Lade Inhalt...

Eurofighter Typhoon: Herausforderungen und Problemlösungen europäischer Industriepolitik

Seminararbeit 2011 17 Seiten

BWL - Industriebetriebslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sinn und Zweck der europäischen Industriepolitik
2.1. Ökonomische Grundlagen
2.2. Industriepolitik in Europa

3. Die europäische Rüstungsindustrie
3.1. Allgemeine Entwicklungstendenzen
3.2. Das Eurofighter Typhoon Projekt
3.2.1. Verhandlungsverlauf
3.2.2. Projektorganisation..

4. Herausforderungen des Typhoon Projektes
4.1. Bedeutung für die nationale Industriestruktur
4.2. Der Produktionsprozess
4.3. Technologietransfer
4.4. Finanzielle Aspekte und Einfluss nationaler Politik

5. Die Folgen der Integration und die gegenwärtige Situation

6. Zusammenfassung

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Organisation des Eurofighter Konsortiums

Abbildung 2: Produktionsteilung des Eurofighter Konsortiums

Abbildung 3: Übersicht Auftragseingang Eurofighter Typhoon

Abbildung 4: BVR Gefechtsbewertung

1. Einleitung

Seit der Verabschiedung der Maastrichter Verträge haben sich die industriepoliti- schen Verflechtungen in der Europäischen Union intensiviert.1 Durch die politische Einflussnahme sollen die ökonomischen Rahmenbedingungen von Gemein- schaftsprojekten verbessert und die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Ver- gleich erhöht werden.2

Den gemeinschaftlichen Zielen stehen nationale Interessen gegenüber, die eine fortschreitende Zentralisierung der Industriepolitik erschweren.3 Die gegenwärtigen Gemeinschaftsprojekte in der Rüstungsindustrie verdeutlichen die besondere Situation der europäischen Industriepolitik.

Der Eurofighter Typhoon ist neben dem Transportflugzeug A400M das wichtigste militärische Gemeinschaftsprojekt in Europa.4 Die Herausforderungen des Typhoon Projektes und die entsprechenden Problemlösungen stehen stellvertretend für die Dynamik europäischer Rüstungspolitik, zwischen gemeinschaftlicher Integration und nationaler Interessenpolitik.5

Ziel dieser Seminararbeit ist es die Funktionsweise industriepolitischer Maßnahmen darzustellen und ihre spezielle Bedeutung für die europäische Rüstungsindustrie anhand des Eurofighter Typhoon abzuleiten.

In Kapitel 2 werden einleitend die ökonomischen Grundlagen der Industriepolitik und die Auswirkungen von politischer Einflussnahme auf Wirtschaftssektoren erläu- tert. Die Erkenntnisse werden auf die gegenwärtige Situation in der Europäischen Union übertragen. In Kapitel 3 werden die speziellen Bedingungen der europäi- schen Rüstungsindustrie und das Eurofighter Typhoon Projekt vorgestellt. In Kapi- tel 4 werden die Herausforderungen und Problemlösungen im Rahmen des Typhoon Projektes beschrieben. Anschließend werden in Kapitel 5 die Folgen der militärischen Industrieintegration dargestellt. Abschließend erfolgt in Kapitel 6 eine Zusammenfassung des Themas und der getroffenen Aussagen.

2. Sinn und Zweck der europäischen Industriepolitik

2.1. Ökonomische Grundlagen

Industriepolitik stellt einen Eingriff in den Marktmechanismus dar.6 Die Ausgestal- tung der industriepolitischen Maßnahmen wird durch die Ordnungs-, die Struktur- oder de Prozesspolitik eines Staates oder eines Staatenverbundes festgelegt und ist ein Teil der allgemeinen Wirtschaftspolitik. In der Regel zeichnet sich Industrie- politik durch eine Verbindung der drei Politikfelder aus und bindet unterschiedliche Interessengruppen und Marktteilnehmer ein.7 Eine eindeutige Abgrenzung zu be- nachbarten Politikfeldern sowie eine einheitliche Definition, welche Maßnahmen der Industriepolitik zuzurechnen sind, ist jedoch nicht pauschal möglich. Das ver- deutlicht die politischen und wissenschaftlichen Meinungsverschiedenheiten, in- wieweit staatliche Einflussnahme auf den Marktprozess wohlfahrtssteigernd wirkt.8

