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„At least the Germans lost.“

Fremdwahrnehmung und Nationalismus in der Fußballberichterstattung der WM 2010 am Beispiel von THE SUN und BILD

Diplomarbeit 2012 138 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Boulevardberichterstattung
2.1 Themen
2.2 Sprache
2.3 Layout
2.4 Diskursive Strategien
2.4.1 Emotionalisierung
2.4.2 Simplifizierung
2.4.3 Personalisierung und Privatisierung
2.5 Fazit

3. Sportberichterstattung
3.1 Merkmale
3.1.1 Allgemein
3.1.2 Unterhaltungsfunktion
3.1.3 Sprache
3.1.4 Sonderstellung Fußball
3.2 Fazit

4. Fremdwahrnehmung - Wir und die Anderen
4.1 Zur Entstehung von „Bildern"
4.2 Begriffsdefinition Stereotyp - Vorurteil
4.3 Nationenbild - nationale Stereotype
4.4 Einfluss der Massenmedien
4.5 Stereotypisierung in der Sportberichterstattung
4.6 Fazit

5. Nationalismus, Identität und Fußball
5.1 Nation und Nationalismus
5.2 Nationale Identität und Sport
5.3 Nationalismus in der Sportberichterstattung
5.4 Fazit

6. Untersuchungskonzept
6.1 Forschungsleitende Fragen
6.2 Hypothesen
6.3 Gliederung der Untersuchung
6.4 Operationalisierung
6.4.1 Formale Untersuchung
6.4.2 Inhaltliche Untersuchung
6.4.3 Titelseitenuntersuchung
6.5 Untersuchungszeitraum
6.6 Untersuchte Medien
6.6.1 The Sun
6.6.2 Bild
6.7 Untersuchungsverlauf

7. Untersuchungsergebnisse
7.1 Ergebnisse der formalen Untersuchung
7.2 Ergebnisse der inhaltlichen Untersuchung
7.3 Ergebnisse der Titelseitenuntersuchung

8. Fazit und Ausblick

9. Abbildungsverzeichnis

10. Codebuch
10.1 Formale Untersuchung
10.2 Inhaltliche Untersuchung
10.3 Titelseitenuntersuchung

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ACHTUNG! SURRENDER. For you Fritz, ze Euro 96 Championship is over." So titelt die englische Boulevardzeitung Daily Mirror am 24. Juni 1996, zwei Tage vor dem EM-Halbfinalspiel[1] Deutschland gegen England. Auf dem Titelbild sind die englischen Nationalspieler Stuart Pierce und Paul Gascoigne zu sehen, schreiend und mit Stahlhelmen. Daneben steht ein Kommentar von Piers Morgan, dem damaligen Chefredakteur der Zeitung. Überschrift: „Mirror declares football war on Germany." Wortwörtlich werden in dem Artikel Auszüge aus der Kriegserklärung Englands an Deutschland aus dem Jahr 1939 abgedruckt. Selbst für die englischen Boulevardmedien, in denen das „Kraut- Bashing", also die Verunglimpfung Deutschlands mithilfe negativer Stereotype und NS-Anspielungen, Tradition hat, stellt diese Titelseite den Höhepunkt ihrer Deutschlandfeindlichkeit dar.[2]

Zehn Jahre später bei der WM 2006 in Deutschland scheint alles anders. Im Ausland[3] und der ausländischen Presse[4] entwickelt sich ein neues positives und von alten Stereotypen befreites Bild der Deutschen. Vor allem die englische Presse macht eine Kehrtwende in ihrer Berichterstattung. Sowohl Qualitäts- als auch Boulevardzeitungen sind vom Gastgeberland Deutschland und seinen Einwohnern begeistert. „LOVE IS IN THE HERR: England-fans best, say Germans"[5], titelt die Sun am 17. Juni 2006 und berichtet über die positiven Erfahrungen von tausenden englischen Fans in Deutschland. Kathrin Och weist in einer empirischen Untersuchung englischer Tageszeitungen nach, dass diese subjektive Meinung der ausländischen Journalisten auch empirisch belegbar ist. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass sich das Bild der Deutschen in der englischen Presse stark verbessert hat, wenn auch ein Rest an Kriegsanspielungen übrig geblieben ist. Am Ende ihrer Arbeit wirft sie jedoch die Frage auf, ob sich das Bild wirklich nachhaltig verbessert habe oder ob die positive Berichterstattung nicht doch größtenteils auf die Gastgeberfunktion Deutschlands zurückzuführen sei.

Ihre Zweifel sollten nicht un­berechtigt gewesen sein: Schon im Vorfeld der WM 2010 macht wieder eine englische Boulevard­zeitung mit Deutschlandfeind­lichkeit auf sich aufmerksam. Der Daily Star zeigt im Januar 2010 Michael Ballack im schwarzen Ausweichtrikot mit der Überschrift „RETURN OF ZE BLACK SHIRTS", eine Anspielung auf die schwarzen Uniformen der SS. Weiter schreibt die Zeitung: „Germany is set to kick up a Reich stink at the World Cup by playing in Nazi-style black shirts." Links neben Ballack findet sich ein Bild von Adolf Hitler.

Also alles wieder wie gehabt? Diese Frage will die vorliegende Arbeit klären. Doch die Blickrichtung soll auch in die andere Richtung gehen, d. h. es soll untersucht werden, wie der deutsche Boulevard über die englische Mannschaft berichtet und ob die Rivalität auf Beidseitigkeit beruht. Um ein möglichst umfassendes Bild der gegenseitigen Fremdwahrnehmung zu erhalten wird zusätzlich untersucht, wie ausgeprägt der Nationalismus in der Fußballberichterstattung auf beiden Seiten vorhanden ist. Zur besseren Vergleichbarkeit werden dabei die beiden auflagenstärksten und einflussreichsten Boulevardzeitungen des jeweiligen Landes, The Sun und Bild, miteinander verglichen.

Da es sich bei den untersuchten Medien um Boulevardzeitungen handelt, ist es wichtig, sich das Phänomen Boulevardpresse genauer anzuschauen und die Merkmale dieses Genre herauszuarbeiten. Dies wird die Aufgabe von Kapitel 2 sein. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Punkten Themen, Sprache und Layout. Zusätzlich wird noch auf die von den Boulevardmedien eingesetzten diskursiven Strategien eingegangen.

Kapitel 3 beleuchtet die Sportberichterstattung, eine journalistische Gattung mit besonderen Merkmalen. Sport und vor allem Fußball haben in Europa eine enorm hohe Bedeutung, weshalb auch die Berichterstattung darüber einen besonderen Stellenwert in der Presse genießt. Zuerst sollen auch hier die wichtigsten allgemeinen Merkmale der Gattung herausgearbeitet werden. Danach richtet sich der Fokus auf die Unterhaltungsfunktion, auf die Sprache und die Sonderstellung des Fußballs innerhalb der Berichterstattung.

Kapitel 4 behandelt schließlich den eigentlichen Kern der Arbeit, die Fremdwahrnehmung. Zuallererst wird hier die Frage zu klären sein, wie „die Bilder in unseren Köpfen"[6] entstehen. In diesem Zusammenhang wird das Stereotyp näher beleuchtet werden, da es den menschlichen Wahrnehmungsprozess maßgeblich beeinflusst. Danach wird der Frage nachgegangen, wie stark der Einfluss der Massenmedien auf die Entstehung von Stereotypen ist und wie verbreitet Stereotypisierungen in der Sportberichterstattung sind.

Bei internationalen Turnieren wie einer Weltmeisterschaft verliert der Fußball seine Bedeutung als reines Sportspiel und wird von den Medien dazu verwendet, eine eigene nationale Identität zu schaffen und sich von den Anderen abzugrenzen. Das Spiel wird zum „Wir gegen die Anderen". Aufgabe des Kapitels 5 wird es zuerst sein, eine Definition herzustellen, was Nationalismus ist. Danach wird die Verbindung von Sport und nationaler Identität näher untersucht werden und darauf eingegangen werden, wie sich Nationalismus in der Sportberichterstattung äußert.

