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Open Innovation und Mass Customization: Gemeinsamkeiten und Unterschiede entscheidender Charakteristika

Seminararbeit 2011 13 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Open Innovation
2.1 “Demand pull” und “Technology Push”
2.2 Der Kunde als Innovator
2.3 Abgrenzung und Charakterisierung von Open Innovation
2.4 Grundgedanken von Toolkits für Open Innovation

3 Mass Customization
3.1 Abgrenzung und Charakterisierung von Mass Customization
3.2 Grundprinzipien von Mass Customization

4 Interaktive Wertschöpfung

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Gegenüberstellung von traditioneller Produktentwicklung und dem Kunden als Innovator

Abb. 2: Das Modell der interaktiven Wertschöpfung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ausgelöst durch die technische Entwicklung und neuen Anwendungsgebiete der mo- dernen Informations- und Kommunikations- (IuK)-Technologien wandeln sich die in- dustriellen Wertschöpfungsaktivitäten seit einigen Jahren in geradezu spektakulärem Ausmaß. IuK-technologiebasierte, moderne Fertigungstechnologien ermöglichen in vielen Industriezweigen eine Symbiose der Prinzipien von wirtschaftlicher Massenferti- gung und kundenindividueller Einzelfertigung. Diese Kombination aus massenhafter und individueller Fertigung wird mit dem Begriff Mass Customization (als deutsche Übersetzung hat sich “kundenindividuelle Massenproduktion” durchgesetzt) bezeichnet. Mass Customization soll eine Antwort auf die zunehmende Heterogenisierung und In- dividualisierung der Nachfrage bieten.[1] Das zentrale Element stellt dabei der Einbezug des Kunden in die Wertschöpfung im Rahmen eines Co-Design-Vorganges dar.

Die Konkretisierung der Idee der Interaktiven Wertschöpfung kann aber auch im Inno- vationsprozess erfolgen. Wir verwenden im Folgenden den Begriff Open Innovation. Bei Open Innovation sind es vor allem Nutzer mit besonderen Eigenschaften, die in den Innovationsprozess einbezogen werden, bzw. diesen sogar anstoßen. Diese fortschrittli- chen Nutzer (Lead-User) kreieren in der Regel Lösungen, die anschließend für einen größeren Abnehmerkreis gegebenenfalls sogar “massenhaft” hergestellt werden.[2]

Doch während der Gedanke von Mass Customization bereits weite Rezeption in Wissenschaft und Praxis gefunden hat, steht Open Innovation erst am Anfang.[3]

Die Intention der Arbeit ist es, dem Leser einen Überblick über Open Innovation und Mass Customization anhand der bestehenden Literatur zu geben und darauf aufbauend Gemeinsamkeiten und Unterschiede relevanter Kriterien zwischen diesen beiden Formen der interaktiven Wertschöpfung darzustellen.

2 Open Innovation

2.1 “Demand pull” und “Technology Push”

Zu Beginn der Innovationsforschung wurde zunächst die Frage diskutiert, ob es eher der „Demand Pull“ oder der „Technology Push“ sei, der zum Erfolg der Innovation führt. „Demand Pull“, also vom Markt bzw. Kunden induziert, werden Innovationen genannt, die sich eng an aktuellen Kundenwünschen und -bedürfnissen ausrichten. “Listen care- fully to what your customers want and then respond with new products that meet or exceed their needs."[4] Demgegenüber steht der „Technology push“, bei dem der Anbieter autonom ausgehend von neuen Technologien und Basistrends neue Lösungen entwi- ckelt.[5] Der Versuch, auf diese Unterscheidung eine begriffsbildende Typologie aufzu- bauen, scheiterte, weil sich zeigen ließ, dass diese monokausale Sichtweise unrealistisch ist. Erfolgreiche Innovationen beruhen auf der Zusammenführung von beiden Auffas- sungen.[6]

2.2 Der Kunde als Innovator

Doch es gibt noch einen dritten, ergänzenden Weg, der den Kunden als Innovator sieht. Unter dem Konzept des Lead-User-Ansatzes wurde dies bereits ausführlich in der Literatur diskutiert.“Lead users face needs that will be general in a marketplace, but face them months or years before the bulk of that marketplace encounters them, and Lead users are positioned to benefit significantly by obtaining a solution to those needs.”[7] Überdies werden sie selbst erfinderisch tätig, um den neu auftauchenden Be- dürfnissen gerecht zu werden. Speziell die eigene Unzufriedenheit mit dem bisherigen Marktangebot sorgt dabei für die notwenige Motivation unter Lead-Usern.

Innovation durch Kunden kann aber auch noch einen Schritt weiter gehen. Hierbei sind es dann meist nicht einzelne Individuen, sondern Communities von Nutzern, die sich in einer Innovationsgemeinschaft zusammenschließen. Das Paradebeispiel stellt die Open- Source-Bewegung[8] dar. Die Akteure der Open Source Community haben die Idee zum Produkt gehabt, dieses konzipiert und umgesetzt, für seine Verbreitung gesorgt und das Produkt kontinuierlich weiterentwickelt. Die Idee von Open Source lässt sich auch auf andere Produktbereiche übertragen und kann vor allem im Innovationsprozess genutzt werden. Da der Begriff Open Source sehr stark an die Entwicklung von Software ange- lehnt ist, wollen wir in einer Übertragung von „Open Innovation“ sprechen.[9]

2.3 Abgrenzung und Charakterisierung von Open Innovation

Open Innovation bezeichnet also Innovationsprozesse, die ihren Fokus auf eine starke Integration der Nutzer in den Entwicklungsprozess legen. Open Innovation geht infol- gedessen viel weiter als der klassische „Demand Pull“ Ansatz, bei dem die Nutzer ledig- lich auf Basis von Marktforschungserhebungen indirekt in die Entwicklung integriert werden.[10]

Die neue Sichtweise ist auch gegenüber der klassischen Argumentation eines “offenen Innovationsprozesses”, die vor allem durch Chesbrough[11] geprägt wurde, zu differenzieren. Diese Idee des „offenen Innovationsprozesses“ propagiert zwar den Einbezug vieler externer Partner als Quelle für innovative Lösungen, ließ aber die Kunden und Nutzer meist außen vor. Doch erst wenn Herstellerunternehmen gerade auch aktiv ihre Kunden in die Produktentwicklung mit einbeziehen, kann das wahre Potenzial eines offenen Innovationsprozesses genutzt werden. Von Hippel spricht in diesem Zusammenhang von einer Demokratisierung der Innovation.[12],[13]

Kundeninnovation wird zu einem Vorgang, der durch ein Herstellerunternehmen aktivierbar und steuerbar ist. Hersteller können nicht nur nach Kundenentwicklungen im Sinne von funktionsfähigen Prototypen der Lead-User suchen, sondern auch aktiv, mit- tels bestimmter Hilfsmittel z.B. “Toolkits for User Innovation”[14], Lead-User- Innovationen unterstützen oder gar anregen. Ziel ist eine Erweiterung bzw. Neudefiniti- on des Lösungsraumes des Herstellerunternehmens. Der Lösungsraum ist als die Ge- samtheit aller Problemlösungen, die ein Unternehmen auf Basis stabiler Produktarchi- tekturen und darauf abgestimmter Fertigungstechnologien und -prozesse gegenwärtig herstellen und anbieten kann, zu verstehen.[15] Der klassische Lead-User-Ansatz, der von autonom handelnden Kunden ausgeht, wandelt sich in Zuge dessen zu einer Strategie der interaktiven Wertschöpfung. Produktionstheoretisch betrachtet bedeutet Open Inno- vation einen Transfer von Ressourcen vom Kunden zum Unternehmen. Bei den einge- brachten Ressourcen handelt es sich um Informationen und Anforderungen an ein Pro- dukt sowie um Fähigkeiten der Konkretisierung und Realisierung von Problemlösun- gen.[16]

2.4 Grundgedanken von Toolkits für Open Innovation

In der traditionellen Produktentwicklung nähert sich ein Hersteller durch Variation, Kombination und Evaluation von Lösungsmöglichkeiten für ein Innovationsproblem unter iterativer Spiegelung dieser potenziellen Lösungen an den Bedürfnissen der Nut- zer der endgültigen Lösung an. Abb. 1 zeigt dieses Vorgehen im linken Bild. Dieser Trial-and-Error-Prozess ist sehr aufwändig, da er einer stetigen Kommunikation zwi- schen Nutzer- und Herstellerdomäne bedarf. Desweiteren entstehen durch die “stickiness” von Bedürfnis- und Lösungsinformation hohe Transaktionskosten. „We define the stickiness of a given unit of information in a given instance as the incremen- tal expenditure required to transfer that unit of information to a specified locus in a form usable by a given information seeker. When this cost is low, information stickiness is low; when it is high, stickiness is high.”[17]

Toolkits für Open Innovation verfolgen dagegen die Idee einer Auslagerung dieses Tri- al-and-Error-Prozess an die Nutzer (Vgl. Abb. 1 rechtes Bild). Ein Toolkit beschreibt eine Entwicklungsumgebung, welche Kunden befähigt, ihre Bedürfnisse iterativ in eine konkrete Lösung zu überführen. Dabei ist der persönliche Kontakt zwischen Kunde und Hersteller nicht zwingend erforderlich. Der Hersteller entwickelt dazu eine Interakti- onsplattform (dies kann auch in Zusammenarbeit mit den Nutzern erfolgen).

[...]


[1] Vgl. Frank Piller (2006), S. 1-4.

[2] Vgl. Ralf Reichwald; Frank Piller (2006), S. 208.

[3] Vgl. Frank Piller; Christof Stotko (2003), S. 10.

[4] Stefan Thomke; Eric von Hippel (2002), S. 74.

[5] Vgl. Frank Piller; Christof Stotko (2003), S. 64f.

[6] Vgl. Jürgen Hauschildt; Sören Salomo (2007), S. 7.

[7] Eric von Hippel (1986), S. 796.

[8] Magit Osterloh et al. (2001).

[9] Vgl. Frank Piller; Christof Stotko (2003), S. 65ff.

[10] Vgl. Frank Piller; Christof Stotko (2003), S. 70.

[11] Vgl. Henry Chesbrough (2003), S. 36f.

[12] Vgl. Eric von Hippel (2005).

[13] Vgl. Ralf Reichwald; Frank Piller (2006), S. 127.

[14] Vgl. Eric von Hippel (2001), S. 248ff.

[15] Vgl. Ralf Reichwald; Frank Piller (2006), S. 49.

[16] Vgl. Ralf Reichwald; Frank Piller (2006), S. 131f.

[17] Eric von Hippel (1994), S. 431.

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656215776
ISBN (Buch)
9783656218517
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195514
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für betriebswirtschaftliches Management im FB 12
Note
2,0
Schlagworte
open innovation mass customization

Autor

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