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Die Agrarkrise der römischen Republik

Welche Motvie, hinsichtlich des ager publicus, führten zu den Reformversuchen des Tiberius Gacchus und somit zu einer Initiative für ein Ackergesetz?

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Die Entwicklung des ager publicus als Voraussetzung für die Sempronische Agrarreform
2.1.1. Die Nutzungsregelung des ager publicus nach dem zweiten Punischen Krieg
2.1.2. Bedeutung und Folgen für Bauern und Oberschicht
2.2. Der Reformversuch des Tiberius Gracchus
2.2.1. Die persönlichen Motive
2.2.2. Die Regelung des ager publicus im Sempronischen Ackergesetz

3. Fazit

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die soziale Krise, die Tiberius Gracchus als erster zu lösen versuchte, war eine Agrarkrise. Dieser setzte sich an die Spitze der Unzufriedenen und forderte eine Bodenreform zur Problemlösung. Ohne Zweifel ist die historische Bedeutsamkeit der Agrarkrise immens, da sie die Grundlage für die Sempronische Agrarreform des Jahres 133 v. Chr. unter Tiberius Sempronius Gracchus darstellt. Theodor Mommsen sah die damalige Agrarkrise noch schärfer: Das Ackergesetz „war das einzige Mittel, um einen noch viel größeren, ja den Staat geradezu vernichtenden Übel, dem Untergang des italischen Bauernstandes, wenigstens auf lange hinaus zu steuern“.[1] Der im Besitz des Gemeinwesens befindliche Grund und Boden (ager publicus) sollte nach geltendem Recht, das jedoch von den Großgrundbesitzern in der Vergangenheit missachtet bzw. umgangen worden war, zugunsten der Kleinbauern umverteilt werden. Diese Maßnahme war notwendig, nicht nur um das Recht wieder herzustellen, sondern auch um den römischen Bauernstand, der durch die Besitzgier der Reichen in Existenznot geraten war, zu stärken. Nur ein starker Bauernstand, der auf erblichem jedoch unverkäuflichen Land seinen Lebensunterhalt erwirtschaftet, wäre in der Lage, das Milizwesen als Machtbasis Roms zu erhalten und somit auch die innere Sicherheit zu gewährleisten, die z. B. durch die Sklavenaufständen auf Sizilien (erster Sizilischer Sklavenkrieg von 135-132 v. Chr.) bedroht worden war.[2] Daher beschäftigt sich diese Hausarbeit mit der Agrarkrise der römischen Republik und den Motiven hinsichtlich des ager publicus, die zu den Reformversuchen des Tiberius Gracchus und folglich zu einer Initiative für ein Ackergesetz führten. Unter Motiven sind die Beweggründe des Tiberius Gracchus, hinsichtlich einer Neuregelung zur Nutzung des ager publicus, zu verstehen. Die vorliegende Arbeit will versuchen, die komplexen Zusammenhänge zwischen den Motiven des Tiberius Gracchus und deren Ursachen aufzuzeigen. Seit Mommsen ist es üblich geworden, das Jahr 133 v. Chr. als das Epochenjahr der „Römischen Revolution“ zu sehen.[3] In diesem Jahr trat Tiberius Gracchus sein Volkstribunat an und an den Folgen seiner Politik zeigte sich der offene Ausbruch der Krise, welche erst mit dem Prinzipat des Augustus 27 v. Chr. beendet schien. Demzufolge wird bei der Analyse der Quellen das Jahr 133 v. Chr. die Grenze des zu betrachtenden Zeitabschnittes darstellen. Der Zeitrahmen dieser Arbeit ist aber etwas weiter gefasst. Denn schon nach dem 2. Punischen Krieg kam es zu umfassenden Veränderungen in der römischen Landwirtschaft und es häuften sich die Anzeichen einer Agrarkrise. Der zeitliche Rahmen dieser Seminararbeit liegt etwa bei 218 – 133 v. Chr.. Als Quellen liegen der Arbeit die Biographien der Gracchen aus der Feder des Plutarchos von Chaironeia[4] (geb. um 45 n. Chr.) und des Appian von Alexandria[5] (geb. um 100 n. Chr.) zugrunde. Die ausführlichen Darstellungen, die wir bei den Griechen Appian und Plutarch finden, können aufgrund ihres Entstehungszeitraumes keinesfalls als zeitgenössische Quellen gelten. Die Ereignisse werden aus einem Abstand von mehr als 200 Jahren geschildert. Bernstein datiert im Anhang zu seiner Tiberius Biographie die Entstehung der Plutarch'schen Viten auf "gegen Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts"[6] und die Römische Geschichte Appians auf "etwa die Mitte des zweiten Jahrhunderts"[7]. Es ist somit klar, dass Plutarch und Appian auf ältere schriftliche Überlieferungen zurückgegriffen haben müssen. Ihre Berichte basieren also auf Darstellung früherer, am Geschehen beteiligter Autoren. Ausgehend von einer Analyse der oben erwähnten Quellen möchte ich in dieser Arbeit einen genaueren Blick auf die Handhabung zur Nutzung des ager publicus werfen. Durch eine detaillierte Untersuchung der Erzählungen in den Sekundärquellen von Plutarch und Appian und durch eine Analyse der Okkupationsregelung des ager publicus, soll geklärt werden welche Motive des Tiberius Gracchus die Initiative zu dem Ackergesetz bedingten. Um diese Zielsetzung jedoch zu erfüllen, bedarf es im Aufbau der Arbeit zuerst einer detaillierten Untersuchung der Ausgangslage zur Nutzungsregelung des ager publicus. Diese Untersuchung impliziert natürlich auch die Bedeutung und resultierenden Probleme dieser gesetzlichen Regelung. Dabei werden die Bauern und die Oberschicht als Untersuchungsgegenstand dienen. Desweiteren soll im zweiten Punkt des Hauptteiles der Reformversuch des Tiberius Gracchus analysiert werden, aber immer unter dem Aspekt der Nutzung des ager publicus. Zum einen sollen die persönlichen Motive im Mittelpunkt stehen, zum anderen die Umsetzung einer Neuregelung im Sempronischen Ackergesetz thematisiert werden. Dieser Untersuchungspunkt soll zugleich den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden, da das Nutzungsproblem des ager publicus als fundamental für die Entstehung der Agrarkrise zu sehen ist und außerdem den Kernaspekt des Ackergesetzes darstellt. Zuletzt werden in einem Resümee die komplexen Zusammenhänge zwischen der Ausgangslage, den Motiven des Tiberius Gracchus und der Umsetzung einer Neuregelung zur Verteilung des ager publicus im Ackergesetz aufgezeigt.

