Lade Inhalt...

Evidence-based Nursing

Nur eine idealistische Idee oder eine Methode die der Pflege nützt?

Studienarbeit 2010 26 Seiten

Pflegewissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung und Ursprung des Evidence-based Nursing

3. Dimensionen einer pflegerischen Entscheidungsfindung im Sinn von Evidence-based Nursing
3.1 Externe und interne Evidence

4. Die sechs Schritte der Evidence-based Nursing Methode
4.1 Auftragsklärung
4.2 Fragestellung
4.3 Literaturrecherche
4.4 Kritische Beurteilung
4.5 Implementierung und Adaption
4.6 Evaluation

5. Vor- und Nachteile der EBN-Methode für die Pflege
5.1 Vorteile
5.1.1 Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung
5.1.2 Verbindungslink zwischen Theorie und Praxis
5.1.3 Förderung der Professionalisierung
5.2 Nachteile
5.2.1 Schwierige Umsetzung durch ungünstige Rahmen- und Strukturbedingungen

6. Schlussbetrachtung und Resümee

Bibliographie

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Komponenten der pflegerischen Entscheidung

Abbildung 2: Die sechs Schritte der EBN-Methode

Abbildung 3: Stufen der Evidence

1. Einleitung

Im täglichen Handeln einer Pflegekraft werden eine Vielzahl von pflegeri­schen Entscheidungen getroffen die für das Wohlergehen von Patienten ausschlaggebend sein können. Hierbei stellt sich den Pflegenden oftmals die Frage nach der richtigen und sinnvollen Entscheidung oder ob das ge­genwärtig angestrebte Handeln das Beste für die entsprechende Situation ist. Pflegerisches Handeln und entsprechende Maßnahmen basierten bis noch vor wenigen Jahren oftmals auf traditionellem Erfahrungswissen von Pflegenden - man denke hier z.B. an die antiquierte Dekubitusprophylaxe mittels „Fönen und Eisen". Aufgrund neuzeitlicher veränderter Anforde­rungen im Gesundheitswesen, die kostenbewusstes, nachhaltiges und wirtschaftliches Handeln unumgänglich machen und infolge der Tatsache, dass pflegerische Entscheidungen als auch daraus resultierende Hand­lungen heute begründet sowie mit Argumenten belegt werden müssen, wird ein kritisches Nachdenken über die Sinnhaftigkeit und Anwendung von Pflegemaßnahmen notwendig.[1] Aber nicht nur angesichts der Verän­derungen im äußeren Kontext des Gesundheitssystems, auch durch Ver­änderungen innerhalb des pflegerischen Berufsfeldes in Deutschland, hin zu einem eigenständigen Berufsstand mit neuem Selbstverständnis und eigenem Wissenschaftsbereich, wird das Überdenken des alltäglichen Tuns unabdingbar. Überdenken bedeutet in diesem Zusammenhang, dass heutzutage Erkenntnisse aus der Wissenschaft in die pflegerische Alltags­praxis einfließen müssen und auch pflegerische Handlungen, mehr denn je, wissenschaftlicher Fundierung bedürfen.[2] Eine wissenschaftliche Fun­dierung von pflegerischen Handlungen ist nicht nur aus den zuvor genann­ten Aspekten von großer Wichtigkeit, sondern auch im Hinblick auf die Verantwortung, die Pflegende gegenüber ihren Patienten tragen, von höchster Relevanz - schließlich ist es ist wichtig zu wissen was man tut und warum man etwas tut! Hanns hält dazu fest: wie kann man Ver­ antwortung für die Durchführung von Pflegemaßnahmen übernehmen, deren Wirksamkeit nicht valide nachgewiesen wurde?' [3]

Die Methode des Evidence-based Nursing bietet der Pflege die Möglich­keit Wissenschaft und Alltagspraxis zu verknüpfen und somit pflegerische Entscheidungen bzw. Handlungen zu fundieren, d.h. auf der Grundlage von überprüften Erkenntnissen und nicht nur aus tradiertem Erfahrungs­wissen heraus zu handeln.[4] Im Nachfolgenden soll genauer erörtert wer­den ob Evidence-based Nursing nur eine gut gemeinte Idee ist oder eine Methode die der Pflege nützen kann.

