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"The Others" als Horrorfilm

Eine Analyse des Horrors im Film von Alejandro Amenábar

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 20 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

i. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kontext des Horrorfilms
2.1. Horror - Definition und Abgrenzung
2.2. Übersinnlicher und existentieller Horror
2.3. Der Horrorfilm

3. Filmanalyse von The Others Seite
3.1. Inhalt
3.2. Semantische Räume
3.3. Vermittelte Werte und Normen

4. Analyse des Horrors im Film
4.1. Inszenierung
4.1.1. Mise en scène
4.1.2. Musik im Film
4.1.3. Wechsel von Wirklichkeit und Jenseits
4.2. Horror durch Gesellschaftskritik

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

i. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anne im Kommunionkleid

Abbildung 2: Dunkelheit

Abbildung 3: Kameraführung

Abbildung 4: Untersicht auf Bedienstete

1. Einleitung

Viele Filme setzten sich thematisch mit der Wirklichkeit und dem Jenseits auseinan- der und spielen dabei mit den etablierten Vorstellungen vom Jenseits. Auch der spa- nische Regisseur, Drehbuchautor und Filmmusikkomponist Alejandro Amenábar a- giert in seinem Film The Others mit diesen beiden Welten. Neben den Jenseitsvor- stellungen an sich wird in dem Film auch die damit verbundene Thematik um Himmel und Hölle bearbeitet.

Schon bei seinem ersten Kinofilm Tésis im Jahr 1996 zeigt sich dass Horrorge- schichten mit der Thematik um Jenseits und Wirklichkeit den jungen Regisseur be- wegen. Bei Tésis handelt es sich um einen Horrorfilm, in welchem eine Madrider Filmstudentin in das Visier einer Video-Mörderbande gerät. (Vgl. Munzinger Online) Auch der zweite Kinofilm Abre los ojos (Open Your Eyes / Öffne deine Augen) aus dem Jahr 1997, behandelt mit dem gespenstischen Drama eines Mannes, der nach seinem Tod sein Leben weiter träumt ohne dies zu bemerken, wiederholt die Thema- tik um die Realität und das Jenseits.1

The Others aus dem Jahr 2001 ist die dritte große Kinofilmproduktion von Alejandro Amenábar. Darauf folgten weitere Kinoerfolge im Jahr 2004 mit dem Melodrama Mar adentro (Das Meer in mir) sowie mit Agora (Agora - Die Säulen des Himmels) im Jahr 2009.

Bei The Others führte Amenábar Regie, schrieb das Drehbuch und komponierte die Filmmusik. In Kombination dieser drei Faktoren gelang es ihm ein regelrechtes Meis- terwerk des Horrors zu schaffen. Sowohl bei den Filmkritikern, als auch bei dem Pub- likum erhielt der Film überwiegend positive Kritik und avancierte zum erfolgreichsten Film der spanischen Filmgeschichte. Die Süddeutsche Zeitung lobte: "Statt mit digita- len Zaubertricks spektakuläre Monster zu erschaffen, verlegt er das Grauen in die Köpfe seiner Helden, wo die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwim- men" (Vgl. Munzinger Online nach Süddeutsche Zeitung 10.1.2002).

Jedoch gibt es einige Stimmen, die behaupten The Others sein kein richtiger Horror- film. Man kann sagen, dass er er kein typischer Horrorfilm des 21. Jahrhunderts ist, da diese in der Regel weitaus blutrünstiger und gewalttätiger sind. Darüber hinaus, scheint The Others auf den ersten Blick von Amenábars ersten beiden Werken ab- zuweichen, da im Vergleich zunächst nichts wildes und schräges erkennbar ist. Den- noch kann The Others durch seine Wirkung auf subtile und psychische Art und Wei- se als ein klassischer Horrorfilm definiert werden. Der Horror des Films kann genau genommen sogar als existenzieller und übersinnlicher Horror kategorisiert werden. Die vorliegende Arbeit soll nun darüber Aufschluss geben, wie der Horror in The O- thers generiert wird. Hierzu soll zunächst theoretisch auf die Begriffe Horror, existen- zieller und übersinnlicher Horror sowie den Horrorfilm eingegangen werden, um ei- nen einheitlichen Konsens über die verwendeten Begriffe zu schaffen. Darauf hin wird dieser Kontext dann auf The Others übertragen und auf Elemente des Horrors untersucht. Zuerst wird hierbei eine Filmanalyse vorgenommen und darauf folgen genaue Ausführungen über den Horror im Film.

