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Die Krise der Städte

von Ines Noller (Autor)

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Exklusion und Marginalisierung
2.1 Hamburg, Wilhelmsburg
2.2 Paris, La Courneuve
2.3 Chicago, Woodlawn

3 Wirkung der Exklusion auf die Lebenswelt
3.1 Deutschland: Islamisierung des Selbst
3.2 Frankreich: Drogenkosum und Vandalismus
3.3 USA: Offene Gewalt

4 Interventionsbemühungen der Regierung

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Immer häufiger erscheinen die sozial benachteiligten Wohnviertel europäischer Städte in der Öffentlichkeit. Die Medien berichten zunehmend von der ansteigenden Arbeitslosigkeit und der dort wachsenden Armut. Viele verfolgten die brennenden balieus 2005 in Frankreich, als Jugendliche in großem Ausmaß Busse und Autos in Brand steckten. Mit zunehmender Medienpräsenz der wachsenden Unruhen, in den benachteiligten Stadtteilen, wird immer deutlicher, dass „ganze Wohnquartiere immer mehr von sozialer Ausgrenzung betroffen sind“[1]. Die Gefahr der Entstehung einer neuen „städtischen Unterschicht“[2], auch in Deutschland, ist groß und die Befürchtung einer „Ghettoisierung“[3] nicht unberechtigt. Denn es sind nicht nur Einheimische, sondern auch Einwanderer von der Ausgrenzung betroffen. Diese soziale Ausgrenzung äußert sich in einer „eingeschränkten Teilhabe am Arbeits-, Wohnung-, Konsum- und Kulturmarkt“[4] und der politischen Partizipation. Es ist nicht verwunderlich, dass die Konflikte in diesen Wohnorten, vermehrt aus einem Kampf nach Anerkennung herrühren, da ihren Bewohner der Zugang zum Arbeits- und Wohnungsmarkt durch die Gesellschaft zusätzlich erschwert wird. Die Diskriminierung, die diese Menschen erfahren, äußert sich jedoch nicht nur in Rassismus oder sozialräumlicher Diskriminierung, sondern auch in der sogenannten positiven Diskriminierung durch beispielsweise „gruppenorientierte Minderheiten- bzw. Antidiskriminierungspolitik“[5]. Auch hier wird den Ausgegrenzten ihre soziale Ungleichstellung bewusst vor Augen geführt.

Des weiteren soll die Ausgrenzung der Bewohner des Chicagoer Ghetto Woodlawn, das banlieu im Pariser Vorort La Courneuve und des Wohnviertels Wilhelmsburg in Hamburg untersucht werden. Welche Auswirkungen die Exklusion auf die Lebenswelt der Ausgegrenzten hat und welche Interventionen der Staat unternimmt um die Ungleichstellung abzumildern wird des weiteren beispielhaft beschrieben.

2 Exklusion und Marginalisierung

Zunächst die Begriffsklärung. Unter Exklusion, versteht man wörtlich Ausschluss, in diesem intertextuellen Zusammenhang jedoch Ausgrenzung. Eine Einzelperson oder eine bestimmte Gruppierung von Personen wird von einer jeweils anderen Gruppe, gegen seinen/ihren Willen von etwas ausgeschlossen.

Unter Marginalisierung ist ein Prozess in dem Bevölkerungsschichten an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Dadurch wird es diesen nahezu unmöglich gemacht am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben Teil zu nehmen.[6]

2.1 Hamburg, Wilhelmsburg

In Deutschland hat sich bedingt durch die Bevölkerungsentwicklung und der Wohnungsversorgung, die Ausgrenzung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen in separate soziale Territorien verstärkt. Besonders in den westdeutschen Großstädten kommt es vermehrt zur „sozialräumlichen Segregation“[7]. Diese richtet sich gegen soziale Minderheiten. Diese ausländischen Einwohner wurden zunächst als Gastarbeiter nach Deutschland geholt und ihr Aufenthalt war nicht auf Dauer gedacht.

Frankreich versteht sich als „politisch definierte „Staatsnation““[8], Deutschland als „Kulturnation“[9], wodurch sich nach Frankreich Eingewanderte allein durch die Anerkennung der französischen Ideologien von Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit als Franzosen verstehen dürfen, so werden selbst deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund von der Gesellschaft immer als Ausländer verstanden. Denn sie teilen nicht das deutsche Kulturgut und können so meist keinen vollkommenen Zugang zur gebürtig-deutschen Gesellschaft finden. Es bilden sich Parallelgesellschaften, die ihre eigene Sprache und Kultur pflegen und sich gegenüber der Gesellschaft abgrenzen. Ob der Ursprung der jeweiligen Parallelgesellschaft aus eigenem Anrieb geschieht oder aus der Segregation durch die Restbevölkerung, ist unterschiedlich. Oftmals haben immigrierte Mitbürger außerdem mit einem erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt zu kämpfen. Allgemein ist zu sagen, dass die Segregation von Minderheiten in Deutschland noch kein so extremes Ausmaß wie in Frankreich angenommen hat. Jedoch spielen auch hier die hohe Arbeitslosenzahlen und Stigmatisierung eine wichtige Rolle. Hamburgs Stadtteil Wilhelmsburg steht für die „soziale Randposition innerhalb der Gesellschaft“[10] und wird von seinen, zum Großteil ausländischer Bewohnern, gleichzeitig zum Teil ihres Selbstbildes. Sie übernehmen das „Bild des Stadtviertels und dessen gesellschaftliche Bewertung“[11] in ihre Selbstbeschreibung.

„Die Einschreibung der Zugehörigkeit zu einem urbanen Raum in das Selbstbild führt zu in ein ambivalentes Verhältnis zum eigenen Wohnort“.[12]

Die Bewohner Wilhelmsburg schwanken zwischen Ablehnung und Verteidigung ihres Wohnortes. Denn innerhalb des Stadtteils kommt es zu Kämpfen rivalisierender Gruppen. Es herrscht wenig Einigkeit. Wird Wilhelmsburg jedoch von der Gesellschaft von außen angegriffen gibt es plötzlich einen großen Zusammenhalt aller Wilhelmsburger, die gemeinsam eine Abwehrhaltung annehmen.

Die Stigmatisierung findet hier durch den Wohnort satt. Diese wird besonders in Bezug auf Schulbildung, Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche deutlich. Die Zugehörigkeit zum Stadtteil Wilhelmsburg und zur Gruppe der Ausländer münden in eine „Chancenungleichheit im gesellschaftlichen System“.[13]

[...]


[1] Heitmeyer ,Dollase, Backes; Die Krise der Städte, S. 266

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Heitmeyer ,Dollase, Backes; Die Krise der Städte, S. 266 f.

[5] Heitmeyer ,Dollase, Backes; Die Krise der Städte, S. 269

[6] Siehe: http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzeptg/l52/l5287.htm

[7] Heitmeyer ,Dollase, Backes; Die Krise der Städte, S. 281

[8] Heitmeyer ,Dollase, Backes; Die Krise der Städte, S. 283

[9] Ebd.

[10] Bude, Willisch; Das Problem der Exklusion, S.151

[11] Bude, Willisch; Das Problem der Exklusion, S. 152

[12] Ebd.

[13] Bude, Willisch; Das Problem der Exklusion, S. 153

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656208297
ISBN (Buch)
9783656208464
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195137
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Schlagworte
krise städte

Autor

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    Ines Noller (Autor)

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