Lade Inhalt...

Eine Betrachtung des Themas Globalisierung aus der Perspektive des Films "Babel"

Seminararbeit 2008 18 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Einleitung

III. Globalisierung
1. Begrifflichkeit
2. Kulturelle Auswirkungen
3. Vorteile und Nachteile von Globalisierung

IV. Globalisierung und kulturelle Differenzen im Film ‚Babel’
1. Allgemeines
2. Die Grenze zwischen Mexiko und den USA
2.1. Inhalt
2.2. Das Problem der illegalen Einwanderer
2.3. Globalisierung und kulturelle Differenzen
3. Die Geschehnisse in Marokko
3.1.Inhalt
3.2. Internationaler Terrorismus
3.3. Terrorismus und Globalisierung im Film ‚ Babel ’
3.4. Hilflosigkeit und kulturelle Differenzen

V. Schluss

VI. Literaturverzeichnis

II. Einleitung

Der Terminus Globalisierung ist ein in der heutigen Zeit viel beachtetes und häufig diskutiertes Thema. Im Zeitalter des Internets und der weltweiten Vernetzung der Medien, bleibt nahezu kein Ereignis unentdeckt und unbeobachtet. Jeder Einzelne hat die Möglichkeit, sich innerhalb kürzester Zeit über Fernsehen, Printmedien und Onlinenachrichten über die verschiedenen Geschehnisse in der Welt zu informieren. Doch Globalisierung wird von vielen Beobachtern auch mit negativen Attributen belegt. Viele sehen durch die Möglichkeit der globalen Vernetzung auch eine Viel- zahl von Problemfeldern gegeben, wenn sie beispielsweise davon überzeugt sind, dass „die industriell hoch entwickelten Länder profitieren und die weniger entwickel- ten marginalisiert werden(…).“ 1

Auch ohne sich zunächst näher mit der Thematik auseinanderzusetzen, oder den Versuch einer vernünftigen Definition auszuarbeiten stellt man hier schnell fest, dass Globalisierung immer zwei verschiedene Seiten der Medaille präsentiert, die man auch beide mit der gleichen Intensität betrachten muss.

Beschäftigt man sich nun mit dem 2006 erschienenen Film ‚Babel’ des mexikani- schen Regisseurs Alejandro Gonzáles Iñárritu, dann wird man nicht darum herum kommen, sich auch das Thema Globalisierung und kultureller Differenz vor Augen zu halten.

Im Folgenden möchte ich nun versuchen, den Film ‚Babel’ unter der Berücksichti- gung des Terminus Globalisierung ein wenig näher darzustellen. Dabei soll zunächst ein knapper Überblick über den Begriff Globalisierung und seine Auswirkungen ge- geben werden. Dabei soll der Schwerpunkt auf eine Begriffsbestimmung sowie un- terschiedliche Auffassungen darüber und die positiven und negativen Aspekte von Globalisierung gelegt werden.

Im weiteren Verlauf soll dann versucht werden, den Begriff aus der Perspektive des Filmes ‚Babel’ darzustellen, wobei die Handlungen in Marokko, den USA und Me- xiko vordergründig betrachtet werden. Dabei werden auch die im Film angedeuteten Themen Terrorismus und illegale Einwanderung unter dem Aspekt Globalisierung erörtert.

III. Globalisierung

1. Begrifflichkeit

Der Terminus Globalisierung ist ein im alltäglichen Sprachgebrauch häufig ange- wandter Begriff, der in vielen verschiedenen Zusammenhängen gebraucht wird. Al- lerdings muss hier die Frage gestellt werden, was man sich unter diesem Begriff vor- stellt bzw. wie man ihn definiert. Zugegebenermaßen wird hier vermutlich keine konkrete Antwort zu erwarten sein, da sich Globalisierung, wie bereits erwähnt, auf die unterschiedlichsten Bereiche weltweiter Prozesse beziehen kann. „Bedingt durch die breite Verwendungspraxis ist der Begriff nicht einheitlich zu definieren, zumal der Globalisierungsgrad in den verschiedenen Bereichen der Internationalisierung höchst unterschiedlich ist.“ 2

Das Bestreben nach einer gängigen, allgemeingültigen Definition gestaltet sich somit als eher schwierig. Ein Versuch, Globalisierung zu definieren, könnte allerdings in etwa so aussehen:

„Zunahme der Intensität und Reichweite grenzüberschreitender Austausch- und Interaktionsbeziehungen, wie wirtschaftliche Transaktion, kulturelle und informatielle Austauschprozesse oder grenzüberschreitender Austausch von Schadstoffen.“ 3

Mit einer solchen Definition wird zumindest eine grobe Struktur erkennbar und man kann sich vorstellen, in welchen Bereichen die Verwendung des Begriffes sinnvoll ist. Darin wären wirtschaftliche, politische und kulturelle Bereiche ebenso zu subsumieren, wie auch Kommunikation und Wissen.

