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Lesen in der Freizeit

Das Leseverhalten der Schüler der Q1 des Beethoven-Gymnasiums in Bonn

Facharbeit (Schule) 2012 24 Seiten

Didaktik - Deutsch - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Einleitung

2 Leseverhalten bei Jugendlichen
2.1 Unterschiede im Leseverhalten von Jungen und Mädchen
2.2 Die Rolle des Buches in der heutigen Mediengesellschaft

3 Empirische Untersuchung in der Q1 des Beethoven-Gymnasiums
3.1 Aufbau des Fragebogens
3.2 Meine Erwartung an das Umfrageergebnis

4 Auswertung der Umfrageergebnisse
4.1 Darstellung, Interpretation, Begründung der Ergebnisse
4.2 Vergleich mit anderen Studien zum Leseverhalten

5 Diskussion der Untersuchungen zum Leseverhalten
5.1 Fazit
5.2 Ausblick auf eine mögliche zukünftige Entwicklung des Leseverhaltens von Jugendlichen

6 Literatur- und Quellenverzeichnis
6.1 Sekundärliteratur
6.2 Internetquellen

7 Anhang
7.1 Fragebogen
7.2 Tabelle mit den Ergebnissen meiner empirischen Untersuchung
7.3 Graphen zu meiner empirischen Untersuchung

1 Einleitung

Mit dem Leseverhalten der Jugendlichen geht es bergab: Fernsehen und Internet stehen für sie an erster Stelle – Bücher finden sie langweilig. Besonders Jungen lesen immer weniger!

Solche oder ähnliche Aussagen werden heutzutage immer häufiger gemacht. Die Lesekompetenz der Jugendlichen wird sehr in Frage gestellt, besonders seit der PISA-Studie aus dem Jahr 2000[1], in der die deutschen Jugendlichen erschreckend schlecht abgeschnitten haben. Eine verbreitete Ansicht ist, dass sich die Jugendlichen nur noch für moderne Medien wie Fernsehen und Internet interessieren. Durch die Reizüberflutung leide ihre Konzentrationsfähigkeit, sodass ihre Lesekompetenz immer stärker abnehme.

Um einen Einblick in das Leseverhalten von Jugendlichen zu bekommen und dadurch zu prüfen, ob es mit diesen Aussagen wirklich etwas auf sich hat, habe ich in meiner Jahrgangsstufe, der Q1 des Beethoven-Gymnasiums, eine empirische Untersuchung zum Thema „Leseverhalten in der Freizeit“ durchgeführt. Auf dieser Umfrage basiert meine Facharbeit.

Zunächst gehe ich im 2. Kapitel auf den derzeitigen Forschungsstand zum Thema Leseverhalten ein. Dabei erläutere ich sowohl die wichtigsten Unterschiede bei dem Leseverhalten von Jungen und Mädchen, als auch die Rolle des Buches in der heutigen Mediengesellschaft.

Im 3. Kapitel erkläre ich den Aufbau meines konzipierten Fragebogens und beschreibe, welche Ergebnisse ich von der Umfrage erwarte.

Anschließend führe ich im 4. Kapitel die Ergebnisse meiner Umfrage auf und werte diese im Hinblick auf die beiden oben genannten Schwerpunkte aus. Diese werden dann mit Sekundärliteratur und anderen ähnlichen Umfragen zum Thema Leseverhalten verglichen und die möglichen Ursachen für markante Unterschiede werden analysiert.

Zum Schluss formuliere ich unter Einbeziehung meiner Umfrageergebnisse als auch unter Berücksichtigung des heutigen Forschungsstandes ein Fazit und eine Hypothese für eine mögliche Entwicklung des Leseverhaltens von Jugendlichen in der Zukunft.

2 Leseverhalten bei Jugendlichen

2.1 Unterschiede im Leseverhalten von Jungen und Mädchen

Wie viele Untersuchungen zum Leseverhalten belegen, unterscheidet sich das Leseverhalten von Jungen und Mädchen erheblich, besonders im Hinblick auf „Leseintensität, Lesefreude, Beziehung zu Büchern, Lektürepräferenzen und Funktionen des Lesens“[2]. Mädchen gelten als die wahren Leseratten. Laut der Leseforscherin Priska Bucher lesen sie „länger, lieber und häufiger“ als Jungen, „und zwar unabhängig von Alter, Bildung und Schicht“.[3] Schon vom Kindesalter an lesen Mädchen mehr als gleichaltrige Jungen und haben eine größere Freude am Lesen. Jungen dagegen verspüren im Kindesalter häufig eine starke Leseunlust, viele fühlen sich vielmehr zum Fernseher hingezogen. Der Fernseher nämlich ist ein einfaches Medium, er erfordert im Gegensatz zum Buch keine besondere Konzentration. Außerdem werden viele von ihren Eltern eher dazu motiviert, draußen Sport zu treiben.[4]

