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Die Wiederauferstehung Roms unter Kaiser Vespasians Herrschaft und seine diesbezügliche Selbstdarstellung

Römische Antike Kaiserzeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 25 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition: Selbstdarstellung und Propaganda in der Antike
2.1. Selbstdarstellung und Propaganda in der römischen Kaiserzeit

3. Vespasian
3.1. Vespasians Leben vor dem Kaiseramt
3.2. Die Ausgangslage Vespasians Herrschaft
3.3. Der Kaiser Vespasian (69-79)
3.3.1. Reformen und Bautätigkeiten und ihre Bedeutung bezüglich der Selbstdarstellung
3.3.2. Vespasians Selbstdarstellung in Münzen – Eine exemplarische Analyse

4. Fazit

5. Bildanhang

6. Literatur- / Quellen- / und Bildverzeichnis
6.1. Literaturverzeichnis
6.2. Quellenverzeichnis
6.3. Bildverzeichnis

1. Einleitung

Nachdem das Römische Reich lange unter den Geißelungen seiner verschiedenen Herrscher gelitten hatte, stellte die Herrschaftsübernahme der Flavier einen unumgänglichen Neuanfang dar. An der Spitze dieses Geschlechts stand Vespasian als Inbegriff der Reformation und Konsolidierung des Staatswesens. Zur Unterstützung der Wirtschaft ließ er Bauwerke errichten, reformierte das Heer und erhob Steuern. Doch die Bauten waren natürlich nicht nur Mittel zum Zweck, sondern symbolisierten gleichwohl Vespasians Macht. In ihnen spiegelte sich seine Tatkraft und durch sie hinterließ er ein Andenken für die Nachwelt. Genau wie das Errichten von monströsen Bauwerken, war es in der römischen Kaiserzeit Brauch, seine Taten sowie sich selbst auf Münzen darzustellen.

Diese Arbeit befasst sich mit zwei nicht voneinander trennbaren Aspekten. Zum einen mit der Selbstdarstellung des Kaisers Vespasian (69 n.Chr. – 79 n. Chr.) und zum anderen mit seiner Rolle bei der Wiederauferstehung des römischen Reiches.

Zu Beginn fokussiert sich diese Ausarbeitung auf die Selbstdarstellung römischer Kaiser während der Kaiserzeit. Darauf aufbauend wird im Speziellen auf Vespasians Herrschaft und seine diesbezügliche Selbstdarstellung eingegangen.

Dabei werde ich auf die Definition der Selbstdarstellung, sowie der Propaganda eingehen und den Stellenwert der Selbstdarstellung in der römischen Kaiserzeit analysieren. Anschließend soll ein prägnanter Einblick in Vespasians Leben gegeben und die Ausgangslage bei seinem Herrschaftsantritt erläutert werden. Als Kernstück meiner Ausarbeitung soll in Punkt vier die Repräsentation Vespasians erläutert werden. Dabei wird sowohl auf seine verschiedenen Maßnahmen zur Kostenreduktion eingegangen, wie die Reorganisation des Heeres, sowie die Reformation des Senats. Darüber hinaus soll ein Schwerpunkt auf seine Präsentation in Bauwerken und Münzen gelegt werden. In diesem Punkt soll vor allem Vespasians Selbstdarstellung im Bezug auf seine Bauwerke interpretiert werden. Weiterführend möchte ich Vespasians Rolle bei der Reinkarnation Roms darlegen und zu diesem Zweck eine eigenständige Münzanalyse vornehmen. Anschließend werde ich meine Erkenntnis über die Thematik in einem abschließenden Fazit zusammenfassen.

Alle Gliederungspunkte verfolgen neben der Beschreibung von Vespasians Selbstdarstellung, das Ziel folgende Frage zu beantworten: „Vespasian – Retter Roms? – Die Wiederauferstehung Roms unter Vespasians Herrschaft!“

Bei der Bearbeitung des Themas werde ich mich auf die gängige Forschungsliteratur, wie das Werk „Römische Geschichte“ von Hermann Bengston, sowie Stefan Pfeiffers Monographie „Die Zeit der Flavier. Vespasian – Titus – Domitian“ stützen.[1] Dominiert werden meine Erkenntnisse jedoch durch Informationen aus dem Werk des historischen Autors Sueton ( 1. Jh. n. Chr.) „De vita Caesarum“. Außerdem werden meine Einsichten durch die „Historien“ des Tacitus (1. Jh. n. Chr.) und Cassius Dios (2. Jh. n. Chr.) Werk, „Römische Geschichte“ erweitert. Sueton, Cassius Dio sowie Tacitus tragen mit ihren Schriften maßgeblich zu unserem heutigen Wissen über die Antike bei.

