Lade Inhalt...

Management von Währungsrisiken - Management of currency risks

Hausarbeit 2011 22 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Heutige Relevanz von Währungsrisiken

2. Definition des Sammelbegriffs Währungsrisiko

3. Risikoidentifikation
3.1. Wechselkursrisiko
3.2. Wechselkursexposures
3.2.1. Identifizierung von Exposures
3.2.2. Translation Exposure
3.2.3. Transaction Exposure
3.2.4. Economic Exposure
3.3. Zusammenhang zwischen Wechselkursrisiko und Wechselkursexposure

4. Risikobeurteilung
4.1. Messung und Quantifizierung der Exposures
4.2. Translation Exposure
4.3. Transaction Exposure
4.4. Economic Exposure

5. Risikobewältigung
5.1. Systematisierung von Absicherungsinstrumenten
5.2. Translation Exposure
5.3. Transaction Exposure
5.3.1. Netting und Matching
5.3.2. Fakturierung in Inlandswährung
5.3.3. Währungsklauseln
5.3.4. Bestellerkredite
5.3.5. Devisentermingeschäfte
5.3.6. Währungs-Swaps
5.3.7. Devisenoptionsgeschäfte
5.3.8. Finanzhedging
5.4. Economic Exposure

6. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Internetadressenverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Export und Import deutscher Unternehmen im Jahr 2010

Abbildung 2: Systematisierung von Währungsrisiken

Abbildung 3: Wechselkursentwicklung in Mengennotierung des Euro zum US-Dollar und Chinesischem Yuan in den letzten zehn Jahren

Abbildung 4: Zeitbezug der Exposure-Kategorien

Abbildung 5: Zusammenfassung der drei Exposure-Kategorien

Abbildung 6: Zusammenhang zwischen Wechselkursrisiko und Wechselkursexposure

Abbildung 7: Bedeutung der zielorientierten Steuerung nach Exposure-Kategorien

Abbildung 8: Übersicht der Kurssicherungsinstrumente

Abbildung 9: Struktur bei Bestellerkrediten

Abbildung 10: Struktur bei Fremdwährungskrediten

1. Heutige Relevanz von Währungsrisiken

Das Risikomanagement erhielt in den letzten Jahren nicht nur aufgrund der jüngsten Finanzkrise eine zunehmende Bedeutung im Unternehmen. Die gesetzlichen Bestimmungen wie das KonTraG aus dem Jahr 1998, der Deutsche Corporate Governance Kodex von 2002, das Basel II - Abkommen von 2007 sowie das BilMoG von 2009 verpflichten die Unternehmen in ihren Lageberichten auf Risiken und Chancen einzugehen (vgl. Beyer/Hachmeister/Lampenius, 2010, 114).

Laut einer Untersuchung im deutschsprachigen Raum aus dem Jahr 2009 wird dabei das Währungsrisiko als zweitwichtigste Risikoquelle genannt (vgl. Meckl/Fredrich/Riedel, 2010, 218). Diese hoch bemessene Bedeutung ist nicht verwunderlich. Deutsche Unternehmen exportierten im Jahr 2010 Waren im Wert von 959 Milliarden Euro (vgl. www.destatis.de/jetspeed/). Dabei wurden die Verträge bei den zwanzig größten Handelspartnern in über der Hälfte der Fälle mit Nicht-Euro-Ländern geschlossen, wie Abbildung 1 verdeutlicht. Der Import ausländischer Waren nach Deutschland betrug im letzten Jahr rund 806 Milliarden Euro. Dabei zeigt sich ein ähnliches Bild, auch hier fand der Handel zu 57 Prozent mit Nicht-Euro-Ländern statt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Doch nicht nur deutsche Großunternehmen und internationale Konzerne sind von Währungsrisiken betroffen. Auch der Mittelstand gerät zunehmend in den „Sog der Globalisierung“, mit all ihren Auswirkungen, Chancen und Risiken (Brenken, 2006, 5). Somit berühren Währungsrisiken einen großen Kreis an Unternehmen, zumal national agierende Firmen ebenfalls betroffen sind. Denn der internationale Wettbewerb führt dazu, dass Veränderungen des Währungskurses die Position eines im Inland agierenden Unternehmens entweder verbessern oder auch zu finanziellen Nachteilen führen können (vgl. De Filippis, 2010, 113).

