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Nachhaltige Entwicklung und Megacities - Ein Widerspruch?

Seminararbeit 2012 17 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 DEFINITIONEN
2.1 Megacity
2.2 Nachhaltigkeit

3 IMPLIKATIONENFÜRUNSERHANDELN
3.1 Implikationenfür Megacities

4 KÖNNEN MEGACITIES NACHHALTIG SEIN?

5 EIN VERGLEICH: MEXICO CITY VS. TOKIO
5.1 Zahlenund Fakten
5.2 Verkehr und Transportinfrastruktur
5.3 Flächennutzung und Wohnen
5.4 Abwasser und Abfallbeseitigung
5.5 Emissionen und Luftreinhaltung

6 RESUME

LITERATURVERZEICHNIS

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Wenn man an aufgefordert wird die größten Städte der Welt zu benennen, fallen einem zunächst Namen wie New York, Paris oder London, die Giganten des Westens ein, die seit Menschengedenken zu den Riesen unter den Städten gehören. Wenn man ein bisschen weiter denkt kommt man noch auf Tokio, Peking oder Hong Kong. Lagos, Jakarta oder Metro Manila werden jedoch selten genannt. Dies mag darin begründet sein, dass diese Städte vor 60 Jahren allesamt noch weniger als 2 Millionen Einwohner hatten, dass teilweise mehr als die Hälfte dieser Einwohner in Slums wohnen, wie dies in Mumbai der Fall ist, ohne fließend Wasser oder Strom. Lagos beispielsweise, ist innerhalb von 60 Jahren von 0,27Mio auf über 11 Mio Einwohner angewachsen. Das ist ein Bevölkerungszuwachs der größer ist, als die Schweiz Einwohner hat [vgl. Reker (2007, S.7), Hauff (1987, S.234)]. Dass die Versorgung dieser Menschenmassen mit Infrastruktur, Wohnraum, Energie, Arbeit sowie der Befriedigung ihrer sozialen und kulturellen Bedürfnisse eine gigantische Herausforderung darstellt, ist offensichtlich. Dies alles darüber hinaus auch noch nachhaltig zu gestalten scheint fast utopisch, jedoch ist, wie im Verlauf dieser Arbeit ersichtlich wird, der nachhaltige zugleich auch der einzig mögliche Weg.

Die Probleme und Herausforderungen einer hochmodernen Megacity wie Tokio und einer dynamisch wachsenden wie Mumbai, sind enorm. Groß-Tokio, mit 35Mio Einwohnern die größte Agglomeration der Welt, produziert jährlich 15Mio Tonnen Müll. Die Tokioter U-Bahn wird pro Jahr von 2,85Mrd Menschen benutzt und bestimmte U-Bahnlinien sind in Stoßzeiten mit bis zu 197% ausgelastet. Auf Tokios Straßen wurden im Jahr 2005 91.561 Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt. Trotz dieser Menschenmassen ist Tokio eine sehr saubere Stadt. Probleme bezüglich der hygienischen Verhältnisse oder der Kriminalität, die Versorgung der Einwohner mit fließend Wasser, Strom oder Sanitären Anlagen sind aufgrund des hohen Entwicklungsstandarts praktisch nicht vorhanden [vgl. Neidhart (2007, S. 14-19)]. Mumbai hingegen kämpft täglich mit der enormen Kluft zwischen Arm und Reich. 55% seiner Einwohner leben in Slums. Allein in Dharavi, dem wahrscheinlich größten Slum Asiens, leben zwischen 0,6 und 1Million Menschen ohne fließend Wasser und Strom [vgl. Petersen (2007, S.39)].

Solche Megacities nachhaltig zu gestalten ist eine äußerst ernst zu nehmende Herausforderung, der sich die Menschheit schon längst hätte stellen müssen und die mit der Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt. Besonders die Großstädte der dritten Welt, die weder über die finanziellen Mittel noch über das Wissen verfügen diesen Aufgaben gerecht zu werden, brauchen hier Hilfe aus der Ersten. Dies gilt vor allem vor dem Hintergrund einer vernetzten Welt mit knappen Ressourcen, der zunehmenden Umweltverschmutzung und dem daraus folgenden Klimawandel, Trinkwassermangel und dem Rückgang der Artenvielfalt [vgl. BMBF (2003, S.1)].

