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Wie nutzen Kinder das Internet und insbesondere Kinderwebsites?

Hausarbeit 2009 37 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Das Internet als Kinder-Medium
2.1.1 Der Stellenwert Neuer Medien in der heutigen Kindheit und Jugend
2.1.2 Grundsätzlich andere Generation von kindlichen MediennutzerInnen
2.1.3 Internetkompetenz – Medienkompetenz – Medienpädagogik
2.2 Internetausstattung der Haushalte und Internetnutzung der Kinder
2.2.1 Internetausstattung der Haushalte
2.2.2 Internetnutzung der Kinder
2.2.3 Fazit: Immer mehr Kinder haben im Haushalt Zugang zu einem Computer
2.2.4 Die symbolische Bedeutung von Computern für Kinder versus gesellschaftliche
Benachteiligung
2.3 Wie Kinder von Websites erfahren
2.4 Welche Websites die Kinder bevorzugen
2.5 Was die Kinder im Internet tun
2.6 Lernaspekte der Kinder im Umgang mit dem Internet
2.6.1 Internetkompetenzen der Kinder
2.6.2 Defizite der Kinder im Internetumgang
2.7 Selektionsstrategien der Kinder mit dem inhaltlichen Schwerpunkt des Spiels
2.8 Angebote für Kinder im World Wide Web
2.8.1 Anbieter
2.8.2 Inhalte
2.8.3 Ökonomische Rahmenbedingungen im Kinderweb
2.9 Kinderschutz im Internet
2.10 Kinderwebsites – Von der Vielfalt der Angebote
2.10.1 Internetangebote für Kinder
2.10.2 Die beliebtesten Kinderwebsites
2.10.3 Anbieter im Internet für Kinder, deren Interessen und Genres (Auswahl)
2.10.4 Aus dem Spektrum der Themen und Inhalte
2.11 Vorstellung der Kinderwebsite „Die Blinde Kuh – Die Suchmaschine für Kinder“
2.11.1 Kurzbeschreibung
2.11.2 Kommentierter Inhalt
2.11.3 Layout und Kennzeichen dieser kindgerechten Kinderwebsite
2.11.4 Zielsetzung
2.12 Fazit: Kinderwebsites

3. Schlussbemerkung – Resümee

1. Einleitung

Heute werden die Kinder multimedial groß: Ob zu Hause, in der Schule, im Hort oder im Restaurant: Überall gibt es Computer. Und die werden eifrig genutzt: 90 Prozent der Kinder waren schon einmal im Internet, durchschnittlich surfen sie mehr als fünf Stunden wöchentlich. Die unter 13-Jährigen kommen auf dreieinhalb Stunden, die 13- bis 16-Jähringen sogar auf knapp acht Stunden pro Woche. Doch wie entdecken Kinder das Internet? Was interessiert Kinder am und im Internet? Was macht ihnen Spaß, was Probleme? Wie gehen sie bei der Suche vor? Und was bedeutet Internetkompetenz im Kindesalter?

Je älter und lesekundiger Kinder werden, desto mehr weckt das Internet ihre Neugierde. Dafür sorgen schon allein die Fernsehanbieter, wenn sie mit Mitmach-Aktionen und Star-Informationen ihr junges Publikum dazu einladen, sie im Netz zu besuchen. Das Internet sichert sich im Alltag der Kinder also seinen Platz und es hat wie alle Medien einiges zu bieten: Es kann unterhalten, Wissen vermitteln, informieren, zum Mitmachen und Mitreden anregen, und auch einen Blick über den Tellerrand gewähren.

Doch häufig benötigen Kinder die Unterstützung von Erwachsenen, die sich auskennen. Denn wie bei der Nutzung aller Medien können Kinder auch im Internet ins Stolpern geraten. Aufgabe (medien-)pädagogischen Handelns muss es deshalb sein, Kinder bei ihrem Besuch im Netz zu begleiten, sie zu stärken und ihnen die Vielfalt der Angebote zu erschließen, die kindgerecht und gelungen sind. Das allerdings setzt Wissen über die Beschaffenheit der kinderrelevanten Internetlandschaft voraus. Hier aber sehen sich Eltern und PädagogInnen oft vor die schwierige Aufgabe gestellt, im Dschungel der Angebote den Überblick zu bewahren und die für Kinder brauchbaren Websites ausfindig zu machen.

