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Prozessorientierte Kostenträgerrechnung in Krankenhäusern mittels eisTIK.NET® Teil 2

Erfolgsmessung in der Fachabteilung Unfallchirurgie/Orthopädie

von Dr. med. Marcin Leszczynski (Autor) Dipl. Kfm. (FH) Roland Ganzmann (Autor) Dipl. Kaufmann Klaus Emmerich (Hrsg.) (Autor)

Projektarbeit 2012 98 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

Vorwort

1) Prozessorientierte Kostenträgerrechnung – ein Erfolgsmodell (Klaus Emmerich)

2) Die untersuchte chirurgische Fachabteilung (Dr. med. Marcin Leszczynski)

3) Defizitäre medizinische Fachabteilung Verweildauerproblematik (Klaus Emmerich, Roland Ganzmann)
3.1) Problemstellung
3.2) Prozessveränderung

4) Erfolgsmessung anhand eines Quartals (Klaus Emmerich, Roland Ganzmann)
4.1) Hüftgelenksoperationen
4.2) Kniegelenksoperationen
4.3) Quantifizierung der Einsparpotenziale für Hüftgelenks- und Kniegelenksoperationen
4.4) Untersuchung des gesamten Fachabteilung
4.5) Quantifizierung der Einsparpotenziale für die Fachabteilung Unfallchirurgie und Orthopädie
4.6) Prämissen

5) Statistisch nachweisbare nachhaltige Prozessveränderung Anhand der SixSigma-Methode (Klaus Emmerich)
5.1) Ziel der SixSigma-Analyse
5.2) Auswahl des geeigneten statistischen Verfahrens
5.3) Grafische Vorbetrachtung
5.4) Korrelationsanalyse
5.5) Statistischer Nachweis veränderter Kosten
5.6) Control-Phase

6) Fazit (Klaus Emmerich)

7) Anhang
7.1) Literaturverzeichnis
7.2) Mitwirkung
7.3) Abkürzungsverzeichnis
7.4) Weiterentwicklung des Auswertungskonzepts
7.5) Untersuchtes Krankenhaus
7.6) Autoren
7.7) Auszeichnung
7.8) Spendenhinweis

8) Nachtrag: Voraussetzungen für eine Prozessorientierte Kostenträgerrechnung (Klaus Emmerich)

Vorwort

Erfolgsgeschichte Krankenhauscontrolling - so könnte man die „Prozessorientierte Kostenträgerrechnung“ kennzeichnen, die das „Kommunalunternehmen Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach" gemeinsam mit der Softwarefirma K|M|S Vertrieb und Services AG entwickelt hat.

Die Idee des Kommunalunternehmens, Prozessabläufe des Krankenhauses betriebswirtschaftlich darzustellen und als zentrales Steuerungsinstrument des Krankenhauses einzusetzen, ist bemerkenswert und findet derzeit bundesweite Anerkennung. Eine Vision wurde umgesetzt. Das Prozessmanagement unserer beiden Krankenhäuser wurde mehrfach ausgezeichnet.

Was bisher fehlte, war der Nachweis, dass sich mit diesem Konzept flächendeckende Erfolge erzielen lassen.

Das nun vorliegende Fachbuch „Prozessorientierte Kostenträgerrechnung in Krankenhäusern mittels eisTIK.NET® Teil 2, Erfolgsmessung in der Fachabteilung Unfallchirurgie/Orthopädie“ quantifiziert erstmals, welche Kosten durch die Implementierung der „Prozessorientierten Kostenträgerrechnung“ konkret eingespart werden können.

Mag es Sie, liebe Leser, motivieren, sich intensiver mit dem Prozessmanagement auseinanderzusetzen und vergleichbare Erfolge zu erzielen.

Richard Reisinger

Landrat

Landkreis Amberg Sulzbach

Verwaltungsratsvorsitzender

des Kommunalunternehmens

Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1) Prozessorientierte Kostenträgerrechnung – ein Erfolgsmodell (Klaus Emmerich)

In dem Fachbuch Prozessorientierte Kostenträgerrechnung in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen, Analysemöglichkeiten und Prozessänderungen mit dem Softwareprodukt eisTIK.NET® wurden Wege für eine Prozessoptimierung aufgezeigt *1).

