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Die Methode der Netzwerkanalyse

Erhebung und Analyse eines ego-zentrierten Netzwerkes

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 25 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Netzwerkanalyse
2.1 Entstehung der Netzwerkanalyse
2.2 Soziale Netzwerke

3 Ego-zentrierte Netzwerkanalyse
3.1 Erhebung eines ego-zentrierten Netzwerkes
3.2 Maßzahlen zur Analyse eines ego-zentrierten Netzwerkes
3.3 Graphische Erarbeitung eines ego-zentrierten Netzwerkes

4 Fallstudie

5 Fazit

A Anhang

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Verschiedene Formen der Netzwerkanalyse nach Burt

2 Namensinterpretatoren des Burt-Instruments

3 Namensgeneratoren des Fischer-Instruments

4 Namensinterpretatoren des Fischer-Instruments

5 Namensinterpretatoren des Wellman-Instruments

6 Namensinterpretatoren der Fallstudie

Abbildungsverzeichnis

1 Ego-zentriertes Netzwerk

2 Ego-zentriertes Netzwerk ohne Alter-Alter Beziehungen

3 Ego-zentriertes Netzwerk - nur Alter-Alter Beziehungen

4 Ego-zentriertes Netzwerk - Spring embedded - Alter- Alter Beziehungen

1 Einleitung

Die Welt im 21. Jahrhundert ist eine vernetzte Welt. So überrascht es auch nicht, dass Netzwerke mehr oder weniger überall vorzufinden sind. Damit einher geht das hohe Interesse an der Methode der sozialen Netzwerkanalyse. Diese bietet vielversprechende Wege, um auch komplexe und weitläufige Netzwerke darzustellen und zu analysieren.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Methode der sozialen Netzwerkanalyse, besonders mit der Variante ”ego-zentrierte Netzwerkanalyse“. Die Netzwerkanalyse hat eine lange Ent- stehungsgeschichte hinter sich, welche durch unterschiedliche Disziplinen und Denkschulen beeinflusst wurde. Diese werden im ersten Teil der Arbeit dargelegt. Schon bei Simmel finden sich erste Netzwerkgedanken. Durch die Jahre wurden immer weitere Facetten, welche der Analyse von Netzwerken dienlich waren. Diese werden kurz dargelegt. Die Ausführung endet mit der Blockmodellanalyse von White, welche gemeinhin als Durchbruch der Netzwerkana- lyse gilt.

Daraufhin wird das Konzept des ”sozialen Netzwerks“ definiert. Es folgt eine Einführung in die Begrifflichkeiten der Netzwerkanalyse, sowie ein Überblick über die diversen Versionen, welche die Netzwerkanalyse bietet. Es werden Konzepte wie Knoten, Kanten, Dyaden/Triaden, sowie Reflexivität und Transitivität vorgestellt.

Der darauf folgende Abschnitt stellt die ego-zentrierte Netzwerkanalyse vor. Die Erhebung eines ego-zentrierten Netzwerkes erfolgt mit Hilfe von Namensgeneratoren und Namensinterpretatoren, wovon die bekanntesten vorgestellt und diskutiert werden. Das erhobene Netzwerk wird durch die Nutzung von Maßzahlen analysiert. Es werden sowohl globale Strukturmaße als auch Maße zur Erhebung der internen Diversität vorgestellt. Neben diesen Maßen gilt es, das Netzwerk zu visualisieren. Hierzu werden verschiedene Versionen von Netzwerkkarten vorgestellt und auf Vor-und Nachteile untersucht.

Nach der Einführung in die Methode der sozialen Netzwerkerhebung, folgt eine Fallstudie einer indischen Migranten in Großbritannien. Für diese Art der Forschung ist die ego-zentrierte Netzwerkanalyse besonders geeignet, da Migranten zu einem komplexen Netzwerk neigen, welches sich durch die ego-zentrierte Analyse gut erarbeiten lässt. Das erhobene ego-zentrierte Netzwerk wird mit Hilfe der Software ”VennMaker“ aufbereitet und analysiert. Es werden sowohl Multiplexität der Beziehungen, Dichte des Netzwerkes als auch die Beziehungen zwischen den Netzwerkmitgliedern verdeutlicht.

Den Abschluss bildet ein zusammenfassendes Fazit.

