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Werbewirkung von Sportsponsoring

Eine empirische Analyse am Beispiel des VfL Bochum

Bachelorarbeit 2009 47 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportökonomie, Sportmanagement

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 ANSATZE UND BEFUNDE DER SPONSORING-WIRKUNGSFORSCHUNG
2.1 Sponsoring-Outcomes
2.1.1 Bekanntheit
2.1.2 Einstellung und Image
2.1.3 Kaufabsicht
2.2 Intervenierende Variablen
2.2.1 Fan-Involvement
2.2.2 Fit
2.3 Zwischenfazit
2.4 Hypothesen

3 METHODIK
3.1 Fragebogenkonstruktion
3.2 Stichprobenerhebung

4 ERGEBNISSE UND DISKUSSION
4.1 Stichprobenbeschreibung
4.1.1 Gesamtstichprobe
4.1.2 Stichprobe „Stadion“
4.1.3 Stichprobe „Bochum“
4.1.4 Stichprobenvergleich
4.2 Prüfung der Hypothesen
4.2.1 Wirkungen auf die Einstellung
4.2.2 Wirkungen auf die Kaufabsicht
4.2.3 Wirkungen auf die Erinnerung
4.3 Diskussion

5 SCHLUSSBETRACHTUNG

LITERATUR

ANHANG

1 Einleitung

Betrachtet man die Entwicklungen des Sponsoring in den letzten Jahren, so lässt sich unschwer erkennen, dass dieses Kommunikationsinstrument sowohl für Unternehmen als auch für Sponsoring-Nehmer stetig an Bedeutung zunimmt. Während die weltweiten Ausgaben für Sponsoring-Maßnahmen 1996 noch bei 13,4 Milliarden US-Dollar lagen (Cornwell & Maignan, 1998, S. 1), stiegen sie bis 2007 auf 37,7 Milliarden an (IEG, 2007). In Deutschland wurden die Erwartungen für das Jahr 2009 aufgrund der aktuellen Finanzkrise von 4,6 auf 4,2 Milliarden Euro korrigiert (Pilot Group, 2008, 2009). Mittlerweile integrieren ca. drei Viertel aller werbe­treibenden Unternehmen das Sponsoring in ihren Kommunikations-Mix und stellen dafür mehr als 16% (laut Pilot Group sogar 21 %) ihres gesamten Kommunikations­budgets zur Verfügung (PLEON GmbH, 2008, S. 10). Annähernd 70 % der Sponsoring-Ausgaben sind dem Bereich des Sportsponsoring zuzuschreiben, der wiederum von der Sportart Fußball dominiert wird (Pilot Group, 2009, S. 16).

Mit der zunehmenden Professionalisierung des Sponsoring sind auch die Ansprüche an das Sponsoring-Management und die Sponsoring-Kontrollen gestiegen. Irritierend wirkt in diesem Zusammenhang jedoch, dass der Anteil derjenigen Unternehmen, die gänzlich auf eine Erfolgskontrolle verzichten, seit 2004 von 12,1 % auf 21,4 % gestiegen ist (PLEON GmbH, 2008, S. 44). Obwohl die meisten Unternehmen mit ihren Sponsoring-Maßnahmen vorrangig Imageziele verfolgen (Pilot Group, 2008, S. 24), wird in der Praxis vorzugsweise auf klassische Kontakt- bzw. Reichweitenanalysen zurückgegriffen (PLEON GmbH, 2008, S. 24). Gründe für die weit verbreitete Anwendung dieser Medienanalysen sind die relativ einfache Erfassbarkeit und die damit verbundenen niedrigen Preise dieser Verfahren (Nufer, 2002, S. 21). Den Unternehmen werden konkrete Zahlen geliefert, mit denen sie ihre Sponsoring-Maßnahmen mit anderen Werbemaßnahmen vergleichen können. Besonders attraktiv erscheint in diesem Zusammenhang der verhältnismäßig günstige Tausender-Kontakt-Preis als Rechtfertigungsgrundlage vieler Sponsoring­Maßnahmen. In der Literatur ist man sich allerdings einig darüber, dass Reichweiten­analysen oder Medienresonanzanalysen „keine Aussagen über die Wahrnehmung und die Wirkung der Botschaft bei den Rezipienten zulassen, sondern lediglich Auskunft über die Dauer der Darbietung einer Botschaft geben“ (Hermanns & Marwitz, 2008, S. 151; siehe auch Chadwick & Thwaites, 2005, S. 333; Cornwell & Maignan, 1998, S. 14; Crompton, 2004, S. 272; Dudzik, 2006, S. 25; Grohs et al., 2004, S. 120; Tripodi et al., 2003, S. 437).