Die ersten Erkenntnisse der dv-gestützten Prozessorientierten Kostenträgerrechnung im „Kommunalunternehmens Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“ lauteten:

A) DV-technische Methode

1) Die Prozessorientierte Kostenträgerrechnung stellt Behandlungsprozesse auf allen Komprimierungsebenen (Krankenhaus, medizinische Fachbereiche, DRG und Patient) dar und verweist durch geeignete Grafiken auf vermutliche Störeinflüsse.
2) Ergänzende chronologische tabellarische Prozessdarstellungen eignen sich zur Verifizierung der Thesen.
3) Die Prozessorientierte Kostenträgerrechnung scheint somit geeignet, kalkulierte Gewinne/Verluste von DRGs und Patienten zu analysieren und Ursachen für defizitäre Behandlungsprozesse nachzuweisen.

B) Rahmenbedingungen

1) Die Prozessorientierte Kostenträgerrechnung wirft Fragestellungen über unrentable Behandlungsprozesse auf – sie ersetzt nicht das Fachwissen eines Medizin-Controllers oder Case-Managers, um die Thesen zu erhärten oder auch zu widerlegen.
2) Im Einzelfall (z.B. bei multimorbiden Patienten) kann ein defizitärer Behandlungsprozess unvermeidbar sein – der Versorgungsauftrag des Krankenhauses hat stets Vorrang.

C) Wirtschaftliche Konsequenzen

1) Wird ein unrentabler Patientenprozess optimiert, so ändert dies zunächst nichts an den Gesamtkosten einer medizinischen Fachabteilung oder des gesamten Krankenhauses, solange die Ressourcen unverändert bleiben (Personaleinsatz, Materialeinsatz), und sich das Patientenaufkommen nicht ändert. In diesem Fall werden die Kosten lediglich auf andere DRGs umverteilt.
2) Wirtschaftliche Veränderungen können im Falle optimierter Behandlungsprozesse nur erreicht werden, wenn daraus Ressourcen freigesetzt werden.

*1) vgl. Klaus Emmerich, Prozessorientierte Kostenträgerrechnung in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen, Analysemöglichkeiten und Prozessänderungen mit eisTIK.NET®, GRIN Verlag, München 2011, S. 105 ff.

3) Freisetzung der Ressourcen aber bedeutet eine Wahl:

- Auf die frei werdenden Ressourcen wird verzichtet, dies aber bedeutet im Zweifel Personal- sowie Sachkosteneinsparungen und ist der weniger gewünschte Weg.
- Es werden neue Patienten akquiriert, um die frei werdenden Ressourcen weiter nutzen zu können. Dies steigert den Umsatz, die Effektivität der Patientenbehandlungen und sollte als der menschliche und geeignete Weg angestrebt und umgesetzt werden.

Das DV-Instrument wurde in zwei Krankenhäusern entwickelt und an einzelnen Prozessabläufen praktisch erprobt. Ein systematischer Einsatz stand jedoch noch aus.

Offen bleibt deshalb der gesamtwirtschaftlich erzielbare Erfolg bei flächendeckendem Einsatz in einem Krankenhaus bzw. in einer medizinischen Fachabteilung.

Das vorliegende Fachbuch widmet sich dieser Fragestellung:

Welche wirtschaftlichen Erfolge lassen sich aus einem flächendeckenden Einsatz der Prozessorientierten Kostenträgerrechnung in einer medizinischen Fachabteilung ableiten?

2) Die untersuchte chirurgische Fachabteilung (Dr. med. Marcin Leszczynski) *2)

Der erste flächendeckende Einsatz der Prozessorientierten Kostenträgerrechnung erfolgte in der Fachabteilung Unfallchirurgie und Orthopädie des St. Anna Krankenhauses Sulzbach-Rosenberg, die nachfolgend kurz vorgestellt wird.

Ein motiviertes Team aus Fachärzten für Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie, Assistenzärzten, spezialisierten Pflegekräften und Arzthelferinnen betreuen die Patienten.