Dadurch wird ein effizientes Währungsrisikomanagement unabdingbar. Hierfür müssen die Risiken im Rahmen des Risikoprozesses (vgl. Denk/Exner-Merkelt/Ruthner, 2008, 24-25) zuerst identifiziert, beurteilt und schließlich bewältigt werden. Nach diesen Teilschritten ist auch diese Arbeit untergliedert.

Kapitel 2 gibt zunächst eine Definition des Begriffs. Der darauf folgende Abschnitt der Arbeit befasst sich mit der Identifikation von Währungsrisiken. Hierbei wird zunächst auf die Begrifflichkeiten des Wechselkursrisikos und des Exposures eingegangen, um diese als voneinander getrennte Objekte zu charakterisieren. Am Ende des Kapitels 3 werden diese beiden Bestandteile zusammengeführt. In Kapitel 4 werden die verschiedenen Risikoarten auf ihre Bedeutung hin untersucht und ihre Beurteilung vorgenommen. Darauf aufbauend werden im vorletzten Kapitel 5 verschiedene Instrumente zur Vermeidung und Verminderung der Risiken erläutert. Kapitel 6 gibt eine Zusammenfassung und einen kurzen Ausblick.

Ziel dieser Arbeit ist es das Währungsrisiko aus Unternehmenssicht zu beleuchten und die theoretischen Hintergründe darzustellen.

2. Definition des Sammelbegriffs Währungsrisiko

Der Begriff Währungsrisiko wird in der Literatur auf zahlreiche Arten definiert. So versteht Schroth (vgl. 2001, 548-549) darunter Risiken im Außenhandel, die dann entstehen wenn mindestens ein Vertragspartner seine Leistung in Fremdwährung erbringen muss. Im engeren Sinn ist es seiner Meinung nach das Wechselkursrisiko, da Währungen im Austauschverhältnis zu anderen Währungen Schwankungen unterliegen. Im weiteren Sinn ist es zusätzlich auch das Konvertierungs- und Transferrisiko. Diese entstehen durch staatliche Eingriffe in den Handels- und Zahlungsverkehr beim Umtausch beziehungsweise Transfer von Währungen (vgl. Schroth, 2001, 379). Eine vergleichbare Definition ging auch von Beck aus (vgl. 1989, 4).

Eine weitere Gruppe von Autoren um Eilenberger (vgl. 2004, 16-26) und Henk (vgl. 2003, 15-18) sehen neben dem Wechselkurs-, Konvertierungs- und Transferrisiko auch das Währungseventualrisiko als ein Wesen des Sammelbegriffs. Dabei werden zwei Formen von Eventualrisiken unterschieden. Das Erfüllungsrisiko stellt die wirtschaftliche Gefahr im Zusammenhang mit der Absicherung des Wechselkursrisikos dar. Das Leistungsrisiko resultiert aus der „Inanspruchnahme zugesicherter Garantien und Bürgschaften oder aus zu erfüllenden Gewährleistungsverpflichtungen, die in Höhe oder Zeitpunkt unerwartet zum Tragen kommen“ (Henk, 2003, 16-17).

Aufgrund der untergeordneten Rolle im Management von Währungsrisiken, die die Konvertierungs- und Transferrisiken einnehmen, wobei die Ursachen dieser Risiken von Stocker (vgl. 2006, 6 und 21) sogar dem Länder- beziehungsweise politischem Risiko zugeordnet werden, konzentriert sich die folgende Arbeit auf das durch Wechselkursschwankungen hervorgerufene Währungsrisiko. Diese Ansicht unterstützt auch Spremann (vgl. 1994, 839-840). Folgend werden auch die Eventualrisiken ausgeklammert.

Somit befasst sich die vorliegende Aufzeichnung mit dem Währungsrisiko, welches aus Wechselkursschwankungen resultiert. Zur Übersicht sei auf Abbildung 2 verwiesen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weiterhin werden im Folgenden die Begrifflichkeiten Valutarisiko, Fremdwährungsrisiko, Kursrisiko und Devisenkursrisiko gemäß der Literatur (vgl. Schroth, 2001, 548; Mayrhofer, 1992, 11) als Synonyme zum Begriff Wechselkursrisiko verwendet.