In der Wissenschaft wurde in den 90er-Jahren mehrfach auf Defizite der Sponsoring­Wirkungsforschung hingewiesen. Koth (2000, S. 313) verweist in diesem Zusammenhang auf bestätigende Aussagen internationaler Autoren. So sehen auch Cornwell & Maignan (1998, S. 14) in ihrer Arbeit zum Stand der internationalen Sponsoring-Literatur den Forschungsstand über die Wirkungen von Sponsoring noch in einem frühen Entwicklungsstadium und kritisieren widersprüchliche Ergebnisse. Zumindest dem quantitativen Anspruch an den Forschungsrückstand wurde in den letzten Jahren Rechnung getragen. Allein im Zeitraum von 1998 bis 2005 wurden mehr als 70 empirische Arbeiten speziell zur Thematik der Wirkungsmessung im Sponsoring verfasst (vgl. Walliser, 2003; Woisetschläger, 2006, S. 41ff.), so dass man mittlerweile von einer hohen Anzahl an Arbeiten sprechen kann. Die größte Kritik liegt allerdings in der fehlenden bzw. zu geringen theoretischen Fundierung dieser Arbeiten, so dass weiterhin unklar ist, wie Sponsoring-Reize in der Psyche des Konsumenten („black box“) verarbeitet werden (Cornwell et al., 2005, S. 22; Cornwell, 2008, S. 47; Poon & Prendergast, 2006, S. 474; Dudzik, 2006, S. 104; Ko et al., 2009, S. 79; McDaniel, 1999, S. 166; Meenaghan, 2001, S. 98). So wird häufig der Fokus auf sog. „Sponsoring-Outcomes“ wie Bekanntheit, Image, Einstellung oder Kaufverhalten gelegt, ohne dabei entsprechende Bezüge zu den intervenierenden Variablen wie der Ausgesetztheit von Sponsoring-Reizen (Exposure), der Kongruenz von Sponsor und Gesponsertem (im weiteren Verlauf als „Fit“ bezeichnet) oder der sozialen Identifikation mit einem Sponsoring-Objekt herzustellen (Cornwell et al., 2005, S. 22).

Im ersten Teil dieser Arbeit sollen kurz Ansätze und einschlägige Befunde der Sponsoring-Wirkungsforschung dargestellt und diskutiert werden. Dabei wird in einem ersten Schritt auf die wichtigsten Sponsoring-Outcomes eingegangen, bevor anschließend einige intervenierende Variablen näher betrachtet werden. Der zweite Teil der Arbeit besteht aus einer empirischen Analyse einer Sponsoring-Beziehung am Beispiel des VfL Bochum und des Textildiscounters KiK, bei der vor allem die Einflüsse der intervenierenden Variablen Fit und Fan-Involvement untersucht werden.

2 Ansätze und Befunde der Sponsoring-Wirkungsforschung

Hinsichtlich der wachsenden Bedeutung des Sponsoring sind Kenntnisse über „konkrete Wirkungen bzw. Wirkungspotentiale des Sponsorings sowie deren Voraussetzungen (...) für den zielgerichteten und betriebswirtschaftlich sinnvollen Einsatz des Sponsorings unerlässlich“ (Hermanns & Marwitz, 2008, S. 137). Auf theoretischer Ebene werden zur Erklärung von Sponsoring-Wirkungen verschiedene Ansätze und Modelle herangezogen. Einen guten Überblick bietet das „S-O-R- Modell“ (Stimulus-Organism-Response-Modell). Dieses Modell berücksichtigt neben den Reizen, die von einem Sponsoring-Stimulus (S) ausgehen, und den Reaktionen der Rezipienten (R) auch die inneren Vorgänge der Informationsverarbeitung im Organismus (O) (Hermanns, 1997, S. 111 f.). Innerhalb des S-O-R-Modells lassen sich wiederum zahlreiche Theorien (Lerntheorien, Attributionstheorien, Kongruenz­theorien, etc.) integrieren. An dieser Stelle soll darauf verzichtet werden, einen umfassenden Überblick über die Vielfalt der theoretischen Ansätze der Sponsoring­Wirkungsforschung zu geben (siehe hierzu Dudzik, 2006, S. 63 ff.; Woisetschläger, 2005, S. 62 ff.). Vielmehr sollen die für diese Arbeit relevanten Ansätze direkt am Beispiel der entsprechenden Variablen näher erläutert werden.