2. Begriffserklärung und Ursprung des Evidence-based Nursing

Evidence-based Nursing ist ein Terminus aus dem englischen Sprachge­brauch und bedeutet sinngemäß übersetzt: Auf Beweisen basierende Pflege.[5] Ziel des EBN Konzeptes ist es eine forschungsbasierte Pflege­praxis zu ermöglichen und zu unterstützen,[6] oder etwas ausführlicher for­muliert: Ziel von Evidence-based Nursing ist es, eine Grundlage zu schaf­fen, um Pflegebedürftigen die beste und wirksamste Pflege zukommen zu lassen. Dies kann erreicht werden, wenn bei der Interaktion zwischen Pflegebedürftigen und Pflegenden Handlungen stets hinterfragt werden und eine kontinuierliche Wissenserweiterung, unter Beachtung von aktuel­len wissenschaftlichen Belegen, zur pflegerischen Entscheidungsfindung angestrebt wird.[7] Hanns beschreibt Evidence-based Nursing treffend und mit einfachen Worten als: "[...] eine Konzept, wodurch wissenschaftliche Belege in die tägliche Entscheidungsfindung bzw. in das pflegerische Handeln einbezogen werden können. Es überzeugt als ein sinnvolles und praxisnahes Vorgehen, um Pflegende zu befähigen, Forschungsarbeiten zu erschließen und deren Erkenntnisse in der Pflegepraxis umzusetzen." [8]

Von geschichtlicher Seite aus wird Florence Nigthingale als frühe Pionierin und Vorreiterin der EBN-Methode angesehen.[9] Sie führte um 1858 die ersten klinischen Pflegeversuche durch, aufgrund deren die Sterblichkeits­rate in einem Soldatenlazarett enorm gesenkt werden konnte. Später ver­öffentlichte Sie ihre Ergebnisse und machte sie somit allen zugänglich. Das Konzept des EBN, wie wir es heute kennen, hat sich in der Mitte der 90er Jahre im angloamerikanischen Raum aus dem Pendant des medizi­nischen Bereichs, der Evidence-based Medicine, entwickelt.[10] Sackett et al. definierten Evidence-based Medicine als bewusstes, ausdrückliches und umsichtiges Anwenden des gegenwärtig stärksten externen Beweises in der Entscheidung für die Versorgung einzelner Patienten.[11] Die Pflege­profession übernahm das Konzept der Evidence-based Medicine als Evi­dence-based Nursing für den Pflegebereich, erweiterte jedoch die medizi­nisch einseitige Sichtweise dahingehend, dass bei der Entscheidungsfin­dung, im Hinblick auf eine fundierte (evidenzbasierte) pflegerische Inter­vention, neben wissenschaftlichen Belegen ebenso Patientenpräferenzen und die Erfahrungen der PraktierInnen beachtet werden müssen.[12] Eine aktuelle Definition von EBN nach Behrens et al. lautet: „Evidence-based Nursing ist die Nutzung der derzeit besten wissenschaftlich belegten Er­fahrung Dritter im individuellen Arbeitsbündnis zwischen einzigartigen Pflegebedürftigen und professionell Pflegenden. " [13]

In Deutschland fand die Methode um 1999 Einzug und befindet sich seit­dem hierzulande in vielen Institutionen auf dem Vormarsch.[14],[15] Ergän­zend sei hier noch erwähnt, dass heutzutage der Begriff Evidence-based - also alles das was wissenschaftlich belegt meint - zu eine Art Modebegriff avanciert, ist mit dem versucht wird viele Disziplinen zu veredeln. So gibt es mittlerweile neben Evidence-based Medicine und Evidence-based Nursing noch weitere Bereiche wie etwa: Evidence-based Health-System,

Evidence-based Decision-Making und Evidence-based Health-Care.[16] Auf diese Begrifflichkeiten soll im Rahmen der vorliegenden Ausarbeitung aber nicht näher eingegangen werden.

3. Dimensionen einer pflegerischen Entscheidungsfindung im Sinn von Evidence-based Nursing

Evidence-Based Nursing ist eine Methode, die wie zuvor schon beschrie­ben versucht, pflegerische Entscheidungen unter dem Einbezug von wis­senschaftlichen Erkenntnissen und der Zusammenarbeit von professionell Pflegenden sowie den Patienten zu treffen. Sie stellt sich die Frage, ob und wie, wissenschaftlich überprüfte Erfahrungen in die eigene Praxis - d.h. in das einzigartige Bündnis zwischen Patienten und professionell Pflegenden - einbezogen werden können.[17]

Im Hinblick auf all diese Aspekte und vor allem dem, was einen großen Bestandteil der Pflege ausmacht, nämlich der Beziehungsebene zwischen Patient und Pflegekraft,[18] muss eine Entscheidungsfindung für pflegeri­sche Handlungen im Rahmen der EBN-Methode unter mehreren Perspek­tiven getroffen werden. Hierzu ist es wichtig zum einen wissenschaftliches Wissen - aus der Pflegeforschung sowie auch aus fremden Fachberei­chen -, die Expertise der Pflegenden - d.h. die Fähigkeit Probleme sowie Ressourcen von Patienten richtig einzuschätzen und adäquate Pflege zu planen -, die Patientenpräferenzen - Wünsche, Bedürfnisse, Erwartungen der Patienten -, als auch die vorhandenen Umgebungsbedingungen - ex­terne Anreize und Kontexte -, zu vereinen bzw. zu analysieren, um so aus all diesen Elementen eine Entscheidung für oder gegen eine pflegerische Maßnahme ableiten zu können.[19] Die nachfolgende Abbildung stellt die­sen komplexen Zusammenhang etwas verständlicher dar.[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Komponenten der pflegerischen Entscheidung

3.1 Externe und interne Evidence

Im Rahmen der Entscheidungsfindung mit EBN tauchen in der Literatur immer wieder die Begriffe externe sowie interne Evidence auf. Diese Be­grifflichkeiten sollen hier kurz charakterisiert werden.