Nach dem theoretischen Grundgerüst beginnt mit Kapitel 6 der praktische Teil dieser Arbeit. Hier werden zunächst die forschungsleitenden Fragen erarbeitet, aus denen dann die für diese Arbeit maßgeblichen Hypothesen abgeleitet werden. Darauf folgt eine detaillierte Beschreibung der durchgeführten Inhaltsanalyse. Dabei werden die Gliederung, die Operationalisierung und der Untersuchungszeitraum erläutert und begründet. Im Anschluss daran werden die untersuchten Medien Bild und The Sun näher charakterisiert.

In Kapitel 7 werden schließlich die Ergebnisse der Inhaltsanalyse präsentiert und erläutert. Die Gliederung des Kapitels entspricht dabei den drei Untersuchungsebenen. Das Fazit am Ende des Kapitels soll klären, ob die zuvor aufgestellten Hypothesen verifiziert oder falsifiziert werden können. Kapitel 8 wird die erarbeiteten Ergebnisse kurz zusammenfassen und einen Ausblick geben, wo die Analyse noch hätte verbessert werden können und wo zukünftige Untersuchungen ansetzen könnten, um ein noch aussagekräftigeres Bild über die deutsch-englische Fremdwahrnehmung in den Medien zu erhalten.

2. Boulevardberichterstattung

„Geliebt und verabscheut, kritisiert aber auch sehr erfolgreich: Die Diskussion um die Boulevardberichterstattung erhitzt immer wieder die Gemüter."[7]

Dieses Zitat von Susanne Höke bringt die Debatte über den Boulevard sehr gut auf den Punkt. Die Boulevardpresse polarisiert und spaltet die Gesellschaft: Viele Leser lieben sie für ihre spezifische Berichterstattung, doch genauso viele Menschen sehen genau in dieser Berichterstattung den größten Kritikpunkt. Worüber sich hingegen nicht streiten lässt, ist der wirtschaftliche Erfolg. Die Verkaufszahlen der Boulevardzeitungen sind hoch, weltweit gehören sie zu den erfolgreichsten Printmedien. Mit ihrer hohen Auflage und Reichweite sind Boulevardzeitungen für viele Menschen fester Bestandteil ihres Alltags.[8] „Sie bieten [ihnen] Gesprächs­stoff für den ganzen Tag."[9]

Aufgrund ihrer spezifischen Verkaufsform spiegelt sich die verkaufte Auflage sofort im Umsatz wieder. Aus diesem ökonomischen Zwang heraus ergeben sich bei der Gestaltung zwei Hauptaufgaben. Zum einen muss die Boulevardzeitung täglich neu auf „Leserfang" gehen und um Aufmerksamkeit kämpfen. Zum anderen muss sie die Leser-Blatt-Bindung kontinuierlich stärken. Die dazu verwendeten Strategien und Techniken werden im Folgenden Gegenstand der Untersuchung sein. Ziel ist es, ein genaues Bild davon zu zeichnen, was das Phänomen Boulevard auszeichnet. Denn: Ein so großer Verkaufserfolg ist nur dadurch möglich, weil die Boulevardzeitung grundlegende Bedürfnisse einer breiten Leserschaft anspricht.[10]

Da es sich sowohl bei Bild als auch bei The Sun um Boulevardzeitungen handelt, ist es für eine Analyse unerlässlich, die Merkmale dieses besonderen Mediums genauer zu beleuchten. Die wichtigsten zu beantwortenden Fragen werden sein: Welche Themen sind typisch? Wie gestalten sich Sprache und Layout und welcher diskursiver Strategien bedienen sich Boulevardmedien?

2.1 Themen

Obwohl Boulevardzeitungen zu den General-Interest-Zeitungen gezählt werden, ist ihr tatsächliches Themenspektrum sehr eng gefasst. Die klassischen Hard News, also Themen aus den Ressorts Politik, Wirtschaft oder Kultur, die in Abonnementzeitungen eine starke Gewichtung erfahren, werden in der Boulevardpresse vernachlässigt, ihnen kommt nur eine untergeordnete Rolle zu.[11]

Die Boulevardpresse ist in ihrer inhaltlichen Ausrichtung primär zielgruppen- und nicht ereignisorientiert.[12] Es sind besonders die Themen für Boulevardzeitungen von Relevanz, die das Interesse des Lesers wecken. Unterhaltung hat daher oft einen höheren Stellenwert als Information.[13] Typisch in der Themenselektion von Boulevardzeitungen ist die Akzentuierung von Human Interest Stories.[14]. Diese sind „[...] universell verständlich. Sie behandeln - wie der Name beschreibt - menschliche Interessen im Allgemeinen und fokussieren einen Themeninhalt auf menschliche Aspekte [...]."[15] Ulrike Dulinski bezeichnet die Human Interest Stories als den „Prototyp sensationalistischer Narrationen"[16] der viel mehr ist als eine reine Auswahl von Soft News. [17] Sie sind ein Unterhaltungsgarant für breite Massen, der soziales Leben in personal­ isierter Form darbietet.[18] Hauptsächlich handelt es sich um „[...] amüsante, bewegende oder außergewöhnliche Episoden, Vorfälle oder Erfahrungen von ganz normalen Menschen. Häufig geht es in ihnen um die kleinen Ironien des menschlichen Alltags, um Erlebnisse mit Tieren, auch um dramatische Schicksalsschläge oder romantische Abenteuer."[19]

Human Interest Stories sind dabei genreunabhängig, sie können als Meldung, aber auch als Reportage erscheinen. Die Erzählstruktur weist starke Ähnlichkeiten mit der klassischen griechischen Tragödie auf: Die Handlung beginnt mit dem Schicksal einer oder mehrerer Personen, entwickelt sich mit konfliktreichen Handlungen und endet mit der Lösung des Problems.[20] Wichtig hierbei ist, dass Mitleid und Empathie, manchmal aber auch das Gegenteil beim Rezipienten erweckt wird. Indem die Human Interest Story „[...] allgemeine Gefühle durch besondere Individual- Schicksale [...]"[21] anspricht und personalisiert, greifen hier zwei Haupt­taktiken[22] des Boulevardjournalismus erfolgreich ineinander.[23]

Wie bei der Gestaltung der Sprache, ist die Boulevardzeitung bei der Themenauswahl bemüht, die Kluft zwischen Medium und Leser möglichst gering zu halten. Eine oft genutzte Möglichkeit ist der „Held des Alltags": freiwillige Helfer und benachteiligte Menschen, die große Leistungen vollbringen, werden als Vorbilder dargestellt.[24] Menschliche Schicksale werden beschrieben und persönliche Erlebnisse geschildert.[25]

Viel Aufmerksamkeit bei der Themenwahl kommt auch Prominenten zu. „Dieser Personenkreis liefert besonders viel Material für die melo­ dramatische Imagination der Boulevardmacher."[26] Vor allem das Aus­leuchten des Privatlebens von bekannten Persönlichkeiten genießt dabei einen hohen Stellenwert. Die Boulevardpresse ist ständig darum bemüht, boulevardeske Themen mit diesem Faktor Prominenz anzureichern und so stark wie möglich zu personalisieren, da sich gerade diese Kombination sehr gut verkaufen lässt.[27]

Neben den Human Interest Stories und der Berichterstattung über Prominente gibt es einen weiteren Themenbereich, über den in der Boulevardpresse viel berichtet wird. Sport im Allgemeinen und Fußball im Speziellen.[28] Den hohen Stellenwert von Sport in der Nachrichtenauswahl weist Cornelia Voss in einer quantitativen Untersuchung der Bild nach.[29] Sie kam zu dem Ergebnis, dass die Titelseiten der Bild hauptsächlich von Nachrichten und Sportberichten geprägt sind und Sport „[...] mit Abstand am intensivsten fotografisch illustriert wird."[30]

