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Integration durch Heirat? - Einfluss der Heirat von Migranten und Deutschen auf die Integration in Deutschland

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Vorüberlegungen
1.1 Migration, Migranten, Deutsche
1.2 Integrationsbegriff und Messbarkeit von Integration
1.3 Binationale Ehen

2 Rolle des Aufnahmelands Deutschland
2.1 Gesetzeslage für mit Deutschen verheiratete Migranten
2.2 Gesellschaftliche Reaktion auf Binationale
2.3 Angebote zur Unterstü

3 Rolle der binationalen Ehe

4 Integration der mit Deutschen verheirateten Migranten
4.1 Integrationsindikatoren der Ausländerbeauftragten
4.2 Binationale Ehe als Indikator für Integration?
4.3 Umfrage unter binational Verheirateten

5 Zusammenfassung und Ausblick.

LLiteraturverzeichnis

Einleitung

Die Forderung nach Integration ist nicht erst seit „Deutschland schafft sich ab“ in aller Munde. Politiker und Wirtschaftler, Vereine und Medien debattieren über Fachkräftemangel, Parallelgesellschaften, Islamunterricht, Integrationsverweigerer, Sprachkurse, Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, ausländische Sozialhilfeempfänger und vieles mehr. Neben vorrangig italienischen und türkischen Gastarbeitern in Westdeutschland, vietnamesischen in der ehemaligen DDR und diversen anderen, die schon über Generationen in Deutschland und oftmals besser integriert sind als manch Deutschdeutscher es zugeben möchte, betreffen diese Diskussionen auch jene Menschen, die aus Liebe zu ihrem deutschen Partner hierher kamen oder hier jemanden kennenlernten, mit dem sie den „Bund für's Leben“ schlossen

Jedoch sind binationale Partnerschaften nicht unbedingt die erste Assoziation, wenn man an Integration denkt, denn sind Migranten, die Deutsche heiraten, nicht schon dadurch wunderbar integriert? Manch einer stellt sich den deutschen Partner vielleicht als eine Art persönlichen Integrationsbetreuer eines Migranten vor. Aber ist dem wirklich so? Angenommen, der im Ausland erworbene Berufsabschluss wird in Deutschland nicht anerkannt - leider kein seltener Fall - bedeutet das für das Paar, dass der deutsche Partner erst einmal für die Versorgung zuständig ist. Kann er oder sie sich dann noch darum kümmern, dass der oder die Andere Deutsch lernt, Kulturveranstaltungen besucht und Freundschaften zu Deutschen knüpft? Ist das denn überhaupt Integration? In was soll er oder sie sich eigentlich integrieren, was ist denn deutsche (Leit-)Kultur? Letztere sind Fragen, die dieser Arbeit zugrunde liegen ohne selbst ausreichend behandelt werden zu können. Es soll vor allem gefragt werden, inwieweit sich eine Partnerschaft, speziell eine heterosexuelle Ehe mit einem oder einer Deutschen sich auf die Integration des Partners mit eigener Migrationserfahrung auswirkt, vielleicht sogar selbst ein Indikator für eine erfolgreiche Integration desselben ist

Dazu werde ich im ersten Teil der Arbeit auf einige Grundlagen eingehen, unter anderem auf problematische, aber zentrale Begrifflichkeiten wie Migrant/in, Deutsche/r und Integration, die für diese Arbeit eingegrenzt und definiert werden müssen. Da an einer Integration stets mindestens ein Integrierender und ein Integrierter beteiligt sind, beschäftigen sich die nächsten Kapitel mit der Rolle des Aufnahmegesellschaft Deutschlands und der binationalen Ehe selbst. Im letzten Teil soll gezeigt werden, inwieweit sich letztere auf verschiedene Integrationsindikatoren auswirkt und die Frage gestellt werden, ob sie selbst ein solcher Indikator ist. Abschließend sollen in einer kleinen Umfrage die Betroffenen selbst zu Wort kommen

Ziel der Arbeit kann es nicht sein, die o.g. Fragen letztgültig zu beantworten. Vielmehr geht es darum, ein Problembewusstsein für Begrifflichkeiten und Sachlagen in diesem Bereich zu schaffen. Es soll so ein konstruktiver Beitrag für die aktuelle Integrationsdebatte entstehen, der vorallem dazu anregt, sich tiefergehend mit diesem wichtigen Thema zu beschäftigen

1 Vorüberlegungen

Im Folgenden wird auf die zentralen Begriffe der Thematik eingegangen, um einen reflektierten Gebrauch zu gewährleisten und für grundlegende Schwierigkeiten zu sensibilisieren

1.1 Migration, Migranten, Deutsche

Bei internationaler Migration handelt es sich im soziologischen Sinn um einen dauerhaften Wechsel des Wohnorts in ein anderes politisches Territorium, so etwa der Umzug aus einem beliebigen Ort im Ausland nach Deutschland. Das statistische Bundesamt unterscheidet im Mikrozensus zwischen „Personen ohne Migrationshintergrund, Personen mit Migrationshintergrund, Personen mit Migrationserfahrung, Personen ohne Migrationserfahrung,

Ausländerinnen und Ausländer1 “ (Engels et al. 2011, 23). Eine Person mit Migrationshintergrund wird definiert als jemand, der „eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzt oder im Ausland geboren wurde und nach 1949 zugewandert ist; weiterhin, wer in Deutschland geboren ist und eingebürgert wurde oder ein Elternteil hat, das zugewandert ist, eingebürgert wurde oder eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzt“ (ebd., 22), wobei unterschieden wird, ob diese Person eigene Migrationserfahrung hat oder nicht. Personen mit eigener Migrationserfahrung werden im Rahmen dieser Arbeit kurz „Migrant(inn)en“ genannt

„Deutsche“ im Sinne von Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit können somit sowohl seit mehreren Generationen Deutsche sein, als auch Migrationshintergrund haben. Wenn im Folgenden von der Ehe zwischen Migrant(inn)en und Deutschen gesprochen wird, bezeichnet dies im Idealfall jedoch die Ehe zwischen Menschen mit eigener Migrationserfahrung nach Deutschland und deutsche Staatsbürger ohne Migrationshintergrund, um den Integrationsprozess besser herausarbeiten zu können

1.2 Integrationsbegriff und Messbarkeit von Integration

Spricht man von Integration muss man sich der verschiedenen Sachverhalte bewusst sein, die unter diesem Begriff verstanden werden und die vorallem, aber nicht nur, davon abhängen, ob man sich im politischen oder im wissenschaftlichen Diskurs befindet2

In der politischen Debatte, die von den Medien stark beeinflusst wird, spielt der Begriff der Leitkultur eine wichtige Rolle, der allerdings bislang nicht überzeugend definiert werden konnte. Das Problem ist, dass es keine homogene deutsche (Leit-)Kultur gibt, deren Werte und Normen angenommen werden könnten3. Viele Deutsche fordern die Integration von Zugezogenen und verstehen dies „vor allem als Aufgabe für die Migranten und ihre Nachkommen [..]. Sie sollen sich integrieren, indem sie die deutsche Sprache lernen und sich an die deutsche Kultur anpassen“ (Held 2009, 122). Diesem Begriffsgebrauch widerspricht die Wissenschaft, da es sich dabei vielmehr um Assimilation handelt, bei der angenommen wird, „dass die Einwanderer im Laufe der Zeit zu Deutschen werden“ (ebd., 122). Die derzeitige Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer, sieht das Ziel der Integration hingegen in der „Angleichung im Sinne von gleichberechtigter Teilhabe in allen Bereichen“ (Böhmer, zit. in: Engels et al. 2011, 4), wozu die Politik beitragen könne und müsse

Im wissenschaftlichen Diskurs gibt es eine Vielzahl von Multikulturalismustheorien und damit verbundenen Ideen von Integration. In Abgrenzung zum eher eine Assimilation beschreibenden Integrationsbegriff der Politik und Medien schreibt etwa Prof. Dr. Josef Held von der „Tübinger Forschungsgruppe für Migration - Integration - Jugend - Verbände“, dass Integration bedeute, „dass die Minderheiten ihre kulturellen Besonderheiten beibehalten können und dass die deutsche Mehrheit die kulturelle Unterschiedlichkeit als Chance zu begreifen lernt“ (Held 2009, 122). Es handele sich also um eine beidseitige Aufgabe, für die gegenseitiges Interesse aneinander die Grundlage bilde. Dabei unterscheidet er vier Integrationsdimensionen, die für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen gelten: die kulturelle (Wissen und Kompetenzen), die strukturelle (Eingliederung in ein soziales System), die soziale (Interaktion) und die identifikatorische Dimension (subjektiver Bezug auf Aufnahmegesellschaft) (vgl. Held 2009, 122). Diese Dimensionen werden in Kapitel 4.2 wieder aufgegriffen

Will man die Integration messen, stößt man in der Fachliteratur unter anderem auf den Begriff des Sozialkapitals, der zum Einen die Entscheidung für eine Migration, zum Anderen die Integration im neuen Land beeinflusst, da es als „Produkt der sozialen Einbettung gesehen“ (Haug 2010, 13) wird und Zugang zu verschiedenen Ressourcen schafft. Dabei wird unterschieden zwischen herkunfts- und aufnahmelandspezifischem Sozialkapital, also u.a. den Verbindungen zur Herkunfts- und zur Aufnahmegesellschaft (vgl. ebd., 14). Ersteres ist meist in erster Linie die Familie des Migranten, zweiteres wird dargestellt von, in unserem Fall, deutschen Freunden und Bekannten oder auch einem deutschen Partner4. Prinzipiell verweist das Vorhandensein von sowohl herkunfts- als auch aufnahmelandspezifischem Sozialkapital auf eine gute Integration. Dabei spielt nicht nur die Existenz von interethnischen Beziehungen eine Rolle, sondern auch ihre Intensität, da bspw. „Eheschließungen auf stärkeren Beziehungen [beruhen] und [..] ein höheres Ausmaß an sozialer Verpflichtung als Freundschaften“ (ebd., 16) erfordern

Doch auch im politischen Diskurs werden Indikatoren für Integration genannt. So umfasst der aktuelle Zweite Integrationsindikatorenbericht 64 Indikatoren in 11 Bereichen, an denen versucht wird, den Integrationsfortschritt in Deutschland entsprechend der o.g. Definition von Frau Böhmer zu messen (vgl. Engels et al. 2011). Auf diese elf Bereiche werde ich im letzten Kapitel näher eingehen, um den Beitrag binationaler Ehen auf die Integration von Migranten daran zu prüfen

1.3 Binationale Ehen

Der Begriff der binationalen Ehe scheint selbsterklärend zu sein, wird aber problematisch, wenn man die verschiedenen Landesehegesetze miteinbezieht. Daher werden in diese Arbeit lediglich binationale Ehen einbezogen, die in Deutschland zwischen einer Frau und einem Mann geschlossen wurden, die zum Zeitpunkt der Eheschließung verschiedene Staatsangehörigkeiten hatten, wovon eine die deutsche war. Dabei wird nicht berücksichtigt, ob der Ehemann oder die Ehefrau nach Deutschland migriert ist5. Da es um die Integration in Wenn nicht anders hervorgehoben, sind aber stets beide Geschlechter gemeint

Deutschland geht, ist es zudem nötig, dass das Paar gemeinsam dort lebt. Scheinehen zur Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft werden dabei ausgeklammert, da hier ggf. aufgrund der anderen Umstände andere Auswirkungen auf die Integration vorliegen. Mit dieser Eingrenzung wird auch dem Problem der statistischen Erhebung aus dem Weg gegangen, dass nur Ehen registriert werden, die „in Deutschland zwischen Deutschen und Ausländern geschlossen werden, im Ausland geschlossene Ehen werde [sic!] ebenso wenig erfasst wie Ehen zwischen Personen mit und ohne Migrationserfahrung, die aber die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen“ (Menz 2007, 8)

2 Rolle des Aufnahmelands Deutschland

Die Rolle des Aufnahmelands bei der Integration ist ebenso vielfältig wie das Land selbst: Gesetze legen die Grundlagen für das (Zusammen-)Leben in Deutschland; die bereits hier lebende Gesellschaft reagiert in verschiedener Weise auf die Neuankömmlinge; und Staat und Vereine bemühen sich idealerweise, sie in der neuen Situation bestmöglich zu unterstützen

2.1 Gesetzeslage für mit Deutschen verheiratete Migranten

Alle Ausländer außer EU-Bürger benötigen für die „Einreise und den Aufenthalt in Deutschland neben einem gültigen Pass grundsätzlich einen Aufenthaltstitel (z.B. Visum, Aufenthaltserlaubnis, Niederlassungserlaubnis)“ (Kayser 2011, 8). Für mit Deutschen verheiratete Migranten gelten bei der Beantragung erleichterte Bedingungen, von denen die wichtigsten jener, die nach der Heirat in Deutschland gelten, hier kurz angeführt werden sollen

Durch die Eheschließung mit einem Deutschen „entsteht für die jeweiligen Ausländerinnen und Ausländer regelmäßig ein Anspruch auf den rechtlichen Schutz des Aufenthalts in Deutschland“6 (ebd., 9). Eine Aufenthaltserlaubnis wird erteilt, wenn Volljährigkeit, eine Eheschließung und -führung in Deutschland, deutsche Sprachkenntnisse und kein schwerer Ausweisungsgrund vorliegen. Sie berechtigt zur Erwerbstätigkeit, gilt bis zu drei Jahre und wird ggf. verlängert, wenn die Ehe fortbesteht. Liegen bei der erstmaligen Erteilung keine deutschen Sprachkenntnis auf B1-Niveau vor, ist der ausländische Ehepartner zur Teilnahme an einem Integrationskurs verpflichtet. Sind nach 3 Jahren noch immer alle Voraussetzungen gegeben, wird i.d.R. eine unbefristete Niederlassungserlaubnis erteilt (vgl. ebd. 10-11). Wird die Ehe geschieden oder stirbt der deutsche Partner, wird die Aufenthaltserlaubnis aufgehoben, bzw. in besonderen Fällen nur noch um ein Jahr verlängert (vgl. ebd., 13)

[...]


1 „Ausländer“ bezeichnet einen Rechtsstatus in Abgrenzung von Migranten, die die deutsche Staatsbürger- schaft haben, und soll künftig im Mikrozensus von den soziologischen Kategorien abgelöst werden, damit bei dieser Gruppe nicht der Eindruck entsteht, „dass Integrationserfolge ausbleiben“ (Engels et al. 2011, 23)

2 Prinzipiell fragen beide Diskurse, ob Integration „von oben“ oder „von unten“ erreicht werden kann, d.h., durch politische Maßnahmen oder durch einen Sinneswandel in der Gesellschaft, wobei beides in einer engen Wechselwirkung steht. Diese Frage steht in engem Zusammenhang mit der Integrationsdefinition

3 Eine Ursache für diese Scheinvorstellung ist das Erbe des Dritten Reichs, in dem die Nationalsozialisten das durch viele Kulturen und Gedankengüter geprägte Deutschland „säuberten“ und so für ein homogeneres Deutschland sorgten als es je zuvor existiert hatte. Heute wehren sich die darin aufgewachsenen Nachkriegsgenerationen gegen die fremden Einflüsse ohne bewusst die Gründe zu kennen

4 Allerdings können beide Kapitalarten sowohl positive als auch negative Folgen für den Migranten haben. So eröffnen sie einerseits Zugang zu bestimmten benötigten Informationen und weiteren Kontakten, können andererseits aber auch in Form von Verpflichtungen das Individuum in seiner Handlungsbreite einschränken, etwa „durch soziale Verpflichtungen zur gegenseitigen Unterstützung, Konformitätsdruck und Verhinderung des individuellen Aufstiegs in der Aufnahmegesellschaft“ (Haug 2010, 14)

5 Der besseren Lesbarkeit halber werde ich im Folgenden auf die korrekten Genderschreibweisen verzichten

6 Dieses Gesetz gilt unabhängig vom Ort der Eheschließung

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656210450
ISBN (Buch)
9783656211075
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195228
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,7
Schlagworte
Interkulturelle Kommunikation Integration Migrationshintergrund Multikulturalität Ehe binationale Partnerschaft Liebe Heirat Deutschland Ausländerbeauftragte

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Titel: Integration durch Heirat? - Einfluss der Heirat von Migranten und Deutschen auf die Integration in Deutschland