Ziel der Industriepolitik ist es, durch den aktiven Eingriff in den Marktmechanismus nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit inländischer Unternehmen zu steigern.9 Netzwerke und Hierarchien sollen gezielt dort eingesetzt werden, wo der Markt keine effiziente Allokation der Ressourcen gewährleisten kann.10 Das aus politischer Marktverzerrung resultierende Risiko wird dabei, aus Gründen der Wählerstimmenmaximierung, weitestgehend in den Hintergrund gerückt. Die Differenzierung des industriepolitischen Instrumentariums wurde aber auch aufgrund negativer Erfahrungen in den letzten Jahrzehnten kon- sequent weiterentwickelt.11

In der wirtschaftlichen Praxis fand in den letzten Jahrzehnten ein Umdenken statt. Industriepolitik soll vorrangig das Entstehen dynamischer wirtschaftlicher Entwick- lungsprozesse unterstützen. In Sektoren oder Regionen, in denen der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren versagt, soll die Politik den Anstoß für das Entstehen industrieller Wertschöpfungsketten geben. Der Strukturwandel in etablierten Indust- rien soll hingegen vorrangig durch den Marktprozess gesteuert werden, damit Un- ternehmen langfristig international wettbewerbsfähig bleiben. Da die Grenze zwi- schen diesen beiden Grundsätzen fließend ist, ist die Terminierung und somit die dynamische Anpassung der Industriepolitik von zentraler Bedeutung.12

Die fortschreitende Internationalisierung von Wertschöpfungsketten verstärkt diese Dynamik zusätzlich und ist in der Europäischen Union als Staatenverbund von besonderer Bedeutung. Die vorrangig in den Verträgen von Maastricht und Lissabon festgeschriebene ökonomische Integration erfordert deshalb industriepolitische Maßnahmen, die die Etablierung des europäischen Binnenmarktes und des europäischen Währungsraumes ergänzen.13

2.2. Industriepolitik in Europa

Die besondere Position der europäischen Industriepolitik liegt vor allem in der In- tegration von Schlüsselindustrien begründet. Durch den politischen Zusammen- schluss müssen national existierende Industriestrukturen auf europäischer Ebene integriert werden um eine effiziente Verteilung der Ressourcen zu garantieren. Poli- tisch ist dies nur umsetzbar wenn die betroffenen Mitgliedsstaaten in angemesse- nem Umfang an den integrierten Strukturen und ggf. neugeschaffenen Unterneh- men partizipieren können.14 Die Integration kann zur Bildung sogenannter „Europä- ischer Champions“ führen, also international konkurrenzfähigen Gemeinschaftsun- ternehmen wie z.B. dem Boeing Konkurrenten und Weltmarktführer im zivilen Flug- zeugbau Airbus.

Politisch geschaffene Gemeinschaftsunternehmen sind darüber hinaus eine Her- ausforderung für die betriebswirtschaftliche Praxis, da das Organisationskonzept in einem bestimmten Maße durch die Politik festgelegt wird und sich nicht durch die unternehmerische Tätigkeit bildet. Um die Effizienz zu garantieren, kommt der Ges- taltung der intereuropäischen Arbeitsprozesse eine zentrale Rolle zu, um logisti- sche, kulturelle, technische und kaufmännische Herausforderungen bewältigen zu können.

Entsprechende Lösungskonzepte müssen marktnah gestaltet werden um die unternehmerische Flexibilität gewährleisten zu können, ohne dabei den politisch vorgegebenen Rahmen zu verlassen.

