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Erste gegen Zweite Liga. Wie managen sich Fußballvereine?

Eine Managementanalyse der Eintracht Frankfurt und des FSV Frankfurt

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Soziologie - Methodologie und Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Eintracht Frankfurt - Der Verein und die Aktiengesellschaft

3 Eine Analyse der Eintracht Frankfurt Fußball Aktiengesellschaft
3.1 Darstellung des Managements
3.2 Faktoren für eine Professionalisierungsanalyse
3.2 Professionalisierungsanalyse der Eintracht Frankfurt Fußball AG

4 Vergleich der Organisationsstruktur mit anderen Mannschaften
4.1 Vergleich Eintracht Frankfurt Fußball AG - FSV Frankfurt 1899 Fußball GmbH
4.2 Vergleich Eintracht Frankfurt Fußball AG - FC Bayern München AG

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis und Internetquellen

7 Anhang

1 Einleitung

68 Millionen Euro Umsatzerlöse im letzten Geschäftsjahr, Abteilungen von Personalwesen bis Marketing und eine Verwaltung mit 224 Mitarbeitern, die allein im Jahr 2009 für 29 Millionen Euro Personalkosten sorgten. Vor einigen Jahrzehnten wäre es kaum vorstellbar, dass es sich hierbei um die Eckdaten eines Fussballvereins handelt. In diesem Fall sind es die Daten der Profifußballmannschaft der Eintracht Frankfurt. Man kann eigentlich nicht mehr von Fußballvereinen sprechen, sondern von Unternehmen, die mit Fußballspielen ihr Geld verdienen. Das Geld verdienen ist bereits in der Unternehmensform grundlegend verankert - schließlich sind Profifußballvereine in der ersten deutschen Bundesliga normalerweise Aktiengesellschaften (AG). Ihr Kapital kommt von Anlegern. Das Ziel des Fußballvereins beziehungsweise des Unternehmens ist es, dieses Kapital zu vermehren. Auch durch andere Bereiche wie Sponsoring oder Merchandising erhalten die Unternehmen Geld.

„Durch die Professionalisierung ist in vielen Sportvereinen ein Wandel von Solidargemeinschaften zu Dienstleistungsorganisationen zu erkennen“[1], schreiben Gerhard Schewe, Nicolas Gaede und Christian Küchlin gemeinsam und weisen damit auf den Wandel in den Sportvereinen hin. Die Sportvereine würden nun auch in den ökonomischen Wettbewerb miteinander treten, was für veränderte Rahmenbedingungen in der gesamten Branche sorgt. Die Fußballvereine müssen auf diese Veränderungen reagieren und stellen ihre Organisation entsprechend um.

Konkret führt dies in den Vereinen dazu, dass es immer weniger Mitglieder in der Führungsebene gibt die ihr Amt ehrenamtlich leiten können. Stattdessen werden Manager angestellt, oft auch aus anderen Branchen, Hierarchien aus DAX-Konzernen werden übernommen und eine enorm spezialisierte Verwaltung aufgebaut, um die Aufgaben des Vereins in allen Bereichen zu spezialisieren. Aus Vereinen werden GmbH, wenn nicht sogar Aktiengesellschaften.

In dieser Hausarbeit werde ich einen genauen Blick auf das Management eines Profifußballvereins werfen, am Beispiel der Eintracht Frankfurt. Wie wird ein „Fußballunternehmen“ überhaupt geleitet und welche verschiedenen Aufgaben haben die einzelnen Personen? Um meine Erkenntnisse beurteilen und einschätzen zu können, werde ich den Vergleich zu einem noch professionelleren und zu einem weniger professionellen Fußballverein anstellen. Dazu habe ich die Vereine FSV Frankfurt und Bayern München gewählt.

Doch zunächst möchte ich darlegen, wie die Eintracht Frankfurt ihren Profifußball führt und beginne deshalb mit einer kurzen Beschreibung der Rahmenbedingungen des Vereins. Um an dieser Stelle bereits allen Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich zunächst einen, für diese Arbeit sehr wichtigen, Begriff definieren. Der Begriff des „Fußballvereins“ soll für eine Fußballmannschaft stehen, die in irgendeiner Art und Weise organisiert und eingetragen ist. Ob als eingetragener Verein oder bereits mit einer wirtschaftlichen Ausrichtung als GmbH oder Aktiengesellschaft, muss dabei nicht bestimmt werden, da lediglich die Profifußballmannschaft mit ihrem gesamten Organisationsrahmen gemeint ist.

2 Eintracht Frankfurt - Der Verein und die Aktiengesellschaft

Um später auf das Management der Profifußballmannschaft der Eintracht Frankfurt eingehen zu können, möchte ich zunächst ein paar grundlegende Eckdaten über „die Eintracht“ geben.