Zur Nachbehandlung steht ein hochqualifiziertes Team von Physiotherapeuten bereit. Speziell ausgebildete Therapeuten sorgen kompetent für eine bestmögliche Linderung der Schmerzen. Die enge Zusammenarbeit mit den anderen Fachabteilungen des St. Anna Krankenhauses und Konsiliarärzten sichert die medizinische und persönliche Kompetenz.

Leiter der Fachabteilung Unfallchirurgie und Orthopädie ist Chefarzt Dr. med. Marcin Leszczynski, Facharzt für Unfallchirurgie, Orthopädie, spezielle Unfallchirurgie und der Zusatzweiterbezeichnung Sportmedizin und Chirotherapie.

Die Fachabteilung verfügt über einen Chefarzt, einen Oberarzt und mehrere Assistenzärzte mit einer Vollzeitkapazität von 6 Ärzten. Auf der Normalstation stehen Pflegekräfte mit einer Vollzeitkapazität von mehr als 13 Kräften zur Verfügung. Im Kollegialsystem mit dem Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie werden die Dienste gemeinsam und die Assistenzarztausbildung im Rotationsverfahren geleistet.

Unter der Verantwortung des unfallchirurgischen Chefarztes wurden im Jahre 2010 insgesamt 1912 ambulante und stationäre operative Eingriffe (davon entfielen auf zwei konsiliarisch tätige Praxisteams 985 Eingriffe) und im Jahre 2011 1919 Operationen (davon 916 durch Konsiliarärzte) durchgeführt.

Für die in der nachfolgenden Auswertung zugrundeliegenden alleinigen Eingriffe der Unfallchirurgischen Abteilung im Jahre 2010 mit 927 operativen Eingriffen und im Jahre 2011 etwas mehr, nämlich 958 Operationen wurde ein reguläres Op-Stundenkontingent von 23 Stunden/Woche zur Verfügung gestellt, wobei ein nicht unerheblicher Teil der unfallchirurgischen operativen Notfallversorgung in den zusätzlichen Dienststunden stattfand.

Die meisten regulär geplanten orthopädischen Operationen waren die Implantationen von Knie- und Hüftendoprothesen, wobei die letzteren überwiegend in der minimalinvasiven Technik erfolgten und die arthroskopischen Eingriffe am Knie- und Schultergelenk. Eine umfangreiche ambulante Notfallversorgung wird 24 Stunden pro Tag durchgeführt.

*2) Dr. med. Marcin Leszczynski ist Chefarzt der Fachabteilung Unfallchirurgie und Orthopädie des St. Anna Krankenhauses Sulzbach-Rosenberg

Das Behandlungsspektrum der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie wird nachfolgend skizziert:

Versorgung von Mehrfachverletzungen (auch lebensbedrohlicher Art)

Notfalldiagnostik unter Einbeziehung von herkömmlichen Röntgen-aufnahmen, Computer-Tomografie (computer-unterstützte Röntgen-Schnittbild-Untersuchung), Sonografie (Ultraschalluntersuchung) sowie nachfolgende Notfalloperation(en) (nach Minimaldiagnostik), dringliche Operationen (nach kurzer Diagnostik) und Operationen aufgeschobener Dringlichkeit (z. B. innerhalb von 24 Std. nach Verbesserung des Allgemeinzustandes) und nachfolgender stationärer Behandlung auf der Intensiv- oder der unfallchirurgischen Station, ggf. unter Zusammenarbeit mit Internisten, Gynäkologen, Neurologen und Neurochirurgen.

Behandlung von Knochenbrüchen

Operative Knochenbruchbehandlung der Gliedmaßen einschließlich der Hand und Finger (kleinste übungsstabile Plattenosteosynthesen), des Schulter- und Beckenbereiches unter Verwendung aller modernen Hilfsmittel wie Metallplatten (überwiegend sog. Winkelstabile Platten), Schrauben, aufgebohrten und unaufgebohrten Nägeln, Drähten, biegsamen Schienen (intramedullär), sog. dynamischen Druckschrauben, Kombinationen von Gleitschrauben und Nägeln (Gamma-Nägeln) sowie äußeren Stabilisierungshilfsmitteln (Fixateur externe), in Titan- und Stahlausfertigung.

