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Beobachtung und Wahrnehmung

Wo liegen die Möglichkeiten und wo die Grenzen der Beobachtungsmethode?

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wahrnehmung
2.1 Definition Wahrnehmung
2.2 Definition soziale Wahrnehmung
2.3 Der Prozess der Wahrnehmung
2.4 Wahrnehmungsgesetze

3 Beobachtung
3.1 Definition Beobachtung
3.2 Beobachtungsformen
3.2.1 Gelegenheitsbeobachtung und systematische Beobachtung
3.2.2 Teilnehmende und nicht teilnehmende Beobachtung
3.2.3 Selbstbeobachtung und Fremdbeobachtung
3.2.4 Langzeitbeobachtung und Kurzzeitbeobachtung
3.2.5 Offene und verdeckte Beobachtung
3.2.6 Strukturierte und unstrukturierte Beobachtung
3.3 Beobachtungsfehler

4 Möglichkeiten und Grenzen der Beobachtungsmethode
4.1 Möglichkeiten der Beobachtungsmethode
4.2 Grenzen der Beobachtungsmethode

5 Resümee

6 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Thema Beobachtung und Wahrnehmung. Die Fragestellung dieser Arbeit lautet: „Wo liegen die Möglichkeiten und wo die Grenzen der Beobachtungsmethode?“ Die vorliegende Arbeit nähert sich diesem Thema, in­dem sie zunächst Definitionen von Wahrnehmung anführt und den Prozess der Wahr­nehmung und die Wahrnehmungsgesetze näher bestimmt. Anschließend folgt die De­finition von Beobachtung und der Darstellung unterschiedlicher Beobachtungsfor­men, um dann die Möglichkeiten und Grenzen der Beobachtungsmethode aufzuzei­gen.

Im Bereich der Pädagogik stellt die Wahrnehmung und Beobachtung eine zentrale Aufgabe für die Pädagogen dar. „Die Beobachtung ist die Eingangstür zur pädagogischen Arbeit“ (Heck 2005, S. 12). Durch Beobachtung lassen sich manche Rückschlüsse auf das Verhalten schließen. Soll Erziehung sinnvoll betrieben werden, kann man auf Beobachtung bzw. Verhaltensbeurteilung nicht verzichten. Die Beobachtung ist in der Erziehungsarbeit mit Kindern eine anerkannte Methode. (vgl. Thiesen 2003, S. 105). In meiner Arbeit mit Kindern ist die Beobachtungsmethode ein wichtiges Instrument, um herauszufinden, wie sich die Kinder entwickeln und was ihre Themenschwerpunkte sind. Ich erhoffe mir durch die Ausarbeitung bzw. Auseinandersetzung mit diesem Thema mein Wissen weiter auszubauen, um es dann auch auf die Praxis übertragen zu können.

Es sei darauf hingewiesen, dass in dieser Arbeit vorwiegend die männliche Schrift­form verwendet wird, da die deutsche Sprache nicht über geschlechtsneutrale Begrif­fe verfügt. Es sei aber betont, dass damit keine Wertung verbunden ist und sich die weibliche Leserin mit meinend angesprochen fühlen darf.

2 Wahrnehmung

Um die Beobachtung besser verstehen zu können, soll zunächst der Begriff der Wahrnehmung erläutert werden. Oft liegt in der Wahrnehmung der Ursprung der Be­obachtungsfehler begründet, auf die in Kapitel 3.3 näher eingegangen wird.

2.1 Definition Wahrnehmung

„Womit -wir auch beschäftigt sind, -wir nehmen es wahr“ (Martin; Wawrinowski 2006, S. 12). Durch die Wahrnehmung bekommen wir Informationen über das, was in der uns umgebenden Realität passiert (a.a.O.,S. 12).

Unter dem Begriff der Wahrnehmung ist in der einschlägigen Literatur u.a. die Defi­nition von Renate Zimmer (vgl. 1995, S. 15) zu finden, die die Wahrnehmung als einen aktiven Prozess beschreibt, bei dem sich der Mensch mit allen Sinnen seine Umwelt zuwendet und sich mit ihren Gegebenheiten auseinandersetzt. Als die klassi­schen fünf sichtbaren Sinne wurden schon von Aristoteles das Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken unterschieden (vgl. Zimmer 1995, S. 52).

Allerdings kann die Wahrnehmung des Menschen nach Krenz (vgl. 2006, S. 240) durch nachfolgende Faktoren entscheidend beeinflusst werden.

- Körperliche Faktoren
- Organisch bedingte Beschaffenheit der Sinnesorgane.
- Personenbezogene Faktoren
- Aktuelle Gefühle & Bedürfnisse
- Bisherige Erfahrungen und Erlebnisse
- Entwickelte Fähigkeiten (Intelligenz)
- Verinnerlichte Normen und Vorurteile
- Soziale Faktoren
- Gesellschaftliche Normen und Werte
- Andere Menschen und Gruppen
- Zeitgeist.

