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Die Entwicklung der Harvard Business School

Seminararbeit 2011 22 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Das akademische Bildungssystem in den USA

2 Die Industrialisierung in den USA als wirtschaftliche Rahmenbedingung

3 Die Entwicklungsgeschichte der HBS

4 Die Erfolgsfaktoren der HBS
4.1 Sorgfältige Planung
4.2 Übereinstimmung der Ziele von Kapitalgebern und Gründern
4.3 Enger Kundenkontakt
4.4 Ständige Produktverbesserungen

5 Nachteile des Konzepts der HBS
5.1 Zu starke Abhängigkeit von den Unternehmen
5.2 Kapitalknappheit

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung des US- Eisenbahnnetzes 1850-1890

Einleitung

Gegenstand dieser Proseminararbeit ist die Entwicklung der Harvard Graduate School of Business Administration, welche im allgemeinen Sprachgebrauch als Harvard Business School (oder kurz als HBS) bezeichnet wird. Der Hauptzweck der Betrachtung besteht darin, in Bezugnahme auf die historische Entwicklung die entscheidenden Merkmale aufzuzeigen, welche zu einem großen Teil dazu beitrugen, dass sich die HBS zu einer der weltweit am höchsten angesehenen Institutionen für die Ausbildung von Führungskräften entwickelte. Dabei soll zuerst ein kurzer Überblick über die in den USA erzielbaren akademischen Grade gegeben werden, um dem Leser ein Rahmenwerk für die Einordnung der Harvard Business Scholl als Graduiertenschule zu geben. Anhand der durch den fortschreitenden Industrialisierungsprozess bestimmten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts soll gezeigt werden, warum die HBS überhaupt gegründet wurde. Anschließend erfolgt ein chronologischer Überblick über ihre Entwicklungsgeschichte. Dabei soll besonders auf Meilensteine in den Jahren von der Gründung bis 1945 eingegangen werden, welche einen wesentlichen Beitrag zur weiteren Entwicklung leisteten. Auf spätere Ereignisse kann leider nur verkürzt eingegangen werden, da eine genaue Betrachtung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Auf Basis der historischen Daten sollen anschließend die Faktoren analysiert werden, welche eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der HBS zu einer der weltweit führenden wirtschaftswissenschaftlichen Universitäten spielten. Außerdem soll dem Leser verdeutlicht werden, welche Parallellen zwischen der Erfolgsgeschichte der HBS und den Faktoren einer erfolgreichen Unternehmensgründung existieren. In Gegenüberstellung zu den Erfolgsfaktoren soll anschließend eine Betrachtung der Nachteile erfolgen, welche mit diesen einhergingen. Als Abschluss erfolgt eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse, welche dem interessierten Leser als eine Anregung für eine weitere Vertiefung in das Thema dienen soll. Des weiteren soll aufgezeigt werden, welche Aspekte des untersuchten Themas einer weiteren wissenschaftlichen Erforschung bedürfen.

1 Das akademische Bildungssystem in den USA

Um in der folgenden Betrachtung eine bessere Einordnung der Harvard Graduate School of Business Administration zu ermöglichen, erfolgt nun ein kurzer Überblick über die verschiedenen Bildungsabschlüsse und die sie verleihenden Institutionen. Da dieser Überblick jedoch lediglich die heutigen Strukturen wiedergibt, ist zu beachten, dass er nicht vollständig auf die Gründungszeit der Harvard Business School übertragbar ist. Prinzipiell können in den USA fünf Stufen von Abschlüssen erworben werden: associate, bachelor, master, professional und doctoral. Die ersten beiden werden in der Regel von Colleges vergeben und stellen die Voraussetzung für den Erwerb eines höheren Grades dar. Daher werden sie als undergraduate degrees bezeichnet. Der bei weitem üblichste Studiengang ist dabei der Bachelor, dessen Erwerb meist zwei Jahre dauert. Er soll den Absolventen die Fertigkeiten vermitteln, die für den Einstieg ins Berufsleben oder für den Erwerb einer höheren Bildung erforderlich sind. Wird die akademische Laufbahn nach Erlangen des Bachelorgrades fortgesetzt, erfolgt meist der Wechsel an eine andere Universität, wo die höheren, als graduate degrees bezeichneten Grade abgelegt werden können. Die Master- Bildungsgänge dauern in der Regel vier Jahre, danach kann auf bestimmten Gebieten wie zum Beispiel Recht und Medizin der professional degree erlangt werden. Die Bemessung der erbrachten Studienleistungen erfolgt ähnlich dem europäischen Bologna- System mit Credits1. Der höchste akademische Grad ist der Doktortitel. Ein wichtiger Unterschied zum deutschen System besteht darin, dass die Hochschulen die von Ihnen verliehenen akademischen Grade selbst festlegen und betiteln können und diese nicht von einer staatlichen Institution genehmigt werden müssen. Auch haben die Bildungseinrichtungen weitgehend freie Hand bei der Gestaltung der Lehrinhalte2. Im Gegenzug sind die Hochschulen mit Ausnahme der sich in kommunaler Trägerschaft befindlichen community colleges auf selbst akquirierte Mittel wie Schulgeld, Schenkungen und Gelder aus Stiftungen angewiesen3.