Auch wenn man die thematischen Schwerpunkte der Boulevardbericht­erstattung mit den Feldern Human Interest Story, Prominenz und Sport eingrenzen kann bleibt doch wichtig festzuhalten, dass der Boulevard­journalismus nicht vollständig anhand der Themenverteilung definiert werden kann.[31] Daher weist Peter A. Bruck darauf hin, dass „[...] das Charakteristische des Boulevardformats die narrative Struktur und nicht die inhaltliche Ausrichtung ist."[32]

Diesen Unterschied zwischen inhaltlichen Schwerpunkten und der narrativen Inszenierung eines Ereignisses verdeutlicht Bruck an einem fiktiven Beispiel einer boulevardspezifischen Berichterstattung über eine Ausstellung moderner Kunst. So sei nicht die Ablehnung moderner Kunst boulevardesk, sondern deren Inszenierung als „[...] quasi existenziellen Kampfes zwischen der angeblich brav arbeitenden und steuerzahlenden Mehrheit und einigen verrückten, Orgien feiernden und das hart erarbeitete Steuergeld verprassenden Außenseiterinnen."[33]

Politisch lässt sich die Boulevardpresse nicht klar verorten. Dennoch lässt sie ein gewisses ideologisches Grundmuster in der Berichterstattung erkennen: „Boulevardformatige Medien vertreten weitgehend den Status quo, sind politisch und moralisch konservativ. Orientierungspunkt ist die Mehrheit der Bevölkerung, um breitestmöglichen Absatz zu garantieren. Populismus ist hier Marktstrategie."[34] Lexikalisch konstituiert sich diese Mehrheitsposition in der häufigen Verwendung des Personalpronomens „Wir". Dieses wird nach Möglichkeit gegen alles Fremdartige verteidigt. Mit der häufigen Verwendung des Personalpronomens „Wir" versucht die Boulevardpresse zudem eine besonders enge Beziehung zum Leser vorzutäuschen. Die Zeitung versucht, sich auf eine Stufe mit dem Leser zu stellen und „[...] angenommene gemeinsame Wertvorstellungen anzusprechen [...]."[35]

2.2 Sprache

Im Gegensatz zur konventionellen journalistischen Sprache, die durch kritische Distanz geprägt ist, gehört in der Boulevard­berichterstattung eine starke Gefühlsbetonung zum üblichen Duktus.[36] Die in der Boulevardpresse verwendete Sprache ist zumeist sehr einfach und alltagsnah gehalten. Dabei sind ein kurzer und unkomplizierter Satzbau, simple chronologische Abfolgen, sowie die Erlebnisbetonung gängige Praxis. [37] „Die Verwendung von Alltagssprache, sowie von umgangssprachlichen Wendungen und Begriffen dient der schnellen Verständlichkeit, dem ,Farbigmachen' der Geschichten und dem Aufbau populärer Identifikationsmöglichkeiten."[38] Zudem wird durch die einfache Sprache garantiert, dass der kognitive Aufwand der Leserschaft möglichst gering gehalten wird, dass Interesse und Neugier geweckt wird und dass bei der Rezeption keine Langeweile entsteht. Ein weiterer Effekt der einfachen Sprache ist, dass die Kluft zwischen Leser und Medium möglichst gering gehalten wird.[39]

So einfach die Sprache gestaltet ist, so stark setzt die Boulevardpresse rhetorische Stilmittel ein. Der einfache Satzbau in Verbindung mit Alliterationen und Ellipsen ermöglicht dem Leser eine unkomplizierte Rezeption. Im Gegensatz zu Abonnementzeitungen, die ein nüchterner und sachlicher Stil auszeichnet, ist die Sprache in Boulevardmedien reich an Metaphern. Besonders weit verbreitet sind Metaphern des Sehens. Bruck nennt diese Metaphern „rhetorische Realismusstrategien"[40], die in ihrer Visualisierung an die formale Präsentation anschließen.[41] Zusätzlich können mithilfe von Metaphern „[...] assoziative Verbindungen geschaffen werden, die weit unter der Wahrnehmungsschwelle liegen."[42] Sie können bildhaft Akzente setzen oder den Text auflockern, Abstraktes kann plastisch und nahbar gemacht werden. Besonders für die Sportberichterstattung ist die Metapher interessant, da durch sie gewöhnliche und bekannte Sachverhalte immer wieder neue Aufmerksamkeit erfahren.[43]

Eine „hochexpressive und sensationelle Wirkungskraft"[44] auf die Sprache hat der oft in der Sportberichterstattung verwendete Superlativ[45]. Durch ihn wird dem Leser die außergewöhnliche Bedeutung eines Ereignisse suggeriert.[46] Ein weiteres Instrument zur Attraktivitätssteigerung ist die Verwendung klangbezogener Stilmittel wie der Alliteration. Begriffe wie „Der Treter Trottel"[47] wirken zum einen besonders bedeutungstragend auf den Leser und sind zum andern sehr einprägsam.[48]

Auf das Stilmittel der Ironie hingegen wird bewusst verzichtet, da dieses die Gefahr eines Missverständnisses in sich birgt. Dagegen wird die direkte Rede ausgiebig verwendet, was zum einen die Distanz zum Text verringert und zum andern anschaulich wirkt.[49] Des Weiteren vermittelt die Verwendung direkter Rede das Gefühl von Authentizität. Dem Leser soll das Gefühl vermittelt werden, die Information aus erster Hand zu erhalten. Die Palette an geäußerten Sprechakten zeichnet sich zusätzlich durch einen hohen Anteil an rhetorischen Fragen und Appellen aus. Dies dient der direkten Adressierung des Lesers und letztlich der Emotional- isierung.[50] Zusammenfassend beschreibt Voss die von Boulevardmedien verwendete Rhetorik als Ausdrucksmittel „[...] das die Sprache dynamisiert, bildkräftig tönt und emotional mobilisiert."[51]

Wirft man einen genaueren Blick auf die verwendete Syntax, fällt auf, dass auch hier viel für einen leichten Konsum getan wird. Die „einfache Struktur" setzt sich aus einer Vielzahl eingesetzter Mittel zusammen, die Voss als „spannungserzeugende ,Morsesyntax'" charakterisiert.[52] Durch geschickt platzierte Frage-, Aufforderungs- und Ausrufesätze wird der Leser in das Geschehen eingebunden. Aktivsätze dominieren die Berichterstattung. Doppelpunkte und Gedankenstriche führen zu einer weiteren Verknappung der Satzstruktur. Durch die Aussparung ganzer Satzteile, wie Überbrückungen oder Erklärungen, wird zusätzlich Spannung und Dramatisierung erreicht. Der ausgiebige Einsatz verschiedener Interpunktion fördert zudem eine stärkere Ausdruckskraft und führt zugleich zu einer weiteren Vereinfachung des Textes.[53]

Der in der Boulevardpresse verwendete Wortschatz ist zum einen auf maximale Reizwirkung und Emotionalisierung der Leserschaft und zum andern auf einfache und schnelle Informationsvermittlung ausgerichtet.[54] Er setzt sich zum Großteil aus affektgeladenen Wörtern aus dem Vorstellungsbereich der Erregung zusammen. Beispiele hierfür wären Angst, Schrecken, Verbrechen, Wut, Trauer, Glück, Spannung und Sensation. Textstrategisch geschickt platziert wirken diese „Reizlexeme"[55] besonders spannungserregend und erzeugen eine starke Textdynamik. Stark vertreten ist zudem die Umgangssprache, also alles was von der Standardsprache abweicht. Dadurch gelingt es der Boulevardzeitung, den Text aufzulockern und anschaulich zu machen, die Verständlichkeit zu verbessern und eine gemeinsame Kommunikationsebene mit dem Leser zu schaffen, was sich in einer stärkeren Leser-Blatt-Bindung widerspiegelt. Auf den gleichen Effekt zielt die Verwendung eingängiger Komposita wie „Schieber-Million" und „Euro-Angst".[56]

2.3 Layout

„Für die Boulevardzeitungen entscheidet sich der ,Kampf um den Leser' jeden Tag aufs Neue am Kiosk. Nur die Zeitung, die das Interesse sofort auf das eigene Blatt lenkt, wird auch gekauft."[57]

