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Erich Kästner im Deutschunterricht

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fachdidaktische Vorschläge zu Emil und die Detektive
2.1. Ein literarischer Spaziergang
2.2. Eine Schullandheimrallye

3. Das Lesetagebuch als ein fachdidaktischer Vorschlag zu Fabian.

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Erich Kästner lebte von 1899 bis 1974 und schrieb neben Unterhaltungsliteratur, Gedichtbänden, Kabarett- und Chanson-Texten auch die unterschiedlichsten Kinderromane.[1] So entstand beispielsweise im Jahr 1929 sein erstes Kinderbuch Emil und die Detektive. Aufgrund der Entstehungszeit ist es nun fraglich, ob Kästner-Literatur aktuell genug für den gegenwärtigen Literaturunterricht ist. Um diese Problemstellung zu bearbeiten, werden im Folgenden zunächst zwei fachdidaktische Vorschläge zum oben genannten Kinderbuch vorgestellt. Diese sollen zeigen, inwiefern die Literatur von Erich Kästner noch für die Schule geeignet ist. Um den Blick nicht nur auf Emil und die Detektive zu richten, wird des Weiteren ein fachdidaktischer Vorschlag zum Roman Fabian dargestellt. Eigentlich reicht dies nicht aus, um das Problem eingehend zu behandeln. Da der Umfang der Ausarbeitung beschränkt ist, wird sich lediglich auf zwei Romane bezogen und es wird davon ausgegangen, dass diese bekannt sind. Im Folgenden werden vorweg die fachdidaktischen Empfehlungen einzeln vorgestellt und es wird gezeigt, wie diese in den Deutschunterricht integrierbar sind beziehungsweise für das Behandeln von Kästner-Literatur in der Schule helfen können.

2. Fachdidaktische Vorschläge zu Emil und die Detektive

2.1. Ein literarischer Spaziergang

Bei diesem Vorschlag geht es darum, einen Spaziergang zu „einer Geschichte, einem Autor, oder auch einem Thema“[2] durchzuführen. Um mit einer Schulklasse einen solchen literarischen Spaziergang auf die Beine stellen zu können, sollte ein Roman folgende Voraussetzung erfüllen: die Nennung von realen Straßennamen und Plätzen.[3] Ziel eines literarischen Spaziergangs ist es, diese Orte „nicht nur als Namen stehen zu lassen, sondern zu Erlebnisorten der Geschichte werden zu lassen“.[4]

Zur Durchführung: Es werden speziell Orte ausgesucht und besucht, welche mit dem zu behandelnden Buch in Verbindung zu bringen sind – folglich etwas mit ihm zu tun haben, damit die Schülerinnen und Schüler einen direkten Bezug zum Gelesenen herstellen können. An diesen Orten kann Unterschiedliches getan werden: lesen, schreiben, malen, diskutieren. Laut Tanja Siemer kann der Leser so „die Geschichte unmittelbar an den Schauplätzen“[5] erfahren und so Fiktion und Realität in Zusammenhang bringen. Der Leser soll durch einen literarischen Spaziergang feststellen, dass es die Orte aus dem Buch in der Realität gibt, auch wenn eine fiktive Geschichte vorliegt. „Ebenso bekommen die Inhalte durch die eigene Begegnung und damit durch das persönliche Erfahren eine neue, vielleicht andere Bedeutung. […] Ganz konkrete Erinnerungen und unterschiedliche, sinnliche Wahrnehmungen machen die Geschichte zu einem persönlichen Erlebnis. […] bei einem literarischen Spaziergang hat das Erlebnis einen direkten Bezug zum Gelesenen und wird nicht aus bereits gemachten Erfahrungen zu einer fiktiven Vorstellung aufgebaut.“[6] - so Tanja Siemer. Wenn genannte Orte im Text nicht realistisch vorhanden sind, können Orte „auch aus einem anderen Zusammenhang mit den Inhalten des Textmaterials in Verbindung gebracht werden.“[7] Ein weiteres Ziel eines literarischen Spaziergangs ist, dass das Besuchen von Orten Informationen zu bestimmten Inhalten liefern kann – beispielsweise eignet sich der Besuch der Geburts- oder Wohnstätte eines Autors für das Erfahren seiner Lebensumstände und Beweggründe zum Schreiben seiner Texte. Neben einem solchen Ziel und dem Ziel des Auflebens von Geschichten in der Realität weisen literarische Spaziergänge noch viel mehr Ziele auf. Diese hängen jedoch vom Textmaterial, den besuchten Orten und der Durchführung des Spaziergangs ab. Literarische Spaziergänge können ebenfalls die Lust am Erleben von Geschichten und damit einhergehend die Lust zum Lesen anregen. Tanja Siemer stellte des Weiteren fest, dass Literatur nicht nur im Klassenzimmer behandelt werden kann und muss, da solche Spaziergänge Literatur aus dem Klassenzimmer heraustragen und Schülerinnen und Schüler überall hin begleiten können.[8]