2 Netzwerkanalyse

”a specific set of linkages among a defined set of persons, with the additional property that the characteristic of these linkages as a whole may be used to interpret social behaviour of the persons involved.“1

2.1 Entstehung der Netzwerkanalyse

D ie Entwicklung der Netzwerkanalyse folgt nicht linear einem Strang, sondern wurde durch diverse Forschungsschulen und Disziplinen geprägt. Erste Ansätze netzwerkstrukturierten Den- kens finden sich bei Simmel und seiner ”Kreuzung der sozialen Kreise“. Diese fanden um die Jahrhundertwende jedoch wenig Beachtung, so dass sie nicht als Fundament dienten. Grundlegende Anstöße kamen aus der Sozialpsychologie, welche die Relevanz des Umfeldes für das soziale Handeln betont. Lewin, welcher als Begründer der Feldtheorie für die Sozi- alwissenschaften gilt, stellte die Wirkung des Feldes visuell dar, indem er Akteure und ihre Handlungsziele als Punkte in einem Raum definierte und diese mit Linien verband. Zwischen Akteur und Handlungsziel waren Barrieren eingefügt, welche es zu umgehen galt. Auf dieser Visualisierung baute Burt seine Idee eines topologischen, sozialen Raumes auf. Die erste Vi- sualisierung von sozialen Beziehungen zwischen Individuen findet sich bei Moreno, welcher das Soziogramm entwickelte, welches soziale Beziehungen messen sollte. Es diente jedoch hauptsächlich der Darstellung von Strukturen und weniger der Analyse. Heider untersuchte die kognitive Balance in einem Netzwerk mit drei Personen, genannt Triples. Unterschieden wurde zwischen negativen und positiven Beziehungen. Ob dieses Triple Stress für die zu un- tersuchende Person bedeutete, hing von der Anzahl der negativen Vorzeichen ab. Bei einer ge- rade Anzahl von negativen Vorzeichen oder bei einer verzeichneten Abstinenz von negativen Vorzeichen, war das Triple ausbalanciert und produzierte somit keinen Stress für die betreffen- de Person. Erweitert wurde dieser Ansatz durch Newcomb, welcher als Untersuchungseinheit nicht mehr ein einzelnes Individuum hatte, sondern an der strukturellen Balance einer Grup- pe interessiert war. Einen bedeutenden Durchbruch verzeichneten Cartwright und Harary, als sie 1956 die mathematische Graphentheorie auf das Balance-Problem anwandten. Rapoport und Coleman hatten einen makrosoziologischen Ansatz, denn sie untersuchten, wie die Struk- tur eines großen Netzwerkes die Verbreitung von Informationen und Krankheiten beeinflusst. Hierzu wurde die statistische Methode für die Analyse großer Netzwerke entwickelt. In dieser wurde von Schülern einzelne Freundeskreise erhoben und zusammengeführt. Es zeigte sich, dass die ersten Freunde noch stark cliquenhaft sind, die zuletzt genannten jedoch stark divers. Bezeichnend war, dass eben jene zuletzt genannten besonders relevant waren für die Verbrei- tung von Informationen. Auf diesen Ergebnissen basiert auch Granovetters Theorie der weak ties (Jansen 2006:37-42).

Neben der Sozialpychologie kamen entscheidende Impulse aus der britischen und amerika- nischen strukturfunktionalen Anthropologie, welche den Fokus auf das Funktionieren von großen Einheiten legten, wie z.B. Dörfer, Gemeinden oder Gesamtgesellschaften. Radcliffe- Brown prägte den Term Netzwerk. ”I use the term ,social structure’ to denote this network of actually existing relations“(Radcliffe-Brown 1940 in Jansen 2006: 43). In den 50er und 60er Jahren entwickelte die Manchester-Gruppe (Gluckman, Barnes, Bott, Nadel, Mitchel) den Netzwerkansatz als Alternative zum normativen Strukturfunktionalismus von Parsons. Ausgangspunkt war die Idee, dass konkretes Verhalten und konkrete Beziehungen einander bedingen. Besonderer Fokus lag auf den Konzepten Macht und Konflikt innerhalb einer Ge- sellschaft. Bott untersuchte die Geschlechtsrollendifferenzierung, indem sie von 20 Ehepaaren die persönlichen Netzwerke erhob. Bott gilt somit als die Erfinderin der ego-zentrierten Netz- werkanalyse. Während Barnes, Bott und Mitchell besonders an den direkten Beziehungen von Individuen und deren dadurch geprägt Lebenswelt waren, fokussierte Nadel die Bedeutung der Form einer sozialen Beziehung, unter Bezug auf Simmel. Nadel unterschied zwischen der formalen Beziehung und den vielen konkreten Handlungen, welche eine Beziehung manifes- tieren. Nadel abstrahierte den Begriff der Struktur soweit, dass er unter sozialer Struktur die ”systematische Ordnung und Interdependenz zwischen den Beziehungen“ verstand (Jansen 2006: 42-44).