Im Folgenden soll der kinderspezifische Internetumgang einen Aspekt dieser schriftlichen Arbeit darstellen. Des Weiteren soll die Bedeutung des Internets im Alltag der Kinder aufgezeigt werden, indem der Frage nachgegangen wird, wie Kinder das Internet in ihrer Freizeit (Familie) nutzen. Außerdem soll betrachtet und dargelegt werden, auf welche Angebote die Kinder im Internet stoßen und welche Rolle das soziale Umfeld sowie unterschiedliche Lernumgebungen für den gewinnbringenden Umgang mit dem Internet spielen. Überdies soll geklärt werden, ob und wie unterschiedliche Nutzungsstile von Computer und Internet zur Bildungsbenachteiligung von Kindern führen können. Im Zentrum der vorliegenden Hausarbeit soll schließlich die nachstehende Fragestellung erörtert und zu klären versucht werden: Kann das Internet als ein geeignetes, da kindgerechtes Medium angesehen werden oder bietet es – neben den Gefahren mit dessen Umgang – auch Chancen und Möglichkeiten wie den Erwerb wichtiger Schlüsselkompetenzen?

2. Hauptteil

2.1 Das Internet als Kinder-Medium

Um zu erfassen, wie das Internet ein für Kinder zugängliches, attraktives (da genutztes) und mitunter durchaus beliebtes Medium wurde, wird es als sinnvoll und auch notwendig erachtet, zuerst auf dessen Entstehungsgeschichte sowie Einzug in die privaten Haushalte der Familien einzugehen. Eine Einführung in die Thematik „Das Internet als Kinder-Medium“ stellen daher die nun nachfolgenden Kapitel dar.

2.1.1 Der Stellenwert Neuer Medien in der heutigen Kindheit und Jugend

Die heutigen Kinder1 und Jugendlichen sind die erste Generation, die in einer Welt aufwächst, in der immer mehr Informationen global vernetzt und auf Knopfdruck für jede/jeden verfügbar sind, die/der Zugang zu diesen Medien hat. Erst mit der Entwicklung des World Wide Web und der Verbreitung einfach zu bedienender Software zu dessen Nutzung (Internet-Browser), wurden Internet und World Wide Web allmählich zu Medien für die Masse. Damit wurde es schließlich auch möglich und sinnvoll, spezielle Webangebote für Kinder bereitzustellen.

Das Internet und das World Wide Web haben daher innerhalb weniger Jahre nach dem Erreichen ihrer Massentauglichkeit – etwa in der Mitte der 1990er Jahre2 – einen festen Platz in vielen Kinderzimmern eingenommen. Diese Medien wurden zudem zu einem Medium, das auch mit den Kenntnissen und Fähigkeiten von Kindern vereinbar ist, sofern diese bei der Erstellung von Inhalten berücksichtigt wurden oder werden. Bisher sind das Internet und das World Wide Web nur Teile des von Kindern insgesamt genutzten Medienensembles und es wird ihnen zudem noch deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt als anderen audiovisuellen Medien. Doch diverse Studien zum Medienumgang von Kindern zeigen übereinstimmend, dass ihr Stellenwert kontinuierlich steigt.3

2.1.2 Grundsätzlich andere Generation von kindlichen MediennutzerInnen

Kinder und Jugendliche sind seit der Mitte der neunziger Jahre erstmals von digitalen Medienangeboten umgeben, die ihnen ungeahnte Chancen für eine zukünftige Bewältigung gesellschaftlicher Probleme und Umbrüche eröffnen. Einer der bedeutendsten gesellschaftlichen Umbrüche, den es in Zukunft zu bewältigen gilt, ist der notwendige gesellschaftliche Wandel hin zu einer Wissens- und Informationsgesellschaft. Denn in einer globalisierten Welt, in der die Orte der Waren- und oftmals auch der Dienstleistungsproduktion nahezu beliebig sind, müssen Staaten mit einem hohen Lebensstandard dem Argument das des vorherrschenden Know-hows entgegen setzen können. Dieses politische Paradigma spiegelt sich auch in den zurückliegenden und gegenwärtigen bildungspolitischen Bestrebungen in Deutschland und in anderen Industrieländern wider.

Die Kompetenzen zum sicheren Umgang mit Informationstechnologien werden dabei, wie die folgende von der EU-Medienkommissarin Viviane Reding im Jahr 2002 getätigte Aussage zeigt, als Schlüsselqualifikationen betrachtet: „Die Kompetenz, also die Fähigkeit zur Nutzung insbesondere des Internets für das lebenslange Lernen vom Kindesalter an – sowohl für berufliche Zwecke als auch für die persönliche Entwicklung – erhält zunehmend die gleiche Bedeutung wie die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen.“ Des Weiteren weist sie darauf hin, dass „diejenigen unserer Mitbürger, die keine Möglichkeit zum Erwerb digitaler Kompetenz haben, stark von sozialer und beruflicher Ausgrenzung bedroht sind.“4 Diese Ausführung konkretisiert die enorme Bedeutung und Wichtigkeit der Medien- beziehungsweise Internetkompetenzen, welche zu den Schlüsselqualifikationen zählen, die es frühzeitig zu erwerben gilt. So ist das Internet für heutige Kinder nicht nur ein Freizeitmedium, sondern auch ein Lernmedium, mit dem sie bereits in der Grundschule in Berührung kommen.

Beim gesellschaftlichen Versuch einer digitalen Integration unterschiedlicher sozialstruktureller Gruppen – von den Kindern bis zu den Senioren – geht es demzufolge nicht nur darum, Zugangsmöglichkeiten zum Internet für alle zu schaffen.5 Es ist zugleich zu berücksichtigen, dass die Nutzung des Internets im Unterschied zu jener des Fernsehens und Hörfunks mit der Beherrschung der grundlegenden Kulturtechniken Lesen und Schreiben verknüpft ist.6 Vor dem Hintergrund dessen, wie heute im Internet Inhalte präsentiert werden, stellt sich nicht nur die Frage, ab welchem Alter unterschiedlich ausgebildete Grundfertigkeiten bereits zu einer weiteren Zementierung und Verbreiterung der Bildungskluft schon innerhalb einer Kindergeneration führen.7 Die unabdingbar notwendige Vermittlung technischer Kompetenzen als Ziel der Medienerziehung steht dabei der Instrumentalisierung des Medienkompetenzbegriffs als Anpassungsmodus für Kinder an die Informations- und Kommunikationstechnologie entgegen.

2.1.3 Internetkompetenz – Medienkompetenz – Medienpädagogik

Die nachstehenden Auslegungen zielen darauf ab, insbesondere den Begriff Internetkompetenz bei Kindern zu konkretisieren und aus dem kinderspezifischen Internetumgang Ansatzpunkte für ein alltagsweltbezogenes medienpädagogisches Handeln abzuleiten.

In diesem Zusammenhang kann die „Internetkompetenz“ als ein Teilaspekt von Medienkompetenz herausgestellt werden. Internetkompetenz als besondere Ausprägung der Medienkompetenz, betrachtet speziell die Anforderungen dieses noch recht neuen und immer wichtiger werdenden Mediums an seine NutzerInnen. Ferner bezeichnet Internetkompetenz die Anwendung des Medienkompetenzkonzeptes auf das spezielle Medium Internet. Unter Medienkompetenz hingegen wird aus pädagogischer Perspektive – wenn auch von verschiedenen Autoren unterschiedlich nuanciert8 – die Fähigkeit des Subjekts verstanden, mit Medien „sinnvoll“ umzugehen.9 Das heißt, das Individuum soll sie rezipieren, verstehen, analysieren und bewerten sowie sie genießen, sie vor allem für selbstbestimmte Interessen und Ziele nutzen können.10 Darüber hinaus gilt Medienkompetenz somit als Voraussetzung für die Partizipation am gesellschaftlichen Kulturgut und Wissensbestand sowie am kritischen Diskurs über Entwicklungen in der Gesellschaft, Staat und Ökonomie.11 Medienkompetenz und Internetkompetenz sind schließlich abstrakte Konzepte vom richtigen Medienumgang der Menschen. In ihrem Mittelpunkt stehen die Forderung oder das Streben, sich Medien sowohl in persönlicher wie auch in gesellschaftlicher Hinsicht gewinnbringend nutzbar zu machen. Medienpädagogik wiederum will das Subjekt zum kritischen Umgang mit den Medien qualifizieren, indem sie dessen persönliche Fähigkeiten entwickelt und stärkt.12

Werden die Besonderheiten des Internets ins Verhältnis zum medienpädagogischen Anspruch gesetzt, das Kommunikations- und Handlungsrepertoire des Individuums mit und durch die Medien zu erweitern, dann bedeutet dies für Kinder, dass sie zum Beispiel lernen müssen, wie die Struktur des Netzes beschaffen ist, welche „Dienste“ es umfasst und welche Software diese nutzbar machen, was ein Online-Anbieter ist, was eine Suchmaschine von einem Katalog und einem Portal unterscheidet.13 Doch gerade weil das Internet nur den Stellenwert eines „Werkzeugs“ zur Informationsbeschaffung hat und haben sollte, muss der instrumentelle Umgang mit ihm gelernt werden.14 Denn wie beim Lernen handelt es sich hier um einen lebenslangen Qualifikationsprozess. Weil individuelle Voraussetzungen und der Stand der Entwicklung der Kinder ihr medienkompetentes Handeln einschränken und dieses erst im Sozialisationsprozess heraus- und ausgebildet werden muss, ist die Frage, auf welche altersspezifischen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder eine sich der Förderung der kommunikativen Kompetenzen verpflichtete Medienpädagogik trifft, um den Aspekt der Beschaffenheit der medialen Objekte zu ergänzen, mit denen sich die Kinder auseinandersetzen.15

In Anbetracht dieser Herausforderungen – Medien- und Internetkompetenzen als Schlüsselqualifikationen – wurden folgerichtig zahlreiche bildungspolitische Initiativen ins Leben gerufen, um Kindern möglichst frühzeitig die Ausbildung digitaler Kompetenzen zu ermöglichen. Als Beispiele können hier „Schulen ans Netz“ und „Internet für alle“ der deutschen Bundesregierung sowie die Programme „eLearning“ und „eEurope“ der Europäischen Union genannt werden. Gemeinsam haben derartige Bestrebungen zumeist, dass sie die Rahmenbedingungen der Internetnutzung von Kindern verbessern sollen, etwa indem sie weitere Zugangsmöglichkeiten schaffen, das Vertrauen in die Technik stärken oder eine gezielte Förderung der Nutzungskompetenzen anstreben.

2.2 Internetausstattung der Haushalte und Internetnutzung der Kinder

Nachdem in dem vorherigen Kapitel auf das „Internet als Kinder-Medium“ eingegangen wurde, soll nun nachfolgend auf die Internetnutzung von Kindern im Allgemeinen und im Besonderen auf die Nutzung beziehungsweise den Besuch von Kinderwebsites durch Kinder eingegangen werden.

2.2.1 Internetausstattung der Haushalte

Die weite Verbreitung von Internetanschlüssen in Deutschland schlägt sich auch in der Verfügbarkeit dieser für Kinder nieder. Für Kinder sind die Zugangsorte für das Internet demnach das eigene Zuhause, die Schule sowie außerschulische Institutionen der Kinderbetreuung und Freizeiteinrichtungen. Es ist jedoch offensichtlich, dass in den industrialisierten Ländern Computer für Kinder und Jugendliche zum Leben dazugehören – allerdings überwiegend im Hinblick auf das Zuhause, weniger im Hinblick auf die Schule, wo sie nicht sonderlich integriert sind, sondern ihre Nutzung eher ein Sonderfall zu sein scheint. Der häusliche Zugang zum Internet hängt dagegen immer noch wesentlich davon ab, ob die Eltern diesen herstellen beziehungsweise genehmigen oder sich dafür interessieren. Eltern scheinen sich aber insgesamt zu bemühen, ihren Kinder Zugang zum Computer zu ermöglichen, da sich die Haushalte (Familien) dem Druck, zeitgemäß zu sein oder mithalten zu können, auf Dauer nicht entziehen können.

Festzuhalten ist weiterhin, dass der Anteil der privaten Haushalte mit Internetzugang im Jahr 2003 gegenüber dem Jahr 2002 um knapp 7 Prozent auf 42,6 Prozent anstieg, wobei der Ausstattungsgrad in Ost- und Westdeutschland nahezu ausgeglichen ist.16 Zudem nutzte mehr als die Hälfte der Bevölkerung ab 14 Jahre (53,5 Prozent) gelegentlich das Internet (2003 insgesamt 34,4 Millionen Menschen).17

Nach der Studie „Trend Tracking Kids, Kids 2003“ von „Iconkids & youth“ gingen im Jahr 2003 demnach 90 Prozent der 6- bis 12-Jährigen „mehr oder weniger regelmäßig“ von zu Hause aus ins Internet, ein Fünftel nutzte das Internet auch bei Freunden, 11 Prozent in der Schule und 4 Prozent bei Verwandten (siehe Abbildung 1).18

In Bezug auf Kinder ist dazulegen, dass Kinder das Internet in ihren Familien, also Zuhause, nutzen, wobei der Mediengebrauch jedoch von der Geräteausstattung des elterlichen Haushalts abhängt.19 In der KIM-Studie20 (Kinder und Medien, Computer und Internet) im Jahr 2003 wurde festgestellt, dass die „Haushaltsdurchdringung“ beim Internet mit mindestens einem Anschluss in den Familien mit 6- bis 13-jährigen Kindern von 27 Prozent im Jahr 2000 auf 57 Prozent im Jahr 2003 angestiegen ist (Abb. 2 und 3).21 Aus der Studie „Trend Tracking Kids, Kids 2003“, durchgeführt von dem Marktforschungsunternehmen „Iconkids & youth“ im Jahr 2003, ging hervor, dass 51 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 16 Jahren einen Internetzugang zu Hause haben.22 Dabei wurde jedoch darauf hingewiesen, dass der häusliche Internetzugriff geschlechtsspezifisch ausgeprägt ist, da nur 45 Prozent der Mädchen und dagegen 54 Prozent der Jungen von zu Hause aus ins Netz können.23

2.2.2 Internetnutzung der Kinder

Im Kontext der Internetnutzung der Kinder fällt generell der deutliche Sprung zum Online-Sein in den Haushalten mit 10- bis 11-jährigen Kinder auf. Für viele der jungen InternetnutzerInnen ist überdies der Gebrauch des Internets nichts Besonderes mehr. Dennoch wurde weiterhin herausgestellt, dass von den Kindern zwischen 6 und 13 Jahren im Jahr 1999 nur 13 Prozent „zumindest selten“ ins Internet gingen, 2000 waren es bereits 31 Prozent, 2002 dann 52 Prozent und 2003 schließlich 60 Prozent.24 Die Internetnutzung insbesondere von Mädchen ist hingegen von 51 Prozent im Jahr 2002 auf 62 Prozent im Jahr 2003 angestiegen.25 Überdies wurde aufgezeigt, dass der Anteil der Onliner unter den 6- bis 7-Jährigen und unter 8- bis 9-Jährigen von 36 Prozent im Jahr 2002 auf 38 Prozent beziehungsweise von 45 Prozent auf 52 Prozent abgestiegen ist. Die 10- bis 11-Jährigen standen allerdings am deutlichsten im Sog der neuen Technologie, denn 2003 waren 63 Prozent der PC26 -NutzerInnen in dieser Altersgruppe im Internet „zumindest selten“.27

Nach der KIM-Studie im Jahr 2003 ging bezüglich der Nutzungsdauer des Internets die Hälfte der 6- bis 13-jährigen InternetnutzerInnen seltener als einmal die Woche ins Netz, knapp 40 Prozent ein- oder mehrmals die Woche und nur jedes Kind täglich.28 Jedes achte 6- bis 12-jährige Kind hingegen ging täglich oder mehrmals die Woche ins Internet. Ferner besuchte jedes neunte 6- bis 12-jährige Kind das Internet mehrmals im Monat sowie jedes zwölfte Kind einmal Monat und seltener.29

Außerdem stellte das Institut für Jugendforschung im Jahr 2002 fest, dass 43 Prozent der Kinder, die einmal in der Woche und häufiger ins Netz gehen, das Internet ein oder zwei Stunden pro Woche nutzen. Zudem hielten sich 31 Prozent der Kinder länger und 24 Prozent der Kinder kürzer im Internet auf.30