Die Boulevardzeitung ist eine Kaufzeitung, deren Vertrieb größtenteils über den Einzelverkauf[58] stattfindet. Aus diesem Grund muss die Boulevardzeitung ihre Leser jeden Tag aufs Neue zum Kauf bewegen und regelmäßige Käufer bei Laune halten. Das Verhältnis der Boulevard­zeitung zu ihren Lesern ist, mit Walter Lippmanns Worten treffend ausgedrückt, „keine Ehe, sondern ganz auf freie Liebe eingestellt."[59]

Erstes und oberstes Ziel ist es also, die maximale Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zu ziehen. Dies geschieht vorrangig durch eine auffällige optische Gestaltung und einer damit verbundenen intensiven Leseransprache.[60] Die grafische Gestaltung ist reißerisch und plakativ. Schrift und Bilder werden großflächig eingesetzt, jede Seite ist durch eine aufwendige farbliche Gestaltung gekennzeichnet. Formale Elemente dieses Layouts sind überdimensionierte Überschriften, farbige Raster, Linien, Unterstreichungen, Rahmungen, Randbalken, Fettungen und große Schlagzeilen auf farbiger Unterlegung.[61] Jim Mansell, Deputy Editor[62] des Daily Star beschreibt diese Gestaltungsweise folgendermaßen:

„[...] [A]s a tabloid you need to have an eye-catching feature on every page, whether it's a picture or it's a headline or whatever. You got to make people stop. You want them to look at the page and then the next one."[63]

Voss nennt die oben beschriebenen optischen Hervorhebungen „formale Rekodierhilfen"[64]. Sie sollen dem Leser helfen, das Gelesene leichter zu verstehen und zu verinnerlichen.[65] Die Boulevardzeitung ähnelt in dieser Präsentation stark den televisuellen Medien. Vom Leser werden „[...] keine großen Aufmerksamkeitsspannen verlangt, sondern kleine, schnell wechselnde Informationseinheiten bestimmen die Rezeption [...]."[66] Alles dient der Simplifizierung und Übersichtlichkeit. Die von Voss beschriebenen „Rekodierhilfen" sind zudem wiederkehrende Gestaltungs­merkmale, die dem Leser ein vertrautes Erscheinungsbild liefern.[67]

Beim Ringen um die Aufmerksamkeit des Lesers kommt der Titelseite die zentralste Rolle zu. Sie ist auschlaggebend für den ersten Kontakt des Lesers mit der Zeitung.[68] Dies zeigt sich deutlich in ihrer visuellen Gestaltung: Auf der Titelseite kommen die formalen Merkmale der Boulevardpresse am stärksten zur Geltung. Riesige Schlagzeilen und Bilder lassen keinen Zweifel daran, was die Hauptstory des Tages ist.[69] Dabei gilt offensichtlich: je größer die Schlagzeile, desto bedeutungsvoller die Meldung. Diese auffällige Gestaltung fängt den Blick des Lesers und stellt einen unmittelbaren Leseanreiz her.[70]

Neben den formalen Elementen sind es vor allem große Fotos, die die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich ziehen. „Das Auge war vor allen anderen das Organ, womit ich die Welt faßte", sagt Goethe in seiner Autobiografie „Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit" und verweist auf die besondere Funktion des Fotos als Blickfang. Dieses Potenzial haben auch die Boulevardzeitungen erkannt und messen den Bildern daher einen größeren Stellenwert bei als Abonnementzeitungen.

Boulevardzeitungen benutzen Fotos jedoch nicht nur als Blickfang. Bilder besitzen die Fähigkeit, Fakten zu visualisieren. Oftmals können sie den Leser stärker emotional ansprechen als ein Textbeitrag und sind zudem schneller zu konsumieren.[71] Die Boulevardpresse illustriert ihre Artikel daher häufig mit Großaufnahmen von Personen. „Diese mimisch- bildorientierte Darstellungsweise im Stile der Fernsehnachrichten vermittelt [...] den Eindruck von Authentizität und Aktualität."[72] Wichtig ist hier, dass der Leser nicht über seinen Verstand, sondern über seine Emotionen angesprochen werden soll.[73] Emotionalisierung als Strategie der Leseransprache, sei es nun in Form von Text oder Bild, ist ein integrales Merkmal der Kaufzeitungen. Auf diese Strategie wird im Folgenden noch näher eingegangen.

Der Gesamtaufbau der Boulevardzeitung ist im Unterschied zur Abonnementzeitung nicht durch eine einheitliche und wiederkehrende Anordnung der redaktionellen Beiträge geprägt. Die klassische Unter­gliederung nach thematischen Ressorts gibt es nicht. Alles ist bunt gemischt.[74] Die Aufteilung richtet sich vielmehr nach der „[...] optischen Opulenz: Elemente werden kaleidoskopartig nach dem Prinzip Attraktivität sortiert."[75] Dieser Aufbau unterstützt zusätzlich den bereits angesprochenen Lesemodus des schnellen Überfliegens und gibt dem Leser Hilfestellung, den Inhalt optisch schnell zu fassen.[76]

2.4 Diskursive Strategien

Wie bereits festgestellt wurde, ist eine grundlegende Voraus­setzung für das Verständnis der Boulevardzeitung die Erkenntnis, dass das zentrale Charakteristikum nicht allein in der thematischen Ausrichtung des Blattes liegt. Vielmehr sind es die diskursiven Strategien mit denen die Boulevardpresse Sachverhalte präsentiert und inszeniert. Layout, Sprache und Themen sind darauf ausgelegt, diese Strategien möglichst stark zu unterstützen. Im Folgenden werden die für die Boulevardzeitung wichtigsten diskursiven Strategien vorgestellt.[77]

2.4.1 Emotionalisierung

Emotionalisierung ist die zentralste Strategie der Boulevardpresse. Unter Emotionalisierung versteht man den Prozess des Nachempfindens von Gefühlen bei der Rezeption. Dem Leser soll damit eine emotionale Teilnahme am Geschehen ermöglicht werden. Durch die Präsentation von Emotionen im Text sollen in ihm eigene Gefühle geweckt werden. Hier zeigt sich ein Hauptunterschied zur Abonnementzeitung: „Die Abo-Zeitung will den Kopf des Lesers erreichen, die Boulevardzeitung den Bauch."[78]

Die stärkere Gewichtung der Emotionen geschieht aus gutem Grund: „Eine Kommunikation, die vornehmlich über die Emotio abläuft, ist direkter und [...] effektiver als eine sich über Ratio vollziehende und verleiht außerdem der Leser-Blatt-Bindung eine andere, intensivere Qualität."[79] Diese direktere Leseransprache und die höhere Leser-Blatt-Bindung machen die Emotionalisierung zu einem wichtigen Erfolgsfaktor der Boulevard­zeitung.[80]

In ihrer Studie „Textgestaltung und Verfahren der Emotionalisierung in der BILD-Zeitung" stellt auch Voss fest, dass es vor allem Emotionen sind, die in der Berichterstattung der Bild dominieren. Sie erfüllen eine Komplementärfunktion zu den klassischen Nachrichtenfaktoren. Ereignisse werden in Bild erst durch einen hohen Anteil an Gefühlen berichtenswert:

„Es ist eine Grundvoraussetzung des Boulevards, dass man sicherlich die Geschichten berichtet, die an irgendeiner Stelle emotionalisieren. Die BILD macht nicht auf mit 120 Zeilen trockener Analyse zu einem Wirtschaftsunternehmen, das verkauft wurde oder zu zwei großen Pharma­unternehmen."[81]

Aufbauend auf den Handlungskernen bekannter Trivialmythen wie Liebe Tod, Macht etc. decken die Emotionen, die die Boulevardzeitung beim Leser hervorrufen will, die ganze Bandbreite ab: von der Freude bis zur Angst und der tragischen Erregung[82]. Neben diesen starken Gefühlen nimmt die Empörung eine zentrale Rolle ein. Die Verwendung der Boulevardzeitung als „Medienpranger"[83] stillt somit soziale Bedürfnisse bei den Lesern.

