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Die Rezeption des Poetischen Realismus im Film Noir

Insbesondere in Jacques Tourneurs "Cat Poeple" und Tay Garnetts "The Postman Always Rings Twice"

Hausarbeit 2011 30 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 „Poetischer Realismus“ und „Film Noir“
1.1 Poetischer Realismus in Frankreich
1.2 Film Noir in Hollywood

2 Merkmale des Poetischen Realismus
2.1 Inhaltliche Merkmale
2.1.1 Handlungsmotive
2.1.2 Protagonisten
2.1.3 Erzählstruktur
2.1.3.1 Rückblenden
2.1.3.2 Ende
2.2 Visuelle Merkmale

3 Merkmale des Film Noir
3.1 Inhaltliche Merkmale
3.1.1 Handlungsmotive
3.1.1.1 Hinterfragen der Beweggründe
3.1.1.2 Moralische Zwiespältigkeit und der Kampf mit dem Gesetz ...
3.1.1.3 Schauplätze
3.1.1.4 Gewalt
3.1.2 Protagonisten
3.1.2.1 Männliche Protagonisten
3.1.2.2 Weibliche Protagonisten
3.1.3 Erzählstruktur
3.1.3.1 Voice-Over und Rückblenden
3.1.3.2 Ende
3.2 Visuelle Merkmale
3.2.1 Beleuchtung
3.2.2 Kamera
3.2.3 Schatten und Silhouetten

4 Rezeption des Poetischen Realismus im Film Noir
4.1 Jacques Tourneurs „Cat Poeple“
4.1.1 Simone Simon und Jacques Tourneur
4.1.2 Die Unmöglichkeit von Liebe
4.1.3 Atmosphärische Fotografie
4.1.4 Französisch anmutende Nebenfiguren
4.1.5 Negatives Ende. Mord. Tod und Unglück
4.2 Tay Garnetts „The Postman Always Rings Twice“
4.2.1 Ermordung des Ehemannes
4.2.2 Alltagskultur und Dokumentarizität
4.2.3 Milieuzeichnung

5 Rezeption des Deutschen Expressionismus im Film Noir

6 Fazit

Literaturverzeichnis
Sekundärliteratur

Sequenzprotokolle
Sequenzprotokoll: Cat Poeple (USA. 1942)
Sequenzprotokoll: The Postman Always Rings Twice (USA. 1946)

Filmografie

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung

1 Atmosphärische Fotografie I

2 Atmosphärische Fotografie II

3 Schattenwurf des Treppengeländers

Einleitung

Dass dor „Poetische Realismus“ den „Film Noir“ beeinflusst hat. stellt außer Frage und dieser Umstand wird in der Literatur über beide Strömungen häufig erwähnt. Allerdings bleibt es in den meisten Fällen bei der bloßen Erwähnung: es werden keine Beispiele oder Merkmale ge­nannt. an denen die getroffene Aussage festgemacht würde. In dieser Arbeit sollen die Merkmale sowohl der französischen als auch der amerikanischen Filme herausgestellt und anschließend mit Hilfe von jeweils zwei Filmen Jean Renoirs Toni sowie Marcel Carnés Quai des brumes und Jacques Tourneurs Catpeople sowie Tay Garnetts The Postman Always Rings Türke, anhand von ausgewählten Beispielen verglichen werden, um die sichtbare Rezeption des französischen Poetischen Realismus im amerikanischen Film Noir deutlich zu machen.

1.1 Poetischer Realismus in Frankreich

Der Poetische Realismus umfasst eine Reihe von Filmen, die im Frankreich der 30er Jahre ent­standen und nicht in die Kategorie der gewöhnlichen auf kommerziellen Erfolg ausgerichteten Filme gehören, die während des selben Zeitraums produziert wurden. Seine Vertreter lassen sich fast an einer Hand abzählen: René Clair. Jean Renoir. Jean Vigo. Jacques Feyder. Marcel Carné und Julien Duvivier. Jean Vigo und René Clair läuteten den Poetischen Realismus ein1: sie steuerten von 1930 bis 1934 Werke bei2. In der zweiten Hälfte der 30er Jahre kamen Carné und Duvivier dazu, die gemeinsam mit Renoir dem einzigen Regisseur, dessen Werke des Poetischen Realismus sich über den gesamten Zeitraum erstrecken einen neuen Abschnitt des französischen Films begannen:

Ihre Werke kennzeichnet^ eine gemeinsame Grundhaltung, die mit ‘Realismus’ nur un­gefähr umschrieben ist: Bevorzugung der düsteren Seiten des Lebens, Sympathie für die Benachteiligten, Aufmerksamkeit, gegenüber sozialen Problemen, speziell dem Konflikt, zwi­schen Individuum und Gesellschaft., Situierung der Personen in einem spezifischen Milieu.