Die „Eintracht Frankfurt“ besteht aus dem Teil des „Eintracht Frankfurt e.V.“ und der „Eintracht Frankfurt Fußball AG“. Auch wenn der Name Eintracht Frankfurt zunächst hauptsächlich mit Fußball in Verbindung gebracht wird, so ist das sportliche Portfolio des Eintracht Frankfurt e.V wesentlich breiter aufgestellt. Im Jahr 1899 gegründet, kann der Verein heute 16 Abteilungen, von Badminton bis Volleyball, und circa 15.000 Mitglieder, davon mehr als 3000 Kinder und Jugendliche, aufweisen. Auch Fußball bietet der Eintracht Frankfurt e.V.. Allerdings nicht mit einer Profifußballmannschaft, sondern mit Nachwuchsspielern und einem entsprechenden Leistungszentrum, um eigene Spieler zu fördern. Die Fußballabteilung des Eintracht Frankfurt e.V. ist für die Eintracht Frankfurt Fußball AG sehr wichtig, wie ich in den nächsten Kapiteln zeigen werde. Außerdem sind am Eintracht Frankfurt e.V. ein Eintracht Magazin und andere Projekte, sowie Kooperationen angedockt.

Auf der anderen Seite steht die am 1. Juli 2000 gegründete Eintracht Frankfurt Fußball AG, ein Tochterunternehmen des Eintracht Frankfurt Fußball e.V. Mit Organen wie der Mitgliederversammlung, dem Aufsichtsrat und dem Vorstand, fallen einem zunächst die organisatorischen Gemeinsamkeiten zu üblichen Aktiengesellschaften auf. Auf eine exakte Beschreibung der Führungsebene der Eintracht Frankfurt Fußball AG, sowie auf eine Personen- und Positionsbeschreibung, verzichte ich an dieser Stelle, weil ich dies im nächsten Kapitel ausführlich behandeln werde. Die Eintracht Frankfurt Fußball AG ist ausschließlich spezialisiert auf den Profifußball und nimmt mit folgenden Abteilungen die Herausforderung an, ein gewinnbringendes Unternehmen zu sein: Fanbetreuung, Fußballschule, IT, Einkauf/Liegenschaften, Merchandising, Personalwesen, Presseabteilung, Recht, Rechnungswesen, Sicherheit, Veranstaltungen, Zuschauerservice.

Zwischen dem Eintracht Frankfurt e.V. und der Eintracht Frankfurt Fußball AG gibt es einige Schnittpunkte in der Zusammenarbeit. So gehört zum Beispiel die Eintracht Frankfurt Fußball AG zu 67,9 % dem Eintracht Frankfurt e.V.. Außerdem hat die Eintracht Frankfurt AG ihre Nachwuchsförderung in einer Kooperation mit dem Eintracht Frankfurt e.V. „ausgegliedert“. Der Eintracht Frankfurt e.V. übernimmt die Aufgabe der Nachwuchsförderung mit einem eigenen Leistungszentrum und erhält im Gegenzug Geld von der AG. Diese Art der Organisation zeigt bereits die enge Verzahnung zwischen dem e.V. und der AG und die voranschreitende Professionalisierung und Aufgabenspezialisierung innerhalb der AG, die ich im Laufe dieser Hausarbeit noch näher beleuchten werde.

3 Eine Analyse der Eintracht Frankfurt Fußball Aktiengesellschaft

Um besser einordnen zu können, um was für ein Unternehmen es sich bei der Eintracht Frankfurt Fußball AG handelt, möchte ich in diesem Kapitel zunächst anhand einiger Daten die Aktiengesellschaft allgemein skizzieren, bevor ich an die konkrete Analyse des Managements gehe.

Zur Analyse der Aktiengesellschaft liegt mir der derzeit aktuellste Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2009 vor, der am 13.10.2010 veröffentlicht wurde. „Die Eintracht Frankfurt Fußball Aktiengesellschaft unterhält eine Profifußballmannschaft und ist Mitglied der Deutschen Fußball Bundesliga. Seit der Saison 2005/2006 spielen wir mit wachsendem Erfolg in der 1. Bundesliga. Neben der Abwicklung unserer Heimspiele und dem damit verbundenen Ticketverkauf besteht unsere Geschäftstätigkeit in der Verwertung eigener Rechte und dem Handel mit Fanartikeln unter der Marke Eintracht Frankfurt. Gemäß unserer Geschäftspolitik konzentrieren wir uns dabei auf unser Kerngeschäft und sind nur in Bereichen tätig, die eng mit dem professionellen Fußball verbunden sind“[2], schreibt die Eintracht Frankfurt Fußball AG zu ihrer Geschäftstätigkeit in ihrem Jahresabschluss. Im Jahr 2009 blickt die Aktiengesellschaft auf fünf erfolgreiche Spielzeiten in der ersten Fußballbundesliga zurück und freut sich über eine „sorgfältige Personalpolitik“[3], die den Umsatz kontinuierlich steigern konnte. Der Bilanzgewinn der Aktiengesellschaft belief sich im Vorjahr auf 3.298 Tausend Euro und konnte im Jahr 2009 aufgrund von Investitionen in den Spielerkader nur auf 462 Tausend Euro gebracht werden.