2. Hauptteil

2.1. Die Entwicklung des ager publicus als Voraussetzung für die Sempronische Agrarreform

2.1.1. Die Nutzungsregelung des ager publicus nach dem zweiten Punischen Krieg

Der zweite Punische Krieg markiert in der Geschichte Roms den Beginn eines Umwandlungsprozesses, der bereits nach kurzer Zeit tiefgreifende Veränderungen im Gefüge des römischen Staates und der römischen Gesellschaft verursachte. Rom war ein Weltreich geworden, dessen Wirtschaftsstruktur und Sozialordnung neuen Bedingungen unterworfen waren. Zugleich führte dieser rasche Wandel dazu, dass Rom in eine soziale und politische Krise geriet. Die neuen Bedingungen ergaben sich zum Teil aus den direkten Folgen des zweiten Punischen Krieges für Italien, die im Niedergang und in der Proletarisierung des italischen Bauerntums, in der Herausbildung großer Güter und im Übergang auf die massenhafte Verwendung von Sklaven in der Produktion lagen. Schon der antike Historiker Appian beschrieb diesen Wandel:

„ Dies sahen sie anstelle von Besatzungen vor. Von dem Land, das sie jeweils erbeuteten, teilten sie das bebaute gleich den Siedlern zu oder verkauften oder verpachteten es. Das infolge des Krieges unbestellte Land aber, das sich am weitesten ausdehnte, ließen sie unterdessen, ohne noch die Zeit zu finden, es durch Los zu verteilen, durch öffentliche Ausrufung denen anbieten, die bereit waren, es gegen eine Abgabe von der jährlichen Ernte, und zwar eines Zehntels vom Getreide und einen Fünftels vom Obst, zu bebauen. Für die aber, die Vieh hielten, wurden Abgaben von Groß- und Kleinvieh festgesetzt.“[8]