2. Definition: Selbstdarstellung und Propaganda in der Antike

Selbstdarstellung und Propaganda spielten in der Antike eine überaus wichtige Rolle. In einer Zeit, in der öffentliche Medien noch nicht zur Verfügung standen, musste die Verbreitung von politischen Beschlüssen und generellen Neuigkeiten andere Wege gehen. In diesem Abschnitt soll die Propaganda an sich, wie auch die Selbstdarstellung als Teil der Propaganda in der Antike, erklärt werden. Vorab werden die Begrifflichkeiten im allgemeinen Bedeutungsmuster analysiert, und anschließend auf ihre Bedeutung in der Antike herunter gebrochen. Dabei werden Mittel und Wege beleuchtet, die dem herrschenden Kaiser zur Verfügung standen, um seinen Untertanen etwas mitzuteilen oder sie zu manipulieren. Darüber hinaus soll in einem Unterkapitel der Stellenwert der Selbstdarstellung und Propaganda in der Kaiserzeit angeschnitten werden.

Vorab soll klar gestellt werden, dass die Begriffe Selbstdarstellung und Propaganda synonym verwendet werden können, jedoch auch völlig unterschiedliche Thematiken beschreiben.[2]

Selbstdarstellung wird genutzt, um die Annahmen der Gesellschaft über sich selbst zu lenken und einen gezielten Eindruck zu hinterlassen. Ebenfalls dient die Selbstdarstellung dazu, bestimmte Reaktionen zu erzeugen.[3] Als Mittel der Selbstdarstellung gilt im Allgemeinen jede Art von öffentlicher Darstellung, wobei zwischen augenblicklicher und längerfristig dauernder Darstellung unterschieden werden muss. Zu den augenblicklichen Mitteln zählen Festspiele, Triumphzüge sowie Opferzeremonien und Amtsübernahmen, zu den langlebigen Bauwerke und auch Münzen.[4] Die Selbstdarstellung setzt einen deutlichen Schwerpunkt auf die Zurschaustellung von Reichtum.

„Propaganda“ ist ein Terminus aus der Neuzeit und entstammt einem religiösen Kontext. Hier setzt die Selbstdarstellung einen Schwerpunkt auf die manipulierende Verbreitung von Ideologemen, im Gegensatz zu der Zurschaustellung von Reichtum, wie es bei der Selbstdarstellung der Fall ist.[5]

2.1. Selbstdarstellung und Propaganda in der römischen Kaiserzeit

Selbstdarstellung sowie Propaganda waren wichtige Faktoren im politischen Leben der Antike. Vor allem während der Kaiserzeit verfolgte die Regierung das Ziel, den „Princeps“ sowie sein Wirken positiv herauszustellen.[6] Alle Taten sollten für das Volk in positivem Licht erscheinen.

Eine große Rolle spielte auch die Münzprägung. Sie eignete sich vorzüglich, um einfache Mitteilungen in alle Bevölkerungsschichten zu befördern. Auf die Münzen wurden Zeugnisse von siegreichen Feldzügen wie auch politische Botschaften geprägt. Die Münzprägung zum Zweck der Propaganda sowie der Selbstdarstellung nahm während der Kaiserzeit kontinuierlich zu und erreichte mit der Spätantike den Höhepunkt. Zwar unterscheidet sich heutige Propaganda deutlich von der antiken, so ist sie doch ein nicht zu unterschätzendes Segment der politischen Agitationen.[7] Abschließend soll an dieser Stelle wiederholt angemerkt werden, dass diese Ausarbeitung sich ausschließlich mit der langlebigen Selbstdarstellung befasst.

3. Vespasian

In diesem Abschnitt soll ein Blick auf Vespasians Leben vor der Kaiserwürde geworfen werden. Dazu wird vor allem das Werk des Sueton herangezogen, welches Vespasians Leben ausführlich beschreibt. Darauf aufbauend wird im nächsten Schritt die Ausgangslage die Herrschaft Vespasians, also das Vier-Kaiser-Jahr beschrieben.