Operative Behandlung von Weichteilverletzungen

Sehnennähte, Hautverpflanzungen, entlastende Operationen bei drohenden Ernährungs-störungen bei ausgedehnten Blutergussbildungen (Kompartmentsyndrom).

Operative Behandlung von frischen oder alten Gelenksverletzungen

Kreuzbänder des Kniegelenkes, Meniskusverletzungen oder -schäden, Knorpel-verletzungen (Mikrofrakturierung, OAT´s Verpflanzung, Knorpelzellentransplantation), Verrenkungen der Kniescheibe.

Operationen der Wiederherstellungschirurgie und Orthopädie

Hüfte

Hüftgelenksersatz, bedarfsgerechter Gelenksersatz in zementierter oder zementfreier Technik unter Berücksichtigung des Alters und der Aktivitäten eines Patienten überwiegend in minimalinvasiver Operationstechnik unter Schonung der Muskeln, Bänder und Sehnenansätze. Operativer Gelenksersatz bei hüftgelenksnahen Brüchen des Oberschenkels beim älteren Patienten. Revisionseingriffe und Prothesenwechsel.

Knie

Korrektur von Kniefehlstellungen bei fortgeschrittenem Kniegelenksverschleiß, wenn ein Gelenksersatz noch nicht zwingend erforderlich ist. Operative Korrektur von wiederkehrenden Verrenkungen der Kniescheibe. Operative Wiederherstellung von veralteten und frischen Kniebandverletzungen arthroskopisch (Schlüssellochtechnik), Vordere Kreuzbandplastik mit Semitendinosus-, Gracillissehne. Kniegelenksersatz mit sog. Schlittenprothesen (nur eine Kammer des Gelenkes), modernen Oberflächenersatz-prothesen und geführten Kniegelenksprothesen. Revisionseingriffe und Prothesen-wechsel.

Fuß

Operative Behandlung des Fersensporns, Achillessehnenrupturen, Vorfußumstellungs-osteotomien (Hallux valgus, - rigidus, Krallenzehen, Digitus quintus varus) Chevron, Scarf, Ludlow, basisnah mit winkelstabilen, belastbaren Platten, Sehnenplastiken, Außenbandrekonstruktionen, Kalkaneusbruchversorgung minimalinvasiv mit kanülierten Schrauben und winkelstabilen Titanplatten.

Knochenbrüche und sonstige Knochenschäden

Operative Behandlung von ausbleibenden oder stark verzögerten Knochenbruch-heilungen. Knochenverpflanzungen bei Knochendefekten bei der operativen Versorgung von frischen und alten Knochenbrüchen.

Arthroskopie (Schlüssellochtechnik für Gelenkeingriffe)

Gelenksspiegelung, insbesondere des Schultergelenkes (Impingementsyndrom, Supraspinatusrisse, Rotatorenmanschettendefekte, Stabilisierung der ausgerenkten Schultergelenke mit arthroskopischer Kapsel-Labrumrekonstruktion, Schultereckgelenks-arthosen), des Kniegelenkes bei Schäden an den Menisken, Schäden des Knorpels (OAT´s und Knorpelzellentransplantation) und sog. chronischen Reiz-Gelenken.

Nerven-Druckschädigungen

Freilegung eingeengter Nerven in offener Technik (Medianuskompressionssyndrom), Nervus ulnaris-Syndrom an der Hand und am Ellenbogen. Nervenengpass-Syndrome am Sprunggelenk und Fuß.

Sehnenverkürzungen und Bewegungseinschränkungen

Entfernung von störenden Narbenplatten in der Hand (Dupuytren-Kontraktur) und am Fuß (Ledderhose-Syndrom) mit Behinderung der Fingerbeweglichkeit und der Belastbarkeit. Sonstige Operationen im Bereich der Hand, wie z.B. beim Schnellenden Finger oder Fingerdeformitäten.