2 Die Industrialisierung in den USA als wirtschaftliche Rahmenbedingung

In diesem Kapitel soll gezeigt werden, auf welche Art der Industrialisierungsprozess in den USA in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts die zielgerichtete Ausbildung wirtschaftlicher Führungskräfte notwendig machte. Bis 1850 waren komplexere administrative Strukturen, wenn überhaupt, nur in den größten amerikanischen Unternehmen vorhanden. Eine wichtige Rolle für die Etablierung komplexerer Organisationen spielten im weiteren Verlauf die großen Infrastrukturprojekte wie der Bau von Kanälen und Eisenbahnstrecken. Der Bau an sich erforderte dabei noch keine großen Verwaltungsstrukturen, da in der Regel nur ein kleines Bauunternehmen für einen bestimmten Abschnitt der Strecke unter Vertrag war und somit der jeweilige Bauunternehmer seinen Abschnitt ohne weiteres unmittelbar selbst beaufsichtigen konnte. Auch die Verwaltung konnte meist in die Hand eines Einzelnen gelegt werden, solange die Streckenlänge noch begrenzt war. Mit der Inbetriebnahme der großen Ost- West- Eisenbahnstrecken zu Beginn der 1850er Jahre wurde jedoch eine differenziertere Organisationsstruktur notwendig4. Als einer der Ersten erkannte Daniel C. McCallum, Vorsitzender der Erie Railroad Company, die Notwendigkeit eines ausgeklügelteren Organisationssystems. Er sah die sorgfältige und detaillierte Definition von Befehls -und kommunikationswegen zwischen dem Hauptsitz und den Niederlassungen eines Unternehmens als wesentlich an. In den 1850er bis 1870er Jahren implementierten die großen Eisenbahnunternehmen des Landes detaillierte Strukturen für die Kommunikation zwischen dem jeweiligen Hauptsitz und den Niederlassungen, als auch für die Kommunikation der Niederlassungen untereinander. Der Ausbau der Eisenbahnstrecken schaffte mehr als jeder andere Faktor die Voraussetzung für ein Anwachsen der industriellen Produktion. Dies führte durch die hohe Konzentration von Arbeitskräften in den schnell wachsenden Industriezentren an der US- Ostküste wiederum zu einer steigenden Nachfrage im urbanen Raum. Um diese Nachfrage bedienen zu können, vervielfachten die Produzenten ihren Output. Dies geschah einerseits durch den verstärkten Einsatz maschineller Fertigung, andererseits aber auch durch die Gründung von Niederlassungen nahe den Industriezentren sowie durch die Ausweitung der Unternehmensaktivitäten auf vor- bzw. nachgelagerte Wertschöpfungsstufen. Diese Neustrukturierungen, bei denen die Industrieunternehmen auch auf die von den Eisenbahngesellschaften gesammelten Erfahrungen zurückgriffen, führten bis in die 1890er Jahre zu Unternehmen, welche aufgrund ihrer schieren Größe nicht mehr von Einzelpersonen oder Familien verwaltet werden konnten, sondern genau wie die Eisenbahnunternehmen eine Leitung durch professionelle Führungskräfte brauchten5. Speziell die Eisenbahn betreffend gab es durchaus fachspezifische Studiengänge, allerdings konzentrierten diese sich auf die ingenieurwissenschaftlichen Aspekte der Infrastruktur, nicht jedoch auf das wirtschaftlich erfolgreiche Betreiben derselben, oder sie hatten einen sehr beschränkten Umfang, welcher nicht den von McCallum definierten Ansprüchen an eine angehende Führungskraft genügte. Die erste Anregung zur Gründung einer school of railroading, also einer Fachschule zur Ausbildung von Führungskräften speziell für Eisenbahngesellschaften, kam schließlich von George Bridge Leighton, dem Vorsitzenden der Los Angeles Terminal Railroad Company6. Diese Anregung bildete den ersten Anstoß dafür, eine praxisorientierte Managementschule zu gründen, und soll daher als Ausgangspunkt der historischen Entwicklung der HBS zu Beginn des folgenden Kapitels näher beschrieben werden.

Abbildung 1: Entwicklung des US- Eisenbahnnetzes 1850-1890

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Die Entwicklungsgeschichte der HBS

Leighton, selbst Harvard- Absolvent, brachte seinen Vorschlag mittels eines Artikels im Harvard Graduate's Magazine, der Absolventenzeitung der Harvard University ein, in welchem er die Fähigkeiten beschrieb, welche die Führungskraft einer Eisenbahngesellschaft aufweisen müsste, um das eigentliche Ziel eines Unternehmens, nämlich das Erwirtschaften einer Rendite für die Eigentümer, im bestmöglichen Umfang zu erfüllen. Für besonders wichtig erachtete er, dass die Führungskraft die Beziehungen zu den Stakeholdern des Unternehmens wie etwa den Eigentümern, der Öffentlichkeit und dem Staat versteht.