Demnach bestimmen viele Bedingungen, welche Reize nun wahrgenommen werden und welche nicht. Zu den personen- bezogenen bzw. individuellen Faktoren zählen Bedürfnisse wie z.B. Hunger und auch Vorurteile zählen dazu. Kanning, Hofer und Willbrenning (vgl. 2004, S. 284) bezeichnen das Vorurteil als emotionale und meist feindselige Bewertung von Fremdgruppen, welche auf Stereotype [1] beruhen. Vorurtei­le spielen in unserer alltäglichen Bewertung von Personen eine große Rolle. Men­schen ordnen nach Gaugel (vgl. 2007, S. 9) ihre subjektive Welt, indem sie klare Ein­teilungen vornehmen. Mit Begriffen schreiben sie anderen Eigenschaften zu und neh­men dabei auch soziale Wertungen vor. Vorurteile wie Männer sind technisch begabt, können somit auch unsere soziale Wahrnehmung beeinflussen. Zu den sozialen Fak­toren zählen bestimmte Wert- und Normvorstellungen der Gesellschaft. Darüber hin­aus zählen auch andere Menschen bzw. Gruppen dazu, denen man sich zugehörig fühlt. Diese Bezugsgruppen, beeinflussen nach Gaugel (vgl. 2007, S.1) außerordent­lich stark die Wahrnehmung und die damit verbundene Bewertung des Wahrgenom­menen. So besteht z.B. eine Tendenz zur Angleichung von Meinungen in Gruppen, deren Mitglieder in einen engen Kontakt miteinander stehen. Demnach kann der Ein­fluss von anderen Menschen auf uns, zu einer Wahrnehmungsverschiebung führen, ob nun bewusst oder unbewusst, das bleibt offen.

2.2 Definition soziale Wahrnehmung

Wenn die Wahrnehmung durch sozial erlernte Motive wie beispielsweise Emotionen, Einstellungen oder auch Emotionen vorgeformt ist und auf soziale Interaktionen aus­gerichtet ist, z.B. auf Gruppen und Mitmenschen, wird von sozialer Wahrnehmung gesprochen. Die soziale Wahrnehmung ist ein Teilgebiet der Sozialpsychologie. (vgl. Martin; Wawrinowski 2006, S. 15)

2.3 DerProzessder Wahrnehmung

Die Wahrnehmung ist ein aktiver Prozess, in dem das Gehirn versucht, einströmende Reize bzw. Informationen zu sortieren d.h. zu filtern und zu entschlüsseln und mit vorhandenen Informationen, damit sind Erfahrungen und Erkenntnisse gemeint, zu vergleichen und angemessene Reaktionen zu veranlassen. Diese Auswahl bzw. Se­lektion ist auch zwingend notwendig, da der Mensch nicht in der Lage ist, alle ein­strömenden Reize aufzunehmen (vgl. Hobmaier u. a. 1997, S. 82f.). Die Wahrneh­mung organisiert quasi die auf uns einströmenden Reize (vgl. Martin; Wawrinowski 2006, S. 12).

2.4 Wahrnehmungsgesetze

Es wurde ja bereits darauf eingegangen, dass nicht alle einströmenden Reize von un­serem Gehirn aufgenommen werden können, vielmehr erfolgt eine Auswahl, eine Ordnung, eine Betonung und eine Verfestigung dieser Reize. Hierbei handelt es sich nach Martin und Wawrinowski (vgl. 2006, S. 16ff) um die sogenannten Wahrneh­mungsgesetze, auf die im Folgenden eingegangen wird.

- Selektion
Aus der Vielfalt der auf uns einströmenden Reize nehmen wir nur ein bestimmtes Reizangebot wahr. Die individuell wahrgenommenen Gegebenheiten haben für den Einzelnen eine unterschiedliche Bedeutung. Das individuelle Wahrnehmungsfeld zeichnet sich entsprechend ab durch die Art des Reizes, den persönlichen Erfahrun­gen und den aktuellen wirksamen Motiven (Bedürfnissen, Gefühlen, Wünschen). So kann eine Spinne eine Bedrohung für einen Menschen darstellen, der unter einer Spinnenphobie leidet.
- Organisation
Der Mensch ist geneigt eher etwa als Ganzes wahr zunehmen, als bloße Einzelaspek­te. So wird beispielweise bei einem angeregten Gespräch mit einem Freund die Wahrnehmung auf das Gespräch fokussiert und die Umgebung wird lediglich zur Kulisse.
- Betonung
Unsere Erwartungen führen zur Betonung bestimmter Sichtweisen auch auf Kosten andere möglicher Alternativen. So kann einer alleinerziehenden Mutter unterstellt werden, dass sie weniger gut in der Lage ist, ihr Kind zu erziehen wie etwa einer kleine Familie mit Vater und Mutter.
-Verfestigung
Diese Form der Wahrnehmung geht davon aus, dass Erwartungen verstärkt werden müssen. Hierbei steht die Auffassung im Vordergrund, dass z.B die Eigenschaften von Personen weitestgehend unverändert bleiben. So kann beispielsweise eine Päd­agogin immer wieder aggressives Verhalten bei den zu betreuenden Kindern feststel­len, da sie daraufbesonders fixiert ist.

