Lade Inhalt...

Friedrich Barbarossa und Mailand

Ein Vergleich zweier Quellen zu den Geschehnissen vom September 1158 bis Januar 1159

Hausarbeit 2011 11 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

I. HistorischerKontext
1.1 Die Ereignisse
1.2 Die Quellen

II. Die Darstellung in den Quellen

III. Fazit

Einleitung

Kaiser Friedrich I. Barbarossa gilt als einer der bedeutendsten Herrscher des Mittelalters und ist im allgemeinen Geschichtsbewusstsein verankert[1]. Während der ersten knapp 25 Jahre seiner 38 Jahre währenden Regierung war sein Hauptziel die Wiederherstellung der Herrschaft des deutschen Königs und Kaisers in Italien. Trotz zwischenzeitlicher Erfolge konnte der Staufer die oberitalienischen Städte nicht bezwingen. Bis 1158 arbeitete Friedrich vor allem an der Konsolidierung seiner Herrschaft im deutschen Reichsgebiet. Ab dann intensivierte er seine Italienpolitik.

Fokus dieser Arbeit ist die Auslegung der Beschlüsse vom September und November 1158. Im Januar 1159 kam es darüber zum Konflikt zwischen Barbarossa und Mailand. Wie kam es zu diesem Konflikt? Was war der Inhalt dieser Vereinbarungen? Wie verstand sie der Kaiser und wie interpretierten sie die Mailänder? Was sagen die Quellen dazu? Das sind die Hauptfragen der Untersuchung, deren Grundlage die zwei wichtigsten Quellen dazu sind: die 'Gesta Federici' des Bischof Otto von Freising und seines Schreibers Rahewin[2] sowie die 'Narratio de Longobardie obpressione [3] ' eines unbekannten Mailänder Bürgers. In einem ersten Schritt wird dazu der Ablauf der Geschehnisse dargestellt und es wird versucht, diese in den historischen Kontext einzuordnen. Danach wird auf die Quellen, ihre Perspektiven und Bedeutung eingegangen. Den Hauptteil bildet die Auseinandersetzung mit den Quellen zu den Geschehnissen. Die Ergebnisse werden in einem Fazit festgehalten.

I. Historische Einordnung

1.1 Die Ereignisse

Seit dem 11. Jahrhundert drängten die oberitalienischen Städte nach freier Selbst­bestimmung, vor allem in Form der Kommune[4]. Zum Einen bedeutete dies die Unabhängigkeit vom Bischof, die Übernahme dessen (vom König verliehenen) Hoheitsrechte sowie die Ausbreitung des Territoriums. Zum Anderen wählten die Bürger ihre Führer auf Zeit, die Konsuln, in freier Wahl. Durch die seltene Anwesenheit des Königs wurde diese Entwicklung begünstigt. Den größten Nutzen daraus zog Mailand, welches sein Territorium auf Kosten anderer erweiterte. Die kollegiale Selbstbestimmung der Städte stand in doppeltem Widerspruch z Friedrich Barbarossa: zum Einen zu seinem monarchischen Herrschaftsstil, zum Anderem zu seinen eigenen Ansprüchen in Italien. Während des ersten Italienzuges von Friedrich kam es zu Auseinandersetzungen mit Mailand. Im September 1155 wurde die Reichsacht gegen Mailand verhängt[5] und dessen Gegner unterstützt. Dennoch konnte die entstehende Kommune vorerst nicht in die Knie gezwungen werden. Nach Oppl kam Friedrich im Sommer 1158 das zweite Mal nach Italien, dieses Mal mit einem großen Heer[6]. Nach der Belagerung Mailands kam es am 1. September 1158 zu einem Abkommen zwischen Barbarossa und Mailand. Wichtige Bestandteile des Abkommens waren die freie Wahl der Konsuln durch die Mailänder Bevölkerung, aber auch die Gewährung von Rechten an Friedrich Barbarossa und Pflichten der Mailänder.

Im November 1158 kam es bei Rocaglia zu einem Reichstag. Dort versuchte Barbarossa seine Ansprüche in Italien auf eine rechtliche Grundlage zu stellen[7]. Es kam auch zu einer Regelung der Rechtsverhältnisse zwischen dem Kaiser und den oberitalischen Städten. Demnach durften die Städte keine Bündnisse mehr eingehen und die Wahl der Konsuln sollte nun unter der Leitung kaiserlicher Legaten geschehen. Beide Regelungen standen aus Sicht der Mailänder im Widerspruch zum dem Abkommen zwischen Barbarossa und Mailand im September 1158. Daher kam es bei der Ankunft der kaiserlichen Legaten im Januar 1159 in Mailand zum Konflikt, welcher schließlich 1162 in die Zerstörung Mailands mündete.