Den Durchbruch zur Netzwerkanalyse wurde mit der Entwicklung der Blockmodellanalyse durch White errungen. In den 60er Jahren hatte White Verwandtschaftssysteme untersucht und mit Hilfe von graphentheoretischen Modellen aufgearbeitet. Diese erweiterte er in den 70er Jahren durch matrixalgebraische Modelle zur Gruppentheorie. White und seine Forschergrup- pe entwickelten einen Algorithmus, welcher es ermöglichte aus den Beziehungsdaten der Indi- vidualebene auf gesamtgesellschaftliche Strukturen bezüglich Rolle und Position zu schließen. Die Blockmodellanalyse war in der Lage, dies auch für große Netzwerke zu leisten (Jansen 2006: 47).

2.2 Soziale Netzwerke

N etzwerke durchziehen alle Bereiche der Gesellschaft, angefangen bei Nachbarschafts- oder Freundesnetzwerken, über Wirtschafts-, Wissenschafts bis hin zu illegalen Netzwerken. All diesen Netzwerken ist eine Grundstruktur gemeinsam, welche im Folgenden aufgezeigt wird (Bommes und Tacke 2006:37). Soziale Netzwerke werden definiert als “die durch Be- ziehungen eines bestimmten Typs verbundene Menge von sozialen Einheiten” (Pappi in Diaz- Bone 1997: 39) und ” social structures can be represented as networks-as sets of nodes (or social system members) and sets of ties depicting their interconnections“(Knoke und Yang 2008: 8). Doch nicht jedes Netzwerk bezeichnet sich als solches und ebensowenig sind alle selbsternannten Netzwerke, Netzwerke in soziologischer Betrachtungsweise. Für die Netz- werkanalyse interessant sind Netzwerke, welche eine soziale Struktur der Gesellschaft dar- stellen (Bommes und Tacke 2006:37). Diese Netzwerke werden durch die Personen und deren Beziehungen zueinander bestimmt, wobei das empirisch kleinste Netzwerk aus einer Person besteht, welche keine Beziehung zu sich oder anderen aufweist. Betrachtet man jedoch ein größeres Netzwerk, so sind diverse formale Definitionen zu beachten, welche im Folgenden vorgestellt werden.

Die Netzwerke bestehen aus sozialen Akteuren, welche Knoten genannt werden. Diese Knoten müssen nicht zwangsläufig Einzelpersonen sein, vielmehr ist es möglich auch Paare, Gruppen oder Organisationen als Knotenpunkt darzustellen. Übliche Bezeichnungen für Knoten sind Netzwerkeinheiten oder Akteure, welche synonym verwendet werden. Diese Knoten wer- den durch Beziehungen, Kanten genannt, miteinander verknüpft. Diese Kanten können un- terschiedliche Eigenschaften haben, wobei die beiden wichtigsten Kriterien die Gerichtetheit und die Bewertetheit von Beziehungen sind. Gerichtet Kanten liegen vor, wenn unterschieden werden kann, von wem eine Beziehung ausgeht, bzw. an wen sie gerichtet ist. Wenn diese Unterscheidung nicht getroffen werden kann, spricht man von symmetrischen Beziehungen. Durch Bewertungen können zusätzliche Qualifizierungen von Kanten erlangt werden. Bei- spielsweise können Beziehungen als positiv oder negativ kodiert werden oder auch die In- tensität der Beziehung kann angegeben werden in Form von Dauer oder Häufigkeit. So lässt sich eine numerische Bewertung erzielen. Weitere Arten von Bewertungen bieten die Kon- zepte Transitivität und Reflexivität. Während Reflexivität schon in einem Netzwerk mit nur einem Akteur, solange die Möglichkeit der ’Selbstwahl’ gegeben ist, vorkommen kann, benö- tigt Transitivität ein Netzwerk mit mindestens drei Akteuren, da Transitivität vorliegt, wenn von einer Kante von a nach b und von a nach c automatisch folgt, dass eine Beziehung zwi- schen b und c besteht. Ein Beispiel hierfür wären Verwandtschaftsbeziehungen (Diaz-Bone 1997: 40& 41).