Anhand dieses Quellenausschnittes ist deutlich zu erkennen, wie die Nutzungsregelung des ager publicus durch die Oligarchie konzipiert war. Schon in der Frühzeit ergab sich ein Problem, das sich durch die gesamte Zeit der Republik ziehen sollte: die Frage nach der Nutzung des ager publicus. So konnte um das Jahr 180 v. Chr.[9] dieses ungenutzte Staatsland, das mit der Expansion Roms zunahm, eigentlich von jedem Bürger, meist gegen die Zahlung einer Nutzungsgebühr okkupiert und landwirtschaftlich genutzt werden. Problematisch bei dieser Regelung, waren die ungleichen Kapitalverhältnisse zwischen der Unterschicht und der Oberschicht, die wiederum bei der Okkupation des Staatslandes eine ungleiche Verteilung zwischen diesen beiden Schichten verursachte. Die daraus resultierende Nutzung des okkupierten ager publicus, ließ die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer werden. Hinzu kam das die Unterschicht unter einem Rückgang in der Bevölkerungszahl und einem Rückgang und einem Mangel an Männern litten, da sie vor Armut, Abgaben und Kriegsdienst hart getroffen wurden.[10] Dieser Umstand begünstigte, dass die Mächtigen vollends reich wurden, da die Reichen das Land in ihrer Hand hatten, dank ihrer Befreiung vom Kriegsdienst.[11]

„…bis endlich auf Antrag der Volkstribunen mit Müh‘ und Not ein Gesetz durchging, daß niemand mehr als 500 iugera[12] von diesem Land (ager publicus) innehaben oder mehr als 100 Rinder oder 500 Schafe darauf weiden lassen dürfte. Zusätzlich trafen sie zwecks Einhaltung des Gesetzes auch noch die Anordnung, daß eine bestimmte Zahl freier Männer auf den Gütern zu verwenden sei, die über die dortigen Vorgänge wachen und Bericht erstatten sollten.“[13]

Dieses tribunizische Gesetz, dessen Urheber unbekannt ist, legte zur Wahrung der Chancengleichheit unter den wohlhabenden Interessenten für das zu okkupierende Staatsland eine Obergrenze von 500 Morgen Ackerland fest.[14] Diese Begrenzung war schon im Licinisch-Sextischen Gesetz aus dem Jahr 367 v. Chr. verankert.[15] Der Versuch die Nutzungsregelung des ager publicus durch diese gesetzliche Ergänzung, die Nutzung für die Unterschicht leichter möglich zu machen, scheint nur einer moralischen Absicherung der Oberschicht bzw. Nutznießer zu dienen. Ob diese Regelung wirklich zu einer Chancengleichheit zwischen der Unter- und Oberschicht führen sollte, ist zu bezweifeln. Auf diesem Okkupationsbesitz, der rechtlich gesehen im staatlichen Obereigentum blieb, entwickelten sich im Laufe der Jahre eigentumsähnliche Strukturen, und es trat unter Missachtung der festgesetzten Okkupations- und Nutzungsgrenzen eine erhebliche Besitzkonzentration der Oberschicht ein. Die Nutzungsregelung des ager publicus so scheint es, war der klägliche Versuch die Nutzung des ager publicus für jedermann zugänglich zu machen. Wäre es ein ernstgemeinter Reformversuch gewesen, hätte man die Regelung für die Unterschicht lockerer gestalten müssen, sowie bei der Durchführung dieses Gesetzes konsequenter sein müssen. In Appians Darstellung wird die Wirksamkeit dieser Regelung ebenfalls in Frage gestellt.

[...]


[1] Mommsen, Römische Geschichte, Bd. II, S. 93.

[2] Vgl. Alföldy, Römische Sozialgeschichte, S.64.

[3] Christ , Krise und Untergang, S. 117.

[4] Plutarch: Große Griechen und Römer, Bd. 6.

[5] Appian: De bellum civile. Römische Geschichte II. Teil: Die Bürgerkriege.

[6] Bernstein, S. 231.

[7] Bernstein, S. 231.

[8] App., b.c. 1, 7, 27, S. 17.

[9] Vgl. Bringmann, Krise und Ende der römischen Republik, S.32.

[10] Vgl. Crawford, Die römische Republik, S.122.

[11] Vgl. App., b.c. 1, 7, 27, S. 17.

[12] Anm. 1 iugerum heißt Joch = 2 Acker = 2529, 34582752 m²

[13] App., b.c. 1, 8, 33, S. 18.

[14] Vgl. Bringmann, S.32.

[15] Vgl. Alföldy, S.48.

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656225843
ISBN (Buch)
9783656226475
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196489
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
2,0
Schlagworte
agrarkrise republik welche motvie reformversuchen tiberius gacchus initiative ackergesetz

Autor

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