3. Risikoidentifikation

3.1. Wechselkursrisiko

Um geeignete Instrumente zum Umgang mit Währungsrisiken auszuwählen ist es laut Meckl (2010, 269) unerlässlich eine „Prognose über die zukünftige Entwicklung der Wechselkurse (Richtung und Höhe der Veränderung)“ abzugeben. Hierfür sprechen viele Argumente. Das Unternehmen eignet sich im Rahmen der Prognosetätigkeit Wissen und Erfahrung an, welches für die spätere Wahl der Absicherungsinstrumente bedeutend sein kann. Außerdem trägt das Auseinandersetzen mit Devisenkursen zu einer effizienteren Absicherungspolitik und einem besseren Verständnis der Umwelt bei (vgl. Linares, 1999, 21-22).

Allerdings stellt das Wechselkursrisiko eine exogene Größe dar, welche nicht beeinflusst werden kann (vgl. De Filippis, 2011, 128), da diese von externen Faktoren wie der Zinsdifferenz zwischen den verschiedenen Ländern, den Handelsbilanzen der jeweiligen Staaten, der politischen Situation im jeweiligen Land und den Spekulationen am Markt abhängt (vgl. Biro/Krapf/Mayländer, 2011, 540). Wechselkurse können somit teils sehr stark variieren, vergleiche Abbildung 3. Betrachtet man die letzten zehn Jahre, so schwankte der Wechselkurs des Euro im Vergleich zur Währung des größten deutschen Abnehmers den USA jedes Jahr durchschnittlich um 6,9 Prozent. Im Vergleich zum Chinesischen Yuan – der Währung des größten Einführers von Waren nach Deutschland – beträgt diese Schwankung durchschnittlich 5,1 Prozent pro Jahr (vgl. http://sdw.ecb.europa.eu).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um auf diese erhöhte Volatilität der Devisenkurse zu reagieren, haben die Unternehmen zwei Möglichkeiten. Erstens können sie sich bemühen ihre Prognosetätigkeit zu verbessern und zu forcieren. Zweitens können sie sich gegen potentielle Kursänderungen schützen. Der erste Ansatz birgt die Gefahr, dass Modelle zur Prognose von Wechselkursentwicklungen diese nicht verlässlich vorauszusagen vermögen. Laut Eilenberger (vgl. 2004, 85-88) lassen sich allenfalls Aussagen über den zu erwartenden Trend der Kursentwicklung abgeben, wobei selbst solche Aussagen mit erheblicher Unsicherheit belastet sind. Bofinger und Schmidt (vgl. 2003, 7) kommen sogar zu dem Ergebnis, dass keine der betrachteten Wechselkursprognosen eine Trefferquote von fünfzig Prozent erreichen konnte und somit dem einfachen Münzwurf unterlegen ist. Aufgrund dessen verabschieden sich die Unternehmen vermehrt von der Spekulation mit Modellen über Valutakurse und gehen zunehmend dazu über durch selektives Hedging und andere Instrumente ein Absichern von Kursänderungen zu erreichen (vgl. Linares, 1999, 19-40).

3.2. Wechselkursexposures

3.2.1. Identifizierung von Exposures

Das Exposure ist ein Risikomaß, „das anzeigt, inwieweit das Unternehmen einem Währungsrisiko ausgesetzt ist“ (Perlitz, 2004, 509). Es setzt sich aus Positionen des Unternehmens zusammen, welche aus „bereits kontrahierten Geschäften, bilanziellen Vermögensbeständen, unsicheren zukünftigen Cashflows sowie dem gesamten Unternehmenswert“ bestehen können (Henk, 2003, 71). Fastrich und Hepp (vgl. 1991, 8) sehen bildlich gesprochen in Exposures den absoluten Betrag in Fremdwährungseinheiten, welcher dem Wechselkursrisiko ausgesetzt ist.

Um dieses Maß zu erfassen, müssen die Risikopositionen im Unternehmen identifiziert werden. Hier liegt die Aufgabe der Verantwortlichen des Risikomanagements zunächst in der Beschaffung aller notwendigen Informationen über währungsrelevante Transaktionen im Unternehmen. Insbesondere sind dabei die zukünftigen Zahlungsströme in fremder Währung, die geplanten und vorhandenen Devisenbestände sowie die Direktinvestitionen in Fremdwährung relevant (vgl. Eilenberger, 2004, 80). Das ist insofern entscheidend, da das Unternehmen im Bereich des Finanzmanagements auch auf ihre Fremdwährungspositionen Einfluss nehmen, während sie exogene Größen wie Devisenkurse nicht beeinflussen können (siehe vorangehendes Kapitel 3.1.). Ebenso sind Informationen über die Fristigkeiten – das heißt die jeweiligen Zahlungsziele – von Fremdwährungstransaktionen unerlässlich für die Risikobeurteilung dieser Positionen.

Hinsichtlich der Erfassung dieser Daten treten in der Regel Schwierigkeiten auf. Es herrscht Unsicherheit über den exakten Zeitpunkt und das Volumen des Deviseneingangs sowie -abgangs. Die beiden Determinanten sind meist vertraglich fixiert und somit ist der Zahlungsstrom in entsprechender Höhe und am entsprechenden Tag wahrscheinlich, aber dennoch nicht sicher. Die Zahlungen können – unabhängig vom Kursrisiko – geringer ausfallen, sich verzögern oder ganz ausbleiben (vgl. De Filippis, 2011, 125).

In der Literatur hat sich die Einteilung in drei Typen von Exposure-Kategorien durchgesetzt. Das Translation Exposure, das Transaction Exposure und das Economic Exposure (vgl. De Filippis, 2011, 122-124). Diese können nach dem Zeitbezug systematisiert werden (siehe Abbildung 4). Die Einteilung ist wichtig um geeignete Instrumente für den Umgang mit diesen Risiken auszuwählen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2.2. Translation Exposure

Das Translation Exposure oder auch Accounting Exposure – zu Deutsch Währungsumrechnungsrisiko – ist eine statisch-vergangenheits-orientierte Größe. Dieses Risiko entsteht vorwiegend bei multinationalen Konzernen, beispielsweise im Rahmen der Konsolidierung von Auslandsgesellschaften. Durch die Umrechnung von bereits bilanzierten Fremdwährungspositionen in die Heimatwährung kann es durch das Auseinanderfallen von Wechselkursen an zwei Bilanzstichtagen zu Unterschieden kommen. Somit unterliegt diese Größe buchhalterischen Konventionen, vor allem dem angewandten Währungsumrechnungsverfahren.

Bis in das Jahr 2009 gab es für deutsche Unternehmen durch das Handelsgesetzbuch hierfür keine verbindliche Regelung. Das änderte sich zum 1. Januar 2010 mit dem BilMoG (vgl. Glaum, 2000, 39; Linares, 1999, 54-55; Meckl, 2010, 269-273). Dieses schreibt die modifizierte Stichtagsmethode mit einer erfolgsneutralen Verrechnung der Währungsumrechnungsposition im Sonderposten vor. Zur Vollständigkeit sei erwähnt, dass auch das IFRS und US-GAAP die Bilanzierung entsprechender Positionen eindeutig regeln (vgl. Coenenberg/Haller/Schulze, 2009, 635-641 und 648).

3.2.3. Transaction Exposure

Das Transaktionsexposure ist eine statisch-gegenwartsorientierte und zahlungsbezogene Größe und wird auch als Cash-Flow-Exposure bezeichnet. Es umfasst die zeit- und betragsmäßig fixierten Zahlungsströme. Beispielsweise entsteht dieses Risiko, wenn der Exporteur auf seinen vertraglich festgesetzten Geldbetrag in Fremdwährung wegen eines gewährten Zahlungsziels warten muss. Denn in dem Zeitraum zwischen Vertragsabschluss und Zahlung kann sich der Wechselkurs der Fremdwährung und somit letztlich der in Heimatwährung umgerechnete Betrag ändern.

Somit entsteht diese Problematik bereits bei Export- und Importunternehmen, während das Translationsrisiko hauptsächlich für internationale Unternehmen mit Direktinvestitionen im Ausland relevant ist. Die Perspektive des Transaktionsrisikos ist kurzfristiger Natur, da davon vorwiegend das Umlaufvermögen und kurzfristige Fremdkapital betroffen sind (vgl. Henk, 2003, 71; Linares, 1999, 55-57; Meckl, 2010, 274). Das Transaction Exposure steht im Mittelpunkt des Währungsmanagements, da aufgrund des Gegenwartsbezugs mehr Absicherungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen (vgl. Perlitz, 2004, 509).

[...]

Autor

Zurück

Titel: Management von Währungsrisiken - Management of currency risks