Netzwerke können sowohl in der Anzahl der Knoten als auch der Kanten variieren. Liegen nur zwei Knotenpunkte vor, so spricht man von Dyaden, respektive liegt eine Triade vor, wenn das Netzwerk drei Knoten umfasst. Diese werden jedoch selten isoliert untersucht, sondern vielmehr werden Netzwerke in einzelne Dyaden/Triaden unterteilt und auf strukturelle Eigenschaften untersucht. Diese Verfahren nennt sich lokale Analyse. In einem Netzwerk mit N Akteuren gibt es (N2 -N)/2 verschieden Dyaden. Das interessante an Dyaden ist vorrangig der Reziprozität der Beziehungen geschuldet. Für Triaden gilt: In einem Netzwerk mit N Akteuren existieren 1/6 * N * (N-1) * (N-2) Triaden. Dyaden- und Triadenforschung geht auf die Balance-Forschung von Kleingruppen zurück (Jansen 2006: 60-63).

In einem Netzwerk mit vielen Knoten und Kanten kann es zu Subgruppen kommen. Diese werden als Cliquen bezeichnet. Folgt man der strengen Definition, so besteht eine Clique aus mindestens drei Knoten, welche vollständig miteinander verbunden sein müssen. Die häufiger genutzte Definition einer Clique bezeichnet diese als eine Gruppe von Knoten innerhalb eines Netzwerkes, welche sich durch eine hohe Dichte auszeichnet. Existieren mehrere Subgrup- pen innerhalb eines Netzwerkes und liegen zwischen diesen keine Kanten vor, so spricht man von Komponenten. Liegen zwischen zwei Knoten mehrere Beziehungsarten vor, so spricht man von multiplexen Kanten (Diaz-Bone 1997:43). Eine weitere Differenzierung wurde von Granovetter vorgenommen. Er unterschied zwischen ”strong ties“ und ”weak ties“. Während starke Beziehungen sich durch einen hohen zeitlichen Aufwand und emotionaler Intensität auszeichnen, entsprechen schwache Beziehungen Gelegenheitskontakten wie Nachbarn oder Arbeitskollegen. Weak ties kommt eine besonderes Bedeutung zu, da sie als Brücken zwi- schen einzelnen Cliquen fungieren können. Durch diese Schlüsselposition gewinnen weak ties an Stärke, da durch sie der Informationsfluss im Netzwerk erheblich erhöht wird. So wies Granovetter nach, dass Informationen bezüglich ”seltener Ressourcen“, wie beispielsweise Jo- binformationen, meist über weak ties erlangt werden (Granovetter in Diaz-Bone 1997: 44 & 45).

Neben der sektoralen Analyse eines Netzwerkes in Dyaden, Triaden und Subgruppen, kann auch das Gesamtnetzwerk analysiert werden. Dies setz in der Regel jedoch voraus, dass auch die einzelnen Strukturelemente zuvor analysiert wurden. Jede Art der Netzwerkanalyse kann unterschieden werden in Relationale Analyse und Positionale oder Strukturelle Analyse. Re- lationale Analyse fokussiert die direkte oder indirekte Verbundenheit von Akteuren innerhalb eines Netzwerkes, während Positionale oder Strukturelle Analyse nach Mustern und Interde- pendenzen zwischen den verschiedenen Beziehungen sucht. In Tabelle 1 sind die verschiede- nen Analyserichtungen in Kombination mit den diversen Analyseebenen aufgezeigt (Jansen 2006: 66 & 67).