Einige Filme dieser ‘Schule’, namentlichen die Carnés, offenbarten ein unüberwindliches pessimistisches Lebensgefühl. Wenn die Regisseure der späteren dreißiger Jahre auch auf literarische Traditionen zurückgriffen, namentlich auf die Romantik und den Naturalismus, so spiegelte sich in ihren Filmen doch auch eine Reaktion auf die tiefgreifenden sozialen Konflikte, die im Gefolge der Welt.wirschaft.skrise die inneren Widersprüche der Gesell­schaft. scharf hervortreten ließen. (Gregor 1986:154)

1.2 Film Noir in Hollywood

Für den Film Noir gibt, cs keine einheitliche Definition und auch die Frage danach, ob er ein Genre, eine Strömung, ein Stil oder noch etwas anderes ist, ist. bis heute über 60 Jahre nach der Prägung des Begriffs ungeklärt.3 Auch bezüglich der Eingrenzung der zum Film Noir zäh­lenden Filme scheiden sich deshalb die Geister. Diese Arbeit, bezieht sich in erster Linie auf die strenge Eingrenzung, die ausschließlich US-amerikanische Filme der 40er und frühen 50er Jahre umfasst. Sic entstanden während des zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit, beeinflusst durch die Angst, vor den Bedrohungen des Krieges und seinen Folgen4 sowie den veränderten sozialen Strukturen, die sich insbesondere auf die Rolle der Frau innerhalb der Gesellschaft auswirkten.

Der Film Noir wurzelt sowohl auf amerikanischem als auch auf europäischem Boden: im Gangstcrfilm der 30er Jahre und der sog. hard-boiled school of fiction ebenso wie im deutschen Expressionismus und dem französischen Poetischen Realismus. Die vielen europäischen Aus­wanderer und Exilanten, die sich in den 40er Jahren in Hollywood tummelten, brachten die Erfahrungen und Eindrücke ihres früheren filmischen Schaffens mit nach Amerika, wo sic sich in einer Zeit der Krise mit den amerikanischen Wurzeln des Film Noir zu einem neuen Stil verbanden.5

Dio Merkmale der Filmo dos Poetischen Realismus sind nicht, wie es beim Film Noir der Fall ist. einfach festzulegen, da alle Regisseure der Strömung ihre Eigenheiten besitzen, die Zeit seiner Entstehung in zwei Phasen geteilt werden kann (vgl. Kapitel 1.1) und die Literatur bei weitem nicht so breit gefächert und zahlreich ist wie diejenige über den Film Noir.

2.1 Inhaltliche Merkmale

2.1.1 Handlungsmotive

In den Werken des Poetischen Realismus geht es um den Kampf von Individuen mit der Ge­sellschaft. in den sie auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück geraten.6 Die Gesellschaft besteht aus schlechten Menschen, Kriminellen und Ignoranten, die die guten und nach Indivi­dualismus strebenden Menschen ausgrenzt und von sich abschottet und sie am Erreichen ihres Ziels glücklich zu werden hindern.7 Die Milieuzeichnung spielt, wie später auch im Film Noir (s. Kapitel 3.1.1.3), eine große Rolle.8

2.1.2 Protagonisten

Bei den Protagonisten der Filme des Poetischen Realismus handelt es sich oft um Außensei­ter, die im Konflikt mit der ihnen gegenüberstehenden Gesellschaft Widerstand leisten, der angesichts der Umstände „heroisch, absurd“ ist und aus dem sich das „heroische Leitbild des Außenseiterhelden“ (Gregor 1986:157) ableitet, das in den Filmen Carnés am deutlichsten zu Tage tritt.

