Jahren vor der Krise. Ein Unterschied war jedoch, dass ausländisches Kapital weniger in Immobilienspekulationen sondern mehr in exportorientierte Industrien investiert wurde.

[...]


[1] Vgl. Berger, W., Wagner, H. (2000), S. 3 f.

[2] Vgl. Aschinger G., (2001), S. 219-280.

[3] Vgl. Aschinger G., (2001), S. 219.

[4] Vgl. Aschinger G., (2001), S. 222 f..

[5] Vgl. Aschinger G., (2001), S. 225 f.

[6] Vgl. Berger, W., Wagner, H. (2000), S. 3 f.

[7] Vgl. Aschinger G., (2001), S. 232 ff.

[8] Vgl. Hesse, A.(2006), S. 6.

[9] Vgl. Berger, W., Wagner, H. (2000) S. 9 ff., Ehrke, M. (1998), S. 419 f., sowie Aschinger G., (2001), S. 272 f.

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656237266
ISBN (Buch)
9783656238881
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197480
Institution / Hochschule
Universität Ulm – Institut für Wirtschaftspolitik
Note
Schlagworte
Asienkrise IWF

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Asienkrise - Geld und Währung