Die Herausforderung europäischer Industriepolitik liegt also nicht allein darin, den Wettbewerb als Entdeckungsverfahren in rückständigen Regionen und Sektoren unter Berücksichtigung nationaler Egoismen zu initiieren, im Gegensatz zu der ökonomischen Theorie spielt vor allem die Integration bestehender Industriekapazitäten eine Schlüsselrolle. Da notwendige Kapazitätsanpassungen auf nationaler Ebene das nachhaltige, soziale Wirtschaftswachstum der Nationalstaaten beeinträchtigen können greift die Europäische Union an dieser Stelle in den Marktmechanismus ein.15 In dem beschriebenen Spannungsfeld nimmt die europäische Verteidigungsindustrie eine besondere Stellung ein.

3. Die europäische Rüstungsindustrie

3.1. Allgemeine Entwicklungstendenzen

Die Libyen - Intervention im Jahr 2011 verdeutlichte, dass Europa nach wie vor nicht über eine einheitliche Verteidigungspolitik verfügt. Folglich unterscheiden sich die nationalen Rüstungsinteressen und damit die Anforderungen an die Industrie, denn Staaten sind die zentralen Nachfrager der Rüstungsindustrie.16 Die im Rah- men der Demobilisierung, in ganz Europa sinkende Nachfrage nach Rüstungsgü- tern, verstärkt den Druck auf die Industrie zusätzlich. Protektionistische Maßnah- men sind also sowohl militärstrategisch als auch ökonomisch motiviert. Die nationa- len Egoismen führten zu einem Ausschluss der Rüstungsindustrie aus den europä- ischen Integrationsverträgen.17 Die unmittelbare Folge dieser Politik ist, dass der Internationalisierungsgrad der Rüstungswirtschaft weit hinter dem der Zivilwirt- schaft zurück liegt.

Trotz der protektionistischen Rahmenbedingungen wurden erste Erfolge auf dem Weg zu der angestrebten europäischen Integration des Rüstungsmarktes durch grenzüberschreitende Fusionen und Kooperationen erzielt.18

Eines der ersten und bedeutendsten europäischen Kooperationsprojekte ist die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, die mit der Verwaltung des Eurofighter Konsortiums betraut ist.

[...]


1 Vgl. Klodt, H. (1992), S. 263

2 Vgl. Kaiser, R. (2009), S. 17

3 Vgl. Kopp, R. / Mietsch, F. / Groben, G. (2009), S. 2 - 3

4 Vgl. Fasse, M. / Brüggemann, M. (2009), S. 14

5 Vgl. International Institute for Strategic Studies (Hrsg.), (1997), S. 1

6 Vgl. Kopp, R. / Mietsch, F. / Groben, G. (2009), S. 2 - 3

7 Vgl. Meyer-Stamer, J. (2009), S.8 ff.

8 Vgl. Kopp, R. / Mietsch, F. / Groben, G. (2009), S. 1

9 Vgl. Europäische Kommission (Hrsg.), (2010), S. 5 ff.

10 Vgl. Meyer-Stamer, J. (2009), S. 15

11 Ebenda, S. 16 ff.

12 Ebenda, S. 17 ff.

13 Vgl. Kaiser, R. (2009), S. 15 ff.

14 Vgl. Küchle, H. (2005), S. 17 ff.

15 Vgl. Becker, P. / Marx, S. (2005), S. 8 - 10

16 Vgl. Europäischer Metallgewerkschaftsbund (Hrsg.), (2003), S. 69 ff.

17 Vgl. Klodt, H. (1992), S. 266 ff.

18 Vgl. Küchle, H. (2005), S. 17 ff.

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656238850
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196924
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
eurofighter typhoon herausforderungen problemlösungen industriepolitik

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Eurofighter Typhoon: Herausforderungen und Problemlösungen europäischer Industriepolitik