2. Kontext des Horrorfilms

2.1. Horror - Definition und Abgrenzungen

Laut Definition ist Horror ein auf Erfahrung beruhender, schreckerfüllter Schauder, Abscheu, Wiederwille [sich mit etwas zu befassen] oder auch ein schreckerfüllter Zustand, in den jemand durch etwas gerät (Vgl. Fremdwörterbuch, Seite 432). Nach Definition der Brockhaus Enzyklopädie ist Horror darüber hinaus synonym zu verwenden für Schauder, Grausen, Abscheu.

Diese Begriffe lassen sich nun wiederum analog zu den Begriffen Angst und Furcht verwenden: Sich Grauen bedeutet soviel wie Angst oder Furcht haben (Vgl. Synonymwörterbuch, Seite 446).

Wie sich hier bereits andeutet, muss man zwischen Angst und Furcht haben differenzieren. Angst ist ein Gefühl des Unwohlseins, das in der Regel an keinen konkreten Gegenstand gebunden sondern viel mehr nur ein Oberbegriff für ein Grundgefühl ist. Furcht hingegen ist mit einem Objekt gekoppelt und kann somit direkt bestimmt werden. (Vgl. Baumann 1989, Seite 220f).

Angst wird meistens als unangenehm empfunden und man kann sie als einen komplexen Zustand bezeichnen, der durch ein subjektives Gefühl der Beunruhigung und einer erhöhte physiologische Reaktivität gekennzeichnet ist.

Diese Angstzustände lassen sich in der Regel auf die Urängste zurückführen.

Die Urangst bezeichnet allgemein die menschliche Angst um die körperliche oder seelische Gesundheit oder Existenz (etwa in wirtschaftlicher Hinsicht). (Vgl. Brockhaus: Existenz, o.S.)

Nach der amerikanischen Psychoanalytikerin Karen Horney (1937) versteht man unter Urangst weiterhin das Gefühl der Einsamkeit und Hilflosigkeit gegenüber einer feindseligen Welt.

Man hat also angst um die eigene Existenz und darum diese ohne Unterstützung von aussen zu führen.

Darüber hinaus sind auch es auch die Phobien die Angst beziehungsweise Furcht auslösen. Bei diesen Angststörungen handelt es sich um seelische Störungen mit unangebrachter Furcht vor bestimmten Situationen oder Gegenständen, welche die Lebensmöglichkeiten des Betreffenden zum Teil erheblich einschränken. Entsprechend den Furcht auslösenden Reizen spricht man hier von Agoraphobie (Angst vor großen, weiten Plätzen), Klaustrophobie (Angst vor geschlossenen Räumen, Supermärkten, Fahrstühlen), Erythrophobie (Errötungsangst) und Tierphobien (Furcht vor Hunden, Spinnen, Mäusen usw.) (Vgl. Brockhaus: Phobien, o.S.).

Hier wird wiederum die Differenzierung zwischen Angst und Furcht deutlich, da eine Phobie eine Angststörung ist, und man sich bei einer Phobie vor etwas konkretem fürchtet.

2.2. Übersinnlicher und existentieller Horror

Wie soeben deutlich geworden ist, handelt es sich bei Horror um ein Gefühl der Furcht und Angst.