3) Defizitäre medizinische Fachabteilung Verweildauerproblematik (Klaus Emmerich, Roland Ganzmann)

3.1) Problemstellung

Ausgangspunkt zur Untersuchung der Prozesse der medizinischen Fachabteilung Unfallchirurgie und Orthopädie war die Feststellung, dass bei den stationären DRG-Fällen in Summe die Erlöse die Kosten nicht decken *3):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Summe aller kalkulierten stationären Patienten einer medizinischen Fachabteilung mit negativem Jahresergebnis, Kosten = Istkosten, Kosten INEK = INEK-Kosten

*3) vgl. Klaus Emmerich, Prozessorientierte Kostenträgerrechnung in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen, Analysemöglichkeiten und Prozessänderungen mit eisTIK.NET®, GRIN Verlag, München 2011, S. 59 ff.

Die rot markierten Spalten der behandelten Patienten verweisen auf ein Verweildauerproblem: Liegt die Verweildauer des Patienten DRG oberhalb der mittleren Verweildauer lt. Fallpauschalenkatalog (Spalte Abw Mi VWD), dann sind auch die DRG defizitär.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Defizitäre Patienten mit vergleichsweise hoher Verweildauer

Die Kosten der betreffenden medizinischen Fachabteilung, verglichen mit INEK-kalkulierenden Krankenhäusern zeigen die Folgen auf:

1) Kostenstellengruppen
Die Kosten der Normalstation sind vergleichsweise höher als INEK-kalkulierende Krankenhäuser (nächste Seite).
2) Kostenartengruppen

Die Personalkosten des ärztlichen Dienstes und des medizinisch-technischen Dienstes bzw. Funktionsdienstes sind vergleichsweise höher als INEK-kalkulierende Krankenhäuser (übernächste Seite).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Kostenstellengruppen der medizinischen Fachabteilung mit überhöhten Kosten auf Normalstation *4)

*4) KMS Vertrieb und Services AG, 2010, Unterhaching, www.kms.ag, Neugestaltung der Abbildung 3 im Softwareprodukt eisTIK.NET® Rel. 3.5 in Abstimmung mit dem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Kostenartengruppen der medizinischen Fachabteilung mit überhöhten Personalkosten des ärztlichen Dienstes (Kostenart 1) und medizinisch-technischen-/Funktionsdienstes (Kostenart 3) *4)

*4) KMS Vertrieb und Services AG, 2010, Unterhaching, www.kms.ag, Neugestaltung der Abbildung 5 im Softwareprodukt eisTIK.NET® Rel. 3.5 in Abstimmung mit dem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“, die Erläuterung aller Kostenartengruppen ist im Anhang Kapitel 73 beschrieben, eine weiterentwickelte selbsterklärende Abbildung finden Sie im Anhang Kapitel 74.

Über sämtliche DRG der medizinischen Fachabteilung hinweg zeigt der Kostenpfad (nächste Seite) hohe Kostensprünge des medizinisch-technischen Dienstes am 2. und 3. Tag auf. Dies lässt vermuten, dass die Operationen dieser Fachabteilung im Regelfall erst am 2. oder 3. Tag stattfinden.

Es bietet sich an, zunächst die defizitärsten DRG der Fachabteilung auf diese Vermutung hin näher zu untersuchen. Die defizitärste DRG der Fachabteilung ist die DRG I47B (Hüftgelenk, übernächste Seite).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Kostenpfad der medizinischen Fachabteilung mit deutlichem Kostensprung des ärztlichen Dienstes und medizinisch-technischen-/Funktionsdienstes am 2./3. Tag *5)

*5) KMS Vertrieb und Services AG, 2010, Unterhaching, www.kms.ag, Neugestaltung der Abbildung 38 im Softwareprodukt eisTIK.NET® Rel. 3.5 in Abstimmung mit dem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Defizitärste DRG der medizinischen Fachabteilung

Auch die defizitärste DRG I47B weist zu hohe Kostenstellenkosten auf Normalstation, OP-Abteilung und in sonstigen diagnostischen und therapeutischen Bereichen im Vergleich zu anderen INEK-kalkulierenden Krankenhäusern auf. Insbesondere die Mehrkosten „Normalstation“ verweisen auf eine vergleichsweise lange Verweildauer. Bei den Kostenarten weichen erneut die Personalkosten ärztlicher Dienst und medizinisch-technischer Dienst (vermutlich OP-Abteilung) sowie Implantatkosten von vergleichbaren Krankenhäusern ab (nächste Seite):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Kostenstellengruppen der defizitärsten DRG I47B mit überhöhten Kosten auf Normalstation, OP-Abteilung und Diagnostik/Therapie *6)

*6) KMS Vertrieb und Services AG, 2010, Unterhaching, www.kms.ag, Neugestaltung der Abbildung 8 im Softwareprodukt eisTIK.NET® Rel. 3.5 in Abstimmung mit dem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9: Kostenartengruppen der defizitärsten DRG I47B mit überhöhten Personalkosten im ärztlichen und medizinisch-technischen Dienst (Kostenarten 1 und 2) sowie hohen Implantatkosten (Kostenart 5) *7)

*7) KMS Vertrieb und Services AG, 2010, Unterhaching, www.kms.ag, Neugestaltung der Abbildung 9 im Softwareprodukt eisTIK.NET® Rel. 3.5 in Abstimmung mit dem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“ , die Erläuterung aller Kostenartengruppen ist im Anhang Kapitel 73 beschrieben, eine weiterentwickelte selbsterklärende Abbildung finden Sie im Anhang Kapitel 74.

Beim Studium des graphischen Kostenpfades wird erkennbar:

- Die Operation findet in der Regel am 2. Tag statt.
- Am 12. Tag, dem Tag der mittleren Verweildauer lt. Fallpauschalenkatalog, werden noch fast alle Patienten stationär behandelt (vgl. Pfeil auf die Linie „Fallzahl“).
- Die Beobachtung deckt sich mit der zweithäufigsten defizitären DRG der medizinischen Fachabteilung, der DRG I44B (Knietep, vgl. nächste Seite).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10: Kostenpfad der defizitärsten DRG I47B mit Operation erst am 2. Tag und überwiegender Überschreitung der mittleren Verweildauer, 12,4 Tage *8)

*8) KMS Vertrieb und Services AG, 2010, Unterhaching, www.kms.ag, Neugestaltung der Abbildung 10 im Softwareprodukt eisTIK.NET® Rel. 3.5 in Abstimmung mit dem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 11: Kostenpfad der zweithäufigsten defizitären DRG I44B mit Operation erst am 2. Tag und überwiegender Überschreitung der mittleren Verweildauer, 12,7 Tage *9)

*9) KMS Vertrieb und Services AG, 2010, Unterhaching, www.kms.ag, Neugestaltung der Abbildung 11 im Softwareprodukt eisTIK.NET® Rel. 3.5 in Abstimmung mit dem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“

Werden Verluste der Patienten der defizitärsten DRG I47B (rot) und die Abweichung der Patienten-Verweildauer von der mittleren Verweildauer lt. Fallpauschalenkatalog gegenüber gestellt, dann gilt in der Regel:

Ist-Verweildauer des Patienten > mittlere Verweildauer lt. Fallpauschalenkatalog (rot) bedeutet Verlust (rot).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 12: Verluste der DRG I47B in Abhängigkeit der Verweildauer

Um die Ursache der Verweildauerproblematik klären zu können, hilft im Anschluss der Blick auf die defizitärsten Patienten der DRG I47B. Auch hier findet die Operation am 2. Tag statt, obwohl Hüftgelenk-Operationen elektiv, d.h. voraus planbar sind. Was aber ist die Ursache für die vergleichsweise lange Verweildauer (18 Tage statt 12,4 entsprechend der mittleren Verweildauer)?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 13: Kostenpfad des defizitärsten Patienten der DRG I47B mit Operation erst am 2. Tag und deutliche Überschreitung der mittleren Verweildauer, 12,7 Tage *10)

*10) KMS Vertrieb und Services AG, 2010, Unterhaching, www.kms.ag, Neugestaltung der Abbildung 13 im Softwareprodukt eisTIK.NET® Rel. 3.5 in Abstimmung mit dem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“

Diese Frage kann erst durch der Blick auf den tabellarisch dargestellten chronologischen Patientenprozess (Auszug) klären. Es fällt auf, dass nach der Operation an den letzten Behandlungstagen lediglich Physiotherapien stattfinden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Chronologischer Patientenprozess incl. errechneter Kosten; Auszug

3.2) Prozessveränderung

Die mit dem zuständigen Chefarzt zu klärenden Fragestellungen lauten:

- Können die Operationszeiten für elektive Operationen auf den Aufnahmetag verkürzt werden?
- Wäre eine vorstationäre Untersuchung aller elektiv zu operierenden Patienten zu empfehlen, um die Operation am stationären Aufnahmetag zu gewährleisten?
- Deutet die lange statt findende Physiotherapie darauf hin, dass die Organisation der anschließenden Rehabilitationsmaßnahmen für Patienten mit Kniegelenken und Hüftgelenken zu schleppend verläuft?
- Sollte der Rehabilitationsantrag ggf. vor der geplanten Operation gestellt, und die Rehabilitationsmaßnahme wenige Tage nach der Operation durchgeführt werden?

Das Beispiel zeigt auf, dass die Graphiken und tabellarischen Darstellungen die klinischen Behandlungsprozesse und ihre ökonomischen Auswirkungen transparent machen. Die erforderlichen Entscheidungen bleiben dem Controlling und dem Case-Management im Gespräch mit dem zuständigen Chefarzt vorbehalten.

Im konkreten Beispiel wurde mit einem Chefarzt des St. Anna Krankenhauses folgender veränderter Prozessablauf vereinbart:

- Bei einer Anfahrstrecke kleiner 25 km ist eine Terminierung der Operation am vorstationären Termin gemeinsam mit dem Patienten für den stationären Aufnahmetag anzustreben (1. Tag).
- Das Case-Management bereitet bereits am vorstationären Termin den Antrag auf Rehabilitation vor *11).
- Der Antrag auf Rehabilitation wird – zwecks Verkürzung der stationären Aufenthaltsdauer – noch am Tag der erfolgreichen Operation an die zuständige Krankenkasse versendet.

*11) Zum Einsatz des Case-Management vgl. *1) vgl. Roland Ganzmann, Klinisches Case Management: Die Implementierung eines neuen operativen Steuerungsinstrumentes zwischen theoretischem Anspruch und praktischen Erfordernissen am Beispiel der individuellen Adaption des St. Anna Krankenhauses in Sulzbach-Rosenberg, Diplomarbeit Studiengang Betriebswirtschaft, Poppenricht 2009, Hamburger Fernhochschule HFH

4) Erfolgsmessung anhand eines Quartals (Klaus Emmerich, Roland Ganzmann)

Um den Erfolg der Prozessveränderung quantifizieren zu können wurde die Kostenträgerrechnung des ersten Quartals 2011 mit dem ersten Quartal 2012 verglichen.

Aus den kalkulierten INEK-Kosten des 1. Quartals 2011 wurden Verrechnungspreise des Jahres 2011, erhöht um eine Steigerungsrate in Höhe von 2%, abgeleitet, d.h. es wurde angenommen:

- Je Kosten je Verrechnungseinheit des 1. Quartals 2012 entsprechen in etwa den Kosten des 1. Quartals 2011, gesteigert um 2%
- Dadurch wird impliziert, dass je behandeltem Patienten und je DRG jeweils die gleichen Kosten verrechenbar sind. Eine Erhöhung oder Verringerung der Kosten aufgrund deutlich weniger oder deutlich mehr behandelter Patienten bleibt unberücksichtigt.

4.1) Hüftgelenksoperationen

Die Kostenträgerrechnung zzgl. der erzielten Erlöse für Hüftgelenksoperationen 2011 ermittelte Verluste.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab: 2 Kalkulierte Hüftgelenkoperationen 1. Quartal 2011, defizitär

Die Kostenträgerrechnung zzgl. der erzielten Erlöse für Hüftgelenksoperationen 2012 ermittelte dagegen Gewinne.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab: 2 Kalkulierte Hüftgelenkoperationen 1. Quartal 2012, gewinnbringend

Was hat sich verändert?

Der nachfolgend dargestellte Prozessablauf über alle DRGs I47B verdeutlicht, dass 2012 die durchschnittliche Verweildauer (MiVWD) gegenüber 2011 erheblich verkürzt werden konnte. Sie liegt 2012 erstmals unter der mittleren Verweildauer laut Fallpauschalenkatalog (VWDKat).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 14: Kostenpfad der DRG I47B im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum ersten Quartal 2011 *12)

*12) KMS Vertrieb und Services AG, 2010, Unterhaching, www.kms.ag, Neugestaltung der Abbildung 14 im Softwareprodukt eisTIK.NET® Rel. 3.7.3 in Abstimmung mit dem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“

Infolge des verbesserten Prozessablaufs mit Erstellung des Rehabilitationsantrags am vorstationären Tag und Operation überwiegend am Tag der Aufnahme haben sich die Kostenstellenkosten der DRG I47B (blau) im Vergleich zu den INEK-kalkulierenden Krankenhäusern (gelb) deutlich verbessert, Gleiches gilt für die Kostenarten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 15: Kostenstellenkosten der DRG I47B im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum ersten Quartal 2011 *13)

*13) KMS Vertrieb und Services AG, 2010, Unterhaching, www.kms.ag, Neugestaltung der Abbildung 15 im Softwareprodukt eisTIK.NET® Rel. 3.7.3 in Abstimmung mit dem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 16: Kostenartenkosten der DRG I47B im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum ersten Quartal 2011 *14)

*14) KMS Vertrieb und Services AG, 2010, Unterhaching, www.kms.ag, Neugestaltung der Abbildung 16 im Softwareprodukt eisTIK.NET® Rel. 3.7.3 in Abstimmung mit dem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“ , die Erläuterung aller Kostenartengruppen ist im Anhang Kapitel 73 beschrieben, eine weiterentwickelte selbsterklärende Abbildung finden Sie im Anhang Kapitel 74.

4.2) Kniegelenksoperationen

Bei Kniegelenksoperationen zeigt sich das gleiche Bild: Die Kostenträgerrechnung zzgl. der erzielten Erlöse für Hüftgelenksoperationen 2011 ermittelte Verluste.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab: 4 Kalkulierte Kniegelenkoperationen 1. Quartal 2011, defizitär

Die Kostenträgerrechnung zzgl. der erzielten Erlöse für Hüftgelenksoperationen 2012 ermittelte dagegen ebenfalls Gewinne.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab: 5 Kalkulierte Hüftgelenkoperationen 1. Quartal 2012, gewinnbringend

Der nachfolgend dargestellte Prozessablauf über alle DRGs I44B verdeutlicht, dass 2012 auch hier die durchschnittliche Verweildauer (MiVWD) gegenüber 2011 verkürzt werden konnte. Sie liegt 2012 erstmals unter der mittleren Verweildauer laut Fallpauschalenkatalog (VWDKat).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 17: Kostenpfad der DRG I44B im ersten Quartal 2012 im Vergleich zum ersten Quartal 2011 *15)

*15) KMS Vertrieb und Services AG, 2010, Unterhaching, www.kms.ag, Neugestaltung der Abbildung 17 im Softwareprodukt eisTIK.NET® Rel. 3.7.3 in Abstimmung mit dem Kommunalunternehmen „Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach“

Infolge des verbesserten Prozessablaufs mit Erstellung des Rehabilitationsantrags am vorstationären Tag und Operation überwiegend am Tag der Aufnahme haben sich auch die Kostenstellenkosten der DRG I44B (blau) im Vergleich zu den INEK-kalkulierenden Krankenhäusern (gelb) deutlich verbessert, Gleiches gilt für die Kostenarten:

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Details

Seiten
98
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656232599
ISBN (Buch)
9783656233428
Dateigröße
4.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196641
Note
Schlagworte
Prozessorientierte Kostenträgerrechnung Erfolgskontrolle K|M|S Vertrieb und Services AG Kommunalunternehmen Krankenhäuser des Landkreises Amberg-Sulzbach Prozessmanagement eisTIK.NET® Fachabteilung Unfallchirurgie/Orthopädie Behandlungsprozesse

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