3.1. Vespasians Leben vor dem Kaiseramt

Vespasians Familie stammte nicht aus Rom und gehörte keinem städtischen Adel an. Sein Vater, Flavius Sabinus, arbeitete als Zollbeamter in Kleinasien und später als Geldverleiher in Aventicum. Der Onkel von Vespasians Mutter, Vespasia Polla, hatte es bis zum Senator prätorischen Ranges gebracht.[8] Darüber hinaus lag in der Nähe des heutigen Norcia[9] ein Ort namens Vespasiae. Dort standen zur Zeit des Sueton Denkmäler der Vespasier. Ein Beweis für das hohe Ansehen der mütterlichen Familie.

Vespasian wurde am 17. November im Jahre 9 n. Chr. geboren und hatte einen älteren Bruder namens Sabinus, der später als Stadtpräfekt wirkte.[10] Erzogen wurde Vespasian von seiner Großmutter väterlicherseits. Er lebte auf ihrem Landgut, welches in der Nähe der Stadt Cosa lag. Lange Zeit hielt sich Vespasian dem politischen Geschehen fern und schlug erst auf Drängen seiner Mutter die Staatslaufbahn ein. Sein Bruder, der spätere Stadtpräfekt, hatte sich schon viel früher auf die politische Bahn begeben. Die Brüder trugen beide den breiten Streifen[11] über ihre Toga, als Zeichen ihrer Abstammung aus einer Senatorenfamilie.

Vespasian begann seine Laufbahn mit dem Militärtribunat und war dort im Stabe eines Legionskommandeurs tätig, was ihm wichtige Einzelheiten in der Truppenführung erlernen ließ. Nach seinem Dienst im Militärtribunat folgte das Amt des Quästors, danach das des Ädil und anschließend des Prätors. Dies waren die konventionellen Stufen der antiken Ämterlaufbahn[12] eines jungen Mannes aus senatorischer Familie. Seine Quästur leistete er in der Provinz „Creta et Cyrenne“ (35 n. Chr.) ab. Diese Zeit war von keinen nennenswerten Ereignissen begleitet. Auch sein Ädiliat (38 n. Chr.) verlief ohne besondere Vorkommnisse. Während seiner Prätur im Jahre 39 hatte Tiberius Nachfolger den Kaiserthron bereits bestiegen. Der sogenannte Caligula (kleiner Kommißstiefel), welcher von 37 bis 41 regierte, entriss dem Senat die Macht und es war schwer für die Consuln und Prätoren sich mit der Militärmonarchie abzufinden.[13] Laut Sueton ist Vespasians Verhältnis zu Caligula als positiv zu beurteilen. Exemplarisch für diese These ist zu nennen, dass Vespasian nach Caligulas Sieg in Germanien Spiele zur Erheiterung des Kaisers forderte. Darüber hinaus erwies er ihm nach einem Mal seine Ehrerbietung, indem er sich inständig für das gemeinsame Dinner bedankte. In dem gleichen Jahr heiratete er Flavia Domitilla. Aus ihrer Ehe gingen drei Kinder hervor: Titus (39 – 81 n. Chr.), Domitian (51 – 96 n. Chr.) und Domitilla (ca. 45 – ca. 69 n. Chr.)[14]. Noch vor seiner Ernennung zum Kaiser verlor er seine Frau und seine Tochter.[15] Nach dem Tod von Frau und Tochter benötigte das Haus Vespasians` einen neuen Mittelpunkt, darüber hinaus bedurften die Söhne des Hauses der Führung von Frauenhand, wie sie schon Vespasian bei seiner Großmutter angediehen war. Zu diesem Zweck nahm Vespasian eine Freigelassene namens Caenis in seinem Haushalt auf.[16] Sueton zu Folge nahm sie praktisch den Platz seiner verstorbenen Gattin ein.[17]

Vespasian war stets auf Sparsamkeit bedacht auch mit zunehmendem Reichtum erwarb er keine Villen, da sie für ihn keinen ersichtlichen Nutzen besaßen. Darüber hinaus machte er sich nichts aus dem Prunk solcher Dinge. Diese Eigenschaften kamen während seiner Herrschaft positiv zum Tragen.

Nach dem Sturz von Caligula und der Ernennung von Claudius zum Kaiser (41 – 54 n. Chr.) unterhielt er sehr gute Beziehungen zu Claudius` Günstling Narcissus. Auf Geheiß von Narcissus wurde er im Jahre 43 n. Chr. nach Britannien verlegt. Dort verdiente sich Vespasian erste militärische Auszeichnungen und soll in dreißig Kämpfen gegen den Feind verwickelt gewesen sein. 51 n. Chr. war er zwei Monate lang Konsul[18].