2.1 Sponsoring-Outcomes

In der empirischen Sponsoring-Wirkungsforschung wird der Fokus vor allem auf die Untersuchung der Bekanntheit, des Images, der Einstellung und des Kaufverhaltens gelegt. Cornwell et al. (2005) klassifiziert diese Größen als „Sponsoring-Outcomes“, was deutlich macht, dass es sich um bewusst zu verändernde Zielgrößen handelt.

2.1.1 Bekanntheit

Die Steigerung des Bekanntheitsgrades stellt sowohl für deutsche Unternehmen (Pilot Group, 2009, S. 24) als auch für Unternehmen aus internationalem Raum (Boshoff & Gerber, 2008, S. 2; Ko et al., 2008, S. 83; Koo et al., 2006, S. 80) eines der Hauptziele ihrer Sponsoring-Engagements dar. Auch in der Wissenschaft fand die Untersuchung von Bekanntheitsgradveränderungen eine besondere Berücksichtigung, was nicht zuletzt an der relativ einfachen Erfassbarkeit liegt (Dudzik, 2006, S. 63). Walliser (2003, S. 6) unterscheidet in diesem Zusammenhang drei wesentliche Forschungsströme. Dazu zählen Messungen über das Ausmaß der öffentlichen Wahrnehmung von Sponsoring-Botschaften, die Identifikation von Faktoren, die die Erinnerung beeinflussen und die Analyse kognitiver Prozesse der Rezipienten.

Ein besonderes Problem stellt die Validität von Erinnerungsmessungen dar. Es wird unterstellt, dass sich Rezipienten bei Recall- (Erinnerung) und Recognition-Tests (Wiedererkennung) nicht unbedingt auf die gespeicherten Erinnerungen wahrgenommener Sponsoring-Paarungen beziehen, sondern die Informationen (ihre Antworten) aus „konstruktiven Prozessen“ ableiten (Johar & Pham, 1999, S. 299 f.; Wakefield et al., 2007, S. 67). Für den Abruf assoziierter Sponsoren werden demnach bei Unsicherheit die Prominenz eines Unternehmens und/oder die empfundene Kongruenz zwischen etwaigem Sponsor und Gesponsertem als Heuristiken herangezogen (ebd.). Eine weitere Studie von Pham und Johar (2000) zeigt, dass sich nur sechs Prozent der Befragten auf ihre aktuellen Erinnerungen beziehen. Der Rest der Antworten ergibt sich aus Gesichtspunkten der Kongruenz (42%), der relativen Marktposition des Unternehmens (21%) sowie aus zufälligem Raten (31%) (nach Crompton, 2004, S. 276).

Auch die Art und Weise der Fragestellung nimmt entscheidenden Einfluss auf die Resultate von Erinnerungsmessungen. Während häufig neben den Recognition- Tests nur grob zwischen gestützten und ungestützten Recall-Tests unterschieden wird (vgl. Hermanns & Marwitz, 2008, S. 121), sind laut Tripodi et al. (2003, S. 439) differenziertere Betrachtungen nötig. Vor dem Hintergrund der „Spreading Activation Theory“ machen sie deutlich, dass das Abrufen von Erinnerungen im Rahmen eines Recall-Tests ganz entscheidend von der Art der Fragestellung bzw. den darin enthaltenen Hilfestellungen abhängt. Nicht zuletzt wird so auch die Richtung des Erinnerungsprozesses mitbestimmt (siehe dazu auch Humphreys et al., 2007, S. 383).