3.1 Darstellung des Managements

Das Management der Eintracht Frankfurt Fußball AG besteht aus einem dreiköpfigen Vorstand. Ein Aufsichtsrat, bestehend aus einem Vertreter des Eigentümers der AG, einem Vertreter der Stadt und des Landes Hessen, überwacht den Vorstand. Neben dieser, eher kaufmännischen Seite des Managements, gibt es eine weitere, die sich mit allen sportlichen Belangen der AG beschäftigt. Verantwortlich für die sportliche Leitung sind der Sportdirektor Bruno Hübner, Cheftrainer Armin Veh, Co-Trainer Reiner Geyer sowie die für das Scouting zuständigen Bernd Hölzenbein und Ralf Weber. Außerdem gibt es eine Lizenzspielerabteilung mit dem Leiter Rainer Falkenhain.[4] Die Eintracht Frankfurt Fußball AG zählt zudem 224 Mitarbeiter. Sie teilen sich auf in 42 Mitarbeiter zuständig für Lizenzfußball, drei im Vorstand, 47 im Backoffice und 132 Teilzeit- und Aushilfskräfte. Die Mitarbeiter verursachten im Jahr 2009 Personalkosten in Höhe von 29,1 Millionen Euro. Davon gingen 89,2 % in den sportlichen Bereich.

3.2 Faktoren für eine Professionalisierungsanalyse

Gerhard Schewe, Nicolas Gaede und Christian Küchlin untersuchten in ihrem Aufsatz „Professionalisierung und Strukturwandel im Profifußball“[5] verschiedene Fußballvereine aus der ersten und zweiten Bundesliga auf ihren Grad der Professionalisierung und der damit einhergehenden Organisationsstruktur. Mit einigen selbst entwickelten Faktoren konnten sie die Führungsebenen der Fußballvereine einem niedrigen, mittleren und hohen Professionalisierungsgrad zuteilen.

Bei Fußballvereinen mit einem niedrigen Professionalisierungsgrad in der Führungsebene setzt sich der Vorstand traditionell aus einem ehrenamtlich tätigen Präsidium zusammen, wie Schewe, Gaede und Küchlin es am Beispiel des FC St. Pauli beobachten konnten. Grundsätzliche Entscheidungen werden bei einer solchen Organisationsform in den zuständigen Abteilungen geklärt, um den Präsidenten vom operativen Geschäft zu entlasten. Ob dies allerdings wirklich geschieht, darf bezweifelt werden, da der Präsident weiterhin über alle Entscheidungen informiert und mit einbezogen wird.

Weist der Fußballverein einen mittleren Grad der Professionalisierung auf, so findet sich wie zum Beispiel beim FC Hansa Rostock, ein Vorstand mit ehrenamtlich und hauptamtlich tätigen Personen. Außerdem beginnt eine zunehmende Spezialisierung. Unter anderem, indem es weitere hauptamtliche Geschäftsführer für Bereiche wie Lizenzen, der Geschäftsstelle oder für das Marketing gibt. Der Vorstand wirkt aber dennoch am Entscheidungsprozess mit, da er von den entsprechenden Bereichen entscheidungsreife Vorschläge vorgelegt bekommt.

Bei Fußballvereinen mit einem hohen Grad der Spezialisierung besteht der Vorstand nicht nur fast ausschließlich aus hauptamtlich tätigen Personen, die Aufgabenverteilung spitzt sich außerdem noch weiter zu. Marketing- und Vermarktungsaktivitäten werden dann nicht mehr vereinsintern aufgeführt, sondern in eigene Tochterunternehmen ausgelagert oder anderen Firmen anvertraut. Schewe, Gaede und Küchlin benennen zum Beispiel den SV Werder Bremen, der seine Marketing- und Vermarktungsaktivitäten an die UFA Sports GmbH ausgegliedert hat.

[...]


[1] Schewe, Gerhard und Littkemann, Jörn (Hrsg.) (2005): Sportmanagement: Der Profi-Fußball aus sportökonomischer Perspektive, Schorndorf: Verlag Karl Hofmann, Seite 9.

[2] Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01. Januar 2009 bis 31. Dezember 2009. Lagebericht der Eintracht Frankfurt Fußball Aktiengesellschaft für das Geschäftsjahr 2009 aus dem elektronischen Bundesanzeiger. Veröffentlicht 13.10.2010. Kapitel I, 1

[3] Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01. Januar 2009 bis 31. Dezember 2009. Lagebericht der Eintracht Frankfurt Fußball Aktiengesellschaft für das Geschäftsjahr 2009 aus dem elektronischen Bundesanzeiger. Veröffentlicht 13.10.2010. Kapitel I, 2

[4] Alle Informationen zum Management stammen von der Webseite der AG: http://www.eintracht.de/eintracht/fussball-ag/ Letzter Zugriff: 09.08.2011

[5] Schewe, Gerhard und Littkemann, Jörn (Hrsg.) (2005): Sportmanagement: Der Profi-Fußball aus sportökonomischer Perspektive, Schorndorf: Verlag Karl Hofmann, Seite 12

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656232889
ISBN (Buch)
9783656233183
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197295
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2
Schlagworte
Management Eintracht Frankfurt FSV Frankfurt Erste Bundesliga Zweite Bundesliga Bundesliga Strukturen Professionalisierung Fußball

Autor

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