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Ursachen der Maji-Maji-Erhebung in Deutsch-Ostafrika

Hausarbeit 2010 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Maji-Maji-Kult
2.1 Der Prophet
2.2 Die Auswirkungen

3. Ursachen
3.1 Die systematische, wirtschaftliche Ausbeutung Deutsch-Ostafrikas
3.1.1 Die Hüttensteuer
3.1.2 Zwangsarbeit
3.2 Der zerstörende Eingriff in die einheimische Kultur

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Zeit der kolonialen Eroberung Tansanias durch Deutschland gehört zu der dunkelsten in der Geschichte des Landes. Der Maji-Maji-Krieg von 1905 bis 1907 in Deutsch-Ostafrika nimmt dabei eine ganz besondere Stellung ein. Die Maji-Maji-Erhebung bildet den Grundstein des tansanischen Nationalbewusstseins,[1] gleichzeitig aber auch ein tiefes Trauma.[2]

Vereint durch den Maji-Maji-Kult kämpften, an die Freiheit glaubende Krieger, gegen die koloniale Übermacht der Deutschen.[3] Mit den einfachsten Waffen stellten sie sich gegen, mit Gewehren bewaffneten, Söldner.[4] Obwohl in Deutschland fast vergessen und nie wirklich aufgearbeitet, ist die Maji-Maji-Erhebung in Tansania fester Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses.[5] Ob es daran liegt, dass die Afrikaner insgesamt 300.000 Opfer zu verbüßen hatten und die Deutschen nur 15 oder an der ignoranten Haltung der Politik, ist umstritten.[6] Die Auswirkungen des Krieges waren fatal. Die Taktik der verbrannten Erde brachte Hunger und Zerstörung mit sich.[7] Es starben mehr Menschen an den Folgen des Krieges als an den Kampfhandlungen selbst.[8] Die Frage nach den Ursachen, nach den Verantwortlichen drängt sich auf. War es die Unterdrückung der Koloniallisten oder der namensgebende Kult der die Ausartung verursachte. Da sich Deutschland bis heute öffentlich keinerlei Schuld eingesteht ist die zentrale Frage dieser Arbeit: ‚In wieweit ist der Maji-Maji-Kult eine (Mit)Ursache für den Maji-Maji-Krieg?‘

Die Rolle, die der Glaube der Menschen an das Maji-Maji einnimmt, ist je nach Literatur unterschiedlich dargestellt. Manche erwähnen sie nur mit wenigen Sätzen, andere verwenden ganze Kapitel, es ist daher wichtig eine genaue Position zu bestimmen.

Die folgende Ausarbeitung lehnt sich hauptsächlich an zwei Bücher an, das Buch von Karl-Martin Seeberg Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutsche Kolonialherrschaft: Historische Ursprünge nationaler Identität in Tansania und Felicitas Becker und Jigal Beez Buch Der Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika 1905-1907 . Beide Bücher beschäftigen sich ausführlich mit Krieg, Glauben, Ursachen und Folgen. Sie unterstreichen die Bedeutsamkeit des Kultes für die überregionale Ausbreitung der Erhebung, verweisen aber gleichzeitig auf Ursachen die dem Glauben vorrausgingen. Somit zeigt die Literatur Wege aber auch Schranken des Kultes. Auf Grundlage dieser Annahmen bildet sich die These: ‚Der Maji-Maji-Kult ist lediglich als „Katalysator“[9] für den Krieg zu betrachten.‘

Um diese Behauptung zu bestätigen muss zunächst der Begriff, die Möglichkeiten und Grenzen, sowie die Auswirkungen des Maji-Maji-Glaubens geklärt werden. Daran anschließend muss eine kritische Reflexion mit der kolonialen Machtausübung der Deutschen in Deutsch-Ostafrika erfolgen, um mögliche Ursachen für die Auflehnung der Einheimischen zu isolieren. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Suche nach den Ursachen und Hintergründen, Einzelheiten zum Krieg und Kriegsverlauf können daher nicht explizit beschrieben werden.

Die Gründe für den Krieg wurden relativ schnell ermittelt,[10] aber erst 1960 gelangen sie durch die Arbeit des Historikers Horst Bernhard an die Öffentlichkeit.[11] Solange behauptete die deutsche Regierung, dass die Ursache des Krieges im „Übermut der Eingeborenen“[12] läge oder im „Rassenhass, der in der Natur, dem Instinkt aller primitiven Völker liegt“[13]. Das zeigt, dass Zeit allein die Wahrheit nicht ans Licht kommen lässt. Geschichte muss aufgearbeitet werden und bedarf stets einer gegenwartskritischen Reflexion. Nur das garantiert uns ein gesellschaftliches Vorankommen.

Und dennoch stößt man selbst heute noch auf rassistische Thesen die, die Übername von Kolonien, zur eigenen Bereicherung, rechtfertigen und die koloniale Eroberungszeit verschönern. Um diesem entgegen zu wirken bedarf es einer klaren Argumentation, die auf geprüften Fakten basiert. Diese Arbeit soll das bewerkstelligen. Durch einen deutlich strukturierten Argumentationsgang soll sie die Ursachen des Krieges aufzeigen und überprüfen. Die Normvorstellung, dass alle Menschen gleich sind und das Recht auf Freiheit und Unversehrtheit haben , bildet dabei die Grundlage der anschließenden Bewertung.