Die Gestaltung eines literarischen Spaziergangs wirft die unterschiedlichsten Möglichkeiten auf. „Mal wird das Textmaterial vorweg gelesen, die Orte werden erst anschließend aufgesucht. Mal werden Textpassagen an den entsprechenden Orten gelesen. Man kann sich auf das Lesen beschränken, es können aber auch eigene künstlerische Produkte an den aufgesuchten Orten entstehen.“[9] So können beispielsweise Szenen nachgespielt oder Textpassagen aus unterschiedlichen Sichtweisen geschrieben werden. Bei der Durchführung und Gestaltung ist es unter anderem wichtig, die Veränderung der Stadt zu beachten. Straßen könnten anders heißen, als sie im Text stehen, Gebäude könnten sich verändert haben oder nicht mehr existieren. So kann ein historisches Bewusstsein entstehen und gefördert werden.[10]

Ein literarischer Spaziergang kann im Deutschunterricht auf die verschiedensten Weisen eingesetzt werden: „Als Annäherung an ein Textmaterial, als Begleitung eines Textmaterials, als Abschluss der Beschäftigung mit einem Textmaterial oder zum Kennenlernen des gesamten Textmaterials.“[11] Bei der Annäherung an ein Textmaterial geht es darum, dass der literarische Spaziergang auf Kommendes einstimmen soll. Es sollen Orte aus dem Text aufgesucht werden, damit der Leser eine Vorstellung vom Kontext bekommt, in dem er die Inhalte einzuordnen hat. Dies soll Neugierde für das Weiterlesen des Textes wecken.[12] Diese direkte Herangehensweise an das Textmaterial kann „das Verstehen der eigentlichen Inhalte unterstützen.“[13] Punkt zwei – ein literarischer Spaziergang als Begleitung eines Textmaterials – eignet sich im Deutschunterricht „vor allem bei einer länger andauernden Arbeit mit einem Text. […] Ein literarischer Spaziergang bietet die Möglichkeit, während einer Lektüre eigene Erfahrungen, die der Leser zu dem Textmaterial direkt gemacht hat, mit einzubauen.“[14] Nachdem prägende Orte aufgesucht und dort Textstellen gelesen werden, kann über die Fortsetzung der Geschichte spekuliert werden. Eigene Vorstellungen und „Bilder sind mit den besuchten Orten zu vergleichen. […] Solch eine Begegnung kann zum Weiterlesen motivieren.“[15] Wird ein literarischer Spaziergang als Abschluss der Beschäftigung mit einem Textmaterial genutzt, ist der Text den Schülerinnen und Schülern bereits bekannt. Der direkte Kontakt mit den Schauplätzen dient der Reflektion der bereits behandelten Inhalte. Die inneren und eigenen Bilder, die sich ein Leser gemacht hat, muss er nun mit „neuen, realen Bildern in Verbindung bringen. Leseerfahrungen werden durch direkte sinnliche Erfahrungen erweitert. Inhalte müssen neu überdacht werden und Interpretationen werden durch das eigene Erleben unterstützt.“[16] So soll das Nachdenken über Inhalte angeregt werden. Für das Integrieren eines literarischen Spaziergangs in den Deutschunterricht als Kennenlernen des gesamten Textmaterials ist die Voraussetzung des noch unbekannten Textmaterials von großer Bedeutung, da der Spaziergang dessen Inhalte komplett vermitteln soll. „Die Lesearbeit findet somit meist ausschließlich auf dem literarischen Spaziergang statt. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass eine Geschichte nur erzählt wird und nicht gelesen. Solche Spaziergänge sollen […] eine Begegnung mit Literatur darstellen.“[17] Die Begegnung ist durch eigenes Erleben gekennzeichnet, welches einen Zugang zur Literatur schafft, der Neugierde wecken soll und zum Selberlesen anregen kann.[18] Da die besuchten Orte der Geschichte wie eine Art Bühnenbild zu begreifen sind, ist von einer Begegnung an „Ort und Stelle“[19] zu reden.

