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Politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft

Seminararbeit 2011 22 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Politische Bildung

3. Aufgaben, Möglichkeiten und Chancen politischer Bildung
3.1. Aufgaben, Ziele und Möglichkeiten
3.2. Politische Bildung - (politische) Integration
3.3. Dynamisches Konzept von Integration

4. Das Bürgerbewusstsein in der Einwanderungsgesellschaft

5. Politische Bildung und Migration - Beispiele aus Deutschland und Kanada
5.1. Politische Bildung in Kanada
5.2. Bundeszentrale für politische Bildung

6. Zwischen Assimilation und Multikulturalität

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Deutschland schafft sich ab“1, eine stetig wachsende Zahl von Ausländem strömt nach Deutschland, ohne Interesse sich in die deutsche Gemeinschaft zu integrieren, sich poli­tisch zu beteiligen oder die deutsche Kultur anzunehmen. Deutschland muss aufpassen!

Deutschland muss aufpassen, dass die deutsche Bevölkerung nicht ausstirbt, die hoch­qualifizierten Einwanderer weiterhin Interesse daran haben, nach Deutschland zu immi­grieren und sich auch alle anderen Einwanderer integrieren wollen. Es ist wichtig, es ist entscheidend, wie die Einwanderer integriert werden und vor allem, wie die einheimi­sche Bevölkerung mit den Einwanderern umgeht und ob sie versucht, sie kennenzuler­nen. Einwanderung ist in Zukunft eine Chance die stetig sinkende Geburtenrate2 auszu­gleichen. Einwanderung ist eine Chance für Deutschland und Deutschland muss aufpas­sen, dass es sich diese Chance nicht entgehen lässt.

Aber wie ist es wirklich? Was ist sinnvoller, ein Land mit kultureller Vielfalt oder An­passung? Welcher Standpunkt ist der Richtige?

Durch die individuelle Vielfalt und die vielen verschiedenen Meinungen ist speziell letztere Frage wohl kaum allgemeingültig zu beantworten. Ohnehin ist es viel inter­essanter, wie mit der wachsenden Einwanderung umgegangen wird und, hiermit sind wir bei der Leitfrage dieser Arbeit, welche Rolle spielt die politische Bildung für die Einwanderungsgesellschaft?

Diese Seminararbeit setzt sich mit politischer Bildung im Allgemeinen und auch im Speziellen auseinander. Aber nicht nur die politische Bildung soll hier eine Rolle spie­len, sondern auch, wie mit Migration an sich umgegangen werden kann. Hierzu sollen einige Vergleiche von Meinungen und von Ländern gezogen werden. Schwerpunkt die­ser Arbeit wird die politische Bildung in verschiedenen Kombinationen sein.

Nach dieser Einleitung wird eine kurze Definition über den Begriff Politische Bildung gegeben und danach die Aufgabenfelder und die daraus entstehenden Möglichkeiten nä­her betrachtet. Die Frage nach der Relevanz politischer Integration durch politische Bil- dung wird den weiteren Verlauf bestimmen. Das Bürgerbewusstsein in der Einwande­rungsgesellschaft beispielsweise ist abhängig von politischer Integration und wird durch sie gefördert. Im Weiteren werden kurze Beispiele aus Kanada und Deutschland gege­ben, bis im letzten inhaltlichen Teil der Frage nach Assimilation oder Multikulturalität nachgegangen wird. Das Fazit wird die gewonnenen Erkenntnisse zusammenfassen und einen kurzen Ausblick geben.

2. Definition Politische Bildung

Welche Rolle die politische Bildung für die Einwanderungsgesellschaft spielt, kann nur dann deutlich werden, wenn der Begriff politische Bildung eindeutig definiert wird. Po­litische Bildung ist eine Bezeichnung, gefördert durch Institutionen wie z.B. der Bun­deszentrale für politische Bildung, die politische Sachverhalte erklärt und vermittelt. Im Folgenden soll allerdings nicht von der konkreten politischen Bildung in spezifischen Politikbereichen ausgegangen werden, sondern vielmehr von der universellen Aufgabe, die politische Bildung erfüllen kann und erfüllt.

Wolfgang W. Mickel hat den Begriff politische Bildung mit diesem Ziel definiert:

„Politische Bildung (p.B.) geht davon aus, daßjeder Mensch als ein zoon politi- kon (Platon, Aristoteles) in ein Geflecht von sozialen Beziehungen [...] in Ge­sellschaft und Staat eingebunden ist“.3

Dadurch wird der Mensch ab seiner Geburt - und vielleicht schon früher - mit individu­ellen Ansichten und Auffassungen konfrontiert und lernt, „dezidierte[n] Stellungnahmen gegenüber seiner gesellschaftl. und polit. Umwelt“4 zu beziehen. Dieses Lernen wird dabei nicht nur passiv durch Erleben und die direkte Erziehung erreicht, sondern auch aktiv durch schulische Institutionen. Die Form der Sozialisation legt bereits sehr früh im Leben des Individuums den Grundstein für den Umgang mit anderen Menschen und un­bekannten Situationen - aber auch für das Verständnis von Politik. Zudem beeinflusst das kulturelle Umfeld bzw. die Ansichten des „spezifischen Geflechts sozialer Bezie­hungen“, in dem das Individuum aufwächst, die Herangehensweise und Art der Inter­pretation politisch-gesellschaftlicher Ereignisse.