„In der Empörung, die sich zumeist gegen das Fremde oder gegen die als gesellschaftlich mächtig Titulierten richtet, dreht sich die soziale Rangordnung der individuell erfahrenen Lebenswelt um. Im Gefühl der Empörung ist der/die Zeitungsleser/in im Gefühl der Macht, indem er/sie die sonst Mächtigen verurteilt und straft [...]."[84]

Auf diese Weise integriert die Boulevardzeitung den Rezipienten in „die Gemeinschaft der Leser"[85] und vertieft die Leser-Blatt-Bindung. Das gleiche Ziel verfolgt die semantische Struktur der „Ab- und Ausgrenzung von ,den Anderen'".[86] Dies geschieht durch die simple Häufung des Personalpronomens „Wir" in der Berichterstattung. Durch diese Schaffung eines Wir-Gefühls erhält der Leser eine unmittelbare Bestätigung. Die Hierarchisierung zwischen Medium und Leser wird minimiert. „Der ,Wir'- Gebrauch [...] räumt beiden Seiten die gleiche Perspektive im Hinblick auf die Geschehnisse ein."[87] Eine „Pseudo-Dialogizität"[88] entsteht und der Rezipient wird in seiner Lesemotivation gefördert.[89]

2.4.2 Simplifizierung

Die Simplifizierung ist eine Strategie zur Erleichterung der Wahr­nehmung. Sie zielt darauf ab, komplexe Zusammenhänge[90] zu vermeiden. Die Realität wird simplifiziert und auf leicht verständliche Modelle reduziert. Bruck beschreibt diese Strategie als „[...] die Konstruktion von übersichtlichen Weltbildern und die Reduktion komplexer gesellschaft­licherVorgänge auf das Handeln einzelner Personen [...]."[91]

Wie stark die Boulevardzeitung auf ihre Zielgruppe eingeht, zeigt sich bei dieser Strategie besonders deutlich. Die Simplifizierung stellt das bestmögliche Eingehen auf die angepeilte Zielgruppe des Mediums dar. Auf kognitiver Ebene wird dies durch einen der Zielgruppe angepassten Schwierigkeitsgrad erreicht. Doch nicht nur auf kognitiver Ebene wird dem Leser der Konsum vereinfacht. Der Leser einer Boulevardzeitung hat eine bestimmte Weltanschauung, von der er erwartet, dass die Zeitung ihm diese bestätigt. Um die Leser-Blatt-Bindung nicht zu gefährden ist die Boulevardzeitung bemüht, die genannte Prädisposition zu bestätigen und einem möglichen Wertekonflikt aus dem Weg zu gehen. Hartmut Büscher nennt diese Methode „emotionale Adäquanz".[92]

Die von der Boulevardpresse vermutete Meinung der Leser ist „[...] die Perspektive des .kleinen Mannes'"[93], die Meinung der Bevölkerungs­mehrheit. Diese Perspektive wird von der Boulevardpresse oft populistisch bedient, etwa in der Politikberichterstattung, wo oft komplexe Sachverhalte auf einfache Schlagworte reduziert werden.[94]

Narrativ wird „emotionale Adäquanz" durch eine deutliche Kontrastierung von In- und Out-Groups hergestellt. Bei der Out-Group handelt es sich um alle Gruppen, die nicht dem Bild des typischen Leserkreises des „kleinen Mannes" entsprechen. Dulinski definiert diese Gruppe als „ [...] Menschen, die sich nicht der Durchschnittsnorm entsprechend verhaltenen - sei es in krimineller oder sexueller Hinsicht -, ferner die .Intellektuellen', Teile der Jugendlichen von heute oder durch Reichtum Privilegierte, ebenso Menschen, die sich nicht entsprechend ihrer Rolle verhalten."[95] Dies betrifft in den meisten Fällen Berufe mit hohem Sozialprestige wie Ärzte, Pfarrer oder Polizisten."[96]

2.4.3 Personalisierung und Privatisierung

Personalisierung reduziert wie die Simplifizierung die Realität auf ein überschaubares Minimum. „Komplexe und unpersönliche Zusammenhänge"[97] werden auf verständliche und leicht nachvollziehbare Interaktionen zwischen wenigen Personen komprimiert. „Durch die Darstellung persönlicher Schicksale wird ein klares Aktionsfeld mit personalisierten Individualbeziehungen und klar definierten Handlungs­trägern geschaffen."[98] Der Leser erhält durch dieses „auf die Person Bringen" ein personalisiertes, vereinfachtes und damit „greifbares" Weltverständnis. Personalisierung ist eine Strategie, „[...] die das Verstehen der Welt vortäuscht."[99] Wie bei jeder Reduktion gehen auch hier Details verloren, weshalb diese Berichterstattung Gefahr läuft, die Wirklichkeit zu verzerren.[100]

Stefan Schirmer, der in einem Längsschnitt die Bild-Aufmacher von 50 Jahren untersuchte, kam zu dem Ergebnis, dass hauptsächlich Ereignisse zum Aufmacher gemacht würden, die neben einer hohen Faktizität[101], einem überraschenden Auftreten und prominenten Personen vor allem Ereignisse sind die sich stark personalisieren lassen.[102] Der Einzelperson kommt in der Boulevardpresse folglich wesentlich mehr Gewichtung zu als den gesellschaftlichen Folgen eines Ereignisses.

Doch nicht nur Artikel sind Ziel der Personalisierung. Es ist auch oft die Boulevardzeitung selbst, die sich ins Zentrum einer Geschichte stellt, sei es als „Fürsprecherin oder Anwältin ihrer Leserinnen, als deren Stimme oder als Akteurin bei der Aufdeckung von Mißständen [sic!]"[103]. Dieser ständige Selbstbezug soll vor allem die Leser-Blatt-Bindung in den Vordergrund rücken und stärken.[104]

Die Privatisierung ist eng verbunden mit der Strategie der Emotionalisierung: Letztere wird hauptsächlich über die Beschreibung menschlicher Schicksale und der damit verbundenen Gefühle erreicht. Das Ausleuchten des Privatlebens von Prominenten nimmt einen besonders hohen Stellenwert in der Berichterstattung ein. Die hier dargestellten und provozierten Gefühle können Romantik (z. B. bei Promi-Hochzeiten) oder auch Trauer und Bestürzung (z. B. bei prominenten Todesfällen) sein. Vordergründig ist es vor allem eine emotionale Anteilnahme die von der Boulevardzeitung impliziert wird, doch in vielen Fällen ist es vor allem die Befriedigung der Neugier der Leser.[105]

2.5 Fazit

Die gesamte Gestaltung der Boulevardzeitung ist durch „ein restloses Eingehen auf die Ansprüche des Marktes"[106] geprägt. Aufgrund ihrer spezifischen Verkaufsform geht die Boulevardpresse sehr stark auf die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Leser ein. Dies beginnt bei der verwendeten Sprache, die durch Einfachheit und Alltagsnähe geprägt ist. Wortschatz, Syntax und Satzlänge sind so ausgerichtet, dass sie für den Leser möglichst einfach zu rezipieren sind. Die Verwendung von zahlreichen rhetorischen Stilmitteln soll zum einen das Ereignis visuell vermitteln und möglichst starke Gefühle beim Leser erzeugen. Mit den genannten Mitteln kommt die Boulevardzeitung zum anderen der niedrigen Lesekompetenz und dem hohen Unterhaltungsbedürfnis ihrer Leser entgegen.[107]

Die grafische Gestaltung, vor allem die Titelseite, soll die maximale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mit großen Fotos, gefetteten Überschriften und dem Einsatz von Farbe soll garantiert werden, dass man die Neugier potentieller Leser weckt. Neben dieser Aufgabe soll durch diese Mittel aber auch der Konsum erleichtert und ein Wieder- erkennungswert für den Leser geschaffen werden.

Auch die inhaltliche Ausrichtung ist stark zielgruppenorientiert: Der Faktor Publikumsinteresse rangiert hier deutlich vor dem Faktor Bedeutung. Human Interest Stories, vor allem aus den Bereichen Prominenz und Sport, dominieren die Berichterstattung. Dennoch bleibt wichtig festzuhalten, dass sich die Boulevardpresse nur unzureichend durch thematische Schwerpunkte definieren lässt. Es sind vielmehr die diskursiven Strategien, die das Grundgerüst jedes Artikels bilden und die das Hauptmerkmal boulevardesker Berichterstattung darstellen.