Tanja Siemer führt in ihrem Aufsatz ein Beispiel aus der Unterrichtspraxis für einen literarischen Spaziergang an – „Mit Emil spazieren gehen!“.[20] Dieser Spaziergang wurde mit einer dritten Schulklasse durchgeführt. Da die Schule in einem entfernteren Stadtteil Berlins liegt, Emil und die Detektive selbst in Berlin spielt und den Schülerinnen und Schülern das Textmaterial aus dem Deutschunterricht noch nicht bekannt war, eignete sich der literarische Spaziergang hier gut als Annäherung an und zum Kennenlernen des Textmaterials. Die Schülerinnen und Schüler sollten der Literatur begegnen, sie erleben und an der Geschichte teilnehmen. Der Schulklasse wurde vorweg nicht gesagt, dass sie einen literarischen Spaziergang unternehmen würden. „Sie erfuhren die Geschichte Stück für Stück auf dem Spaziergang und erst am Ende wurde auf das Buch hingewiesen und ein Exemplar in die Klassenbibliothek gestellt.“[21] Des Weiteren wurde lediglich mit der „eigentlichen Kriminalgeschichte gearbeitet“,[22] da das Buch eine lange Vorgeschichte hat und insgesamt sehr umfassend ist – der Rest wurde auch später nicht vorgestellt. Grund dafür ist, dass den Schülerinnen und Schülern, welche durch den Spaziergang zum Lesen angeregt wurden, danach die Möglichkeit bleibt, Neues zu lesen und zu entdecken.[23] Emil und die Detektive eignet sich sehr gut für einen literarischen Spaziergang, da darin Orte und Wege sehr präzise beschrieben werden. So ist es für den Leser auch nicht wirklich schwer, Schauplätze des Buches in der Realität wiederzufinden – nur ein Straßenname hat sich verändert. Dies sollte den Schülerinnen und Schülern mitgeteilt oder durch eine andere Hilfestellung verdeutlicht werden. Der literarische Spaziergang wurde so durchgeführt, dass die Kinder „an verschiedenen Orten, die in der Geschichte genannt werden und von Bedeutung sind, Teile der Geschichte durch das Lesen der entsprechenden Textstellen erfuhren. Sie befanden sich also fast immer an den Orten, an denen gerade die Geschichte spielte.“[24] Durch fünf Briefe eines Unbekannten (zusammengesetzt aus Passagen des Originaltextes und verkürzten Darstellungen) sollte ein weiterer Anreiz geschaffen und einer ermüdenden Vorleserunde entgegengewirkt werden. Aus dem literarischen Spaziergang wurde durch die Briefe eine Schnitzeljagd und dauerte insgesamt zwei Stunden. Die Orte wurden im Zusammenhang mit der Geschichte ausgewählt und es wurde „sehr darauf geachtet, ob diese Orte sich für das Lesen eigneten. So waren manche Orte zu laut, zu ungemütlich oder auch zu gefährlich und es musste zum Lesen auf andere Orte ausgewichen werden.“[25] Dieser literarische Spaziergang war für eine dritte Klasse sehr anspruchsvoll, denn „es gab umfangreiches Textmaterial zu lesen, die Schüler mussten Informationen detailgenau aus der Geschichte entnehmen, damit sie den nächsten Brief finden konnten. Sie mussten die gesuchten Orte auf dem Stadtplan finden, um schließlich dorthin zu gelangen.“[26] Reflektierend führt Tanja Siemer auf, dass dies die Schülerinnen und Schüler motivierte, das Interesse am Buch steigerte und sie sich schnell auf die Geschichte einließen und auch schnell in die Rolle der Meisterdetektive schlüpften. Sehr genau und intensiv haben die Kinder die Geschichte von Emil und die Detektive verfolgt. So haben die Schülerinnen und Schüler die Fiktion mit der erfahrenen Realität bereichert. Durch die eigene Wahrnehmung wurde die Geschichte als Ganzes erlebt. Ein weiteres erfreuliches Ergebnis des literarischen Spaziergangs war der Fakt, dass Schüler daraufhin das Buch freiwillig in ihrer Freizeit gelesen haben.[27]

[...]


[1] Vgl. Böhmer 2004: 209 – 211.

[2] Siemer 2006: 66.

[3] Vgl. ebd.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Siemer 2006: 67.

[8] Vgl. Siemer 2006: 66 f.

[9] Ebd.

[10] Vgl. ebd.

[11] Siemer 2006: 67 f.

[12] Vgl. Siemer 2006: 68.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Siemer 2006: 69.

[18] Vgl. ebd.

[19] Ebd.

[20] Ebd.

[21] Ebd.

[22] Ebd.

[23] Vgl. Siemer 2006: 70.

[24] Ebd.

[25] Ebd.

[26] Siemer 2006: 70 f.

[27] Vgl. Siemer 2006: 71.

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656229070
ISBN (Buch)
9783656231134
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196718
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Schlagworte
Erick Kästner im Deutschunterricht Erich Kästner Emil und die Detektive Fabian Fachdidaktische Vorschläge Schullandheimrallye Rallye Literarischer Spaziergang Lesetagebuch Deutschdidaktik Didaktik Roman Fabian

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Titel: Erich Kästner im Deutschunterricht