Politische Bildung befähigt den Menschen also eigene Standpunkte, politische Interes­sen und individuelle Formen im Umgang mit der Gesellschaft zu entwickeln. Schwer­punkt und Ziel politischer Bildung ist demnach die „Selbstständigkeit und Selbsttätig­keit“.5

Politische Bildung ist aber kein wertneutrales Produkt, wie es bisher vielleicht scheinen mag, sie ist vielmehr abhängig von der zugrundeliegenden „metatheoretischen Position“. Mickel analysiert hierzu drei unterschiedliche Positionen:

„1) die normativ-ontologische (auf mittelalterliche Philosophie zurückgehende), 2) die empirisch-analytische (auf die Methoden der Sozialwissenschaft bezogene) und 3) die dialektisch-kritische (neo-marxistische)“6, die wiederum zu unterschiedlicher Praxis po­litischer Bildung führen: a) staatszentriert, b) liberal-demokratisch, c) sozialstaatlich, systemverändernd, gleichheitsorientiert.7

Wenn man den zeitlichen Kontext der Politik betrachtet, werden diese Positionen inter­essant: Politische Bildung orientiert sich an dem „'Zeitgeist' der aktuellen, konkreten Politik“8 und darüber hinaus an bestehenden politischen Ansichten. Politische Bildung ist demnach immer Produkt des kulturellen und politischen Kontextes, in dem sie ver­mittelt wird.

3. Aufgaben, Möglichkeiten und Chancen politischer Bildung

Man kann politische Bildung als Basis für denjeweiligen Staat und sein Regierungssys­tem bezeichnen, denn nicht nur die Förderung der Mündigkeit des Bürgers, sondern auch die entsprechende Erziehung in Richtung derjeweiligen Staatsform spielt eine ent­scheidende Rolle. Auch deshalb ist es wichtig, wie die politische Bildung institutionell vermittelt wird und vor allem, wie die Integration von Immigranten in die Gesellschaft vonstatten geht. Dabei ist es nicht nur an den Einwanderern sich zu integrieren, sondern auch an der Bevölkerung eines Landes ihnen diese Integration zu erleichtern.

3.1. Aufgaben, Ziele und Möglichkeiten

Ausgehend von einem demokratischen Staat wie der Bundesrepublik Deutschland, ist es das Ziel politischer Bildung, den Einwohnern politische Mündigkeit, aber auch die de­mokratischen Grundprinzipien, respektive „eine Identifizierung mit den Werten der Menschenwürde und der Demokratie“9 näher zu bringen.

Um diese Ziele zu erreichen, gibt es verschiedene Wege zur Vermittlung politischer Bil­dung: Politische Sozialisation, Erziehung und Bildung und die Förderung der Mündig­keit des Bürgers.10

Politische Sozialisation hat die Aufgabe, dem Individuum die in der Gesellschaft veran­kerte Identifizierung mit den Werten der Menschenwürde und der Demokratie beizu­bringen. Dies geschieht einerseits durch die Gesellschaft selbst, da die demokratischen Grundprinzipien in dieser anerkannt sind und deshalb unbewusst verbreitet werden. An­dererseits durch politische Bildung und Erziehung, die vom Staat ausgeht (intendierte politische Sozialisation). Die unbewusste, funktionale politische Sozialisation11 spielt dabei eine weit größere Rolle, denn die Vermittlung der Werte erfolgt indirekt, passiv und stetig durchjeden sozialen Kontakt.

Der Aufgabenbereich von Erziehung und Bildung ist, bezogen auf Ziel und Umfang, ein grundsätzlich anderer: Durch die Erziehung wird versucht, dem Individuum Rechte und Pflichten des Staatsbürgers zu vermitteln und ein Bewusstsein für die Aufgaben des Bürgers zu schaffen. Bildung dagegen hat einen aktiveren Charakter, sie versucht, Ein­fluss auf das „Denken[s] und [des] Sich-Verhalten[s]“12 zu nehmen.