Eine Vielzahl von Faktoren ist also dafür verantwortlich, ob und wie wir überhaupt diesen oder jenen Reiz wahrnehmen. Um ein Überfluten des Gehirns mit Reizen aus der Umwelt zu verhindern, ordnet der Mensch nach bestimmten Faktoren (den kör­perlichen, personenbezogenen & sozialen Faktoten) und Gesetzen (Wahrnehmung- und Gestaltgesetze) für sich ganz individuell und subjektiv die Dinge. Die eigenen Bedürfnisse, Erfahrungen und Erwartungen sind dabei sehr prägsam und nicht die objektiv gegebenen Reize. Die wichtigen Dinge werden versucht, von den unwichti­gen zu differenzieren.

3 Beobachtung

Bisher wurde die Wahrnehmung intensiv betrachtet und erläutert. Im Folgenden soll es darum gehen, den Unterschied zwischen Beobachtung und Wahrnehmung heraus­zuarbeiten, um anschließend den Blick auf die Beobachtungsformen zu richten.

3.1 Definition Beobachtung

Die absichtliche, aufmerksam-selektive Art des Wahrnehmens, die ganz bestimmte Aspekte auf Kosten der Bestimmtheit von anderen beachtet, nennen wir Beobachtung. Gegenüber dem Wahrnehmen ist das beobachtende Verhalten planvoller, selektiver, von einer Suchhaltung bestimmt und von vorneherein auf die Möglichkeit der Auswertung des Be­obachtern im Sinne der überprüfenden Absicht gerichtet. (Martin; Wawrinowski 2006, S. 31 zit. n. Graumann 1966)

Beobachtung ist nicht nur eingeschränkt auf die visuelle Beobachtung, sie findet vielmehr mit allen unseren Sinnesorganen statt (vgl. Martin; Wawrinowski 2006, S. 31). So können wir einen anderen Menschen z.B. auch durch unsere auditive Wahr­nehmung beobachten und uns so ein Bild (wie beispielweise über seine Stimmung Freude oder Ärger) von ihm machen.

In der sozialpädagogischen Arbeit bezieht sich die Beobachtung nicht nur auf klassi­sche Verhaltensbeobachtung von Personen, sondern grundsätzlich auch auf alle mög­lichen Beobachtungsfelder einer sozialpädagogischen Einrichtung, wie z.B auf den Verlauf von geplanten Arbeitsschritten (vgl. Krenz 2007, S. 253).

3.2 Beobachtungsformen

In der einschlägigen Literatur sind unterschiedliche Wege aufgezeigt, Beobachtungs­formen zu strukturieren. Im Folgenden soll mit den beiden übergeordneten Beobach­tungsformen, Gelegenheitsbeobachtung und systematischer Beobachtung begonnen werden. Anschließend werden die Unterformen, die sowohl auf die Gelegenheitsbe­obachtung als auch auf die systematische Beobachtung zu treffen können, eingegan­gen werden. Alle Beobachtungsformen sind grundlegende Verfahren im Alltagsleben und in der pädagogischen Praxis der Sozialen Arbeit.

3.2.1 Gelegenheitsbeobachtung und systematische Beobachtung

Hobmair (u. a. 1997, S. 57) definiert Gelegenheitsbeobachtung als „...eine mehr zu­fällige Wahrnehmung ohne Plan und Absicht, die sich global auf das gesamte Ge­schehen richtet, ohne exakte Festlegung, was, wie und womit beobachtet wird“. Bei­spielsweise nimmt man sich vor, zwei Personen zu beobachten, die sich um einen Parkplatz streiten, ohne sich vorher genau zu überlegen, auf welche Details der Blick dabei gerichtet werden soll. Die Gelegenheitsbeobachtung wird auch freie Beobach­tung, Alltagsbeobachtung oder unsystematische Beobachtung genannt. Der Anlass für diejeweilige Beobachtung liegt im Beobachtungsmoment und ist spontan. Da die Gelegenheitsbeobachtung zufällig stattfindet, gibt es auch keine Vorüberlegungen zum Untersuchungsinhalt, die Beobachtung erfolgt quasi ohne Plan und Absicht. Im Genauen bedeutet das, dass alles beobachtet und allgemein beschrieben wird. Oft­mals kann die Gelegenheitsbobachtung auch Anlass für eine systematische Beobach­tung sein. In der pädagogischen Praxis bietet sie die Möglichkeit, Hintergrundwissen aufzubauen. Neues und Unerwartetes zu erfahren oder auch etwas über die Bedürf­nisse der zu beobachteten Person zu erfahren.(a.a.O., S. 56f) Das Gegenstück zur Gelegenheitsbeobachtung ist die systemische Beobachtung.

[...]


[1]Stereotype = Eigenschaften, die Gruppen bzw. Personen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit zu­geschrieben werden. (vgl. Kanning; Hofer; Willbrenning 2004, S. 284)

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656218807
ISBN (Buch)
9783656219491
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195791
Institution / Hochschule
Fachhochschule Kiel
Note
2,0
Schlagworte
beobachtung wahrnehmung möglichkeiten grenzen beobachtungsmethode

Autor

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Titel: Beobachtung und Wahrnehmung