Emotionalisierung, Simplifizierung, Personalisierung und Privatisierung sind die zentralen diskursiven Strategien. Zu allererst will die Boulevardzeitung durch ihre Berichterstattung starke Gefühle beim Leser erzeugen. Die Lesersprache über Emotionen ist direkter, effektiver und stärkt die Bindung des Lesers an die Zeitung. In dem breiten Spektrum der erzeugten Gefühle nimmt die Empörung einen dominanten Platz ein. Hier wird die Boulevardzeitung zum „Medienpranger" und befriedigt damit ein soziales Bedürfnis ihrer Leser. Der Rezipient wird in eine Art Lesergemeinschaft aufgenommen, die sich gegen andere Gruppen abgrenzt und somit das „Wir"-Gefühl stärkt.

Bei der Simplifizierung werden, wie der Name schon aussagt, komplexe Zusammenhänge auf ein Mindestmaß reduziert. Mit dem Herstellen von „kognitiver Adäquanz" stellt die Boulevardzeitung sicher, dass der Leser bei der Rezeption nicht überfordert wird. Doch auch auf emotionaler Ebene wird dem Leser der Konsum vereinfacht. Die Boulevardpresse versucht Wertekonflikte zwischen dem Medium und dem Leser zu vermeiden und erleichtert dem Rezipienten das Werturteil durch einseitige Berichterstattung.

Die Personalisierung ist auch eine Strategie der Vereinfachung. Bei ihr wird die Realität auf nachvollziehbare Personenkonstellationen reduziert. Das Abstrakte soll durch eine personalisierte Berichterstattung fassbar gemacht werden: Die Boulevardzeitung vermittelt ihren Lesern „[...] auf eine einfache und unterhaltende Art und Weise den Anschein, Ordnung in den Dschungel der Informationen zu bringen, und Kontrolle über Dinge zu besitzen, die andernfalls außer Kontrolle geraten zu sein scheinen."[108]

Die Privatisierung hingegen ist wieder enger mit der Emotionalisierung verknüpft. Mit dem Fokus auf dem Privatleben von prominenten Größen, befriedigt diese Strategie vor allem die Neugier der Leserschaft. Auch wenn vordergründig die emotionale Anteilnahme in den Mittelpunkt gerückt wird.

Bei der Untersuchung zeigt sich, dass die verwendeten Strategien nicht voneinander getrennt werden können, sondern „[...] in ihrer Gesamtheit - sowohl was ihre sprachliche und stilistische Konstruktion als auch ihre Funktion angeht - betrachtet werden [...]"[109] müssen. Erstaunlich bei den diskursiven Strategien ist, dass, obwohl sie konstant wiederholt werden, dies nicht zu einer Sättigung oder zu Langeweile bei den Rezipienten führt. Die Wiederholung hat auf Rezipientenseite eher die Wirkung, dass der Leser die Zeitung wiedererkennt, wodurch ein „beruhigender, vertrauens­erweckender Effekt"[110] entsteht.

Eine große Gefahr der boulevardesken Berichterstattung wird jedoch deutlich: Nicht nur Human-Interest-Geschichten, sondern auch nachricht­liche Themen werden emotional und individualisiert aufbereitet, „Hintergründe werden zugunsten einer Fokussierung auf spektakuläre und Aufsehen erregende Details vernachlässigt [...]."[111] Eine umfassende Informationswiedergabe rückt zugunsten der Unterhaltung in den Hintergrund.[112]

3. Sportberichterstattung

Sport ist unserer Gesellschaft omnipräsent und spielt im Leben vieler Menschen eine große Rolle. Dies gilt für die Untersuchungsländer Deutschland und England gleichermaßen. Allein der Deutsche Olympische Sportbund als Dachverband für den Sport in Deutschland zählt mehr als 27,6 Mio. Mitglieder, organisiert in über 91.000 Verbänden.[113] Das Inter­esse an massenmedialer Sportberichterstattung geht dabei noch weit über diesen Kreis an Personen hinaus. Auch der sportlich nicht aktive Teil der Gesellschaft ist Fan von Mannschaften oder Sportlern, trägt Trikots und verfolgt Sportereignisse in der Zeitung, im Fernsehen und im Hörfunk.

Da der Forschungsgegenstand dieser Arbeit Artikel aus der Sportberichterstattung sind, ist es wichtig, die Besonderheiten des Genres unter die Lupe zu nehmen. Denn: Innerhalb der Medien grenzt sich dieses Genre in seinen Charakteristika stark von den anderen ab.

3.1 Merkmale 3.1.1 Allgemein

Auf die enge Beziehung zwischen Sport, Medien und Wirtschaft wird vielfach in der Forschung hingewiesen.[114] Die drei Systeme bilden dabei eine komplexe Interessengemeinschaft mit gegenseitiger Einfluss­nahme und Abhängigkeit[115], die oft als „magisches Dreieck"[116] bezeichnet wird und sich symbiotisch entwickelt hat.[117]

Innerhalb der Medien war die Sportberichterstattung in der Vergangen­heit und ist auch heute ein wichtiger Garant für die Verkaufsförderung und besitzt daher einen hohen Stellenwert: „Competition for audiences for the media relies heavily on audiences for sport, and without success in this dimension of their activity it is very difficult for broadcasting companies or newspapers to remain economically viable."[118] Sportereignisse und deren Berichterstattung sind vor allem deshalb so wichtig für den Verkauf, weil es sich bei ihnen um „massenattraktive Nachrichten"[119] handelt.

Dies ergibt sich zum einen aus der eigenen Alltagserfahrung und lässt sich zum anderen mittels der Nachrichtenwertforschung und den darin enthaltenen Nachrichtenfaktoren erklären.[120] Sportveranstaltungen, vor allem der nationale Spitzensport wie Fußball, vereinen sehr viele Nachrichtenfaktoren auf sich: Allen voran sind dies kulturelle Nähe, Erfolg bzw. Misserfolg, Prominenz der Akteure und Kontroverse. Diese Ansammlung an Faktoren begründet die Aufmerksamkeitsstärke auch theoretisch.[121] Zusätzlich folgen Sportereignisse festen zeitlichen Abläufen und sind langfristig kalendarisch festgelegt. Damit kommen sie der Produktionslogik der Medien auf optimale Weise entgegen, was dafür sorgt, dass sie kontinuierlich thematisiert und kontextualisiert werden.[122]

Eine weitere Erklärung für die große Bedeutsamkeit der Sportbericht­erstattung wird oft darin gesehen, dass sowohl Rezipienten als auch Kommunikatoren sie als Hybridform zwischen Information und Unter­haltung[123] betrachten.[124] Aus diesem Grund lässt sich die Sportbericht­erstattung medial sehr vielfältig verwerten. Im Unterschied zu rein fiktionalen Inhalten hat die Sportberichterstattung den Vorteil, dass ein faktisches Ergebnis die Grundlage bildet. „Dieser Authentizitätscharakter unterscheidet den Sport maßgeblich von rein fiktionalen Unterhaltungs­ angeboten und ermöglicht so die Ansprache des Publikums auf der Ebene affektiver und informativer Bedürfnisse."[125]

Nähert man sich den charakteristischen Merkmalen der Sportbericht­erstattung, bedeutet dies in der Regel, dass man vor allem deren Defizite herausstellt.[126] Die Sportberichterstattung konzentriert sich auf einige wenige publikumswirksame Sportarten. Die Vielfältigkeit des Sports wird dabei nicht ausreichend wiedergegeben: Leistungs- und Spitzensport dominiert, der Breitensport und Frauensport kommt kaum in der Berichterstattung vor. Auch besteht ein starke Tendenz zum Ethno- zentrismus, der sich durch einen „national gefärbten Blickwinkel"[127] und die Überhöhung der eigenen Nation auszeichnet.[128]

Die Sportberichterstattung ist hauptsächlich ereignis- und ergebnis­orientiert und bezieht sich primär auf die handelnden Personen. Hintergründe werden kaum beleuchtet. Man spricht hier von „1:0- Berichterstattung"[129], bei der keine kritische Auseinandersetzung mit den negativen Entwicklungen im Sport stattfindet. Doping oder Bestechungen werden nur unzureichend hinterfragt. Laut Gleich wird hier eine heile Welt aufrechterhalten, „[...] deren Bedrohung durch negative Ereignisse unzureichend und einseitig kommentiert werden."[130] Aggressionen auf dem Fußballplatz werden beispielsweise als englische oder sportliche Härte verharmlost und nur bei spektakulären Situationen dramatisiert dargestellt. Gleich vermutet als Ursache, dass Sportjournalisten durch die steigende Unterhaltungsorientierung der Berichterstattung „[...] bereits eine zu enge Beziehung zu ihrem Berichterstattungsgegenstand entwickelt haben"[131] und daher nicht mehr den nötigen kritischen Abstand haben.

