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Ein Einblick in "Betrachtungen über die Technik" von José Ortega y Gasset (1933)

Abstecher in die Untergründe der Technik - Das heutige Verhältnis zwischen Mensch und Technik - Der antike Techniker

Seminararbeit 2012 13 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

INHALT

1. Welchen Stellenwert hat Ortega Y Gasset als Technikphilosoph ?

2. Von welchen Voraussetzungen geht Ortega y Gasset aus ?

3. Welches Technikverständnis ergibt sich daraus ?

4. Wie hat sich Technik im Lauf der Geschichte entwickellt ?

5. Welche Probleme entstehen beim Umgang des Menschen mit der Technik ?

6. Fazit

ANHANG

1. Welchen Stellenwert hat Ortega y Gasset (OyG) als Technikphilosoph ?

Ein Nachschlagen in Philosophielexika([1]) unter den Begriffen „OyG“ einerseits und unter

„Technikphilosophie(TP)/Philosophie der Technik“ andererseits lässt schnell zwei Tendenzen

erkennen:

1. OyG wird praktisch überhaupt nicht als Technikphilosoph gesehen. In der Regel wird in erster Linie (neben seinem politischen Engagement) die Bandbreite seines philosophischen Schaffens hervorgehoben (wobei es aber unterlassen wird, dabei auch auf seine technikphilosophische Arbeit hinzuweisen). Hingewiesen wird jedoch immer auf seinen lebensphilosophischen Hintergrund, der dann auch zu seiner Einordnung als früher Existenzialist führt. (Dieser lebensphilosophische Hintergrund ist es dann auch, der, wie im Folgenden noch zu zeigen sein wird, prägend für seinen technikphilosophischen Ansatz wird.)
2. Ebensowenig wird andererseits Technikphilosophie mit dem Namen OyG in Ver- bindung gebracht.

Die Suche nach (deutschsprachiger) Sekundärliteratur hinsichtlich der Beziehung zwischen OyG und der TP bringt nur spärliche Ergebnisse. Wie man aus dem Klappentext bei Kolpatzik indirekt erschliessen kann, gilt Ähnliches auch auch für den spanischsprachigen Bereich. Auch in Fischers Sammlung von Texten zur TP findet sich kein Text von OyG, auch Fischers Anhang zur Genealogie der TP erwähnt OyG nur mit insgesamt fünf Sätzen.

All dies lässt OyGs „Meditación de la técnica“ (erschienen 1933, veröffentlicht 1939, deutscheAusgabe 1949) mit ihren 159 Seiten zunächst nicht gerade als „Must“ für den Philo- sophieinteressierten erscheinen. Allein die Befassung mit den wenigen von Zoglauer für seine Textsammlung „Technikphilosophie“ ausgewählten Seiten der „Betrachtungen“ zeigt aber schnell, wie wegweisend, spannend und aktuell OyGs Überlegungen gerade auf dem oben bereits erwähnten lebensphilosophischen Hintergrund sind. Die vorliegende Arbeit möchte im Rahmen ihrer (begrenzten) Möglichkeiten dazu beitragen, dies deutlich zu machen.

2. Von welchen Voraussetzungen geht OyG aus ?

Wie oben erwähnt hebt bereits die Sekundärliteratur immer wieder deutlich den lebens- philosophisch / existenzialistischen Hintergrund OyGs hervor. Bezogen auf seine Technikphilosophie erscheinen insbesondere folgende Aussagen erhellend: „Als Ausgangspunkt der Analyse seines technikphilosophischen Schaffens dient sein vielzitierter Leitsatz „Yo soy Yo y mi circunstancia“ (Ich bin Ich und meine Umwelt, Verf.)...Diese am Leben orientierte Philosophie findet auch in seinen technikphiloso- phischen Betrachtungen Anwendung: Ortega setzt der reinen und der kritischen Ver- nunft die vitale entgegen, um klarzulegen, dass dieses Organ unseres Denkens nicht eine Philosophie im Auge habe, sondern die Praxis, das Leben.“ ([2])

Ähnlich formuliert Zoglauer: „Für Ortega ist das Leben des Menschen kein passives Sein, sondern ein unablässiges Vorwärtsdrängen, die Verwirklichung neuer Möglichkeiten, oder, wie Ortega es ausdrückt ein Sein, das im Noch–Nicht–Sein besteht<<. Das Leben erfordert die Erzeugung und Herstellung von Dingen, die noch nicht da sind...“ ([3])

Dorowin zitiert noch einmal den o.g. „Leitsatz“ und resümiert, dass dieser „...die >existenzialistische< Auffassung vom Leben als Auftrag ans Ich, sich selbst zu formen, indem es die Umwelt formt, im Kern enthält...“([4])

Auch in den hier zugrundeliegenden wenigen Seiten des Primärtextes wird diese

Sicht von Mensch und Welt pointiert formuliert. Zunächst entwickelt und definiert OyG das Wesen des „Dings“, um den Unterschied des Menschen zu all dem von ihm Vorgefundenen nochmals zu verdeutlichen: „Alles übrige der Welt besteht daraus, was es schon ist. All das ,dessen Seinsweisein dem besteht , was es bereits ist,...nennen wir Ding. In dem Ding ist sein Sein bereits enthalten und erreicht. In diesem Sinn ist der Mensch nicht ein Ding, sondern ein Anspruch, der Anspruch, dieses oder jenes zu sein.“([5])

Durch diese Definitionen von Mensch und Ding kommt OyG zu der Feststellung, dass die Welt der Dinge, in die wir „hineingeworfen“([6]) sind, gegenüber diesem Anspruch des Menschen seinen „Wesensbestand“ ([7]) darin hat, „...Erleichterung oder Behinderung zu sein“.([8])

3. Welches Technikverständnis ergibt sich daraus ?

„Alle menschlichen Tätigkeiten, die man...Technik genannt hat oder die diese Bezeichnung verdienen, sind nichts anderes als Spezifikationen, Verdichtungen des allgemeinen Vorgangs der Selbsterzeugung, die unserem Leben eignet. Wäre unsere Existenz nicht von vornherein der Zwang, mit dem in der Natur vorhandenen Material den außernatürlichen Anspruch, den der Mensch darstellt, zu gestalten – es gäbe keine dieser Techniken“.([9])

Grundlage jeglicher Technik ist also letztlich der Mensch in seiner Geworfenheit in eine Welt, in der er sich als sein eigener Entwurf, sein Programm verwirklichen muss. Technik ersinnt und benutzt die dazu notwendigen Mittel. Wie OyG betont hervorhebt, „umreißt sie (die Technik,Verf.) von sich aus nicht das Programm; ich will damit sagen, dass der technik das Ziel des zu Erreichenden vorbestimmt ist.

Das Lebensprogramm ist vor – technisch.“([10])

[...]


[1]. z.B. Hügli, Lutz, Prechtl u.a.

[2]. s.Zoglauer, 201

[3]. Kolpatzik, Klappentext

[4]. ebd.

[5]. Zoglauer, 22

[6]. Dorowin,in: Metzger, 585

[7]. Zoglauer, 22

[8]. a.a.o., 101

[9]. ebd.

[10]. ebd.

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656221210
ISBN (Buch)
9783656222613
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195848
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Philosophische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Stellenwert von Ortega Y Gasset als Technikphilosoph.Seine Voraussetzungen.Sein Technikverständnis.Geschichtliche Enrwicklung von Technik.Probleme beim Umgang des Menschen mit der Technik.

Autor

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Titel: Ein Einblick in "Betrachtungen über die Technik" von José Ortega y Gasset (1933)