Grundlegend wird auch in Frage gestellt, warum Rezipienten in der Lage sein sollten, Sponsoren auf einer bewussten Ebene zu identifizieren. Ausgehend von einem ultimativen Sponsoring-Ziel, dass laut Crompton (2004, S. 270) dadurch gekennzeichnet ist, mehr Profit durch zusätzlich Absätze zu generieren, stellt sich die Frage nach der relativen Bedeutung von Recall- und Recognition-Werten. Nach Keller (1993, S. 3) haben Recognition-Tests einen stärkeren Bezug zum Kaufverhalten, wenn Kaufentscheidungen direkt im Geschäft getroffen werden (Spontankauf). Analog dazu weisen Recall-Tests mit Produktkategorien („Wenn Sie an Banken denken, welche Sponsoren fallen Ihnen ein?“) oder Marken („Wenn Sie an die Marke XY denken, welche Sponsoren fallen Ihnen ein?“) als Hinweis eine größere Relevanz bei Kaufentscheidungen, die nicht direkt im Geschäft getroffen werden (Suchkauf) (Woisetschläger, S. 93 f.). Es besteht jedoch die Gefahr, dass bei diesen gestützten Verfahren die eigentliche Erinnerungsleistung an eine Sponsoring­Beziehung zu stark durch das Interesse des Konsumenten an einer Marke verzerrt wird (ebd.). Ko et al. (2008) untersuchten in ihrer Arbeit den relativen Einfluss von Bekanntheit auf die Kaufabsicht von Sponsorenprodukten. Dabei stellte sich heraus, dass die Bekanntheit im Gegensatz zum Firmenimage einen eher geringen Einfluss auf die Zielgröße Kaufabsicht ausübt (2008, S. 91).

Es bleibt festzuhalten, dass die Bekanntheitsgradsteigerung an sich schon ein erklärtes Ziel vieler Unternehmen darstellt. Diese Tatsache rechtfertigt sowohl die Kontrolle von Sponsoring-Maßnahmen durch Zahlen aus Bekanntheitsgrad­messungen als auch ein wissenschaftliches Forschungsinteresse an diesem Thema.

2.1.2 Einstellung und Image

Noch vor der Steigerung des Bekanntheitsgrades gelten in Deutschland Image­Verbesserungen als die begehrtesten Sponsoring-Ziele (Pilot Group, 2009, S. 24). Dabei geht es hauptsächlich darum, das Image einer Marke bzw. eines Unternehmens zu verbessern, in dem Teile des Images eines Sponsoring-Objektes auf den Sponsor übertragen werden. Hermanns (2008, S. 146 f.) erklärt diesen Transfer von Image-Komponenten durch die klassische Konditionierung, bei der Personen lernen, auf einen neutralen Reiz auf ganz bestimmte Weise zu reagieren. Wenn also ein neutraler Reiz (Marke/Unternehmen) lange genug mit emotionalen Reizen (bspw. im Rahmen einer Sportsponsoring-Maßnahme) gekoppelt wird, assoziiert der Rezipient nach einiger Zeit automatisch in diesem Falle die Attribute des Sports (z.B. Dynamik, Spannung, Sportlichkeit, etc.) mit dem Unternehmen. Die klassische Konditionierung stellt neben zahlreichen anderen theoretischen Modellen (Haase, 2001, S. 17 ff.) jedoch nur ein Modell zur Klärung des Imagetransfers dar.

In der Sponsoring- und Marketingliteratur ist man sich derzeit nicht einig darüber, ob eine schärfere Trennung der beiden Begriffe Image und Einstellung Sinn macht. So schreiben einige Autoren beiden Begrifflichkeiten in etwa die gleichen Merkmale zu (Kroeber-Riel & Weinberg, 2003, S. 197), sprechen von einer zu schwachen Abgrenzung, die letztlich zu einer synonymen Verwendung geführt habe (Huber & Matthes, 2007, S. 91) oder gar von einer „konstatierten Deckungsgleichheit von Einstellung und Image“ (Nitschke, 2006, S. 119). Andere Autoren wiederum kritisieren die synonyme Verwendung von Einstellung und Image (Drengner, 2003, S. 79; Ko et al., 2008, S. 83 f.; Marwitz, 2006, S. 199). Im Folgenden werden daher beide Begriffe näher untersucht.

