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Psychosoziale Belastungen im Rettungsdienst als Prädikatoren für Muskel-Skelett-Erkrankungen

Studienarbeit 2010 15 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Einleitung

1. Rückengesundheit – Warum gerade Muskel-Skelett-Erkrankungen im Fokus betrieblicher Gesundheitsförderung stehen
1.1 Rückengesundheit als ökonomische Ressource
1.2 Fünf Gründe, Rückengesundheit im Rettungsdienst zu fördern

2. Ein arbeitspsychologisches Wirkungs- und Interventionsmodell zur Rückengesundheit

3. Fakten, die für das biopsychosoziale Erklärungsmodell im Rettungsdienst sprechen
3.1 Führung und Muskel-Skelett-Beschwerden
3.2 Gesundheitskompetenz und Muskel-Skelett-Beschwerden

4. Ausblick und Interventionsmöglichkeiten
Kulturelle Prävention
Verhältnisprävention

Literatur

Psychosoziale Belastungen im Rettungsdienst als Prädikatoren für Muskel-Skelett-Erkrankungen

Zusammenfassung

Der vorliegende Beitrag stellt aus arbeitspsychologischer Perspektive einen integrativen Ansatz zur Vermeidung von Rückenschmerzen und zur Förderung der Rückengesundheit im Rettungsdienst vor. Dazu werden vor dem Hintergrund des biopsychosozialen Erklärungsmodells für Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) exemplarisch einige Wirkungszusammenhänge und Fakten aufgezeigt, die in Abhängigkeit des Führungs- und Vorgesetztenverhaltens, belegen mit welchen MSE-spezifischen Belastungen am Arbeitsplatz „Rettungsdienst“ zu rechnen ist.

Einleitung

Trotz stetiger Verbesserungen der technischen und ergonomischen Arbeitsbedingungen steigen die Muskel- und Skeletterkrankungen (MSE) nahezu in allen Industrieländern seit 1960 stetig an (Westgaard 1997). Dieses „MSE-Paradoxon“ führt deutlich vor Augen, dass die Beschränkung auf die klassischen ergonomischen Ursachenfaktoren bei der Erklärung des MSE-Phänomens nicht ausreichend ist. Vielmehr sind es die psychosozialen Belastungsmomente, die als sog. „weiche Faktoren“ das Risiko für die Entstehung und Chronifizierung von MSE maßgeblich erhöhen (Hasenbring 2001). Rettungsdienstpersonal gilt als besonders exponierte Gruppe für physische und psychische Belastungen (Gebhardt, 2004).

Nach aktuellen Untersuchungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA 2006) sowie dem Institut für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Ergonomie (ASER, 2004) rücken aber auch die psychosozialen Belastungen in den Fokus der Arbeits- und Gesundheitswissenschaftler.

Der vorliegende Beitrag stellt aus arbeitspsychologischer Perspektive einen integrativen Ansatz zur Vermeidung von Rückenschmerzen und zur Förderung der Rückengesundheit im Rettungsdienst vor. Dazu werden vor dem Hintergrund des biopsychosozialen Erklärungsmodells für Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) exemplarisch einige Wirkungszusammenhänge und Fakten aufgezeigt, die in Abhängigkeit des Führungs- und Vorgesetztenverhaltens, belegen mit welchen MSE-spezifischen Belastungen am Arbeitsplatz „Rettungsdienst“ zu rechnen ist.

Zum Schluss wird die Frage diskutiert, was zu tun ist, um (Rücken)Gesundheit als „Gemeinschaftsaufgabe“ im Unternehmen „Rettungsdienst“ nachhaltig zu etablieren und auf diese Weise Interventionen zur Stärkung der Rückengesundheit zugleich als Instrument zur Verbesserung der Humanressource zu nutzen.

1. Rückengesundheit - Warum gerade Muskel-Skelett-Erkrankungen im Fokus betrieblicher Gesundheitsförderung stehen

Motivierte und gesunde Mitarbeiter sind das wertvollste humane Kapital eines Unternehmens. Nach Dürndorfer (2005) wird eine Einflussgröße in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer bedeutsamer werden: der Mitarbeiter das humane Kapital einer Organisation bzw. eines Unternehmens.

Das Thema Gesundheit fällt im 21. Jahrhundert in eine Phase technologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen, in der diese Humanressource bzw. das humane Kapital als Produktivitätsfaktor eine immer wichtigere Rolle spielt. Der Erhalt und die Verbesserung dieser Humanressource wird u.a. davon abhängen, inwieweit wir in der Lage sind, die psychosozialen Bedingungen von Gesundheit am Arbeitsplatz „Rettungsdienst“ durch geeignete Maßnahmen erfolgreich und nachhaltig zu sichern und weiter zu entwickeln.