Tabelle 1: Verschiedene Formen der Netzwerkanalyse nach Burt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:in Jansen 2006: 67

3 Ego-zentrierte Netzwerkanalyse

”Unter einem ego-zentrierten Netzwerk versteht man das um eine fokale Person, das Ego, herum verankerte soziale Netzwerk“2

Eine spezielle Version der Netzwerkanalyse ist die ego-zentrierte Netzwerkanalyse, in welcher kein Gesamtnetzwerk erhoben wird, sondern lediglich das Netzwerk eines Individuums. Die- ser Ansatz hat den Nachteil, dass Rollen und Positionen, sowie deren Interdependenz, nicht analysiert werden können. Die Methode bietet jedoch auch große Vorteile. So ist es mög- lich diese Netzwerke durch Auswahl- und Befragungsmethoden zu erheben. Des Weiteren kann die Vielschichtigkeit eines Netzwerkes untersucht werden, besonders im Hinblick auf Multiplexität (Jansen 2006: 79). Extrem leistungsfähig ist die ego-zentrierte Netzwerkanalyse im Bereich Migration/Transmigration. Da die Netzwerke von Migranten eher durch soziale und emotionale Bindung, als durch räumliche Nähe definiert werden, bietet die ego-zentrierte Netzwerkanalyse die Möglichkeit, diese abzubilden. Die Akteure werden somit in die Lage versetzt ihr stark differenziertes Netzwerk, sowie ihre Einbettung in soziale Beziehungen, ab- zubilden. Diese Sachverhalte würden, auf Grund ihrer Komplexität, die Leistungsfähigkeit einer rein narrativen Erhebungsmethode übersteigen (Scheibelhofer 2006: 313 & 314).

3.1 Erhebung eines ego-zentrierten Netzwerkes

Die Analyseeinheit der ego-zentrierten Netzwerkanalyse ist ein Individuum, das Ego, und dessen Netzwerk. Die Mitglieder des Netzwerkes werden Alteri genannt. Um diese Alteri zu erheben, können verschiedene Werkzeuge, Namensgeneratoren genannt, genutzt werden. Durch die Namesgeneratoren wird das Netzwerk begrenzt. In diesem Zusammenhang gilt es zu beachten, dass unterschiedliche Namensgeneratoren unterschiedliche Arten von Netzwer- ken generieren. Sind die Alteri generiert, können Namensinterpretatoren genutzt werden, um die Beziehungen zwischen Ego und Alteri, sowie zwischen den Alteri, genauer zu bestimmen (Jansen 2006: 80 & 81).

Im Folgenden werden die drei bekanntesten Namensgeneratoren vorgestellt und auf Vor- und Nachteile hin untersucht. Das Burt-Instrument arbeitet mit einem Namensgenerator und 14 Namensinterpretatoren. Mit der Frage ”From time to time, most people discuss import- ant matters with other people. Looking back at the last six month [...] who are the people with whom you discuss an important personal matter? “ (Burt in Diaz-Bone 1997: 53). Das Ego nennt daraufhin soviele Menschen wie es möchte, jedoch werden nur die fünf zuerst genannten verwendet, wenn es um die Anwendung der Namensinterpretatoren geht (für eine Liste der Namensinterpretatoren siehe Tabelle 2). Durch die Beschränkung auf die erstgenann- ten fünf Personen findet eine starke Reduktion des Netzwerkes statt. Auch besteht die Gefahr der Verzerrung da die Nennung der Person nicht nur von der sozialen Relevanz abhängt. Wenn beispielsweise das Ego vor kurzem zu einem Alter viel Kontakt hat, dies jedoch eher untypisch für die Beziehung ist, so ist die Wahrscheinlichkeit stark erhöht, dass dieser Alter dennoch zu den fünf zuerst genannten Alteri zählt, bedingt durch die aktuelle Präsenz im Netzwerk. Burt begründete die Beschränkung auf fünf Alteri auch nicht inhaltlich, sondern methodisch. Er sah den Zeitaufwand als zu groß an, da dieser mit jedem weiteren Alteri nichtlinear steigt, bedingt durch den ebenfalls nichtlinearen Anstieg der Beziehungen zwischen den Alteri (Diaz-Bone 1997: 53). Des Weiteren ist der Namensgenerator weit gefasst, da keine nähere Definition von ”important matters“ stattfindet, so dass theoretisch sehr unterschiedliche Beziehungsformen erhoben werden können. Ebenfalls durch die weite Formulierung des Namensgenerators be- dingt, ist Burts Furcht vor Korrelation, sollten weitere Namensgeneratoren eingeführt werden (Diaz-Bone 1997: 76).

[...]


1 Mitchel 1969 in Jansen 2006: 43

2 Jansen 2006: 80

Details

Seiten
25
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656209676
ISBN (Buch)
9783656212331
Dateigröße
862 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195162
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Schlagworte
methode netzwerkanalyse erhebung analyse netzwerkes

Autor

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Titel: Die Methode der Netzwerkanalyse