Lade Inhalt...

Kinderarmut in Deutschland – Ursachen, Folgen, Prävention

Hausarbeit 2012 20 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Definitionen
1.1 Absolute Armut
1.2 Relative Armut
1.3 Kinderarmut

2. Kinderarmut in Deutschland
2.1 Ursachen
2.2 Folgen für die Lebenslagen der Kinder
2.3 Prävention

3. Entwicklung der relativen Kinderarmut in Deutschland

4. Stellungnahme der Wohlfahrtsverbände
4.1 Arbeiterwohlfahrt
4.2 Caritas Verband
4.3 Diakonie Bundesverband
4.4 Deutsches Rotes Kreuz
4.5 Paritätische Wohlfahrtsverband

5. Synopse

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die nachfolgende Hausarbeit mit dem Thema „Kinderarmut in Deutschland - Ursachen, Folgen, Prävention“ stellt anhand von Fachliteratur und Stellungnahmen von Sozialverbänden dar, wie sich die Armutssituation von Kindern in Deutschland derzeit darstellt und welche Ursachen und Folgen dies auf die Entwicklungs- und Bildungschancen der betroffenen Kinder auswirkt. Anhand der Stellungnahmen von Sozialverbänden ist es möglich, Präventionsansätze zu verdeutlichen und Differenzen in der Auffassung des Themas zu erkennen, wodurch die Komplexität der Kinderarmut verdeutlicht wird.

Der erste Teil dieser Hausarbeit befasst sich mit dem Armutsbegriff. Da dieser nicht einheitlich definiert ist, werden folgend die Begriffe absolute Armut, relative Armut und Kinderarmut beleuchtet. Für die Darstellungen der Armutssituation von Kindern wird in der Hausarbeit der relative Armutsbegriff verwendet.

Teil zwei behandelt die Ursachen, Folgen und Prävention der Kinderarmut in Deutschland und veranschaulicht anhand bestehender Fachliteratur das Thema Kinderarmut auf zumeist soziologischer Basis.

Im dritten Teil dieser Hausarbeit wird die Entwicklung der relativen Kinderarmut in Deutschland seit 1990 anhand empirischer Daten veranschaulicht.

Der vierte Teil dient der Darstellung von Stellungnahmen und Konzepten der Wohlfahrtsverbände zum Thema Kinderarmut, welche im fünften Kapitel verglichen werden.

Das fünfte Kapitel führt eine Synopse der Stellungnahmen der Wohlfahrtsverbände zum Thema Kinderarmut durch, wodurch gemeinsame Ansätze und differenzielle Auffassungen gedeutet werden sollen.

Der sechste Teil dieser Arbeit bildet das Fazit und fasst die gewonnen Erkenntnisse kurz zusammen.

1. Definitionen

1.1 Absolute Armut

Unter dem Begriff absolute Armut wird der soziale Zustand eines Menschen beschrieben, in welchem ihm ausreichend Nahrung, Wasser, Kleidung und Wohnung bzw. Obdach fehlen, sowie keine Unterstützung zur Überwindung leichter Erkrankungen bestehen. Zusammengefasst bedeutet dies, dass den Menschen das „absolute Existenzminimum“ nicht zur Verfügung steht. Bedingt wird die Definition der absoluten Armut von den landesspezifischen soziokulturellen, geographischen und klimatischen Bedingungen. Demnach ist die Bedeutsamkeit der absoluten Armut in hochentwickelten Industrieländern geringer als in Industrieschwellenländern (vgl. Taibi 2010: 49).

Neumann hingegen definiert die absolute Armut im Kontext mit historischen und gesellschaftlichen Faktoren. Demnach definiert sich absolute Armut als ein Mangel an Mitteln, welcher den Lebensbedarf und Lebensstandard des Menschen nicht denken kann. Der Lebensbedarf ist beeinflusst durch historische, soziale und kulturelle Eigenschaften der Gesellschaft. Fortan werden Grade zur Unterschreitung festgesetzt, in diesem Falle die sogenannte Armutsgrenze. Wird als Untersuchungsfaktor die tatsächliche Existenzsicherung des Menschen gewählt, so definiert dies den Begriff der absoluten Armut (vgl. Neumann 1999: 24).

Können Menschen über einen längerfristigen Zeitraum ihre physischen Grundbedürfnisse nicht erfüllen, so liegt ebenfalls absolute Armut vor. Diese Definition schließt, entgegen den zurückliegenden Definitionen, die Bedeutung der gesellschaftlichen Standards explizit aus (vgl. Schmid / Wallimann 1998: 23).

1.2 Relative Armut

Im Gegensatz zur absoluten Armut bedeutet relative Armut, dass Menschen in ihren Lebensbedingungen eine erhebliche Abweichung von denen des gesellschaftlichen Durchschnitts aufweisen. Sie befinden sich demnach unterhalb des soziokulturellen Existenzminimums, wodurch sie an den Rand der Gesellschaft gedrängt und aus der sozialen Gesellschaft isoliert werden (vgl. Taibi 2010: 50).

Relative Armut wird in Zusammenhang mit bevölkerungs- und gesellschaftstypischen Merkmalen festgelegt. Da sich diese Merkmale allerdings nur auf eine Gesellschaft beziehen, ist sie im Vergleich mit anderen Gesellschaften, beispielsweise europaweit, nicht zu verwenden. Die definierte Armutsgrenze eines Landes orientiert sich immer an den soziokulturellen und wirtschaftlichen Verhältnissen, allerdings wird überwiegend das Einkommen als Maßstab angesetzt. Der Begriff relative Armut beinhaltet eine Vielzahl von Lebenslagen, welche wiederum unzählige Lebenschancen beinhalten. Ob es anhand dieser Definition richtig ist, absolute und relative Armut voneinander zu trennen, darf angezweifelt werden (vgl. Schmid / Wallimann 1998: 25).

1.3 Kinderarmut

Der Begriff der Kinderarmut wird von Gerhard Beizenherz als Nichtteilhabe von Kindern am kulturellen Leben, sowie dem Ausschluss aus materiellen und kommunikativen Transfer in der Gesellschaft beschrieben. Desweiteren definiert sich Kinderarmut laut Beizenherz nicht ausschließlich durch das nichtvorhandensein von materiellen Gütern, sondern zudem durch die Isolation aus der Gesellschaft, bedingt durch die nicht mögliche Teilhabe an der selbigen (vgl. Beizenherz 2002: 137).

Als Grundannahmen für die Definition von Kinderarmut gelten für Gerda Holz folgende Faktoren: Die Artmutsdefinition muss sämtliche Entwicklungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen erfassen und Aussagen über deren Entwicklung treffen. Desweiteren muss sich die Definition auf die Perspektive der Kinder stützen und sowohl die Lebenssituation, als auch die Entwicklungschancen berücksichtigen. Im Zuge dessen bedarf es einer Analyse der sozialen Situation der Familie des Kindes, da die Lebenslage des Kindes zu großen Teilen von der Lebenssituation der Eltern abhängig ist (Hock et al. 2000: 28).

2. Kinderarmut in Deutschland

2.1 Ursachen

Besonders Kinder aus familienspezifischen oder sozialbenachteiligen Familienkonstellationen gelten als stark gefährdet, Kinderarmut zu erleiden, bzw. stellen sie den Großteil der Gruppe dar, welche von Kinderarmut betroffen sind. Diese Aufzählung umfasst aber nicht alle Ursachen für Kinderarmut. Ursachen für Kinderarmut lassen sich in zwei Faktoren unterteilen: strukturell und nicht- strukturell. Strukturelle Faktoren beziehen sich auf die gesellschaftlichen Strukturen im Zusammenspiel von Staat, Markt und Familie. Als nicht-strukturelle Faktoren gelten u.a. die Scheidung der Eltern oder der Verlust eines Elternteils, plötzliche Arbeitslosigkeit des Haupternährers, sowie das generelle Verhalten der Eltern, beispielweise im Bezug auf Erwerbstätigkeit oder die Inanspruchnahme staatlicher Hilfeleistungen (vgl. Hübenthal 2009: 26). Christoph Butterwegge erweitert die strukturellen Ursachen für Kinderarmut und stellt fest, dass als weitere Ursachen für Kinderarmut die Auflösung des traditionellen Arbeitnehmerverhältnisses, der Bedeutungsverlust der klassischen Familie und die Ausgestaltung des Sozialstaates benannt werden müssen (vgl. Butterwegge 2007a: 441).

Der zuvor genannte Aspekt „Auflösung des traditionellen Arbeitnehmerverhältnisses“ bedeutet, dass eine lebenslange Erwerbstätigkeit bei einem Unternehmen heute nicht mehr gewährleistet ist. Im Zuge der Reduzierung der Vollerwerbstätigkeit hin zu Teilzeitarbeitsplätzen, befristeten Arbeitsverträgen und Leiharbeit, erzielen Familien ein monatliches Einkommen, welche den monatlichen Versorgungsbedarf nicht abdecken. Die Zunahme der „working poor“ in Deutschland ist durch die Veränderung begründet. Circa ein Drittel der Arbeitnehmer in Deutschland gehören dem Niedriglohnsektor an, gedeutet wird dies durch die Zunahme von Teilzeitstellen und geringfügig Beschäftigten (vgl. Hübenthal 2009: 26). Aus sozialpolitischer Sicht ist festzustellen, dass bei rund 20% aller Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor das Einkommen nicht ausreicht, um die monatlichen Kosten zu decken und somit ein Leben ohne Armut zu führen (vgl. DIW et al. 2007: V).

Der Bedeutungsverlust der Familie meint die Veränderung der Familienformen in Deutschland im Zusammenhang mit staatlichen Leistungen. Die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter stimmt mit den gesellschaftlichen Bedingungen heute nicht mehr überein. Der Mann gilt nicht mehr als Alleinernährer, sondern ein gemeinsames Einkommen von arbeitendem Mann und Frau sind die Regel. Die durch das Ehegattensplitting staatlich geförderte Hausfrauenehe kommt nicht mehr allen Familien zu. Trotz des Wandels der traditionellen Familie hin zu alternativen Familienformen, wie beispielsweise den nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften, werden diese noch nicht staatlich gefördert. Die Ursachen für Kinderarmut stellen sich also auch in den noch nicht angepassten Unterstützungsmöglichkeiten von Seiten des Staates an die neuen Familienformen in Deutschland, in Verbindung mit dem Arbeitsmarkt, dar (vgl. Hübenthal 2009: 27).

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656225270
ISBN (Buch)
9783656228073
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196563
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,3
Schlagworte
Armut Kinderarmut Relative Armut Absolute Armut Prävention Wohlfahrtsverbände DRK Caritas

Autor

Zurück

Titel: Kinderarmut in Deutschland – Ursachen, Folgen, Prävention