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Die Geschichte der Frau in Aserbaidschan

Seminararbeit 2011 14 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.) Einleitung

II.) Vor-sowjetische Zeit
Einflüsse des Westens/ Modernisierungen
Bolschewistische Frauenbewegungen

III.) Sowjetzeit
Sowjetisch-aserbaidschanisches Frauenbild
Die Frau und die Familie
Die Frau und der Beruf

IV.) Problematik der Post-sowjetischen Zeit - Neue Politik und alte
Mentalität
Frauenfrage und ihre Problematik
Mentalität und Problematik

V.) Fazit

VI.) Quellenverzeichnis

I.) Einleitung

„This Law stipulates the bases of activities of the state institutions aimed to guarantee the equal rights status for women and men in the political, economic, social, cultural and other spheres, to ensure equal opportunities in enjoyment of the above listed rights and to prevent gender-based discrimination.” (O.A., 2003: Internetquelle).

Zum heutigen Zeitpunkt gibt es in Aserbaidschan eine große Anzahl von Organisationen, die die Rechte der Frauen und diese selbst unterstützen. Es erscheinen regelmäßig neu ausgearbeitete Gesetze oder zumindest Gesetzesentwürfe, die sich unter anderem speziell auf die Rechte der Frauen beziehen, beziehungsweise ihnen Gleichberechtigung gegenüber Männern in verschiedensten Lebenslagen garantieren sollen. Bis dahin war es jedoch ein langer Weg. Diese Hausarbeit wird sich mit der Situation der Frau in Aserbaidschan im 20. Jahrhundert bis heute beschäftigen. Es soll unter Einbeziehung der verschiedenen Zeiträume und jeweiligen politischen Situationen die Entwicklung der Frau bis zum heutigen Zeitpunkt aufgezeigt werden. Dafür soll chronologisch vorgegangen werden und so befindet sich zu Beginn einiger Kapitel ein kleiner Exkurs, welcher kurz die jeweilige politische oder auch wirtschaftliche Situation erläutert. Kapitel II und III beziehen sich zum größten Teil auf Farideh Heyat’s Buch „Azeri Women in Transition. Women in Soviet and Post-Soviet Azerbaijan“ während in Kapitel IV und V hauptsächlich mit aktuellen Beiträgen gearbeitet wird.

Die Intention dieser Arbeit ist es, mit Hilfe des Vergangenen die heutige Situation auf positive Aspekte aber auch immer noch währende Probleme zu untersuchen und damit die Frage zu klären inwieweit sich die Lebensumstände und Möglichkeiten der Frauen tatsächlich verbessert haben und wo eventuell noch Änderungsbedarf bestünde, beziehungsweise was in zukünftiger Zeit noch möglich sein könnte.

II.) Vorsowjetische Zeit

Exkurs:

Aserbaidschan, dessen Ölvorkommen wirtschaftlich zum Beginn der industriellen Ölforderung (1871) sehr vorteilhaft war, befindet sich unter der Herrschaft des russischen Zarenreichs und die vorrangige Glaubensrichtung ist der Islam. Als das Zarenreich zusammenbricht, folgt die Gründung der Demokratischen Republik Aserbaidschans. Formell besteht diese von 1918 bis 1920. Jedoch folgt nach der Anerkennung Aserbaidschan’s als unabhängiges Land durch die Alliierten 1920 noch im selben Jahr die Beendigung der Unabhängigkeit durch die Rote Armee, welche die Staatsgrenzen überschreitet, in das Land vorrückt und den Widerstand niederschlägt. Zwei Jahre später werden Aserbaidschan, Georgien und Armenien zwangsvereinigt und als Transkaukasische Föderative Sowjetrepublik in die UdSSR integriert. Die Staatsdoktrin der Sowjetunion war atheistisch. Die Ausübung der Religion war zwischenzeitlich verboten oder unterlag umfangreichen staatlichen Einschränkungen. Viele Gläubige waren Repressalien ausgesetzt, wurden gefoltert, erschossen oder nach Sibirien verbannt. (Gumppenberg 2008. 51f.).