Im Bezug auf die Kategorien existenzieller und übersinnlicher Horror lässt sich also annehmen, dass es sich dabei zum einen um die Angst um die eigene Existenz han- delt und zum anderen um die Angst vor übersinnlichen Mächten. Übersinnlich bedeu- tet in diesem Zusammenhang, dass diese Objekte und paranormale Ereignisse nicht durch dir sinnliche Wahrnehmungen wie sehen, schmecken, riechen, hören und auch fühlen, erfasst werden können. Das Übernatürliche, etwas vom Menschen nicht be- greifbares und nicht auf Naturgesetzen beruhende Ereignisse die nach Auflösung drängen, wirkt seit je her furchteinflößend und faszinierend. Diese im Bereich der nicht sinnlich erfassbaren Dinge, liegen im Bereich der Transzendenz. Dieser ist ein Bereich, der seine Geltung nicht aus der sinnlichen Erfahrungswelt bezieht und inso- fern ihr gegenüber transzendent ist, andererseits aber zur Erfahrungswelt einen seinsstiftenden Bezug hat und insofern für sie seiend ist und aus ihr erkennbar oder erfahrbar (Vgl. Brockhaus: Transzendenz, o.S.). Damit wird ausgedrückt, dass die Übersinnlichen Geschehnisse trotz ihrer Unerfassbarkeit in der Wirklichkeit relevant sind.

Die Angst um die Existenz, wie es die Urangst ist, wiederum zielt mehr auf ein bangen um Leben und Tod und Vorstellungen von Diesseits und Jenseits. Die Existenz ist per Definition die Bezeichnung für die Tatsache, dass etwas ist. Nach dem dänischen Philosophen Søren Kierkegaard zielt der Begriff genau genommen auf das Sein des Menschen. Darüber hinaus bestimmt er die Existenz als dynamischen Seinsvollzug, in welchem der Mensch sich selbst entwirft und zu dem macht, was er zu sein hat oder sein will (Vgl. Brockhaus: Existenz). Jedoch ist die Existenz mit rationalen Mitteln nicht fixierbar und wird deswegen durch Stimmungen wie Angst, Ekel oder Langeweile erschlossen.

Darüber hinaus gibt es ein relevantes Verhältnis von Existenz zu Transzendenz.

Beispielsweise beschreibt Kierkegaard das Verhältnis zur Transzendenz als konstitutiv für das Innewerden der Existenz (Vgl. eba.). Das Übersinnliche ist also maßgeblich für das bewusst werden der eigenen Existenz.

Anhand dieser philosophischen Ansätze kann man eine Verbindung zwischen existentiellem und übersinnlichem Horror erkennen. In dem Bewusstsein, dass etwas Ü- bersinnliches, jenseits der sinnlichen Erfahrungsgrenze liegt, ist erst Erkenntnis über die eigene Existenz möglich. Das bedeutet, dass ein übersinnlicher Horror auch einen existentiellen Horror auslöst. Denn dieser existenzielle Horror ist nur möglich, wenn man sich der eigenen Existenz bewusst ist, welche in diesem Fall durch den übersinnlichen Horror angesprochen wird.

2.3. Der Horrorfilm

Ein Horrorfilm ist ein Film, dessen Thema bei den Zuschauenden Grauen und Ent- setzen erregen soll (Vgl. Fremdwörterbuch 2010, Seite 432). Er entstammt dem Gen- re des phantastischen Films, bei welchem es sich um Filme handelt, in denen über- natürliche Vorgänge und Gestalten ein wesentlicher Bestandteil sind (Vgl. Liptay 2011, Seite 515). Im Subgenre Horrorfilm werden hierzu noch durch die Stimulation von Urängsten im Zuschauer Angstgefühle erzeugt. Hierzu bedient sich der klassi- sche Horrorfilm in der Regel verschiedener Erzählmuster und Symbole (Vgl. Stigleg- ger 2011 , Seite 318).

[...]


1 Der Hollywood-Star Tom Cruise kaufte die Rechte von Abre los ojos und produzierte daraus im Jahr 2001 ein amerikanisches Remake mit dem Titel Vanilla Sky.

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656221067
ISBN (Buch)
9783656221647
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196172
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,3
Schlagworte
others horrorfilm eine analyse horrors film alejandro amenábar

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