Außerdem sollte ein Manager in der Lage sein, Menschen zu führen, Niederlassungen zu organisieren sowie geeignete Mitarbeiter zu rekrutieren. Leightons Ansicht nach müsste er Kenntnisse nicht nur in Angelegenheiten das Kerngeschäft betreffend haben, sondern auch über breites rechtliches, technisches, ökonomisches sowie buchhalterisches Wissen verfügen. Diese Fähigkeiten sollten ihm in einer eigens dafür geschaffenen school of railroading vermittelt werden. Die Idee Leightons führte zum Briefwechsel mit Charles William Eliot, dem damaligen Präsidenten der Harvard University. Dieser konsultierte Henry Lee Higginson, einen Banker aus Boston, Mitglied des Harvard- Finanzkomitees und zeitlebens großzügiger Geldgeber der Universität. Dieser lehnte den Vorschlag rigoros ab7. Somit war die Einrichtung einer school of railroading an der Harvard University vorerst gescheitert. Leighton realisierte seine Idee stattdessen im April 1897 an der University of Pennsylvania und teilte Präsident Leighton 1901 das Ende seines Engagements für die Einführung einer solchen Lehre in Harvard mit8.

Dessen ungeachtet hatte Harvard jedoch einige signifikante Probleme. Einerseits machte das landesweit höchste Schulgeld den Zugang für breite Bevölkerungsschichten unmöglich. Andererseits hatte die Lehre aufgrund eines starken Augenmerkes auf dem Auswendiglernen von Inhalten sowie jahrhundertealter Lehrpläne keinen Praxisbezug. All dies führte dazu, dass Harvard bezüglich der Entwicklung der Studentenzahlen verglichen mit anderen namhaften US- Universitäten zunehmend an Boden verlor. Folglich musste man eine Neuausrichtung der Lehre hin zu praktisch anwendbarem Wissen in Betracht ziehen. Dass sich dabei die Einrichtung einer Schule für Betriebswirtschaftslehre anbot, wird dadurch bewiesen, dass ein großer Teil der Absolventen direkt als Führungskraft in die Wirtschaft einstieg. Eine Graduiertenschule mit einem Bachelorgrad als Zulassungsvoraussetzung wurde von Eliot aufgrund des bereits von Leighton spezifizierten vielfältigen Anforderungsprofils an zukünftige Führungskräfte als notwendig erachtet. Die Details für die Gründung sollten ab Ende 1906 von einem Komitee, bestehend aus den Professoren Taussig Gay und McVane, ausgearbeitet werden9. Ein weiterer Unterstützer war A. Lawrence Lowell, Professor an der Harvard Law School. Zu Beginn wurde die Gründung einer Schule für privates und öffentliches Management geplant, der letztere Bereich jedoch wieder fallen gelassen. Taussig als Vorsitzender des Komitees und Lowell als Verfechter des Projekts wurden Anfang 1907 von Präsident Eliot mit der Geldmittelbeschaffung für die Umsetzung beauftragt. Die Schule sollte nach Ansicht Taussigs zunächst einen fünfjährigen Probelauf absolvieren und während dieser Zeit durch Mitteln aus einer Spendensammlung finanziert werden. Den benötigten Betrag schätzte er auf 15000$ zu Beginn des Projekts, zusätzlich zu Stiftungsgeldern i.H.v. 250000$ für die gesamten fünf Jahre und jährlichen Einnahmen i.H.v. 5000$. Nach der Probezeit wäre die Institution seiner Meinung nach in der Lage, sich durch Einnahmen aus der Kooperation mit Unternehmen und Studiengebühren zu finanzieren. Im März 1907 erhielt das Komitee von Eliot die Freigabe für die Akquise der von Taussig geschätzten Gelder, welche u.a. von John D. Rockefellers General Education Board sowie Henry Lee Higginson gestiftet wurden10.

[...]


1 Eckel/King; 2004, S.8

2 ebd, S. 9

3 ebd, S. 5

4 vgl. Abb. 1, nach: Depew, 1968, S. 111

5 Chandler, 1995

6 Cruikshank., 1987. Alle chronologischen Daten in dieser Arbeit entstammen, soweit nicht anders genannt, diesem Werk.

7 vgl. Kap. 4.2

8 Cruikshank, 1987, S. 12

9 ebd., 1987, S. 30

10 Cruikshank, 1987., S.34

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656213796
ISBN (Buch)
9783656213765
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195608
Institution / Hochschule
Technische Universität Bergakademie Freiberg – Lehrstuhl für Forschungs -und Entwicklungsmanagement
Note
1,0
Schlagworte
Harvard Harvard Business School HBS Gründungsmanagement Business School Bildungssystem USA Unternehmensgründung Erfolgsfaktoren MBA Harvard Graduate School of Business Administration Mayo Copeland Harvard Fatigue Laboratory Hawthorne Bauer Cruikshank Management and the Worker

Autor

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