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Ingrid Bergman - Der Weltstar aus Schweden

Fachbuch 2012 59 Seiten

Kunst - Fotografie und Film

Leseprobe

Ernst Probst

Ingrid Bergman

Der Weltstar aus Schweden

Ein „Denkmal des Kinos“ war die schwedische Schauspielerin Ingrid Bergman (1915–1982). Unvergessen ist vor allem ihr Film „Casablanca“ aus dem Jahr 1942. Darin ging es um die Frage, ob die Bergman als Ehefrau ihrem Gatten (gespielt von Paul Henreid, 1908–1992), einem Widerstandskämpfer, treu bleiben oder ob sie mit dem zynischen, ausgebürgerten amerikanischen Cafébesitzer (Humphrey Bogart, 1899–1957) davongehen würde. Das ironische Ende

überraschte die meisten Kinozuschauer.

Ingrid Bergman kam am 29. August 1915 als Tochter des schwedischen Fotografen und Malers Justus Samuel Bergman und seiner deutschen Ehefrau Friedel Adler Bergman in der schwedischen Hauptstadt Stockholm zur Welt. Ihre Mutter starb, als sie erst zwei Jahre alt war. Ihr Vater förderte früh ihr schauspielerisches Talent, starb aber bereits, als Ingrid zwölf Jahre alt war. Fortan wuchs die Waise bei einem Onkel auf. Bis zum Alter von 17 Jahren besuchte sie eine private Mädchenschule.

Nach dem Verlassen der Schule beschloss die im Privatleben schüchterne Ingrid Bergman, sie wolle Schauspielerin werden. Ihr Onkel stand ihrem Berufs-wunsch nicht im Wege. In dem schwedischen Film „Landskamp“ (1932) spielte die 17-jährige Ingrid als in einer Schlange stehendes Mädchen eine schweigsame Nebenrolle.

Von 1933 bis 1934 nahm Ingrid Bergman an der Schauspielschule des „Königlichen Dramatischen Theaters“ in Stockholm Unterricht. Bald erkannte sie aber, dass die Theaterbühne nicht das Richtige für sie war. Sie wollte lieber zum Film.

Ihr Debüt auf der Kinoleinwand feierte Ingrid Bergman in dem Film „Munkbrogreven“ (1935). Dieser Streifen handelt davon, dass in der Stockholmer Altstadt ein Juweliergeschäft ausgeraubt wird und danach die Jagd auf die Räuber beginnt. In „Munkbrogreven“ hatte Ingrid eine Sprechrolle als Elsa Edlund. Die Gage betrug 1.000 schwedische Kronen. Danach sah man sie in den Filmen „Bränningar“ (1935), „Swedenhielms“ (1935), „Intermezzo“ (1936) und „Valborgsmässoafton“ („Walpurgisnacht“, 1936). Durch den schwedischen Streifen „Intermezzo“ unter der Regie von Gustaf Molander (1888–1973) wurde Hollywood auf die Bergman aufmerksam. Für „Intermezzo“ bekam sie 20.000 US-Dollar.

Zu Beginn ihrer Karriere, als sie nur schwedische Filme drehte, erhielt Ingrid Bergman am Set den Spitznamen „Betterlater“. Dieser fußte darauf, dass sie nach jedem Streifen erklärte, sie würde später noch besser werden.

Am 10. Juli 1937 schloss Ingrid Bergman ihre erste Ehe mit dem Zahnarzt Petter Aron Lindström (1907–2000). Die Beiden gaben sich in der Kirche von Stöde nördlich von Stockholm das Ja-Wort. Stöde war die Heimatstadt des Bräutigams. Aus der ersten Ehe stammt die am 20. September 1938 geborene Tochter Pia.

In Deutschland stand Ingrid Bergman erstmals für den „UFA“-Film „Vier Gesellen“ (1938) unter der Regie von Carl Froelich (1875–1953) vor der Kamera. Darin spielte sie eine von vier Frauen, welche die Werbeagentur „Vier Gesellen“ betrieben, die anfangs nicht gut lief. Gründerinnen dieser Werbeagentur waren Käte (Sabine Peters), Lotte (Casta Löck), Franziska (Ursula Herking) und Marianne (Ingrid Bergman). Als Marianne von einer Zigarettenfirma einen Werbeauftrag bekam, erfuhr sie, dass deren Chef ihr ehemaliger Lehrer Stefan – dargestellt von Hans Söhnker (1903–1981) – ist. Dieser hatte sie bereits während ihrer Schulzeit heiraten wollen. Weil Marianne glaubte, sie hätte den Auftrag nur wegen der Sympathie von Stefan bekommen, lehnte sie ihn ab. Stefan versuchte, sie erneut für eine Heirat zu gewinnen, aber sie sagte „Nein!“. Einige Jahre später, als die Werbefirma der vier Frauen florierte, machte Stefan erneut eine Liebeserklärung.

1939 ging Ingrid Bergman, die in Schweden bereits ein Star war, in die USA. Dort hatte sie in der amerikanischen Fassung des Films „Intermezzo“ (1939) unter der Regie von Gregory Ratoff (1897–1960) einen Riesenerfolg. Damals versuchte man vergeblich, sie zu einem anderen Künstlernamen wie „Ingrid Berriman“ oder „Ingrid Lindstrom“ zu überreden. 1941 sah man sie in „Rage in Heaven“ („Gefährliche Liebe“), „Adam Had Four Sons“ („Adam hatte vier Söhne“) sowie „Dr. Jekyll and Mr. Hyde“ („Arzt und Dämon“).

Den Durchbruch zum Weltruhm schaffte Ingrid Bergman in dem Kultfilm „Casablanca“ (1942). Als sie die weibliche Hauptrolle hierfür erhielt, war sie 27 und erst seit drei Jahren in Hollywood aktiv. Dagegen galt der damals 43-jährige Humphrey Bogart bereits als Hollywood-Denkmal. Ingrid hatte großen Bammel vor diesem harten Burschen. Um sich an ihn zu gewöhnen, schaute sie sich immer wieder seinen Kriminalfilm „Der Malteser Falke“ (1941) an.

Das Drehbuch für „Casablanca“ schrieb der Autor Howard Koch (1901–1995). Dieser hatte nach dem Buch „Krieg der Welten“ von H. G. Wells (1866–1946) das legendäre Rundfunk-Stück über eine Invasion von Marsmenschen verfasst, mit dessen Sendung 1938 Orson Welles (1915–1985) ganz New York City in Panik versetzte, weil man die packende Handlung irrtümlich für echt hielt. Am erstem Drehtag war weniger als die Hälfte des Scripts für „Casablanca“ fertig. Der restliche Handlungsverlauf stand noch nicht fest.

Bald ersann Drehbuchautor Koch in der Nacht, was am nächsten Tag gefilmt wurde. Die Produktionsfirma „Warner Brothers“ setzte ihn stark unter Druck, weil jeder zusätzliche Drehtag rund 30.000 US-Dollar kostete. Zwischen dem Bleistift des Drehbuchautors und der Kamera der Filmleute kam es zu einer Art Wettlauf. Ingrid Bergman, die sich im Film zwischen zwei Männern entscheiden musste, fragte wiederholt „Wen liebe ich nun wirklich?“ Doch nicht einmal der Regisseur Michael Curtiz (1886–1962) wusste auf die Frage, bei wem die Hauptdarstellerin bleiben würde, eine Antwort. Deshalb erklärte er, er würde zwei Fassungen drehen. Zur Bergman sagte er: „Spiel so zwischendrin“.

Ursprünglich war Howard Hawks (1896–1977) als Regisseur für „Casablanca“ vorgesehen gewesen. Doch vor Drehbeginn tauschte er mit Curtiz und übernahm die Heldensage „Sergeant York“ (1941). Der Sergeant Alvin C. York (1887–1964) war im Ersten Weltkrieg der am höchsten ausgezeichnete US-Soldat. Für den „Fließbandarbeiter“ Curtiz war „Casablanca“ sein 126. Film. Er drehte auf einem Hinterhof des Geländes von „Warner Brothers“ mit Casablanca und dem „Café American“ als Studio-Attrappen. Damit ein Flugfeld, das im Film vorkam, größer erschien, engagierte der Regisseur erfindungsreich Zwerge als Statisten.

In „Casablanca“ traf der US-Bürger Rick (Humphrey Bogart) und Besitzer des „Café American“ die Schwedin Ilsa (Ingrid Bergman) wieder, in die er in Paris unsterblich verliebt gewesen war. Doch Ilsa war inzwischen verheiratet. Ihr Ehemann war der politisch verfolgte Widerstandsheld Laszlo (Paul Henreid), den die deutsche „Geheime Staatspolizei“ („Gestapo“) nicht aus Casablanca in Marokko ausreisen lassen wollte. Unerwarteterweise verwandelte sich der zynische Rick in einen selbstlosen Retter. Er schoss einen „Gestapo“-Mann über den Haufen und ermöglichte Laszlo die gemeinsame Flucht mit Ilsa.

Kurioserweise hatten Ingrid Bergman und Humphrey Bogart während der Dreharbeiten für „Casablanca“ das Gefühl, diese Geschichte sei lächerlich und unglaubhaft. Bei Großaufnahmen von ihr kam es Ingrid so vor, als sei ihr Gesicht oft „absolut leer“.

Humphrey Bogarts trinkfreudige und streitlustige dritte Ehefrau Mayo Methot (1904–1951) verdächtigte damals ihren Mann, eine Affäre mit Ingrid Bergman zu haben. In Wirklichkeit existierte die oft erwähnte knisternde Spannung zwischen der Bergman und Bogart überhaupt nicht, erklärte später Bogarts vierte Ehefrau Lauren Bacall (geboren 1924). „Meine Mutter konnte Bogart überhaupt nicht leiden“, betonte die Bergman-Tochter Pia Lindström.