Einflüsse des Westens/ Modernisierungen

Zakharov, der einzige vorsowjetische Ethnograph der das Leben der Frauen festhielt, beschreibt die Frauen in den Städten als emanzipiert, während die Frau auf dem Land eher die Stellung eines Haustiers besaß (Zakharov 1894: 58 f.). So erhielt der Mann nach einer Heirat die volle Kontrolle und Gewalt über seine Frau, hatte Recht auf Scheidung und im Falle dieser auf das Großziehen der Kinder.

Das Heiratsalter lag bei Männern bei 15 und bei Frauen ab 9 Jahren, weshalb viele Mädchen im Alter von 10-12 Jahren an ältere Männer verkauft und verheiratet wurden (Heyat 2002: 62 f.).

Trotz erster europäische Einflüsse wie Lebensstil, Kleidung und Bildungsideale, welche vornehmlich in den Hauptstädten übernommen wurden und dort dann auch den Bau der ersten, von wohlhabenden Frauen finanzierten, Mädchenschulen förderten, blieben Frauen aus ländlichen Gegenden und der Unterschicht meist ungebildete Analphabeten und verschleiert (Heyat 2002: 65/66).

Für die frühen aserbaidschanischen Modernisierer (um 1900) waren das di Hauptgründe für die Unterdrückung der Frau und die Rückständigkeit der ganzen Gesellschaft. Sie glaubten, die Emanzipation der Frau sei eine zwingende Voraussetzung für die ökonomische, soziale und politische Entwicklung der Muslime in Russland und der Nachbarländer. Durch sie entwickelten sich auch die „Jade“Reformen zur neuen Bildung und Aufklärung der Frau und eine intellektuelle Elite in den Großstädten, welche sich mit der „question of gadin hukuki“ also den Frauenrechten beschäftigte (Heyat 2002: 57 f.).

Zusätzlich begann eine größere Anzahl von finanziell besser gestellten Familien die eigenen Töchter zum Studium in teils ausländische Großstädte zu schicken. Die Absolventinnen internationaler Mädchenschulen wurden wichtige Köpfe in internationalen oder russischen Frauenorganisationen die sich unter anderem mit der Bildungsfrage beschäftigten. Zusammen mit Ehefrauen aserbaidschanischer Industrieller oder Öl-Milliardäre, die oft einen höheren Bildungsstatus besaßen und anderer Ethnie angehörten, formten sie den Kern der Frauenbewegung und wurden als bolschewistische Feministinnen bezeichnet, welche meist dem Zhenotdel angehörten (Heyat 2002: 65; 85 f.).

Bolschewistische Frauenbewegungen

Der Zhenotdel war die weibliche Abteilung des zentralen Komitees der kommunistischen Partei (1919-1930) und wurde 1920 gegründet. Er vertrat eine marxistische Vision der Frauenbefreiung, was bedeutet, dass Kommunismus nur durch einen neuen Bewusstseinsstand der Gesellschaft erreicht werden kann. Dies ist jedoch nicht möglich, wenn die Gesellschaft an alten Mustern festhält. Deshalb ist die Förderung der Frauenbewegung auch politisch wichtig, um die alten Muster aufzulösen. Um diese Vision zu ermöglichen, schuf der Zhenotdel ein Netzwerk, welches auch Frauen in ländlichen Gebieten erreichte und entwickelte verschiedenste Propagandatechniken wie öffentliche Treffen, Frauenclubs, Nähkreise, Konferenzen oder auch die Zeitschrift „Sharg Gadini“, welche über politische Neuentscheidungen und sonstige Frauen betreffende Fragen schrieb. Hauptziele dieser Propaganda waren die Abschaffung der Verschleierung als das Symbol der weiblichen Unterdrückung, Sozialisierung der Haushalte, öffentliche Bildungsmöglichkeiten und der Kampf gegen Prostitution, Zeitehen und Polygamie (Heyat 2002: 86 f.).

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Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656235972
ISBN (Buch)
9783656236276
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197410
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,3
Schlagworte
Frauen Frauenbild sowjetisch Farideh Heyat Azeri Women in Transition. Women in Soviet and Post-Soviet Azerbaijan Frauenpolitik Aserbaidschan Azeri Women Zhenotdel Sharg Gadini Ali Bayramov Gurejewa Gwaradse Diskriminierung Frauenfrage

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