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Wie (nicht-) indexikalisch sind Graffiti?

Versuch einer Kategorisierung nach Peter Auer

Ausarbeitung 2011 11 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Aktuelle Forschungslage

3. Inwieweit ist das Graffito (nicht-) indexikalisch?

4. Korpusanalyse
4.1 Datensammlung
4.2 Analyse
4.2.1 Was zeigt sich im direkten Vergleich der beiden Orte?
4.2.2 Welche Materialität weisen die Graffiti auf?
4.2.3 Was sagt die Granularität über die Adressaten aus?
4.2.4 Welche Funktion haben die Graffiti inne?
4.2.5 Sind die ausgesuchten Beispiele ortsfest oder nicht ortsfest?
4.3 Fazit

5. Ergebnis und Ausblick

1. Einleitung

Diese Analyse zeigt auf, inwiefern Graffiti mit gängigen Kategorien der linguistic landscape zu erfassen sind und wo ihre Grenzen liegen, ausgehend von der Frage nach der Indexikalitiät von Graffiti. Beginnend mit der aktuellen Forschungslage zu Sprache im urbanen Raum, weise ich bereits auf erste Grenzen hin um sie in der folgenden Analyse anhand ausgesuchter Kriterien vertiefend zu erläutern und zusammenfassend unter dem Punkt Ergebnis und Ausblick schließlich mit Blick auf die Zukunft zu betrachten.

2. Aktuelle Forschungslage mit kritischer Reflektion

Die Erforschung der linguistic landscape ist ein relativ neues Feld der Linguistik[1] und der Bereich der Graffiti nimmt hier eine Sonderstellung ein. Schließlich tauchte das erste Graffito im Frühjahr 1972 auf[2] und stellt zum einen somit eine relativ junge Disziplin dar. Zum anderen unterscheidet sich die Materie der Graffiti deutlich von anderen den öffentlichen Raum strukturierenden Zeichen. Inwiefern sich die Graffiti unterscheiden, möchte ich nun anhand von Peter Auers Text „Sprachliche Landschaften. Die Strukturierung des öffentlichen Raums durch die geschriebene Sprache“[3] skizzieren. Auer führt folgende Unterscheidungskriterien an:

a) Granularität
b) Schichtung
c) Materialität
d) Indexikalität

a) Von unterschiedlicher Auflösung der Schrift spricht Auer im Terminus „Granularität“. Die Größe der Schrift lässt Rückschlüsse auf deren Adressaten zu: Je größer das Zeichen, desto größer die Gruppe der Rezipienten.

Im Bezug auf Grafftit lässt sich zur Granularität keine eindeutige Antwort geben. Es lassen sich sehr wohl kleinere (bspw. Tags) als auch größere Graffiti finden. Jedoch lässt sich der Adressatenkreis beim Graffito nicht nur durch die Auflösungsstufe sondern auch durch die Semantik bestimmen, was im Bereich Schrift im urbanen Raum eine Ausnahme darstellen dürfte. Die Buchstabenkombinationen, die für Graffiti verwendet werden, sind nicht für jeden Leser verständlich, wodurch sich meiner Meinung nach in erster Linie die Gruppe der Rezipienten kategorisiert und erst in zweiter Linie nach der Granularität (näheres dazu unter Punkt 4.2.3).

b) Schrift kann in Beziehung zu anderen Schriften, Schildern, Aufklebern etc. gesetzt werden. Auer unterscheidet hier zwischen Ensembles, Diskursen und Schichtungen. Ensembles nennt Auer Schilder, Schriften etc., die sich in unmittelbarer Nähe semantisch aufeinander beziehen. Zeichen, die identisch gestaltet sind und nicht in unmittelbarer Nähe zu finden sind, werden von Auer als Diskurs betitelt. Die einzelnen Zeichen eines Diskurses stehen in einem inhaltlichen Zusammenhang, wie z.B. Wegweiser oder auch Stadtschilder. Eine Schichtung entsteht nach Auer dann, wenn ein Zeichen auf einem bereits vorhandenem angebracht wurde.

Auch in dieser Unterscheidungskategorie ist das Graffito vielschichtig: Es kann als Ensemble auftauchen wie ein Werk mit Signatur (Tag) und Jahreszahl. In Diskursen stehen z.B. Tags, die über die Stadt verteilt angebracht wurden, und als Schichtungen lassen sich die Graffiti kategorisieren, bei denen primäre Graffiti übersprayt werden.

c) Auer ist hier das Kriterium der Dingfestigkeit von Zeichen wichtig, sodass er eine Hierarchie von Inschrift über Aufkleber bis zum Schild vorschlägt. Hintergründig wird so die Frage nach der Zugehörigkeit von umgebenem Raum zum Zeichen behandelt. Das Graffito wird hier ebenfalls nicht gesondert betrachtet, dürfte sich aber im Bereich der Inschrift bewegen, denn auf sie trifft das Argument, welches Auer dazu aufführt, ebenfalls zu: „[…] sie können nur schwer von der Oberfläche des Objekts entfernt werden, auf das sie sich beziehen.“[4] Eine berechtigte Frage, die nun auftauchen könnte, wäre, ob sich ein Graffito auf das Objekt, auf dem es angebracht wurde, bezieht – aber dazu mehr unter dem folgenden Punkt.

[...]


[1] Auer, Peter (2010). Sprachliche Landschafte. Die Strukturierung des öffentlichen Raums durch die geschriebene Sprache. In Angelika Linke und Arnulf Deppermann (Hrsg.), Sprache intermedial. Berlin, S.273.

[2] Baudrillard, Jean (1978). Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen. Berlin, S. 23, 24.

[3] Auer, Peter (2010). Sprachliche Landschafte. Die Strukturierung des öffentlichen Raums durch die geschriebene Sprache. In Angelika Linke und Arnulf Deppermann (Hrsg.), Sprache intermedial. Berlin, S. 271-298.

[4] Auer, Peter (2010). Sprachliche Landschafte. Die Strukturierung des öffentlichen Raums durch die geschriebene Sprache. In Angelika Linke und Arnulf Deppermann (Hrsg.), Sprache intermedial. Berlin, S.282.

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656214472
ISBN (Buch)
9783656216636
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195652
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Germanistik
Schlagworte
linguistic landscape Peter Auer Linguistik Indexikalität von Graffiti

Autor

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Titel: Wie (nicht-) indexikalisch sind Graffiti?