2.1.3 Erzählstruktur

2.1.3.1 Rückblenden

Marcel Carnés Le jour se lève ist ein Paradebeispiel für die Verwendung von Rückblenden.9 Sie stellt kein zu verallgemeinerndes Merkmal des Poetischen Realismus dar, sollte aber dennoch nicht außer Acht gelassen werden, da sie sehr wohl im Merkmalskatalog des Film Noir auftaucht (vgl. Kapitel 3.1.3.1).

2.1.3.2 Ende

Das Individuum kann nichts gegen die schlechte Welt und Gesellschaft, in der es sich befindet, ausrichten und verliert daher seinen Kampf im Streben nach Glück. In der Folge gibt es keine glücklichen Gewinner: stattdessen stehen Tod, Unglück und Ungerechtigkeit am Ende der Filme.

2.2 Visuelle Merkmale

Auch die visuellen Merkmale der Filme des Poetischen Realismus unterscheiden sich je nach Regisseur und Entstehungsjahr. Oft hervorgehoben wird die Ästhetik der Filme Carnés, die durch poetische, stilisierte und sehr durchdacht fotografierte Bilder zu Stande kommt. Ini Ge­gensatz zu Jean Renoir drehte Carné seine Filme eher im Studio, was eine vollkommen andere Situation der Belichtung und des Realismus nach sich zieht und zur deutlichen Stilisierung der Filme Carnés geführt hat.

3 Merkmale des Film Noir

Es gibt einen ganzen Katalog von Merkmalen, die auf Film Noirs zutreffen können aber nicht müssen. Er ergibt sich aus in vielen Filmen wiederkehrenden Motiven, Techniken, Charakteren, Strukturen usw.

3.1 Inhaltliche Merkmale

3.1.1 Handlungsmotive

3.1.1.1 Hinterfragen der Beweggründe

Ini Gegensatz zum Gangsterfilm, in dem es um die Aufklrärung von Verbrechen und das Auf­spüren des Täters gellt10, liegt das Hauptaugenmerk im Film Noir auf der Psyche der bekannten Täter. Die Gründe, die die Figuren zu kriminellen Handlungen bewegen, werden hinterfragt. Action und Tempo treten zu diesem Zweck in den Hintergrund: schaffen im Vordergrund Platz für Dialoge, Milieu- und Charakterzeichnung.11

3.1.1.2 Moralische Zwiespältigkeit und der Kampf mit dem Gesetz

Die Hindernisse, die die Protagonisten auf dem Weg zur Erreichung ihrer Ziele überwinden müssen, werden ihnen oft von mit dem Gesetz in Verbindung stehenden Personen wie Gangs­tern, Richtern oder Detektiven in den Weg gestellt. Neben psychischen Barrieren, mit denen die Figuren zu kämpfen haben, stehen ihnen auch Gerichtsverfahren, Festnahmen oder sonsti­ge rechtliche Probleme entgegen. Der Film Noir zeichnet sich durch verschwommene Grenzen zwischen Gut und Böse sowie einen immerwährenden moralischen Zwiespalt aus.12

3.1.1.3 Schauplätze

Der Film Noir spielt häufig in einer Großstadt, in der seine Figuren gefangen sind. Es werden nicht die freundlichen und einladenden Alleen und Plätze der Stadt gezeigt, sondern dürste- re Orte wie Hotelzimmer, heruntergekommene Bars oder schmale Seitenstraßen, die den auf sich gestellten Individuen entgegenstehen und die ständige Bedrohung verallgegenwärtigen er­scheinen lassen. Die Protagonisten halten sich weniger tagsüber und bei Sonnenschein an den Schauplätzen auf, als nachts in Regen oder Nebel. Tageszeit und Wetterlage verbinden sich mit der grundsätzlich schwarzen Stimmung der Filme zu „jenefr] dem film noir [Hervorhebung im Original] eigenefn] dunklefn] und fatalistischefn] Stimmung, die durch Zynismus, Pessimismus, moralische Ambiguität, Hoffnungslosigkeit und Desillusioniertheit geprägt ist:'13 und die Figu­ren in engen Korridoren, schäbigen Büros oder dunklen Gassen umgibt. Hinzu kommen Orte, die durch ihren hohen Grad an Unwirklichkeit oder Surrealismus die Handlung intensivieren, den Figuren ein Gefühl von Sicherheit verwehren und die Spannung steigern.14

3.1.1.4 Gewalt

Gewalt wird im Film Noir in einer Art und Weise dargestellt, die es vorher nicht üblich war, was die Zuschauer in den Anfängen zutiefst schockierte.15 Sie ist ein charakteristisches Element des Film Noir.