Nachdem Kaiser Claudius (54 n.Chr) einem Giftanschlag der Agrippina zum Opfer gefallen war, stagnierte Vespasians politischer Aufstieg vorerst. Er fürchtete sich vor der intriganten Kaiserin und unterhielt keine Kontakte zu ihr. Kurz nach dem Tod des Claudius wurde sein Stiefsohn Nero zum Kaiser ernannt. Nachdem Nero den Tod seiner Mutter (59 n.Chr.) initiiert hatte und obwohl Vespasian keine Beziehung zum Kaiser pflegte, wurde ihm vermutlich im Jahre 63/64 das Proconsulat der Provinz Afrika per Los übertragen. Obwohl dies eine sehr ehrenvolle Position war und Afrika zu den reichen Provinzen zählte, konnte Vespasian keine großen Reichtümer erwerben. Darüber hinaus vertrat er die sparsame Reichsverwaltung und war mehr für das Einnehmen von Geldern als für das Ausgeben bekannt und erlangte Berühmtheit als „Geizkragen“.[19]

[...]


[1] Pfeiffer, Stefan, Die Zeit der Flavier. Vespasian-Titus-Domitian, Darmstadt 2009

[2] Weber, Gregor, Propaganda, Selbstdarstellung und Repräsentation. Die Leitbegriffe des Kolloquiums in der Forschung der frühen Kaiserzeit, in: Weber, Gregor (Hg.), Propaganda-Selbstdarstellung-Repräsentation im römischen Kaiserreich des 1. Jhs. N. Chr., Stuttgart 2003, S. 11

[3] Goffmann, Erving, Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag, München 1969, S. 218

[4] Erwähnte Bauwerke können auch heute noch in Städten wie Rom besichtigt werden. Im Bezug auf die Übergeordnete Fragestellung, kann als Beispiel der langfristigen Selbstdarstellung das Kolosseum erwähnt werden, welches Vespasian 72 n. Chr. nach seiner Zerstörung neu errichten ließ.

[5] Weber, Gregor, Propaganda, Selbstdarstellung und Repräsentation. Die Leitbegriffe des Kolloquiums in der Forschung der frühen Kaiserzeit, in: Weber, Gregor (Hg.), Propaganda-Selbstdarstellung-Repräsentation im römischen Kaiserreich des 1. Jhs. N. Chr., Stuttgart 2003, S. 11

[6] Zahlreiche Ehreninschriften sowie Ehrentitel bezeugen dies.

[7] Albrecht, Nicole, Propaganda, in: Brodersen, Kai (Hg.), Metzler Lexikon Antike², Stuttgart 2006, S. 498

[8] Bengtson, Hermann, Römische Geschichte. Republik und Kaiserzeit bis 284 n. Chr., München 1973, S. 274

[9] Norcia ist eine Stadt in Italien. Sie liegt ca. 150 km entfernt von Rom und nennt sich im Lateinischen Nursia

[10] Sueton, De vita Caesarum, Buch 8, 1,3 - 2,2

[11] Latus clavus

[12] Cursus honorum

[13] Bengston, Hermann, Die Flavier. Vespasian-Titus-Domitian. Geschichte eines römischen Kaiserhauses, München 1979, S. 14 ff.

[14] Die Lebensdaten Vespasians Tochter lassen sich nicht genau festlegen. Sicher ist nur, dass sie schon vor Vespasians Erhebung zum Kaiser verstarb.

[15] Sueton, De vita Caesarum, Buch 8, 4,1 - 4,4

[16] Bengston, Hermann, Die Flavier. Vespasian-Titus-Domitian. Geschichte eines römischen Kaiserhauses, München 1979, S. 18

[17] Sueton, De vita Caesarum, Buch 8, 2,2 - 3

[18] Consul suffectus

[19] Bengston, Hermann, Die Flavier. Vespasian-Titus-Domitian. Geschichte eines römischen Kaiserhauses, München 1979, S. 21 ff.

Details

Seiten
25
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656221395
ISBN (Buch)
9783656222385
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196021
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,3
Schlagworte
wiederauferstehung roms kaiser vespasians herrschaft selbstdarstellung römische antike kaiserzeit

Autor

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Titel: Die Wiederauferstehung Roms unter Kaiser Vespasians Herrschaft und seine diesbezügliche Selbstdarstellung