Im Allgemeinen lesen Mädchen bzw. Frauen lieber und auch mehr als Jungen bzw. Männer. Dies liegt daran, dass die Bücher für Mädchen eine andere Funktion als für Jungen erfüllen. Bei Mädchen liegt die Hauptfunktion von Büchern nämlich in der Unterhaltung, Entspannung und Ablenkung.[5] Daher hat das Lesen auch einen größeren Stellenwert in ihrer Freizeit – für 41% der Mädchen ist das Lesen ein Hobby, jedoch nur für 17% der Jungen.[6] Dies hat den Grund, dass Jungen hauptsächlich lesen um sich zu informieren, für sie ist das Buch vielmehr ein Mittel zum Zweck.[7]

Mädchen bzw. Frauen dagegen lesen „stärker lustorientiert und mit größerer emotionaler Anteilnahme als Jungen und Männer.“[8] Dementsprechend sind auch die Genrevorlieben der beiden Geschlechter sehr unterschiedlich: Mädchen bevorzugen Belletristik und ihre beliebtesten Genres sind Liebesromane sowie Problemliteratur . Jungen dagegen lesen am liebsten Sachbücher, und wenn sie Belletristik lesen, greifen sie am häufigsten zu Abenteuer- und Actionromanen.[9] Insgesamt lesen Mädchen schneller als Jungen und besitzen eine stärkere Auffassungskompetenz. Auch die PISA-Studie aus dem Jahr 2000 belegt diese geschlechtsspezifischen Unterschiede:

„Die größten und konsistentesten Geschlechterunterschiede sind im Bereich Lesen zu beobachten. In allen PISA – Teilnehmerstaaten erreichen Mädchen signifikant höhere Testwerte als die Jungen. In Mathematik lassen sich Leistungsvorteile für die Jungen feststellen, diese sind jedoch deutlich kleiner“.[10]

Bei dieser Studie fällt besonders auf, dass die Mädchen im Umgang mit kontinuierlichen Texten, wie Erzählungen und Darlegungen, sehr viel kompetenter als ihre männlichen Altersgenossen sind. Bei unkontinuierlichen Texten, welche von Grafiken oder Tabellen unterbrochen sind (häufig Sachtexte), fällt dieser Leistungsunterschied kleiner aus.[11]

2.2 Die Rolle des Buches in der heutigen Mediengesellschaft

Bücher gehören seit Jahrhunderten zum Alltag der Jugendlichen und waren lange Zeit das einzige Medium, welches sowohl zu Informations- als auch zu Unterhaltungs- und Entspannungszwecken diente. Allerdings wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts viele neue Medien entwickelt, wie beispielsweise Fernseher, Computer und das Internet, welche den Büchern Konkurrenz zu machen schienen bzw. immer noch scheinen. Laut Norbert Groeben wurde im 20. Jahrhundert „in jedem neu auftauchenden, sich etablierenden Medium […] ein ‚Totengräber’ des Buches gesehen“.[12]

Viele Leseforscher befürchten schon seit der Mitte des 20. Jahrhunderts aufgrund der Entwicklung dieser neuen Medien einen Rückgang der Lesekompetenz, nicht nur bei Jugendlichen, sondern bei Menschen aller Altersstufen. So äußerte sich zum Beispiel der Kommunikationswissenschaftler Marshall McLuhan im Jahr 1968 in seinem Buch Die Gutenberg-Galaxis:

„Das Zeitalter, in dem das Buch die menschliche Wahrnehmung formte, ist vorbei. Wir sind nachliterarisch und tatsächlich dem Vorliterarischen näher als der Kultur und der Weltanschauung des Buchdrucks.“[13]

Wie man heutzutage weiß, trifft diese Befürchtung nicht zu. Das Lesen gehört immer noch zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Und obwohl das Internet immer mehr an Bedeutung gewinnt, werden Texte von den meisten lieber ausgedruckt bzw. gekauft, als auf dem Bildschirm gelesen.[14] Dennoch ist nicht zu leugnen, dass für die meisten heutigen Jugendlichen moderne Medien nicht aus ihrem Alltag wegzudenken sind – sie sind mit ihnen aufgewachsen, der Umgang mit ihnen ist für einen Großteil zur Selbstverständlichkeit geworden. Zahlreiche Studien belegen jedoch, dass zwischen Internetkonsum und Lesemenge ein positiver Zusammenhang bestehe: So zum Beispiel eine Studie, welche besagt, dass doppelt so viele PC-Nutzer an Belletristik interessiert sind wie Jugendliche ohne einen Computer.[15] Inwiefern sich dieser Umstand auf das Leseverhalten von Jugendlichen auswirkt, werde ich unter anderem in meiner Umfrage untersuchen.