3.1.2 Protagonisten

3.1.2.1 Männliche Protagonisten

Der typische Mann im Film Noir befindet sich in einer Welt ohne Vertrauen und Rückhalt. Er ist unzufrieden mit seinem Leben oder seiner Situation und deshalb auf der Snelle nach etwas, das er seiner Ansicht nach benötigt, nm ans seiner Unzufriedenheit ansznbrechen. Dies kann z.B. das schnelle Geld, die Gefahr oder die Affäre mit einer begehrenswerten Frau sein, wo­bei der Protagonist nicht selten deren dunkle Seite übersieht. Die bedrohliche Atmosphäre des Film Noir und die omnipräsente Gefahr hintergangen zu werden zerstören oft die Beziehungen zwischen den Protagonisten. Die Düsterkeit seiner Umgebung schlägt sich auf den Charakter des Mannes nieder und verhindert das Erreichen seiner Ziele treibt ihn in den Ruin oder in den Tod.16

Der tough guy entgeht diesem Schicksal häufig durch seine positivere Grundhaltung. Er stützt sich auf seine eigenen Prinzipien, die auf moralisch unfragwürdigerom Boden fußen als die seines negativ denkenden Pendants und teils romantisch motiviert sind. Er ist dazu geneigt am klassischen patriarchischen Männer- und Weltbild festzuhalten.17

3.1.2.2 Weibliche Protagonisten

Anfang der 40er Jahre veränderte der Zweite Weltkrieg die Stellung der Frau grundlegend. In Abwesenheit der in Europa und Asien stationierten Männer gewannen sie in allen Bereichen des Lebens an Wichtigkeit. Dieser Bruch mit den bis dahin patriarchischen Strukturen der ameri­kanischen Gesellschaft wurde im Film Noir verarbeitet. Die darin auftauchenden Frauen sind unabhängig und stark und stellen für die Männer allen voran den männlichen Protagonisten gleichzeitig Verlockung und Gefahr dar.18 So entstand mit der femme fatale ein neues Frauen­bild. das sich durch Unabhängigkeit auf beruflicher, sozialer und sexueller Ebene auszeichnete und zu einem Leitmotiv feministischer Bewegungen wurde. Von Kameraführung und -position hervorgehoben, dient ihre sexuelle Anziehungskraft der Frau zur Durchsetzung ihrer Ziele19 und stellt sie teilweise auf eine höhere Stufe als den Mann, den sie oft durch ihr Verhalten in den Ruin stürzt20. Doch auch wenn Frauen dieses Schlages während des Films die Ängste des Mannes vor einem gesellschaftlichen Umbruch, in dem er an Bedeutung verliert, verkörpern, enden die meisten Filme mit ihrem Fall: d.h. sie werden in das alte, häusliche und harmlose, Frauenbild zurückgedrängt.21

Der femme fatale entgegengestellt ist die Verkörperung der idealtypischen liebenden und Zuflucht und Geborgenheit schenkenden Frau durch die nurturing woman. Im Gegensatz zur femme fatale, der man nicht ansieht, dass sie böse ist, wirkt die nurturing woman in manchen Fällen erst böse, bevor sie sich als gut entpuppt beide Archetypen haben also eine gewisse Ambiguität irme. Während sich die femme fatale zu düsteren Plätzen hingezogen fühlt, bevor­zugt. die nurturing woman den Aufenthalt außerhalb dieser, ihr Angst machenden, bedrohlichen Orte. Insgesamt hat sich eine Tendenz herauskristallisiert, nach der die nurturing woman oft blond, die femme fatal hingegen dunkelhaarig ist.22