„Jedoch umfasst der Globalisierungsbegriff mittlerweile auch andere, nicht nur posi- tive Entwicklungen, wie z.B. eine beschleunigte Modernisierung, das Zusammen- wachsen des Weltmarkts, den unabwendbaren Klimawandel, das Problem der Res- sourcenknappheit, das sich ausbreitende weltweite Kommunikationsnetz, die asym- metrische Produktion von Wissen und Gütern, organisierte Kriminalität, Drogen-, Waffen- und Menschenhandel oder auch Krieg, Terrorismus und Migration.“ 4 Hier wird man recht deutlich auf Kehrseite der Medaille gestoßen.

„Was lokal an einem beliebigen Ort der Welt passiert, kann unmittelbare Bedeutung für die jeweilige Region, das Land, den Globus gewinnen, wird weltweit zumindest gleichzeitig wahrgenommen und auf diesen räumlichen Ebenen unter Prüfung möglicher weiträumiger Auswirkungen beobachten und bewertet.“ 5 Dies ist sowohl in positiver, als auch in negativer Hinsicht zu verstehen und man sollte nicht vergessen, dass eine solche Beobachtung und Bewertung samt den gesellschaftlichen Auswirkungen unterschiedlich interpretiert werden kann und wird.

2. Kulturelle Auswirkungen

Ein großes Problem kann Globalisierung im Bereich der Kulturen darstellen, denn aus „kultureller Sicht erweist sich Globalisierung als hochgradig dialektisch.“ 6 Wür- de sich Globalisierung nur auf dem Sektor der Ökonomie bewegen, wie es ja auch zu Beginn der Begriffsentwicklung gedacht war, dann wäre es möglich, ihn anhand von verschiedenen Indikatoren greifbar zu machen. Hier kann mit empirischen Mitteln gearbeitet und gemessen werden. Kulturelle Auswirkungen aber lassen sich nicht mit diesen Mitteln erfassen und sind auf Grund der unterschiedlichen Entwicklungen des Globalisierungsprozesses äußerst kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite finden sich Befürworter, die sich in einer Art Aufbruchsstimmung befinden, auf der anderen Seite jedoch gibt es genauso viele Gegner, die dem rasenden Fortschritt mit Unbeha- gen entgegenstehen. „Einigkeit herrscht lediglich dahingehend, dass die neuen Kommunikations- und Informationssysteme die unterschiedlichen Kulturen nicht unbeeinflusst lassen.“ 7

Allein schon die Tatsache, dass durch immer weiter zunehmende Mobilität in Form von Autos oder Flugzeugen, oder Kommunikationsmöglichkeiten wie Internet und Medien eine Vermischung von verschiedenen Kulturen ermöglicht wird, ja zum Teil schon vorhanden ist, erschwert den Umstand, kulturelle Auswirkungen konkret und definierbar zu machen. Versucht man daher, sich auf einen möglichst kleinen, gemeinsamen Nenner zu verständigen, dann wäre es von Vorteil, zwischen einer westlich geprägten Welt und Entwicklungsländern zu unterscheiden, um zumindest theoretische Aspekte einer kulturellen Auswirkung zu zeigen. Dabei wäre der westlich orientierten Welt die Rolle der Befürworter, den Entwicklungsländern die der Globalisierungsgegner zuzuschreiben.

Dabei wird bei den Befürwortern „der zunehmende kulturelle Austausch als Berei- cherung empfunden, gleichgültig, ob er in anderen, vergleichbar entwickelten Ge- sellschaften oder in der übrigen Welt seinen Ursprung hat.“ 8 Der hier positiv bewer- tete Aspekt umfasst die Möglichkeit, sich beispielsweise in allen Bereichen der Kunst und Kultur, Filmen, Musik und Literatur ohne Hindernisse frei bewegen zu können. Durch die globale Vernetzung wird beispielsweise eine Vielfalt von kultu- rellen Angeboten ermöglicht, auf das der interessierte Rezipient beliebig oft zugrei- fen kann. Dadurch werden aber auch weitere Möglichkeiten eröffnet, „Stilmischun- gen kommen zustande, sei es in Form einer Hybridisierung, von cross-overs oder ähnlichen Durchmengungen.“ 9 Dadurch wird so etwas wie ein einheitlicher Stil vor- gegeben, der zur Entstehung einer universellen Kultur beitragen kann und soll. 10

Ein in der Literatur immer wieder anzutreffendes Schlagwort hierbei ist das der ‚Amerikanisierung’, bzw. ‚McDonaldisierung’. „Durch die gestiegene Mobilität, die Verbreitung von Massenkommunikationsmedien, die weltweite Anziehungskraft des westlichen Wohlstandsmodells und die Standardisierung von Produkten entstünde ein neu begründetes globales Bewusstsein.“ 11 Diesem Eindruck kann man sich als aktiv teilnehmender Bürger des täglichen Lebens gar nicht entziehen. An beinahe jeder Straßenecke finden sich weltweit operierende Wirtschaftsunternehmen, Tages- zeitungen können in den entferntesten Ländern bezogen werden, das Internet und die Medien machen die Welt zu einer Art Dorf, in dem einem nichts mehr verborgen bleibt, weil es nicht verborgen bleiben kann. Und mittlerweile ist der größte Teil un- serer Gesellschaft in dieser Welt zu Hause und kann sich vermutlich gar nicht vor- stellen, ohne diese Möglichkeiten zu leben. „Globalisierung ist nur ein neues Wort für einen schon lange währenden Vorgang: die räumliche Ausbreitung der kapitalistischen Wirtschaftsweise bis an den Rand der Welt. Der Prozeß der Globalisierung ist im Trend und irreversibel.“ 12