Bei der Uraufführung von „Casablanca“ im November 1942 sah der kritische Drehbuchautor Howard Koch auf der Kinoleinwand „nichts als Fehler“. Doch dem Publikum gefiel dieser Streifen ungemein. Die „New York Times“ jubelte, „Casablanca sei ein Film, „bei dem das Herz einen Luftsprung macht“. Im Folgejahr erntete „Casablanca“ gleich drei „Oscars“: für die beste Regie, für das beste Drehbuch und als bester Film der Saison.

Ingrid Bergman und Humphrey Bogart galten nach dem Meisterwerk „Casablanca“ als eines der besten Kino-Paare aller Zeiten. Manche Szenen daraus sind unvergessen. Zum Beispiel, wenn Bogart zur Bergman sagt: „Ich seh dir in die Augen, Kleines“. Oder wenn die Bergman einen schwarzen Pianisten auffordert: „Spiel’s noch mal, Sam, spiel es“ und dieser dann beginnt „As time goes by ...“. Für „Casablanca“ erhielt die Bergman eine Gage von 25.000 US-Dollar.

Großen Anteil am Gelingen von „Casablanca“ hatten auch die übrigen Mitwirkenden. Viele dieser Schauspieler waren Europäer, die als Gastarbeiter in Hollywood das Schicksal der Emigranten in „Casablanca“ gut nachvollziehen konnten. Die Bergman sagte später, bei so vielen guten Schauspielern habe einfach ein guter Film herauskommen müssen.

Ingrid Bergman begeisterte das amerikanische Publikum vor allem durch ihre Natürlichkeit. Später stritt sie oft mit Produzenten oder Regisseuren, weil sie ohne Make-up spielen wollte. Wegen ihrer Größe von 1,75 Metern musste bei Szenen mit kleineren männlichen Filmpartnern häufig der Höhenunterschied kaschiert werden.

Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway (1899–1961) wählte Ingrid Bergman für die Hauptrolle in der Verfilmung seines Buches „For Whom the Bell Tolls“ („Wem die Stunde schlägt“, 1943) persönlich aus. Dieser Streifen handelte von dem amerikanischen Sprengstoff-Experten Robert Jordan, der im Spanischen Bürgerkrieg antifaschistische Freiheitskämpfer unterstützte. Jordan wurde von dem 1,87 Meter großen Gary Cooper (1901–1961) dargestellt, welcher der Bergman mehr als der 1,73 Meter große Humphrey Bogart lag. An der Seite von Jordan standen Partisanen wie die kämpferische Pilar (Katina Paxinou, 1900–1973), der unzuverlässige Pablo (Akim Tamiroff, 1899–1972) und die attraktive Maria (Ingrid Bergman). Bei wachsender Gefahr kamen sich Robert und Maria immer näher und es entwickelte sich eine der größten Liebesgeschichten auf der Kinoleinwand. Die Bergman war in der Folgezeit mit Hemingway persönlich sehr gut befreundet. Ingrid nannte ihn „Papa“, Hemingway sie „Tochter“.

Für ihre Rolle als bedrohte Frau in dem Thriller „Gaslight“ („Das Haus der Lady Alquist“, 1944) erhielt Ingrid Bergman eine Gage von 75.000 US-Dollar und ihren ersten „Oscar“ als beste Schauspielerin. Der Regisseur George Cukor (1895–1983) war vom Aussehen seiner weiblichen Hauptdarstellerin gar nicht begeistert. „Sie hat eine viel zu große Nase, schiefe Zähne und unmögliche Augenbrauen“, mäkelte er. Die Bergmanverkörperte in „Gaslight“ die Nichte Paula Alquist Anton der ermordeten Sängerin Alice Alquist. Im Laufe der Handlung entpuppte sich Gregory Anton, der Ehemann der Nichte, als Bösewicht. Er wollte seine Gattin systematisch in den Wahnsinn treiben, um von seiner Suche nach den im Haus versteckten Juwelen abzulenken, die er Jahre zuvor bei seinem Mord an Alice Alquist nicht gefunden hatte. Weil ihr Filmgatte Charles Boyer (1899–1978) etwas kleiner als die Bergman war, musste er sich auf eine Kiste stellen, um neben ihr etwas größer zu wirken. Während einer Szene trat die Bergman diese Kiste versehentlich zur Seite.

Mit dem britischen Regisseur Alfred Hitchcock (1899–1980) drehte Ingrid Bergman drei Filme: „Spellbond“ („Ich kämpfe um dich“, 1945), „Notorious“ („Berüchtigt“, 1946) und „Under Capricorn“ („Sklavin des Herzens“, 1949). „Notorious“ gilt als der Beste davon.

Bei einer öffentlichen Abstimmung im Jahre 1947 wurde Ingrid Bergman in den USA als beste Schauspielerin von 1946 gewählt. Nach dem Urteil amerikanischer Kinobesitzer war sie damals der größte „Kassenschlager“. Eine Jury von Filmkritikern dagegen bezeichnete damals Olivia de Havilland (geboren 1916) als Jahresbeste. Ingrid erreichte den dritten Platz.

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Details

Seiten
59
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656209713
ISBN (Buch)
9783656212782
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195115
Note
Schlagworte
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