3.1.3 Erzählstruktur

3.1.3.1 Voice-Over und Rückblenden

Die Zeit spielt im Film Noir, der sich gegen vorherrschende narrative Strukturen auflehnte, eine wichtige Rolle. Die Geschichte wird oft nicht chronologisch und nicht nur von der Kamera erzählt, sondern von dem sich im Jetzt befindlichen Protagonisten. Sie besteht daher aus Rück­blenden, die die Erinnerungen der Hauptfigur aus gegenwärtiger Sicht schildern. Häufig werden die Bilder durch die Erzählung der entsprechenden Person in Form eines Voice-Overs ergänzt, das die subjektive Sicht auf die Geschehnisse unterstreicht und Intensität schafft.23

3.1.3.2 Ende

Statt eines Happy Ends erwarten die Figuren des Film Noir am Ende der Geschichte Tod, Un­glück und Verderben. Ihre individuellen (amerikanischen) Träume sind zum Scheitern verurteilt und der Sieg des Individuums über die dunkle und korrupte Gesellschaft, die ihn umgibt, ist un­möglich.24 Nicht zuletzt, weil sein Umfeld die Figur zu kriminellen Handlungen im Extremfall zu Mord bewegt hat, für die er sich letztendlich verantworten muss.25

3.2 Visuelle Merkmale

3.2.1 Beleuchtung

Die low-key-Beleuchtung wurde zu einem der Markenzeichen des Film Noir. Durch die spärli­che Beleuchtung entstehen Schattenwelten, die nicht von Licht dominiert werden. Durch die Po­sitionierung von Lichtquellen an ungewöhnlichen Orten, wie z.B. in Bodennähe, wirken Schau­plätze und Figuren unwirklicher oder bedrohlicher.26

3.2.2 Kamera

Die Kamera befindet sich in der Regel nicht auf Augenhöhe mit den Figuren, sondern nimmt stattdessen Auf- und Untersichten ein. Schnittfolge und Kamerabewegung weisen ein niedri­geres Tempo auf als der konventionelle Hollywood-Film. Weitwinkelobjektive bieten eine im Vergleich zum menschlichen Auge unnatürliche Sicht.27 Um die klaustrophobische Atmosphä­re zu verdeutlichen, stößt die Kamera oft an die Grenzen des Schauplatzes. So schaffen Möbel, Wände, Personen o.ä. an den Bildrändern oft einen zusätzlichen Rahmen.28

3.2.3 Schatten und Silhouetten

Ini Film Noir spielen Schatten eine wichtige Rolle. Als Vorboten des Unglücks und des To­des legen sie sich oft über die Figuren und lassen so ihr Schicksal vorausahnen. Sie werden typischerweise von Gegenständen wie Treppengeländern oder Jalousien geworfen und bringen Unruhe und Bedrohung ins Bild. Die Schatten bilden Diagonalen oder verzerrte Linien, die das Bild auseinanderreißen und den seelischen Zustand der Protagonisten reflektieren.29 Die Figuren werden in der Noir-Welt aus Licht und Schatten oftmals zu Silhouetten, die ihnen ihre Individualität nehmen und sie zu Schemen degradieren.30

Sowohl der Poetische Realismus als auch der Film Noir entstanden in schweren Zeiten: der Poetische Realismus unter den Folgen des Schwarzen Freitags in Frankrech und der Film Noir während des zweiten Weltkriegs, der innerhalb der Vereinigten Staaten einen gesellschaftlichen Umbruch mit sich brachte. Beide Strömungen verfolgten das Ziel, ein ungeschöntes Weltbild zu vermitteln, in dem die Problematiken ihrer Zeit zum Tragen kommen und somit scharfe Sozialkritik geübt wird. Hieraus entstanden düstere Filme ohne das gewohnte und bisweilen erwartete Happy End. deren Inhalt in Kontrast zu ihrer künstlerischen und stilisierten bildli­chen Umsetzung stand31. Der Anspruch künstlerisch Wertvolles nach den eigenen Vorstellungen zu schaffen drängte in beiden Fällen das Streben nach Publikumserfolg in den Hintergrund32.33

Inwieweit die Rezeption des Poetischen Realismus in den beiden Noir-Filmen Cat Poeple und The Postman Always Rings Twice, sichtbar wird insbesondere in Bezug auf die französischen Filme Toni und Quai des brumes soll im Folgenden jeweils an einigen Punkten exemplarisch näher ausgeführt werden.

