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Laktanz De ave Phoenice - Interpretation der Verse 1-54

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Latein

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Interpretation der Verse 1-54
2.1 Zum Autor
2.2 Zum Werk carmen de ave Phoenice
2.2.1 Stand der Forschung
2.2.2 Hinweis zur Gattung
2.3 Der Vogel Phoenix allgemein
2.4 Der Vogel Phoenix bei Laktanz
2.4.1 Die Heimat des Phoenix V. 1-32
2.4.1.1 Die geographische Lage V. 1-4
2.4.1.2 Die geographische Beschaffenheit V. 5-14
2.4.1.3 Die Besonderheiten dieses Ortes V. 15-30
2.4.1.3.1 Die paradiesischen Zustände V. 15-24
2.4.1.3.2 Die Quelle V. 25-30
2.4.2 Der Phoenix als Sonnendiener V. 31-54

3 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der alte Mythos um den wunderbaren Vogel Phoenix besagt, dass dieser nach einer gewissen Lebensspanne verbrennt und aus seiner Asche neu entsteht. Bis in die heutige Zeit hat sich beispielsweise die Redewendung „wie ein Phoenix aus der Asche“ gehalten und wird in unserem Sprachgebrauch zur Beschreibung der Erholung von einem schweren Schlag verwendet. Seine Unsterblichkeit inspiriert auch noch in der heutigen Zeit Firmen und Regisseure, die seinen Namen für ihre Produkte und Filme nutzen.

Der Phoenix-Mythos reicht bis in die ägyptische Mythologie zurück. Auch bei zahlreichen griechischen und römischen Autoren findet er Erwähnung. Er tritt in den Metamorphosen Ovids auf, in den Annalen des Tacitus, in der Naturalis historia des Plinius, in den Etymolgiae des Isidor von Sevilla, bei Herodot, Pomponius Mela, Philostratos und vielen weiteren. Die Details des Mythos wurden aber immer wieder modifiziert, wobei die wesentlichen Elemente gleich geblieben sind.

Thematisch interessant ist dieses im elegischen Distichon verfassten carmen, das 170 Verse umfasst, da es eine grundlegende Sehnsucht des Menschen zum Inhalt hat: Die Unsterblichkeit, ein Überwinden von zeitlichen und physikalischen Grenzen. Es spiegelt das Erlangen einer zweiten Chance, eines neuen Lebens wider. Diese Vorstellung ist in den Köpfen der Menschen bis heute verankert und hat die Verbreitung und Überlieferung dieses Mythos gewährleistet.

Zudem lohnt die Beschäftigung mit dem Wundervogel Phoenix, da dieser eine ungeheuer große symbolische Bedeutung hat. In der römischen Kaiserzeit fungiert er als Symbol für die Ewigkeit Roms als Prägung auf Münzen und Särgen, aber auch als Symbol für die Erneuerung des Zeitalters und generell für die Welt.[1] Im Christentum gilt er als Symbol für die Auferstehung. Die Elegie nimmt in der römischen und christlich-lateinischen Literatur eine besondere Stellung ein: „Sie ist das erste uns bekannte Gedicht lateinischer Sprache, das als Kunstwerk, d.h. als Dichtung im Anschluss an die literarische Tradition konzipiert ist. Mit ihr beginnt die lateinische christliche Poesie.“[2]

2 Interpretation der Verse 1-54

Inhaltlich kann das carmen in vier größere Abschnitte und drei kleinere gegliedert werden: Der erste Teil des Gedichts, die Verse 1-32 beschreiben die Heimat des Vogels. Die Verse 33-58 beinhalten eine Deskription seiner Aufgabe als Diener der Sonne. Im dritten Abschnitt von V. 59-94 wird sein Sterben dargestellt und im anschließenden von V. 95-116 seine Wiedergeburt. Die Verse 117-156 umfassen seinen Flug nach Heliopolis in Ägypten, die Verse 157-160 seinen Ätherflug und die letzten Verse von 161-170 seine Seligpreisung.[3] Betrachtungsgegenstand dieser Hausarbeit sollen die ersten beiden Textstücke bis Vers 54 sein (Herkunftsort des Phoenix und seine Funktion als Sonnendiener).