1.1 Rückengesundheit als ökonomische Ressource

Muskel-Skelett-Erkrankungen spielen in diesen Kontext eine besondere Rolle, weil fast jeder vierte Fehltag (23,5%) im Jahr 2007 auf Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) zurückging. Die mittlere Erkrankungsdauer liegt im Jahr 2007 bei 19,7 Tagen (Wieland, 2008).Volkswirtschaftlich bedeutet dies einen jährlichen Bruttowertschöpfungsverlust von rund 15,5 Milliarden Euro

(Baua, 2007).

Der Anteil von MSE am Krankenstand ist in den letzten fünf Jahren ziemlich konstant geblieben. Zugenommen hat jedoch die Erkrankungsdauer. Hier kann von einem Anstieg der AU Tage von 17,0 AU-Tagen im Jahr 2003 auf 19,7 Tage im Jahr 2007 gesprochen werden. Dies entspricht einer prozentualen Zunahme der Erkrankungsdauer von fast 16,0% (Barmer Gesundheitsreport, 2008).

1.2 Fünf Gründe, Rückengesundheit im Rettungsdienst zu fördern

Insgesamt sind es folgende Gründe, die dafür sprechen, Rückengesundheit im betrieblichen Rettungsdienstalltag einen besonderen Stellenwert einzuräumen. Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE)

1. haben den größten Anteil (fast ein Viertel) an den betrieblichen Fehlzeiten
2. verursachen für den Arbeitgeber und Sozialversicherungssysteme (Krankenkassen, Rentenversicherungen) enorm hohe Kosten
3. weisen im Gegensatz zu vielen anderen (berufsbedingten) Krankheiten in den allermeisten Fällen keine schwerwiegenden (organischen) oder gefährlichen Ursachen auf (Lühmann 2007; Bertelsmann Stiftung 2007). Zu ihren wichtigsten Prognosekriterien bzw. Risikofaktoren zählen vielmehr konstitutionelle (biologische), soziale und psychische Belastungsfaktoren
4. sind für den einzelnen Rettungsdienstmitarbeiter oft mit hohen „psychischen Kosten“ verbunden. Dies betrifft dabei sowohl das Befinden und die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz als auch die allgemeine Lebensqualität und –zufriedenheit
5. werden durch biopsychosoziale Faktoren am Arbeitsplatz (mit-)verursacht und können deshalb durch gezielte Maßnahmen der Arbeitsgestaltung sowie Stärkung der Eigeninitiative und Selbstverantwortung des Einzelnen positiv beeinflusst werden.

Dieser Bedeutung von Rückenerkrankungen im Arbeitsalltag gegenüber steht allerdings eine uneindeutige Befundlage. Meta-Analysen verhaltens- und verhältnisorientierter Interventionen zeigen, dass für den betrieblichen Alltag wirksame und nachhaltige Interventionskonzepte bisher nur in Ansätzen existieren. Da der Beruf des „Rettungsassistenten“ erst seit 1989 staatlich anerkannt ist und somit dieses Berufsbild noch relativ jung ist, fehlen insbesondere Studien, in denen die Rückengesundheit gefährdende Risikokonstellationen anhand von Wirkungsmodellen untersucht werden. In Anlehnung an Lühmann (2007) und Zimolong (2008) handelt es sich hier speziell um Studien, aus denen sich gezielte Hinweise für Präventionsmaßnahmen ableiten lassen.

Es herrscht inzwischen Einigkeit darüber, dass dem „biopsychosozialen Verursachungsmodell“ ein hoher Erklärungswert für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Rückenschmerzen bzw. Gesundheit (Ulich, 2005; Zapf, 2004) zukommt.

Die Arbeits- und Organisationspsychologie hat in den letzten Jahren eine Reihe von Modellen und praktisch erprobten Konzepten vorgelegt, die solche Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge aufzeigen (Siegrist, 2004; Ulich, 2005; Wieland, 2007). Ziel solcher Modelle im Kontext der betrieblichen Gesundheitsförderung ist, Risikofaktoren und -konstellationen zu identifizieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die Gesundheit fördern bzw. die Entstehung von Krankheit verhindern.

Im folgenden Abschnitt wird nun ein solches Wirkungsmodell skizziert.

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656248262
ISBN (Buch)
9783656248392
Dateigröße
1008 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195414
Institution / Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
Schlagworte
psychosoziale belastungen rettungsdienst prädikatoren muskel-skelett-erkrankungen

Autor

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Titel: Psychosoziale Belastungen im Rettungsdienst als Prädikatoren für Muskel-Skelett-Erkrankungen