Um die Frage, ob Megacities nachhaltig sein können oder ob dies in sich einen Widerspruch birgt beantworten zu können, bedarf es zunächst einer Definition der Nachhaltigkeit. Diese soll in dieser Arbeit ebenso erläutert werden, wie die darauf aufbauenden Strategien und Handlungsempfehlungen für die größten Städte dieser Welt.

2 Definitionen

2.1 Megacity

Der Begriff Megacity ist in der Literatur nicht eindeutig definiert. Offensichtlich ist, dass es sich um eine große Agglomeration oder Stadt handeln muss. Die genaue Anzahl der Einwohner und die Grenzen der Agglomeration sind nicht näher bestimmt. Dies liegt daran, dass der Begriff weniger dafür verwendet wird statistische, als viel mehr gesellschaftliche und infrastrukturelle Probleme zu beschreiben. Hierfür ist es nicht von Relevanz ob eine Stadt neun oder zehn Millionen Einwohner hat. Die auftretenden Problematiken sind dieselben. Zwischen einer und zehn Millionen besteht jedoch sehr wohl ein Unterschied [vgl. Sorensen / Okata (2011, S.6)]. Als Richtlinie orientiert sich der Begriff in dieser Arbeit, gemäß der Nomenklatur der Vereinten Nationen an einer Einwohnerzahl von 10 Millionen und aufwärts [BMBF (2003, S.3)].

2.2 Nachhaltigkeit

Der Begriff der Nachhaltigkeit, der dieser Arbeit und ihrer Argumentationslogik zugrunde liegt, ist der im Jahre 1987 auf der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung formulierte. Die nach der damaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland benannte Brundtland-Kommision konstituierte:

„Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“

[Hauff (1987, S.46)]

Aus dieser Definition lässt sich sowohl eine inter- wie auch eine intragenerationale Verantwortung ableiten. Die Bedürfnisse einer Region dürfen also einerseits nicht zu Lasten späterer Generationen und andererseits nicht zu Lasten anderer Regionen derselben Generation sicher gestellt werden. Zu dem Begriff „Bedürfnis“ ist an dieser Stelle anzumerken, dass er nicht allein auf seine materielle Bedeutung abzielt. In diesem Kontext ist die Bedürfnisbefriedigung im ökonomischen, ökologischen und sozialen Sinne gemeint [vgl. Richter (2001, S.17)].

3 Implikationen für unser Handeln

Unter einer nachhaltigen Entwicklung ist somit deutlich mehr zu verstehen, als nur ein sparsamer Umgang mit Ressourcen. Obwohl die Reduktion der Ressourcen immanent für eine nachhaltige Entwicklung ist, darf sie nicht auf Kosten des wirtschaftlichen Wachstums gehen. Auch Effizienzsteigerung alleine ist nicht die Lösung des Problems. Eine ganzheitliche Antwort auf diese Problematik beinhaltet sowohl die Angebots-, als auch die Nachfrageseite. Es bedarf einer Effizienzsteigerung in der Herstellung ebenso, wie einer Änderung der Verbrauchsstrukturen und Konsumgewohnheiten [vgl. Breuel (1999, S.12)]. Eine nachhaltige Entwicklung muss alle Aspekte des menschlichen Zusammenlebens berücksichtigen [vgl. Breuel (1999, S.9)].Wenn man diesen Gedanken zu Ende denkt kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass nachhaltiges Handeln immer ein Abwägen zwischen Wertigkeiten verschiedener Güter ist. Das Bedürfnis nach Mobilität, Konsumgütern oder einer warmen Wohnung im Winter auf der einen Seite - saubere Luft, ökologisch intakte Landschaften und sauberes Wasser auf der anderen Seite. Die Schwierigkeit in diesem Abwägungsprozess ist vor allem die Bewertung der Flächen [vgl. Richter / Weise / Biehler (2001, S. 11 )]. Ist ein Park in der Stadt mehr Wert als dringend benötigte Wohnflächen? Ist ein neues Industriegebiet, das Arbeitsplätze schafft, wichtiger für die Bedürfnisbefriedigung als die unangetastete Natur? Weiterhin ist fraglich, ob man den Wert den man der Natur beimisst auf ihre Ressourcen begrenzt und ihre Fähigkeit, Abfälle und Emissionen aufzunehmen, oder darüber hinaus auch ihren Wert, den eine schön anzuschauende Natur hat, in diese Rechung mit aufnimmt [vgl. Renn / Knaus / Kastenholz (1999, S.21)].

Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die Ärmsten dieser Welt, die täglich um ihr Überleben kämpfen, vermutlich nicht den Sinn einer philosophischen und höchst subjektiven Diskussion über das monetäre Äquivalent einer schön anzuschauenden Natur verstehen. Für sie steht die Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse an erster Stelle. Aus diesem Grund können in Entwicklungsländern durchaus Zielkonflikte entstehen, zwischen einem besseren Schutz der Umwelt und einer besseren Versorgung der Bevölkerung [vgl. Renn / Knaus / Kastenholz (1999, S.31)]. Somit gilt für die Industrieländer die Maxime des sogenannten bereinigten Status quo, den es zu erhalten gilt. Das heißt, sie müssen ihr Verhalten so gestalten, dass sich auch zukünftige Generationen ihren aktuellen Lebensstandard noch leisten können. Für die Entwicklungsländer leitet sich aus ihren schlechteren Lebensverhältnissen darüber hinaus ein Recht zur Verbesserung dieser, auch auf kosten der Umwelt, ab [vgl. Renn / Knaus / Kastenholz (1999, S.32)]. In der Vergangenheit waren es die entwickelten Länder, die den Großteil der Emissionen produziert und die meisten Ressourcen verbraucht haben. Deshalb kommt ihnen jetzt, da die Entwicklungsländer ebenfalls einen steigenden Energiebedarf, wachsende Wirtschaften und dadurch höhere Emissionen haben, eine Verantwortung zu. Der Nachhaltigkeitslogik folgend ist es ihre Aufgabe, über Wissenstransfers, sowie technologische und monetäre Unterstützung ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Umweltschutz [Moavenzadeh / Markow, (2007 S.19)].

3.1 Implikationen für Megacities

Aufbauend auf der allgemeinen Definition lassen sich für Megacities drei Säulen der Nachhaltigkeit ableiten: ökologische Tragfähigkeit, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und soziale Teilhabe. [vgl. Richter / Weise / Biehler (2001, S.6)] Es muss also ein Gleichgewicht zwischen menschlichen und natürlichen Systemen bestehen [vgl. BMBF (2003, S.6f].

Wie anfangs bereits angedeutet sind die Probleme der diversen Megacities dieser Welt so unterschiedlich wie die Städte selbst. Aus diesem Grund kann hier auch keine universelle Lösung gegeben werden, die gleichermaßen auf alle Städte anzuwenden ist. Vielmehr bedarf es einer sehr individuellen Analyse der Stärken und Schwächen einer Stadt.

4 Können Megacities nachhaltig sein?

Wenn man die einleitenden Erläuterungen zum Thema „Nachhaltigkeit“ berücksichtigt ist offenkundig, dass diese Frage nicht mit „ja“ oder „nein“ zu beantworten ist. Weiterhin ist offensichtlich, dass die Antwort nicht durch Modelle oder theoretische Überlegungen zu finden ist. Deshalb werden im Folgenden zwei Megacities vorgestellt. An diesen Beispielen soll gezeigt werden, dass das Leben so vieler Menschen auf engstem Raum, eine enorme Herausforderung für eine nachhaltige Stadtentwicklung darstellt. Außerdem wird dargelegt, dass sich Nachhaltigkeit und Megacities nicht ausschließen müssen. Konkrete Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Entwicklung werden vorgestellt. Die Agenda 21 soll hier als Richtschnur gelten.

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Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656225850
ISBN (Buch)
9783656227298
Dateigröße
826 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196485
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim
Note
Schlagworte
nachhaltige entwicklung megacities widerspruch

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