Als Folge der Internetnutzung von Kindern ist – nach der KIM-Studie 2003 – der Rückgang des Lesens von Büchern zu beklagen.31

2.2.3 Fazit: Immer mehr Kinder haben im Haushalt Zugang zu einem Computer

Aus den vorangegangenen Ausführungen lässt sich schließen, dass der Anteil von Kindern mit Computer im Haushalt weiter steigt: Mittlerweile haben 80 Prozent der Kinder zu Hause Zugang zu einem Computer (gegenüber 59 Prozent im Jahr 2001/2002). Jedes dritte Kind nutzt heute den Computer der Eltern, mehr als die Hälfte der befragten Kinder verfügt sogar über einen eigenen Rechner. Drucker, Soundkarte, Internetanschluss sowie ein Brenner – das gehört zur Standardausstattung dieser PCs. Zudem ist vor allem für Jugendliche eine eigene E-Mail-Adresse selbstverständlich. Sonst nutzen die Kinder das Internet besonders gerne für Spiele und Rätsel oder um für die Schule nach Informationen zu suchen. Auch zum Kommunizieren (Chat und E-Mail) wird das Internet häufig genutzt.

2.2.4 Die symbolische Bedeutung von Computern für Kinder versus gesellschaftliche Benachteiligung

Anschließend soll geklärt werden, welche Rolle das soziale Umfeld sowie unterschiedliche Lernumgebungen für den gewinnbringenden Umgang mit dem Internet spielen. Überdies soll geklärt werden, ob und wie unterschiedliche Nutzungsstile von Computer und Internet zur Bildungsbenachteiligung von Kindern führen können.

Über PCs verfügen die meisten Haushalte mit Kindern, wenn auch in Abhängigkeit von finanziellen Mitteln und Interessen in recht unterschiedlichen Ausstattungen. Die finanzielle Lage des Haushalts spielt insgesamt die wichtigste Rolle dabei. Denn die Verwendung des Computers – und vor allem auch eines Notebooks – ist bei Kindern mit großen Erwartungen und mit einem Gefühl von Statusgewinn verbunden. Das Image des kompetenten Computernutzers ist vor allem bei Jungen sehr positiv besetzt und anscheinend ein wichtiges Prestigesymbol beziehungsweise eine eigene Profilierungsmöglichkeit. Die soziale Dimension der Verwendung von Computern spielt insbesondere in der Peer Group eine große Rolle. Die in diesen Thesen zum Ausdruck kommende symbolische Bedeutung des Computers ist für das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen wie auch für die sozialen Beziehungen von Bedeutung.

Es ist daher zu folgern, dass der Umgang mit Medien zweifellos zu den Schlüsselkompetenzen der Zukunft gehört. Die Beteiligung an den virtuellen Welten bietet eine wichtige Partizipationsmöglichkeit auch für Kinder und Jugendliche in der zunehmend globalisierten Welt.32

Dabei gilt es zudem, pädagogische Ziele wie den Abbau von unterschiedlichen gesellschaftlichen Benachteiligungen nicht aus den Augen zu verlieren. Doch die Chance, das Internet kreativ zu nutzen, setzt nicht nur Kenntnisse im Umgang mit der Technik, sondern zunächst einmal einen Zugang zu diesem Medium voraus. Leider sind von diesem „weltweiten Netz“ nach wie vor viele Menschen ausgeschlossen.33 – Und das betrifft auch Teile der deutschen Bevölkerung. Wie es im Elften Kinder- und Jugendbericht34 gefordert wird, liegt es in der öffentlichen Verantwortung, diesen Zugang zu den „virtuellen Welten“ zu ermöglichen: „Darüber hinaus ist es Aufgabe der Institutionen, dafür zu sorgen, dass auch diejenigen Erfahrungen mit Medien und neuen Technologien sammeln können, die aufgrund ihrer Lebenslage ohne institutionelle Unterstützung nur eingeschränkt an dieser Erfahrungswelt teilhaben können. Dazu gehören Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem ökonomischen und kulturellem Kapital, aus zugewanderten Familien – und nach wie vor Mädchen.35

[...]


1 An dieser Stelle muss wohl geklärt werden, was in der vorliegenden Hausarbeit unter dem Begriff „Kinder“ verstanden wird: Kinder werden als Menschen in ihrer Entwicklung zur Erwachsenheit angesehen. Ferner ist nach dem deutschen Recht Kind, wer noch nicht 14 Jahre alt ist (Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Als Kinder werden daher 4-/5- bis 12-Jährige erfasst.

2 Beginn des „Internetbooms“ um die Jahrhundertwende.

3 Beispielhaft seien hier die jährlich oder beinahe jährlich durchgeführten Studien „KIM – Kinder und Medien, Computer und Internet“ des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest, die Studie „Kids Verbraucher Analyse“ des Marktforschungsunternehmens Iconkids & youth international research sowie die „KidsVerbrau-cherAnalyse“ des Egmont Ehapa Verlages genannt.

4 Zitat aus: Internationale Presseerklärung der Europäischen Kommission zum Programm „eLearning“ am 19.12.2002.

5 Vgl. Feil, Christine/Decker, Regina/Gieger, Christoph: Wie entdecken Kinder das Internet? Beobachtungen bei 5- bis 12-jährigen Kindern, 1. Aufl., München 2004, S. 70.

6 Ebd., S. 70.

7 Ebd., S. 70.

8 Vgl. zum Beispiel Aufenanger 2002, 2001; Baacke 1999, 1996; Schorb 1995.

9 Vgl. Feil, Christine/Decker, Regina/Gieger, Christoph: Wie entdecken Kinder das Internet? Beobachtungen bei 5- bis 12-jährigen Kindern, 1. Aufl., München 2004, S. 67.

10 Ebd., S. 67.

11 Ebd., S. 67.

12 Ebd., S. 67.

13 Ebd., S. 68.

14 Ebd., S. 69.

15 Ebd., S. 70 f.

16 Vgl. Feil, Christine/Decker, Regina/Gieger, Christoph: Wie entdecken Kinder das Internet? Beobachtungen bei 5- bis 12-jährigen Kindern, 1. Aufl., München 2004, S. 14.

17 Ebd., S. 14.

18 Ebd., S. 21.

19 Ebd., S. 14.

20 Vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hg.): KIM-Studie 2003. Kinder und Medien – Computer und Internet. Basisdokumentation zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger, Baden-Baden 2003, S. 13.

21 Vgl. Feil, Christine/Decker, Regina/Gieger, Christoph: Wie entdecken Kinder das Internet? Beobachtungen bei 5- bis 12-jährigen Kindern, 1. Aufl., München 2004, S. 15.

22 Ebd., S. 15.

23 Ebd., S. 15.

24 Ebd., S. 16.

25 Ebd., S. 16.

26 Abkürzung für Personal Computer.

27 Vgl. Feil, Christine/Decker, Regina/Gieger, Christoph: Wie entdecken Kinder das Internet? Beobachtungen bei 5- bis 12-jährigen Kindern, 1. Aufl., München 2004, S. 16 f.

28 Ebd., S. 18.

29 Ebd., S. 18.

30 Vgl. Feil, Christine/Decker, Regina/Gieger, Christoph: Wie entdecken Kinder das Internet? Beobachtungen bei 5- bis 12-jährigen Kindern, 1. Aufl., München 2004, S. 19 f.

31 Ebd., S. 20.

32 Vgl. SIN – Studio im Netz (Hg.): Kinderspuren im Internet. Innovativer Impuls für die medienpädagogische Praxis. 2000–2013, Bd. 7, München 2003, S. 9. (Reihe: Multimedia)

33 Vgl. SIN – Studio im Netz (Hg.): Kinderspuren im Internet. Innovativer Impuls für die medienpädagogische Praxis. 2000–2013, Bd. 7, München 2003, S. 9. (Reihe: Multimedia)

34 Vgl. Elfter Kinder- und Jugendbericht, S. 351.

35 Zitat aus: SIN – Studio im Netz (Hg.): Kinderspuren im Internet. Innovativer Impuls für die medienpädagogische Praxis. 2000–2013, Bd. 7, München 2003, S. 9. (Reihe: Multimedia)

Details

Seiten
37
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656237662
ISBN (Buch)
9783656238409
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197395
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
Schlagworte
Kinder Internet Internetnutzung Wensites Kinderwebsites

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