1.2 Die Quellen und ihre Bedeutung

Die Quellenlage zu den Geschehnissen ist dünn. In der Historiographie gibt es vor allem zwei Werke, die im Folgenden betrachtet werden. In der Darstellung von Otto von Freising und Rahewin sind vor allem bedeutende Ereignisse enthalten. Durch die Verwandtschaft Ottos mit Friedrich kam es zu einer gewissen „Hofnähe", wie Oppll

II.Die Darstellung in den Quellen

konstatiert[8]. Otto bezieht also als „Hofgeschichtsschreiber" klar Position für seinen Halbneffen, Friedrich Barabarossa. Außerdem schrieb er aus der Retrospektive und bezog sein Wissen aus Dokumenten, direkt von der kaiserlichen Kanzlei[9]. Für die Geschehnisse, die uns interessieren, zeichnet sein Schreiber Rahewin verantwortlich, der die Geschichte im Sinne Ottos fortsetzt. Er weilte im Herbst 1158 selbst beim Kaiser in Italien. Diese Quelle bezieht klar Position zugunsten von Friedrich Barbarossa, will seine Taten rühmen. Mehrfach schreibt er abschätzig über die Mailänder[10].

Ganz anders verhält es sich mit der zweiten, italienischen Quelle. Die italienische Geschichtsschreibung nimmt eine Sonderrolle im Zusammenhang mit der Italienpolitik Friedrichs ein und ist vor allem Stadtgeschichtsschreibung. Besondere Eigenarten dabei sind die Genauigkeit in den Einzelheiten, der Chronologie und der beteiligten Personen. Der Anonymus schreibt dabei als Mailänder Patriot, sein Interesse gilt nur Mailand. Die Vormachtstellung Mailands betrachtet er als selbstverständlich. Den Kaiser sieht er von Anfang an als Gegner, der die Stadt entgegen dem Recht und entgegen dem von ihm selbst erlassenen Sonderabkommen[11] unterwirft[12]. Der Verfasser ist vermutlich ein wohlhabender Mailänder Bürger und seine Position nimmt zwar die Gegenposition zu Friedrich Barbarossa ein, zeichnet sich aber ansonsten durch Genauigkeit aus. Er schreibt seinen Text als er vor den Trümmern Mailands steht. Demnach ist es sein Ziel, das Handeln der Mailänder als rechtmäßig darzustellen und die Schuld auf Seiten des Kaisers zu suchen[13]. Durch die Kombination beider Quellen ergibt sich ein differenziertes Bild der Politik und der Taten des Kaisers in Italien.

[...]


[1] Oppll: Friedrich Barbarossa, S. 1.

[2] Im Folgenden bezeichnet als Rahewin: Taten Friedrichs I.

[3] Im Folgenden bezeichnet als Narratio.

[4] Siehe u.a. Hiller, Helmut: Friedrich Barbarossa und seine Zeit, S. 73f.

[5] Eryüzlü: Die Italienpolitik Friedrich Barbarossas, S.11.

[6] Oppll: Friedrich Barbarossa, S. 62.

[7] Görich: Konflikt und Kompromiss, S. 90.

[8] Oppll: Friedrich Barbarossa, S. 8.

[9] Grundmann: Geschichtsschreibung im Mittelalter, S. 43.

[10] Prietzel: Kleine Kämpfe im großen Krieg, S. 327.

[11] Dem Abkommen vom 1. September 1158.

[12] Narratio de Longobardie obpressione et subjectione, im Folgenden: Narratio, S. 241, Z. 18f. Die Zeilenangaben beziehen sich im Folgenden, soweit nicht anders angegeben, auf die deutsche Übersetzung.

[13] Prietzel: Kleine Kämpfe im großen Krieg, S. 332. Busch: Die Mailänder Geschichtsschreibung zwischen Arnulf und Galvaneus Flamma, S.69.

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656235569
ISBN (Buch)
9783656237006
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197370
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
Schlagworte
Barbaross Kaiser Friedrich Barbarossa Deutsche Kaiser Mailand freie Stadt Konflikt Italien

Autor

Zurück

Titel: Friedrich Barbarossa und Mailand