3 Empirische Untersuchung in der Q1 des Beethoven-Gymnasiums

3.1 Aufbau des Fragebogens

Um einen Einblick in das Leseverhalten meiner Mitschüler zu bekommen und anschließend zu prüfen, ob dieses mit den bekannten Studien zum Leseverhalten von Jugendlichen übereinstimmt, oder ob es gravierende Unterschiede gibt, habe ich einen Fragebogen konzipiert.[16] Dieser war anonym auszufüllen und besteht hauptsächlich aus Multiple-Choice-Fragen[17], in denen eine oder, sofern angegeben, mehrere zutreffende Antwortmöglichkeiten anzukreuzen sind. Außerdem gibt es zwei Fragen, bei denen die Schüler ihr derzeitiges Lieblingsbuch und ihren Lieblingsautor angeben sollen. Insgesamt besteht der Fragebogen aus 12 Fragen (wobei in der ersten Frage lediglich nach dem Geschlecht gefragt wird).

Der Fragebogen lässt sich in fünf Teile gliedern: In dem ersten Teil werden die Schüler zu ihrer Einstellung zum Lesen und ihrer Lesemenge befragt. Der zweite Teil besteht aus Fragen zu der bevorzugten Lesesituation, der Lieblingslektüre, dem Lieblingsautor und dem Lieblingsgenre. Im anschließenden dritten Teil ist die Meinung der Schüler zu den modernen Medien gefragt, welche als Konkurrenz für das gedruckte Buch gelten: Internet, Fernsehen, eBooks und Audiobücher. Die Schüler sollen angeben, wie wichtig ihnen das Internet und das Fernsehen im Vergleich zu Büchern sind. Anschließend werden sie gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, in den nächsten zwei Jahren ein eBook zu kaufen und wie oft sie Audiobücher hören. Im vierten Teil werden die Schüler nach dem Leseverhalten ihrer Familienmitglieder gefragt. Wie wichtig ihnen das Cover eines Buches ist, sollen sie im letzten Teil angeben.

[...]


[1] Schraml, Petra (2005): PISA hat Leseschwäche offenbart. Zum Stand der Lesekompetenz deutscher Kinder und Jugendlicher. In: http://www.lesen-in-deutschland.de/html/content.php?object=journal&lid=568 [Stand: 12.3.2012].

Bei der PISA-Studie im Jahr 2.000 wurde die Lesekompetenz von 15-Jährigen Jugendlichen aus 32 Staaten geprüft. Die deutschen Jugendlichen schnitten sehr durchschnittlich ab, besonders im Bereich der Interpretationsfähigkeit waren die Ergebnisse sogar unterdurchschnittlich.

[2] Gilges, Martina (1992): Lesewelten. Geschlechtsspezifische Nutzung von Büchern bei Kindern und Erwachsenen. Frauen und Massenmedien 3. Bochum (Universitätsverlag Dr. N. Brockmeyer). S. 182.

[3] Bucher, Priska (2004): Leseverhalten und Leseförderung. Zur Rolle von Schule, Familie und Bibliothek im Medienalltag Heranwachsender. Zürich (Verlag Pestalozzianum). S. 142.

[4] Vgl. Gilges (1992). S. 11f.

[5] Vgl. ebd. S. 48.

[6] Vgl. Meiners, Birte (2010): Der Gender-Faktor bei der Leseförderung von Kindern und Jugendlichen. Berlin (Simon Verlag für Bibliothekswissen). S. 107.

[7] Vgl. Gilges (1992). S. 40.

[8] Eggert, Hartmut & Garbe, Christine (1995): Literarische Sozialisation. Stuttgart u. Weimar (Verlag J.B. Metzler).

[9] Vgl. Priska (2004). S. 73.

[10] PISA 2002. Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich. Verlag Leske + Budrich. Opladen 2001, S. 253

[11] Vgl. Meiners (2010). S.99.

[12] Groeben, Norbert & Hurrelmann, Bettina (Hrsg.) (2004): Lesesozialisation in der Mediengesellschaft. Weinheim und München (Juventa Verlag). S. 11.

[13] Gilges (1992). S. 13.

[14] Hülsken-Stobbe, Monika: Leselust und Lesefrust. In: http://www.dw.de/dw/article/0,,1264963,00.html [Stand: 18.3.2012].

[15] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2002): Medien und Freizeitgestaltung bei Jugendlichen. In: http://egora.uni-muenster.de/FmG/freiz_s0002.shtml [Stand: 14.3.2012].

[16] Vgl. Kapitel 7.1.

[17] Multiple-Choice-Fragen sind Fragen, bei denen mehrere Antwortmöglichkeiten zur Auswahl stehen.

Details

Seiten
24
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656296607
ISBN (Buch)
9783656297321
Dateigröße
776 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197052
Note
1
Schlagworte
Lesen Leseverhalten Freizeit Jugendliche Lieblingsliteratur Mediengesellschaft eBooks

Autor

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