Geht es um die Ursachen von Erfolg oder Misserfolg so haben Inhalts­analysen gezeigt, dass Sportjournalisten ihre Erklärungen größtenteils auf „[...] ein standardisiertes und reduziertes, primär auf das Individuum bezogenes Erklärungsrepertoire stützen."[132] Eine ausführlichere Analyse der Ursachen findet kaum statt. Die Journalisten argumentieren in den meisten Fällen internal, sie ziehen also Gründe herbei, die direkt dem einzelnen Sportler zuzuschreiben sind, z. B. Motivation, Nervenstärke, Siegeswille. Äußere, externale Faktoren werden dagegen selten zur Erklärung herangezogen.[133]

3.1.2 Unterhaltungsfunktion

Bei den Rezipienten der Sportberichterstattung gibt es deutliche Unterscheide: Nur ein kleiner Teil interessiert sich primär für die reine Information, also die Ergebnisse von Sportveranstaltungen. Der weitaus größere Teil hingegen rezipiert Mediensport aus dem Verlangen nach Vergnügen.[134] Für sie ist Sport in den Medien in allererster Linie Unterhaltung.[135]

Auch auf Produktionsseite wird daher diesem Faktor eine große Bedeutung beigemessen. Dies belegen sowohl Kommunikatorstudien, die das Rollenverständnis von Sportjournalisten untersuchen[136], als auch Inhaltsanalysen über die Sportberichterstattung[137]. Auch Beck und Kolb verweisen auf eine verstärkte Unterhaltungsorientierung, selbst bei Qualitätszeitungen[138]. Ein Basismerkmal ist dabei die Vermischung von Information und Unterhaltung, das Infotainment. Laut Horky weist die mediale Präsentation von Sport klare Zeichen dieser Vermischung auf. Die wichtigsten Merkmale einer solchen Berichterstattung mittels Info- tainment sind Dynamisierung, Emotionalisierung, Narrativisierung und Relevanzzuweisung.[139]

[...]


[1] Europameisterschaft wird in dieser Arbeit als EM abgekürzt, Weltmeisterschaft als WM.

[2] Vgl. Wernecken 2000, S. 11-12.

[3] Vgl. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung 2006, S. 24-25.

[4] Tiede 2006.

[5] Das Wort „Herr" ist in der englischen Boulevardpresse eine beliebte Anspielung auf die Deutschen.

[6] Lippmann 1990, S. 28.

[7] Höke 2007, S.7.

[8] Vgl. Bruck 2002, S. 9; vgl. auch Schirmer 2001, S. 3.

[9] Höke 2007, Vorwort I.

[10] Vgl. Büscher 1996, S.1.

[11] Vgl. Bruck 2002, S. 27-28.

[12] Dulinski 2003, S. 211.

[13] Vgl. Höke 2007, S. 39; vgl. auch Bruck 2002, S. 27.

[14] Bezüglich der Themenauswahl der Boulevardpresse lässt sich feststellen, dass hier das Publikumsinteresse weit vor dem Faktor Bedeutung rangiert. Laut Weischenberg ist der Nachrichtenfaktor „Bedeutung" vor allem ein Merkmal der Hard News wohingegen bei den von der Boulevardpresse präferierten Soft News der Nachrichtenfaktor Publikums­interesse dominiert. Vgl. Weischenberg 1990, S. 48.

[15] Höke 2007, S. 24.

[16] Dulinski 2003, S. 264.

[17] Vgl. Dulinski 2003, S. 264.

[18] Prominenteste Themen der Human Interest Stories sind Klatsch und Tratsch, sei es über Prominente, Königshäuser oder Sportler, Skandale, Berichte über Entsetzliches und Trauriges, meistens in Form von Gewalt. Oft werden auch die Themen Verbrechen oder Katastrophen, sexuell Pikantes und moralisch Verwerfliches sowie Skurriles und Außergewöhnliches, Geschichten über Siege und Niederlagen. Vgl. Büscher 1996, S. 12; vgl. auch Schirmer 2001, S. 10-11, Voss 1999, S. 28-29, Dulinski 2003, S.71.

[19] Dulinski 2003, S. 84.

[20] Vgl. Dulinski 2003, S. 264; vgl. auch Saxer/Guggisberg 1979, S. 167-169.

[21] Höke 2007, S. 24.

[22] Zu den Strategien der Personalisierung und Emotionalisierung siehe Kapitel 2.4.

[23] Vgl. Höke 2007, S. 24; vgl. auch Dulinski 2003, S. 84.

[24] Vgl. Bird 2008, S. 57.

[25] Vgl. Höke 2007, S. 25.

[26] Bruck 2002, S.27.

[27] Vgl. Schirmer 2001, S. 10-11; vgl. auch Höke 2007, S. 26.

[28] Vgl. Bruck 2002, S. 27.

[29] Vgl. Voss 1999, S. 29-36.

[30] Voss 1999, S. 36.

[31] Vgl. Dulinski 2003, S. 239.

[32] Bruck 2002, S. 32.

[33] Bruck 2002, S. 27.

[34] Bruck 2002, S. 34.

[35] Höke 2007, S. 33.

[36] Vgl. Bruck 2002, S. 27.

[37] Vgl. Bruck 2002, S. 26.

[38] Bruck 2002, S. 26.

[39] Vgl. Höke 2007, S. 30.

[40] Bruck 2002, S. 26.

[41] Vgl. Bruck 2002, S. 26.

[42] Saxer/Guggisberg 1979, S. 155.

[43] Vgl. Schirmer 2001, S. 47-48.

[44] Voss 1999, S. 55.

[45] Zur superlativischen Ausdrucksweise zählen neben dem eigentlichen Superlativ, auch Ausdrücke, die einen hohen Grad ausdrücken, z. B. „sagenhaft", „Super-Mario", Mega­Spiel" oder „unheimlich schwach". Vgl. hierzu Voss 1999, S. 58. Zur näheren Unter­suchung der Sprache der Sportberichterstattung siehe Kapitel 3.1.3 dieser Arbeit.

[46] Voss 1999, S. 58-59.

[47] Bild 12.Juni, S. 19.

[48] Vgl. Voss 1999, S. 61; vgl. auch Schirmer 2001, S. 48-49.

[49] Vgl. Voss 1999, S. 67.

[50] Vgl. Bruck 2002, S. 26; vgl. auch Schirmer 2001, S. 48-49.

[51] Voss 1999 S. 67.

[52] Vgl. Voss 1999, S. 48. Zur ausführlicheren Analyse der Syntax: Heppenstiel 2007, Voss 1999, Mittelberg 1967.

[53] Vgl. Voss 1999, S. 48.

[54] Vgl. Schirmer 2001, S. 46-47.

[55] Voss 1999, S. 60.

[56] Die Bezeichnung prominenter und nicht-prominenter Personen mit speziellen Komposita oder Spitznamen ist in der Boulevardpresse weitverbreitet: „Handlungsträgerinnen werden mittels Spitznamen oder Abkürzungen simpel etikettiert und mit deutlichen moralischen Bewertungen versehen." Bruck 2002, S. 26.