4.1 Jacques Tourneurs „Cat Poeple“

4.1.1 Simone Simon und Jacques Tourneur

Das Mitwirken Simone Simons an Jacques Tourneurs Film Noir stellt eine andere Art von Parallele keine inhaltliche oder stilistische, sondern eine personenbezogene dar. Simone Simon gehörte zu den bekanntesten Schauspielerinnen des Poetischen Realismus34 und auch wenn Jacques Tourneur nicht zu den Regisseuren dieser Strömung zählt und bereits 1914 in die USA kam. ist es trotzdem naheliegend davon auszugehen, dass er filmische Eindrücke der Produktionen seines Heimatlandes in seinen eigenen Werken verarbeitete.

4.1.2 Die Unmöglichkeit von Liebe

In allen vier Filmen den französischen wie auch den amerikanischen ist die Liebe zwischen den Hauptpersonen zum Scheitern verurteilt. „Das Thema der unmöglichen Liebe, das so viele Filme der dreißiger Jahre beschäftigte“ (Gregor 1986:178) wurde also im amerikanischen Kino des nächsten Jahrzehnts ebenfalls aufgegriffen und verarbeitet, wobei sich in allen Filmen die Profanisierung von Liebe und Beziehung deutlich zeigt. So will bspw. Toni in Renoirs Werk sein Leben mit Josepha verbringen, obwohl sie sich kaum kennen und in Tourneurs Catpoeple heiraten Oliver und Irena ohne sich jemals geküsst oder über ihre jeweilige Vorstellung von Liebe gesprochen zu haben.

[...]


1 vgl. Sadoul (1962:60)

2 1934 verstarb Jean Vigo und René Clair setzte seine Arbeit in den USA fort

3 Vgl. z.B. Overheid (2006:llf)

4 s. Biesen (2005:3)

5 vgl. z.B. Seilmann (2001:27if)

6. Gregor (1986:155)

7 s. Gregor (1986:1551)

8 vgl. Gregor (1986:154)

9 Hs. Gregor (1986:157)

10 wird als whodunit (Kurzform von „Who has dono it?“) bezeichnet und liegt typischer weise Kriminal- und Detektivgeschichten sowohl in der Literatur als auch im Film zu Grunde

11 vgl. Seilmann (2001:38)

12 vgl. Schulze (2002:13)

13 1:1 Seilmann (2001:34)

14 vgl. Seilmann (2001:3511)

15 s. Seilmann (2001:381)

16 (is. Schulze (2002:10f)

17 vgl. (Schulze 2002:11)

18 s. Overheid (2006:330

19 “vgl. Schulze (2002:11)

20 us. Sollmann (2001:34)

21 vgl. Overheid (2006:34)

22 s. Schulze (2002:12); natürlich trifft dies nicht auf alle Filme (aber z.B. auf Tourneurs Calpoeple) zu etwa in Garnetts The Postman Always Rings Twice findet sieh mit Cora eine blonde femme fatale.

23 2:1 vgl. Sollmann (2001:39)

24 s. Sollmann (2001:39f)

25 vgl. Sollmann (2001:38)

26 (is. Sollmann (2001:43)

27 vgl. Sollmann (2001:441)

28 s. Ovorhoid (2006:41)

29 s. Sollmann (2001:44)

30:luvg. Ovorhoid (2006:40)

31 vgl. Gregor (1986:157)

32,fizum Poetischen Realismus vgl. Gregor (1986:146)

33 “sowohl in Frankreich als auch in den USA kamen die Filme (natürlich nicht ausnahmslos, aber größtenteils) gut beim Publikum an. was in den USA zu einem rapiden Ansteig der Produktion von Film Noirs führte (vgl. Steinbauer-Grötsch (2000:17)). die auf den kommerziellen Erfolg ausgelegt waren. Diese Filme sollen an dieser Stelle jedoch unberücksichtigt bleiben, da die untersuchten Filme aus den Anfängen des Film Noir stammen,

34 “vgl. Sadoul (1962); der bekannteste Schauspieler war Jean Gabin.

Details

Seiten
30
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656224549
ISBN (Buch)
9783656225515
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196428
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
2,3
Schlagworte
rezeption poetischen realismus film noir jacques tourneurs poeple garnetts postman always rings twice

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