Aber „die weltweite Verbreitung von Fast Food und Jeans kann auch anders bewertet werden. Die Ausweitung westlicher Standards bedeutet längst nicht die Ausweitung westlicher Werte (…).“ 13 Betrachtet man dabei zum Beispiel die Ereignisse des 11. September, dann ist eine Schlussfolgerung, dass „kulturelle Zugehörigkeiten einen immer höheren Stellenwert erlangen.“ 14 Gerade weil es durch den nicht mehr aufzu- haltenden Vormarsch der Globalisierung immer schwieriger wird, eine Grenze zwi- schen eigener und fremder Kultur zu ziehen, wird es vielen, die sich einer Fremdbe- stimmung ausgesetzt fühlen immer wichtiger, wieder zu ihren eigenen Wurzeln zu- rückzukehren.

Sicherlich wäre es vermessen zu behaupten, dass Globalisierung, bzw. Reaktionen darauf Schuld an den Terroranschlägen des 11. September bzw. der neuen Form des weltweiten Terrorismus hätten. Allerdings darf meiner Meinung nach auch nicht ver- nachlässigt werden, dass dies ein Punkt ist, der in dieser Entwicklung eine gewisse Rolle spielt. „Die Globalisierung ist weit mehr als ein bloß wirtschaftlicher Vorgang. Weder Umweltschäden noch die organisierte Kriminalität (…) und eben auch nicht der Terrorismus respektieren staatliche Grenzen.“ 15 Es ist durchaus anzunehmen, dass dies Antworten und Reaktionen auf die westliche Welt seine können und ver- mutlich auch sind. In den Entwicklungsgesellschaften der Welt wird oft „der kultu- relle Außeneinfluss, der aus ökonomisch, technologisch und medienwirksam überle- generen OECD-Welt stammt, als ein direkter Angriff auf die eigene (meist brüchig gewordene) Identität begriffen.“ 16

[...]


1 Belwe, Katharina: Editorial. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Globalisierung und kulturelle Differenz, Bonn, 2002, S. 2.

2 Nohlen, Dieter: Globalisierung. In: Nohlen, Dieter / Grotz, Florian (Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik. 4. Auflage, Verlag C.H. Beck, München, 2001, S. 198.

3 Schulze-Engler, Frank: McDonald´s und die fremden Völker: Kulturwissenschaftliche Perspektiven zur Globalisierungsdebatte. In: Peripherie: Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt, Nr. 69/70. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster, 1998, S. 187.

4 Nohlen, Dieter: Globalisierung, S. 198f..

5 Ebd., S. 198.

6 Sucharewicz, Charme Ina: Eine kritische Betrachtung der kulturellen Auswirkungen der Globalisie- rung. gefunden auf: www.weltpolitik.net/print/1751.html, S. 4.

7 Ebd., S. 1.

8 Senghaas, Dieter: Kulturelle Globalisierung - ihre Kontexte, ihre Varianten. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Globalisierung und kulturelle Differenz, Bonn, 2002, S. 10.

9 Ebd., S. 10.

10 Vgl. Schwengel, Hermann: Globalisierung mit europäischem Gesicht. Der Kampf um die politische Form der Zukunft. Aufbau Verlag, Berlin, 1999, S. 33f..

11 Sucharewicz, Charme Ina: Eine kritische Betrachtung der kulturellen Auswirkungen der Globalisie- rung, S. 2.

12 Schwengel, Hermann: Globalisierung mit europäischem Gesicht, S. 59.

13 Sucharewicz, Charme Ina: Eine kritische Betrachtung der kulturellen Auswirkungen der Globalisie- rung, S. 2.

14 Ebd., S. 2.

15 Höffe, Otfried: Aufbruch zur politischen Globalisierung: Westliche oder universale Werte? In: Hopt, Klaus J. / Kantzenbach, Erhard / Straubhaar, Thomas (Hrsg.): Herausforderungen der Globalisierung. Vandenhoeck & Rupprecht, Göttingen, 2003, S. 95.

16 Senghaas, Dieter: Kulturelle Globalisierung - ihre Kontexte, ihre Varianten, S. 11.

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656222873
ISBN (Buch)
9783656224266
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196294
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Politische Wissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
eine betrachtung themas globalisierung perspektive films babel

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Eine Betrachtung des Themas Globalisierung aus der Perspektive des Films "Babel"