[57] Höke 2007, S. 8.

[58] Damit sind folgende Verkaufsorte gemeint: Tabak-, Buch-, Schreibwaren- und Gemischtwarenläden, sowie der Verkauf auf der Straße durch Kioske, Straßenverkäufer, Verkaufsständer oder „Zeitungshalbautomaten". Vgl. Schirmer 2001, S. 9.

[59] Lippmann, Walter. Zitiert nach Dovifat/Ruß-Mohl/Sösemann, 1990, S. 85.

[60] Vgl. Höke 2007, S. 19, 29; vgl. auch Schirmer 2001, S. 11.

[61] Vgl. Schirmer 2001, S. 12; vgl. auch Voss 1999, S. 26, Bruck 2002, S. 24.

[62] Der Deputy Editor ist mit dem stellvertr. Chefredakteur in Deutschland vergleichbar.

[63] Höke 2007, S. 30.

[64] Voss 1999, S. 26.

[65] Vgl. Voss 1999, S. 26.

[66] Bruck 2002, S. 24.

[67] Vgl. Voss 1999, S. 26.

[68] Vgl. Voss 1999, S. 25.

[69] Vgl. Bruck 2002, S. 24.

[70] Vgl. Voss 1999, S. 25-26.

[71] Vgl. Höke 2007, S. 29; vgl. auch Schirmer 2001, S. 12.

[72] Bruck 2002, S. 24.

[73] Vgl. Schirmer 2001, S. 11-12.

[74] Voss 1999, S. 26.

[75] Schirmer 2001, S. 12.

[76] Vgl. Schirmer 2001, S. 12; vgl. auch Höke 2007, S. 29, Bruck 2002, S. 24.

[77] Die Analyse wird auf die Emotionalisierung, Simplifizierung, Personalisierung und Privatisierung beschränkt, da diese wichtigsten Strategien der Boulevardpresse darstellen. Auf die von Bruck zusätzlich präsentierten Strategien Famililarisierung, Visualisierung, Melodramatisierung und Spektakularisierung wird hier nicht eingegangen. Vgl. hierzu Bruck 2002, S. 28-33.

[78] Schneider, Raue 1996, S. 125.

[79] Büscher 1996, S. 6.

[80] Vgl. Büscher 1996, S. 6; vgl. auch Voss 1999, S. 19.

[81] Christoph Simon, Leitender Chef vom Dienst der Bild, zitiert nach Höke 2007, S. 24.

[82] Die Ansprache der Leseremotionen kann dabei in zwei Richtungen verlaufen, ins Positive oder ins Negative. Elizabeth Bird bezeichnet die beiden Richtungen als „uppers" (positiv emotionalisierend) und „downers" (negativ emotionalisierend). Typische „uppers" sind laut ihr niedliche Kindergeschichten aber auch dramatische Ereignisse mit positivem Ausgang. Der typische „downer" kann beispielsweise eine Familientragödie oder eine Kindesentführung sein. Vgl. Bird 1992, S. 48-56.

[83] Schirmer 2001, S.14.

[84] Bruck 2002, S. 33.

[85] Schirmer 2001, S. 14.

[86] Schirmer 2001, S. 14-15.

[87] Voss 1999, S. 87.

[88] Voss 1999, S. 87.

[89] Vgl. Schirmer 2001, S. 14-15.

[90] Diese sind vor allem sozioökonomischer, kultureller, politischer oder psychologischer Art. Vgl. hierzu Büscher 1996, S. 86.

[91] Bruck 2002, S. 29.

[92] Vgl. Schirmer 2001, S. 13; vgl. auch Büscher 1996, S. 98-99.

[93] Schirmer 2001, S. 14.

[94] Vgl. Schirmer 2001, S. 13-14.

[95] Dulinski 2003, S. 263.

[96] Vgl. Dulinski 2003, S. 263.

[97] Höke 2007, S. 27.

[98] Höke 2007, S. 27.

[99] Bruck 2002, S. 29.

[100] Vgl. Höke 2007, S. 26-27; vgl. auch Voss 1999, S. 83-85, Bruck 2002, S. 29-30.

[101] Damit ist in diesem Kontext eine tatsächliche, nachweisbare Gegebenheit gemeint.

[102] Vgl. Schirmer 2001, S. 99.

[103] Bruck 2002, S. 30.

[104] Vgl. Bruck 2002, S. 30.

[105] Vgl. Höke 2007, S. 26.

[106] Nussberger 1984, S. 149.

[107] Vgl. Schirmer 2001, S. 22.

[108] Höke 2007, S. 34.

[109] Höke 2007, S. 25.

[110] Bruck 2002,S.32.

[111] Höke 2007, S. 25.

[112] Vgl. Höke 2007, S. 25.

[113] Quelle: Deutscher Olympischer Sportbund. Stand: 15.12.2010.

[114] Vgl. Loosen 2001, S. 133; vgl. auch Köstner 2005, S. 35, Gleich 2000, S. 511.

[115] Zur Beziehung von Sport, Medien und der Wirtschaft mit den damit verbundenen positiven und negativen Effekten vgl. Digel und Burk 2001, S. 27-28.

[116] Hans-Bredow-Institut 2006, S. 325.

[117] Der Sport liefert den Medien hohe Einschaltquoten und Auflagen, der Wirtschaft eine gute Werbefläche. Die Medien hingegen garantieren dem Sport eine große Aufmerk­samkeit, die sich wiederum in lukrativen Werbeeinahmen widerspiegelt.

[118] Blain/Boyle, 1998, S. 367.

[119] Bruns 2008, S. 171.

[120] Vgl. Bruns 1998, S. 40-41.

[121] Vgl. Bruns 2008, S. 171.

[122] Vgl. Loosen 2008, S. 10.

[123] Auf die besondere Unterhaltungsfunktion der Sportberichterstattung wird in Kapitel 3.1.2 näher eingegangen.

[124] Vgl. Loosen 2001, S. 137-138; vgl. auch Vgl. Luhmann 1990, S.177.

[125] Loosen 2008, S. 18.

[126] Für eine detaillierte Zusammenfassung der Merkmale vgl. Gleich 2001.

[127] Gleich 2008, S. 189.

[128] Vgl. Gleich 2000, S. 514; vgl. auch Gleich 2008, S. 189.

[129] Loosen 2008, S. 18

[130] Gleich 2000, S. 512.

[131] Gleich 2000, S.512.

[132] Gleich 2000, S. 513.

[133] Vgl. Allmer 1990, 59-74; vgl. auch Möller/Brandt 1994, S. 266-277.

[134] Vgl. Gleich 2000, S. 515.

[135] Vgl. Köstner 2005, S. 43-47.

[136] Laut einer Umfrage von Hackforth sehen 71 Prozent der Sportjournalisten ihre Haupt­aufgabe in der Unterhaltung. Vgl. Hackforth 1994, S. 34.

[137] Vgl. Stiehler 2007.

[138] Vgl. Beck/Kolb 2009, S. 13-33.

[139] Horky definiert die Begriffe hinsichtlich der Berichterstattung folgendermaßen: Dynamisierung ist eine Anreicherung mit Tempo, Unerwartetem und Ungewohntem, sowohl inhaltlich als auch formal. Emotionalisierung beschreibt die Stimulierung, Verbalisierung und Visualisierung von Gefühlen. Narrativisierung bettet die Sportberichterstattung in Geschichten ein. Relevanzzuweisung ist die Aufwertung von Themen in Form der Selektion von Hochleistungssport auf internationalem Niveau, der Verknappung des Wettkampfes auf Duelle einzelner Akteure und die Dramatisierung von Wettkämpfen zu „Events". Vgl. Stiehler/Horky 2009, S. 67-69.

Details

Seiten
138
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656222101
ISBN (Buch)
9783656222323
Dateigröße
19.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196242
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Fußballberichterstattung Boulevard Bild The Sun Stereotype Fremdwahrnehmung Nationalismus WM 2010 Sportberichterstattung Identität Fußball

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Titel: „At least the Germans lost.“