2. Der Maji-Maji-Kult

Der Maji-Maji-Kult schaffte das, was lange Zeit zuvor unmöglich schien. Der Glaube an das Heilige Wasser vereinte viele der zersplitterten Völker Deutsch-Ostafrikas.[14] Die Matumbie, Ngindo, Pogoro, Kichi, Zarambo, Luguru, Vidunda, Mbunga, Ngoni und auch die Pangwa verbündeten sich, um gemeinsam gegen die koloniale Fremdherrschaft zu kämpfen.[15]

2.1 Der Prophet

Zurückzuführen ist der Kult auf Kinjikitile Ngwale, dieser gilt als Prophet der Maji-Maji-Bewegung.[16] Er gehörte dem Volk der Ikemba an, die berüchtigt waren für ihre magischen Kräfte.[17] Einige Jahre vor dem Ausbruch des Maji-Maji-Krieges zog er nach Ngarambe, dort waren die Matumbie ansässig, aber auch Angehörige der Pogoro, Ngindo und Ikemba siedelten in der Stadt bei den Matumbibergen.[18] Die zentrale Lage mag ein Vorteil bei der späteren Verbreitung des Maji-Maji-Glaubens gewesen sein.

Kinjikitile wird von den Zeitzeugen als großer, starker Mann beschrieben, der stets einen Kanzu, ein weißes Gewand, trug.[19] Aber nicht nur durch seine äußere Erscheinung beeindruckte er, er soll tapfer, weise und redegewandt gewesen sein.[20] Auch hellseherische und heilende Fähigkeiten wurden ihm nachgesagt.[21] Um die vielen Kinder ernähren zu können, die er von seinen Ehefrauen hatte, arbeitete er, wie die meisten Einheimischen, in der Landwirtschaft.[22]

Die Anfänge des Kultes lassen sich auf das Erweckungserlebnis Kinjikitiles im Jahre 1904 zurückverfolgen.[23] Eines Morgens ergriff ein Geist Besitz von Kinjinkitile, auf dem Bauch liegend wurde er von diesem in einen Teich gezogen, erinnerten sich die Einheimischen an die Erzählungen über den Vorfall.[24] Eine Nacht soll er in diesem Teich verbracht haben.[25] Am nächsten Morgen trat er unversehrt und mit trockener Kleidung vor seine Verwandten und begann seine Prophezeiung zu verbreiten.[26] Ab diesem Tage hieß es, er sei von Hongo besessen, ein Geist der im Auftrag des Gottes Bokero gekommen sei.[27]

Seine Botschaft appellierte an das Volk Afrikas.[28] Durch einen Zusammenschluss aller Stämme wäre es möglich die Fremdherrschaft der Deutschen vernichten zu können und die Freiheit wieder zu erlangen, so Kinjikitile.[29] Er prophezeite, dass die Ahnen, Mittler zwischen Menschen und Geistern, ihnen dabei zur Seite stehen würden.[30] In seiner Vision würden wilde Tiere Menschen nicht mehr angreifen, die Ernten würden reich ausfallen und keiner müsse mehr Hunger leiden.[31] Aber vor allem betonte er, dass sie alle ein Volk seien, sie gehörten zum Clan des Sultans Said und litten alle unter dem Joch deutscher Herrschaft.[32] Erst dieser politische Aspekt, den der Prophet hier erwähnte, ermöglichte ein überregionales Handeln gegen die Unterdrückung.[33]

[...]


[1] Seeberg, Karl-Martin: Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Historische Ursprünge nationaler Identität in Tansania, Berlin 1989. S. 106.

[2] Becker, Felicitas/ Beez, Jigal: Der Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika. 1905-1907, Berlin 2005. S. 181.

[3] Seeberg, Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutsche Kolonialherrschaft, S. 30.

[4] Speitkamp, Winfried: Deutsche Kolonialgeschichte. Stuttgart 2005. S.131f.

[5] Becker/Jigal, Der Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika, S. 181.

[6] Speitkamp, Deutsche Kolonialgeschichte, S. 133f.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Zitiert nach: Seeberg, Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutsche Kolonialherrschaft, S. 49.

[10] Gründer, Horst: Geschichte der deutschen Kolonien. 5. Aufl. Paderborn 2004. S.159.

[11] Seeberg, Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutsche Kolonialherrschaft, S. 50.

[12] Zitiert nach: Seeberg, Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutsche Kolonialherrschaft, S. 49.

[13] Zitiert nach: Seeberg, Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutsche Kolonialherrschaft, S. 49.

[14] Schubert, Michael: Der schwarze Fremde. Das Bild des Schwarzafrikaners in der parlamentarischen und publizistischen Kolonialdiskussion in Deutschland von den 1870er bis in die 1930er Jahre, Stuttgart 2003. S. 244.

[15] Ebd.

[16] Conrad, Sebastian: Deutsche Kolonialgeschichte, München 2008. S. 53.

[17] Becker/Jigal, Der Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika, S. 62.

[18] Ebd.

[19] Seeberg, Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutsche Kolonialherrschaft, S. 27.

[20] Ebd.

[21] Becker/Jigal, Der Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika, S. 62.

[22] Seeberg, Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutsche Kolonialherrschaft, S. 27.

[23] Speitkamp, Deutsche Kolonialgeschichte, S. 130.

[24] Becker/Jigal, Der Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika, S. 63.

[25] Ebd.

[26] Ebd.

[27] Seeberg, Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutsche Kolonialherrschaft, S. 28.

[28] Speitkamp, Deutsche Kolonialgeschichte, S. 130.

[29] Ebd.

[30] Seeberg, Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutschen Kolonialherrschaft, S. 30.

[31] Becker/Jigal, Der Maji-Maji-Krieg in Deutsch-Ostafrika, S. 63.

[32] Ebd.

[33] Seeberg, Der Maji-Maji-Krieg gegen die deutschen Kolonialherrschaft, S. 30.

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656209751
ISBN (Buch)
9783656212249
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195106
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Schlagworte
Deutsche Kolonien Deutsch-Ostafrika Maji-Maji Maji-Maji-Aufstand

Autor

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