Erziehung und Bildung, aber auch die politische Sozialisation haben also das Ziel, die Mündigkeit des Bürgers sicherzustellen.13 Durch intendierte und funktionale politische Sozialisation hat der Staat die Möglichkeit, seine Erziehung und Bildung (und damit auch die Art der Mündigkeit) auf nächste Generationen, wenn auch modifiziert, zu über­tragen, wodurch der Staat sein weiteres Bestehen sichert. Denn obwohl der Mensch kri­tische Analyse, eigenständige Interpretation und seinen eigenen Standpunkt erlernt, lebt und versteht er dennoch auf eine Weise, die ihm der Staat beigebracht hat. Die Herange- hensweise an und das Verständnis von Politik und Gesellschaft des mündigen Bürgers ist also nicht vollständig Individuell, aber trotzdem der wohl einzige Weg, „Partizipato- rische Demokratie“14 zu gewährleisten.

3.2. Politische Bildung - (politische) Integration

Politische Bildung hat aber nicht nur für Menschen, die in einem bestimmten Land auf­wachsen und dort leben, einen hohen Stellenwert, sondern auch für Immigranten. Die Zuwanderung in Deutschland und Europa ist in den vergangenen Jahren angestiegen und wird wohl auch weiterhin wachsen.15 Betrachtet man diese Migration wertfrei, bleibt das Bild, dass viele Immigranten neue Kulturen, andere soziale Verhaltensweisen und auch andere politische Bildung mitbringen. Sie erweitern den Horizont der Gesell­schaft und der Arbeitgeber und können häufig Lücken füllen, mit denen die heimische Bevölkerung überfordert ist, was für jede gesellschaftliche Schicht, vom Immigranten ohne Bildungsabschluss, bis hin zum Akademiker gilt. Migration eröffnet für Einwande­rungsländer und für Einwanderer ganz neue Möglichkeiten, sofern das Land mit den Einwanderern umgehen kann und will. Nur durch passende soziale, kulturelle, wirt­schaftliche und politische Integration kann die multikulturelle Gesellschaft Bestand ha­ben.

Integration, in jeder Form, ist eine Notwendigkeit in Einwanderungsgesellschaften und muss dementsprechend gefördert werden. Eine Förderung bedeutet aber nicht nur, dass sich Einwanderer integrieren müssen, sondern auch, dass die Gesellschaft sie integriert. Damit sich Einwanderer integrieren können, müssen sie die Möglichkeit haben die kul­turellen, rechtlichen und politischen Grundlagen des Landes zu lernen. Ein Problem bleibt aber auch hier: Selbst wenn sich ein Einwanderer besser mit den politischen Ge­pflogenheiten eines Landes auskennt, als viele Inländer, darf er nicht an Wahlen teilneh­men, darf teilweise bestimmte Gebiete in Deutschland nicht verlassen und hat keinerlei Zugang zu politischen Entscheidungen.16

[...]


1 Vgl. Sarrazin, Thilo: Deutschland schafft sich ab, München 2010

2 Vgl. o.A. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Fachvero effentlichungen/Bevoelkerung/BroschuereGeburtenDeutschland,property=file.pdf, letzter Zugriff: 09.09.2011, S. 9

3 Mickel, Wolfgang W.: Politische Bildung, in: Nohlen, Dieter (Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik, Bundeszentrale für politische Bildung, München2001, S. 384-390, S. 386

4 Ebd. S. 386

5 Mickel, Wolfgang W.: Politische Bildung, in: Nohlen, Dieter (Hrsg.): Lexikon der Politikwissenschaft, Band 2 N-Z - Theorien Methoden Begriffe, München 2002, S. 688- 691, S. 688

6 Mickel 2001,S.386

7 Vgl. Ebd. S. 386

8 Vgl. Ebd. S. 386

9 Detjen, Joachim: Politische Bildung - Geschichte und Gegenwart in Deutschland, München 2007, S. 211

10 Vgl. Ebd., S. 3ff

11 Vgl. Ebd., S. 3

12 Ebd., S. 4

13 Vgl. Ebd., S. 5

14 Stein, Gerd: Mündigkeit und Emanzipation, in: Mickel, Wolfgang W./Zitzlaff, Dietrich (Hrsg.): Handbuch zur politischen Bildung, Band 264, Bonn 1988, S. 52-56, S. 53

15 o.A.: Migration im europäischen Vergleich - Zahlen, Daten, Fakten?, http://www.bpb.de/themen/KAGJSA,0,0,Migration_im_europ %E4ischen_Vergleich_Zahlen_Daten_Fakten, BPB, 2008, letzter Zugriff: 12.09.2011

16 Vogel, Dita: Förderung politischer Integration von Migrantinnen und Migranten in Europa, in: Lange,

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656213048
ISBN (Buch)
9783656213161
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195351
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Politische Wissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Politische Bildung Einwanderungsgesellschaft Integration Multikulturalität

Autor

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Titel: Politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft