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Gesundheitspolitik im internationalen Vergleich

Determinanten der Gesundheit und Krankheit - National Health Accounts

Essay 2011 18 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Determinanten der Gesundheit und Krankheit
1.1 Armut und soziale Ausgrenzung
1.2 Qualität der Wohnverhältnisse
1.3 Kindliche Lebenswelten
1.4 Gesundheitspolitische Ansätze
1.5 Zusammenfassung

2 Literatur

3 Anhang

4 Health Accounts am Beispiel: Deutschland und Indien
4.1 Die Gesundheitsquote
4.2 Die privaten Gesundheitsausgaben
4.3 Direktzahlungen (oop´s)
4.4 Die öffentlichen Gesundheitsausgaben
4.5 Anteil der Sozialversicherungsausgaben an den öffentlichen Gesundheitsausgaben 12
4.6 Anteil der öffentlichen Gesundheitsausgaben an den gesamten staatlichen Ausgaben

5 Literatur

6 Anhang

1 Determinanten der Gesundheit und Krankheit

Der Einfluss gesellschaftlicher Faktoren auf Gesundheit und Krankheit (soziale Determinanten) wird in der wissenschaftlichen Literatur in verschiedenen Systematiken beschrieben. Grundlegend wird eine Determinante als Einflussgröße, die unabhängige Variable, die mit einer Zielgröße, der abhängigen Variable, assoziiert ist, betrachtet (Haisch, Weitkunat & Widner 1999). Bedeutsam für das Verständnis der hier vorliegenden Recherche sind die folgenden Erklärungsansätze.

Whitehead und Dahlgren (1993) beschreiben das Regenbogen-Modell in einem 4 Ebenen-Konstrukt. Kickbusch (2003) bezieht sich auf den Forschungsstand von Marmot und Wilkinson zu Gesundheitsdeterminanten, „Social Determinants of Health“. Hurrelmann (2010) systematisiert für den Gesundheits- und Krankenzustand einer Bevölkerung 3 übergeordnete Bereiche, personale, soziale sowie Strukturen des Gesundheitssystems. Determinanten von Gesundheit und Krankheit müssen im Kontext einer breiten sozialen Entwicklung verstanden werden (Kickbusch 2003).

Im Folgenden wird auf die sozialen Determinanten Armut und soziale Ausgrenzung, Wohnverhältnisse sowie auf deren Einfluss auf die frühkindliche Entwicklung (Kindergesundheit) eingegangen.

1.1 Armut und soziale Ausgrenzung

Armut und soziale Ausgrenzung bedingen die sozioökonomische Struktur und daraus resultierend die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung.

Arme Menschen sind häufiger krank, leben ungesünder, haben einen schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung und sterben früher (Belwe 2007). Die horizontale Betrachtung der Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Ungleichheit umfasst beispielsweise die Unterschiede nach Geschlecht, Nationalität (Migration) und Familienstand. Die vertikale Vorstellung verweist auf sozioökonomische Unterschiede wie z.B. höchster Schulabschluss, Einkommensarmut, berufliche Stellung und Tätigkeit (Holst 2010). Eine Kausalität lässt sich zwischen der Armut der unteren sozialen Schichten und einem geringem Bildungsstand, geringem Selbstbewusstsein, falscher Ernährung und erhöhtem Drogenkonsum ableiten. Daraus folgen, je größer die sozialen Unterschiede sind, umso wichtiger sind die sozialen und die persönlichen Ressourcen (Steinbach 2007). Somit ist das Verhältnis zwischen Belastung und Ressourcen (informelle Beziehungsnetzwerke, Geld, Wissen, Prestige, kommunikative Kompetenz) ausschlaggebend dafür, ob sich Gesundheit oder Krankheit einstellen.

1.2 Qualität der Wohnverhältnisse

Die Verbindung der Qualität der Wohnverhältnisse mit einer niedrigen sozialen Schicht führt zu einer sozialen Ungleichheit von Gesundheit. Sozial schlechter gestellte Menschen leben oft auf engstem Raum, gehen einer belastenden Arbeit nach, wohnen erfahrungsgemäß in nicht bevorzugter Wohnlage – dadurch sind sie einer zusätzlichen Umweltbelastung ausgesetzt (Steinbach 2007).

Die Verbesserung des sozialen Kapitals, der Wohnverhältnisse und der Lebensverhältnisse durch die Beeinflussung des sozialen Umfeldes führt zur Stärkung der Gesundheitsressourcen.

Andererseits kommt es zur Risikosteigerung für gesundheitsschädliches Verhalten, chronischem Distress, KHK, Depression und daraus resultierend zur Steigerung der Morbidität und Mortalität. Die „gesunde“ Lebenserwartung steigt mit der sozialen Schicht (Holst 2010).

1.3 Kindliche Lebenswelten

Ein Beleg für die Auswirkungen der oben genannten sozialen Determinanten stellt die repräsentative Betrachtung kindlicher Lebenswelten im Sinne der Kindergesundheit in Deutschland dar (KiGGS 2007).

Der Sozialstatus ist ein deutlicher Beleg für die Bewältigung kindlicher Entwicklungsaufgaben. Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus, mit Migrationshintergrund und Kinder, deren Mütter ebenfalls übergewichtig sind, haben ein höheres Risiko für Übergewicht und Adipositas (Kurth & Schaffrath Rosario 2007). 4 % der Kinder mit hohem Sozialstatus haben Sprachentwicklungsstörungen gegenüber 17 % der Kinder mit niedrigem Sozialstatus. In einem allgemein schlechten Zustand befinden sich 16 % der sozial schwachen Kinder gegenüber 1 % der Kinder mit höherem Sozialstatus (Böggering 2005). In zahlreichen Untersuchungen kindlicher Lebenswelten wurden Zusammenhänge der Familie und der Gesundheit als auch zwischen Bildung, Einkommen, Berufstätigkeit der Eltern und der Fehlgeburten sowie der Säuglingssterblichkeit dargestellt (Steinbach 2007).

1.4 Gesundheitspolitische Ansätze

Ein gesundheitspolitischer Ansatz zur Verringerung gesundheitsschädigender Auswirkungen der sozialen Determinanten ist eine Aufgabe gesundheitsfördernder Gesamtpolitik. Daraus folgt, dass auf allen Ebenen und Sektoren von Politik und Gesellschaft Gesundheit vor allem ein frühzeitig angedachter Schwerpunkt sein muss (vgl. Modellprojekte der Bundesländer zu Familienhebammen).

Gesetzesinitiativen und steuerliche Maßnahmen gehören genauso zur gesundheitsfördernden Gesamtpolitik, wie organisatorische und strukturelle Veränderungen. Unterschiedliche gesellschaftliche und politische Ebenen sind gefordert, im Sinn einer gesundheitsfördernden Politik zusammenzuarbeiten (fgoe 2010).

Gesundheitspolitik, die sich am Ziel „Gesundheit für Alle“ orientiert, muss sich um die Verringerung „sozialer Gradienten“ bemühen und nicht nur um die Bewältigung ihrer gesundheitlichen Folgen bei den Ärmsten (Wulf 2010). Eine ganz entscheidende Erkenntnis besteht darin, …„dass Gesundheit primär im Alltag – und nicht im Gesundheitswesen - hergestellt wird“ (Waller 2006).

1.5 Zusammenfassung

Soziale Determinanten von Gesundheit und Krankheit sind eng miteinander verwoben und überschneiden sich vielfältig. Für die Gesunderhaltung und die Gesundheitsförderung bedeutet dies, dass die Systemgestaltung der Politikfelder (Verkehr-, Umwelt-, Arbeits-, Sozial-, Kommunalpolitik, etc.) in unserem Alltag weitaus wichtigere Einflussbereiche sind, als das Gesundheitswesen selbst (Waller 2006).

Ohne Politik sind sozialen Determinanten von Krankheit nicht heilbar. Politische Entscheidungen müssen im Hinblick auf ihre Konsequenzen auf die Gesundheit der Menschen beleuchtet werden. In allen Politiksektoren müssen Entscheidungsträger sich dessen bewusst sein, dass sie einen großen Teil der sozialen Verantwortung für Gesundheit tragen.

Steuerliche Maßnahmen und Gesetzesinitiativen gehören ebenso zur präventiven gesundheitsfördernden Gesamtpolitik, wie strukturelle organisatorische Veränderungen.

Laut WHO (2008) sehen die gesundheitspolitischen Empfehlungen, der Commission on social Determinants of Health, folgende Ansätze: Verbesserung der alltäglichen Lebensbedingungen, Ungleichheit und ungerechtfertigte Verteilung von Macht, Geld und Ressourcen in Angriff nehmen, Probleme messen und verstehen und die Wirksamkeit der Aktion bewerten (WHO 2008).

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Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656226680
ISBN (Buch)
9783656226932
Dateigröße
871 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196247
Institution / Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg – Sozial- und Gesundheitswesen
Note
2
Schlagworte
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