Unter Einstellung versteht Trommsdorff „den Zustand einer gelernten und relativ dauerhaften Bereitschaft, in einer entsprechenden Situation gegenüber dem betreffenden Objekt regelmäßig mehr oder weniger stark positiv bzw. negativ zu reagieren“ (2009, S. 146). Dabei bewertet das Individuum ein Einstellungsobjekt hinsichtlich dessen Eignung zur Befriedigung einer Motivation (Kroeber-Riel & Weinberg, 2003, S. 169). Einstellungen entstehen aus direkten und indirekten Erfahrungen mit einem Objekt und sind folglich als Ergebnis von Lernprozessen anzusehen (Marwitz, 2006, S. 119). Nach der Drei-Komponenten-Theorie beinhaltet der Einstellungsbegriff eine kognitive, eine affektive und eine konative Komponente (Kroeber-Riel & Weinberg, 2003, S. 170). Die kognitive Komponente beinhaltet das subjektive Wissen einer Person über das Einstellungsobjekt, während die affektive Komponente die gefühlsmäßige Bewertung des Einstellungsobjektes widerspiegelt (Meffert et al., 2009, S. 122). Die konative Komponente, die die Verhaltens­bereitschaft einer Person hinsichtlich des Einstellungsobjektes beschreibt, wird häufig nicht mehr als Bestandteil der Einstellung angesehen, sondern stellt ein eigenständiges Konstrukt dar, das wiederum durch die beiden anderen Komponenten beeinflusst wird (Drengner, 2003, S. 77; Trommsdorff, 2009, S. 151 f.). Allgemein wird jedoch davon ausgegangen, dass alle drei Komponenten aufeinander abgestimmt und miteinander konsistent sind (Kroeber-Riel & Weiberg, 2003, S. 171). Kroeber-Riel und Weinberg (2003, S. 173 f.) ergänzen in diesem Zusammenhang, dass das Verhalten wiederum die Einstellung beeinflusst. Abb. 1 veranschaulicht dieses interdependente Verhältnis.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1. Drei-Komponenten-Modell der Einstellung (Eigene Darstellung in Anlehnung an Trommsdorff, 2009, S. 151)

Hinsichtlich der Abgrenzung bezeichnet Trommsdorff (2009, S. 146) das Image als „mehrdimensionale, kognitiv und emotional bestimmte Grundlage einer Einstellung“, und „als differenziertes, aber ganzheitliches »Bild« vom Objekt der Einstellung“. Dabei muss ein Image weder sprachlich kodiert noch voll bewusst sein und kann auf einer bildhaft metaphorischen Ebene bestehen (Trommsdorf, 2009, S. 155). Dieses mehrdimensionale, mit subjektiven Wertungen versehene, komplexe psychische Konstrukt (Drengner, 2003, S. 79) stellt also in detaillierter und ganzheitlicher Form eine Grundlage für die Einstellung dar, die wiederum die einzelnen Dimensionen des Images zu einer eindimensionalen Größe zusammenfasst (ebd.). Für die Vertreter der Differenzierung von Image und Einstellung besteht nun allerdings das Problem der Operationalisierbarkeit eines ganzheitlichen Imagekonstruktes. Genau so unzureichend, wie sich ein Gemälde anhand von Beschreibungen einzelner Merkmale wie Farbe, Größe, dargestellte Gegenstände, etc. darstellen lässt, lässt sich das Image einer Marke ganzheitlich bildhaft erfassen (ebd.).

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen werden Image und Einstellung in dieser Arbeit nicht als Synonyme aufgefasst, sondern als sich teilweise überschneidende Konstrukte. Im empirischen Teil dieser Arbeit soll nur das Konstrukt der Einstellung Verwendung finden. Analog zur Steigerung des Bekanntheitsgrades stellen Verbesserungen der Einstellung erklärte Ziele von sponsernden Unternehmen dar. Zusätzlich wird die Einstellung auch als Vorstufe von Kaufabsicht und Kaufverhalten angesehen, weshalb sie in der Wirkungsforschung sowohl als abhängige als auch unabhängige Variable in die Untersuchungen eingeht.