2.1 Zum Autor

Es gibt wenige direkte Zeugnisse über das Leben von Lucius Caecilius Firmianus Lactantius, da er selbst kaum Angaben über sich gemacht hat. Geboren ist er wohl um 260 n.Chr. in Nordafrika. Unklar ist auch sein Wirkungsort, es kann jedoch Karthago angenommen werden. Von Beruf war er Rhetor, einst Schüler des Arnobius von Sicca in Numidien. Um das Jahr 290 n.Chr. wurde Kaiser Diokletian auf ihn aufmerksam und berief ihn als staatlich besoldeten Lehrer der lateinischen Rhetorik nach Nicomedia in Bithynien. Es kann angenommen werden, dass er hier auch Erzieher des späteren Kaisers Konstantin war. Ab dem Jahr 303 n.Chr. gab er seine Lehrtätigkeit in der griechischen Stadt auf und widmete sich der Schriftstellerei. Er trat aufgrund der diokletianischen Christenverfolgungen von seiner Lehrtätigkeit zurück, da er in der Zwischenzeit selbst zum Christen geworden war. Besonders in Kleinasien blühte das Christentum zu dieser Zeit. Nun wendete sich Laktanz der christlichen Schriftstellerei zu, griff heidnische Lehren an und verteidigte den christlichen Standpunkt. Nach 313 n.Chr. machte Konstantin Laktanz zum Erzieher seines Sohnes Crispus in Trier.[4] Über Zeit und Umstände seines Todes ist nichts bekannt, sodass nur vermutet werden kann, dass er um 340 n.Chr. in Trier gestorben ist. Heute wird er zu den Kirchenvätern gezählt und gilt als einer der bekanntesten Apologeten des frühen Christentums. Sein Hauptwerk sind sicherlich die 7 Bücher Divinae institutiones, die er während der Christenverfolgung unter Diokletian verfasst hat. Sie sind eine umfassende Darstellung und Kritik an der heidnischen Religion und Philosophie aus christlicher Sicht, abgefasst für ein gebildetes Publikum.[5]

2.2 Zum Werk carmen de ave Phoenice

Die Sage vom Vogel Phoenix ist Gegenstand zweier Gedichte der Spätantike. Das eine umfasst 110 Verse und stammt von Claudius Claudianus, das andere hat einen Umfang von 170 Versen und kann Laktanz unter Vorbehalt zugeordnet werden. Das Gedicht wurde von den Christen häufig als Stützargument für die Auferstehungshoffnung verwendet und als Symbolik für das Weiterleben nach dem Tod (Grabsymbolik). In der Antike wurde es u.a. als politisches Symbol, bspw. für die Dauer des Reiches, verwendet.

2.2.1 Stand der Forschung

Die beiden carmina sind nicht unabhängig voneinander entstanden. Eine Abhängigkeit dieser beiden Gedichte kann als gesichert betrachtet werden. Umstritten ist jedoch die Reihenfolge der Abhängigkeit, wie auch die Verfasserschaft des Laktanz. Laktanz’ Elegie hat Claudian sehr wahrscheinlich als Vorlage gedient, wenn Laktanz als Verfasser des Gedichts angenommen wird.[6] Die Verfasserschaft des Laktanz für De ave Phoenice ist jedoch aus verschiedenen Gründen immer wieder in die Diskussion geraten, sodass das Abhängigkeitsverhältnis noch nicht abschließend geklärt werden konnte. Auch die zweifelhafte Überlieferung gibt keine Auskunft über die Autorenschaft: Es existiert eine größere Anzahl jüngerer Handschriften, jedoch nur drei maßgebende ältere. Hierzu wird der Codex Parisinus des 8./9. Jh. gezählt, der Codex Veronensis des 9. Jh. und der Codex Leidensis Vossianus des 10. Jh.[7] Die Pariser Handschrift ist unvollständig überliefert und kennt keinen Verfasser bzw. führt das Gedicht unter den Gedichten des Venantius Fortunatus (6. Jh.) an.[8] Die beiden letztgenannten nennen Laktanz als Autor, ähnlich wie fast alle jüngeren Handschriften.

[...]


[1] Vgl. Hoffmann, Friedhelm: Phönix. URL: http://www.bibelwissenschaft.de/nc/wibilex/das-bibellexikon/details/quelle/WIBI/zeichen/p/referenz/30928/cache/fca8017fa19cf22aeeffa1aef0272402/

[2] Wlosok, Antonie: Die Anfänge christlicher Poesie lateinischer Sprache: Laktanzens Gedicht über den Vogel Phoenix. In: Neukam, Peter (Hg.): DIALOG Schule und Wissenschaft. Klassische Sprachen und Literaturen. Informationen aus der Vergangenheit, Bd. 16 (1982), S. 129.

[3] Vgl. Nickel, Rainer: Lexikon der antiken Literatur. Düsseldorf u.a. 1999, S. 129.

[4] Vgl. Brandt, Samuel: Zum Phoenix des Lactantius. In: RhM 47 (1892), S. 398.

[5] Vgl. Lactantius: Divinae institutiones. Fünftes Buch. Hrsg. und erl. von Helmut Hross. München 1963. (Humanitas Christiana, Bd. 11), S. 7-13.

[6] Vgl. Richter, Will: Zwei spätantike Gedichte über den Vogel Phoenix. In: RhM 136 (1993), S. 62.

[7] Vgl. Walla, Marialuise: Der Vogel Phoenix in der antiken Literatur und der Dichtung des Laktanz. Wien 1969, S. 119f.

[8] Vgl. Richter, Will: Zwei spätantike Gedichte über den Vogel Phoenix. In: RhM 136 (1993), S. 75.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656221364
ISBN (Buch)
9783656222361
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195564
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,3
Schlagworte
laktanz phoenice interpretation verse

Autor

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