- Externe Evidence:

Externe Evidence umfasst alles gesicherte - in der Wirksamkeit erwie­senes - Wissen, das man aus Erfahrungen Dritter bekommen kann.[21] Dieses gesicherte (erwiesene) Wissen liegt in Form von Studien, fort­geschrittenen kontrollierten Versuchen, Übersichtsarbeiten und Analy­sen in Datenbanken wie etwa der Cochrane Library, Pub Med, eviden- ce-basierten Journalen, u.a. vor.[22] Einfach ausgedrückt lässt sich sa­gen: Externe Evidence macht eine Aussage darüber, was bei Anderen wie geholfen hat.[23]

- Interne Evidence:

Interne Evidence bezeichnet alles Wissen über uns selbst, das of nur in der Begegnung zwischen jeweils einzigartigem Pflegebedürftigen und Pflegenden entsteht sowie geklärt werden kann. Dies wäre z.B. das Wissen darüber was der Patient erwartet, was er kann, was er darf, welche Wünsche und Bedürfnisse er hat - zusammengefasst al­so: Zielklärung, Anamnese und Pflegediagnose(n).[24]

4. Die sechs Schritte der Evidence-based Nursing Methode

Die Methode des Evidence-based Nursing - also die Lösung pflegerischer Probleme anhand der zuvor beschriebenen Dimensionen - besteht insge­samt aus sechs Schritten. Diese erfordern jeweils unterschiedliche Fähig­keiten und müssen von den ausführenden Personen - Pflegenden - erst erlernt werden, bevor EBN praktikabel angewendet werden kann. In Anlehnung an die Komplexität einer pflegerischen Fragestellung, als auch an die Verfügbarkeit von externer Evidence (Studien), ist es möglich, dass einzelne Schritte sehr subtil zu bearbeiten sind und somit der Weg von einer Fragestellung bis zur Lösung des Problems über ein paar Stun­den bis hin zu Monaten andauern kann.[25] Die nachfolgende Abbildung gibt einen kurzen Überblick der sechs EBN-Schritte und ihrer notwendigen Prozessevaluation (gestrichelte Pfeile).[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die sechs Schritte der EBN-Methode

Im weiteren Verlauf werden die einzelnen Schritte und ihre spezifischen Inhalte genauer erläutert.

[...]


[1] Vgl. Herr-Wilbert(2008), S. 142f.

[2] Vgl. Schlömer(2000), S. 47ff.

[3] Hanns(2003), S. 3.

[4] Vgl. Behrens et al.(2006), S. 20ff.

[5] Vgl. Herr-Wilbert(2008), S. 143.

[6] Vgl. Panfil(2005), S. 70.

[7] Vgl. Hanns(2003), S. 4f.

[8] Hanns(2003), S. 2.

[9] Behrens etal.(2006), S. 21.

[10] Vgl. Schneeweiss(2008), S. 10.

[11] Vgl. Sackett etal. (1996), S. 71.

[12] Vgl. Schneeweiss(2008), S. 10.

[13] Behrens etal.(2006), S. 27.

[14] Vgl. Thiel et al.(2001), S. 268.

[15] Vgl. Behrens et al.(2006), S. 21.

[16] Vgl. Panfil(2005), S. 71.

[17] Vgl. Behrens etal.(2004), S.21ff.

[18] Vgl. Gross(2004), S. 200.

[19] Vgl. Behrens et al.(2006), S. 27ff.

[20] Quelle: Behrens et al.(2010), S. 47.

[21] Vgl. Behrens et al.(2010), S. 27f.

[22] Vgl. Behrens etal.(2006), S. 103.

[23] Vgl. Behrens et al.(2010), S. 28.

[24] Vgl. Behrens et al.(2010), S. 28.

[25] Vgl. Behrens et al.(2006), S. 42.

[26] Quelle: Behrens et al.(2006), S. 43.

Details

Seiten
26
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656235590
ISBN (Buch)
9783656239000
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197353
Institution / Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein – Evangelische Fachhochschule Ludwigshafen am Rhein
Note
1,3
Schlagworte
Evidence-based Nursing EBN Pflegewissenschaft Evidence Evidenz Nutzen für Pflege Qualität in der Pflege Professionalisierung Qualitätssicherung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Evidence-based Nursing