2.1.3 Kaufabsicht

Auch wenn die Kaufabsicht „nur“ ein weiteres hypothetisches Konstrukt darstellt und nicht mit dem tatsächlichen Kaufverhalten gleichzusetzen ist, so konnte dennoch ein großer Einfluss der Absichten einer Person auf das zukünftige Verhalten nachgewiesen werden (Ajzen & Fishbein, 1974; siehe auch Dees et al., 2008, S. 83; Huber & Matthes, 2007, S. 93; Ko et al., 2009, S. 84; Lee & Cho, 2009, S. 47). Die (Kauf-)Absicht einer Person kann somit als Verbindungsstück zwischen der Einstellung einer Person gegenüber einem (Kauf-)Objekt und dem resultierenden Verhalten angesehen werden (Ajzen & Fishbein, 1975 nach Dees et al., 2008, S. 83). In der neueren Sponsoring-Wirkungsforschung hat sich dieser Ansatz durchgesetzt, so dass häufig die Kaufabsicht als ultimative abhängige Variable in die Untersuchungen eingeht (Ko et al, 2008, S. 91). Auch Crompton (2004, S. 278) bezeichnet die Untersuchung der Kaufabsicht als den wertvollsten Indikator für die Wirkung von Sponsoring auf zukünftige Absätze. Im Sponsoring-Kontext konnte ein positiver Einfluss der Einstellung auf die Kaufabsicht von Sponsorenprodukten mehrfach bestätigt werden (Dees et al., 2008, S. 86; Huber & Matthes, 2007, S. 98; Ko et al., 2009, S. 90 f.; Madrigal, 2001). Zusätzlich wurde der Einfluss von weiteren Konstrukten wie z.B. der sozialen Identifikation mit einer Sportmannschaft auf die Kaufabsicht geprüft, worauf im weiteren Verlauf dieser Arbeit näher eingegangen wird.

2.2 Intervenierende Variablen

In Anlehnung an Cornwell et al. (2005, S. 22) lässt sich feststellen, dass der Schwerpunkt in der Sponsoring-Wirkungsforschung zu stark auf die Untersuchung von Sponsoring-Outcomes gelegt wird. Es wird überwiegend untersucht, in welchem Maße sich Bekanntheit, Einstellung und Kaufabsicht verändern, ohne hinreichende und theoretisch fundierte Bezüge zu den dahinter stehenden kognitiven Prozessen herzustellen. Im Rahmen dieser Arbeit sollen in erster Linie die intervenierenden Variablen „Fit“ und „Fan-Involvement“ berücksichtigt werden. Besonders vor dem Hintergrund eines Sponsoring-Engagements in der Fußball-Bundesliga erscheint eine nähere Betrachtung der Wirkungen des Fan-Involvement bzw. der sozialen Identifikation sinnvoll.

2.2.1 Fan-Involvement

Für die Aufnahme und Verarbeitung von Sponsoring-Reizen spielt der Zustand der Rezipienten eine entscheidende Rolle. Cornwell et al. (2005, S. 31 ff.) betonen in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit verschiedener Individual- und Gruppenfaktoren wie Erregung, Konsumentenwissen, Erfahrung mit dem Sponsor (bzw. dem Event) oder Involvement.

In der Sponsoring-Literatur lassen sich ganz unterschiedliche Arten von Involvement- Konstrukten identifizieren. Ganz allgemein kann Involvement als „a person’s percieved relevance of the object based on inherent needs, values and interests” verstanden werden (Zaichkowski, 1985, S. 342). Häufig wird dabei noch zwischen einer kognitiven und einer affektiven Dimension unterschieden (Cornwell et al., 2005, S. 32 f.) sowie zwischen dauerhaftem (enduring) und situativem (felt) Involvement (Pham, 1992, S. 85 f.; Bennett et al., 2009, S. 15 f.). Des Weiteren werden Konstrukte wie „allgemeines Sportinteresse“ (Huber & Matthes, 2007, S. 95; Ko et al., 2008, S. 85 f.) und Identifikation mit einer Sportart bzw. einem Event (Gwinner & Bennett, 2008; Grohs et al., 2004, S. 127) auf ihre Wirkungen im Sponsoring-Kontext untersucht. Tab. 1 gibt einen Überblick ausgewählter Forschungsergebnisse über die Wirkungen von unterschiedlichen Involvement-Konstrukten.

Tab. 1. Empirische Arbeiten über die Wirkung von unterschiedlichen Involvement-Konstrukten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
47
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656225010
ISBN (Buch)
9783656227687
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196486
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Sportmanagement/Sportsoziologie
Note
1,0
Schlagworte
Lineare Regression; n=433 Fit Fan-Involvement Kaufabsicht Einstellung Awareness/Bekannheit

Autor

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Titel: Werbewirkung von Sportsponsoring